Das Substantiv Proletariat (das) bezeichnet die „Klasse der besitzlosen Lohnarbeitenden“, die über keine eigenen Produktionsmittel verfügen und ihren Lebensunterhalt allein durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft bestreiten.
Geprägt wurde der Begriff vor allem durch Karl Marx und Friedrich Engels, die ihn ab den 1840er Jahren zum zentralen Konzept ihrer Gesellschaftstheorie machten. In ihrem „Kommunistischen Manifest“ von 1848 stellten sie das Proletariat der Bourgeoisie gegenüber: hier die besitzlose Arbeiterklasse, dort die besitzende Klasse, die über Fabriken, Maschinen und Kapital verfügt.
Der berühmte Aufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ wurde zum Leitspruch der internationalen Arbeiterbewegung.
Heute wird Proletariat nur noch selten im politischen Sinne verwendet. Geblieben ist allerdings die abwertende Kurzform Prolet (auch: Proll), die seit dem späten 19. Jahrhundert für einen Menschen ohne Umgangsformen oder Bildung steht.
Hintergrund
Die Herkunft des Wortes führt weit zurück in die römische Gesellschaftsordnung. Im antiken Rom bezeichnete proletarius einen Bürger der untersten Klasse, der so wenig besaß, dass er dem Staat weder Steuern zahlen noch regulären Militärdienst leisten konnte. Römische Soldaten mussten ihre Ausrüstung selbst bezahlen und die proletarii konnten sich diesen Beitrag nicht leisten. Sie wurden bis zur Heeresreform 107 v. Chr. nur in Krisenzeiten eingezogen.
Bei der Volkszählung, die alle fünf Jahre stattfand, wurde neben dem Namen eines Bürgers normalerweise sein Vermögen aufgelistet. Bei den proletarii stand stattdessen nur ihre Nachkommenschaft (proles, „Sprösslinge“). Ihr wesentlicher Beitrag zum Gemeinwesen waren demnach vermutlich ihre Kinder, die künftigen Soldaten und Bürger Roms.
Das lateinische proles geht auf *pro-oles zurück, was wörtlich „das, was hervorwächst“ bedeutet (verwandt mit alere, „ernähren, aufziehen“). Ins Deutsche gelangte Proletariat Anfang der 1840er Jahre über das französische prolétariat.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [pʁoletaˈʁi̯aːt]
Verwendungsbeispiele
Marx und Engels sahen im Proletariat die revolutionäre Kraft, die das kapitalistische System überwinden würde.
Während der Industrialisierung wuchs das Proletariat in den europäischen Großstädten rasant an, da immer mehr Menschen ihre bäuerliche Existenz aufgaben und in die Fabriken strömten.
Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ geht auf die Kämpfe des Proletariats im 19. Jahrhundert zurück.
In der DDR war „Diktatur des Proletariats“ ein offizieller Staatsbegriff. Im Westen galt dasselbe Wort als Warnung.
Ob das klassische Proletariat im marxistischen Sinne heute noch existiert, ist unter Soziologen umstritten.
