Der Ausdruck sans phrase bedeutet „ohne Umschweife“, „ohne viel Gerede“ oder „kurz und bündig“.
Wer etwas sans phrase tut oder sagt, kommt direkt auf den Punkt, ohne Ausflüchte, ohne Drumherum und ohne unnötige Erklärungen. Der Ausdruck wird im Deutschen als gehobene, etwas altmodische Wendung verwendet und steht oft am Ende eines Satzes: „Sie lehnte ab, sans phrase.“ oder „Er ist ein Modernist sans phrase.“
Hintergrund
Der Ausdruck ist untrennbar mit einem der dramatischsten Momente der Französischen Revolution verbunden. Im Januar 1793 stimmte der Nationalkonvent über das Todesurteil gegen König Ludwig XVI. ab. Die meisten Abgeordneten hielten dabei kurze Reden, um ihre Stimme zu begründen. Der Abbé Sieyès, einer der einflussreichsten politischen Denker der Revolution, soll lediglich gesagt haben: „La mort, sans phrase.“ Den Tod, ohne weitere Worte.
Ob er es tatsächlich so formuliert hat, ist allerdings umstritten. Sieyès selbst bestritt zeitlebens, „sans phrase“ gesagt zu haben. Er habe schlicht „La mort“ gestimmt. Vermutlich notierte der Protokollant den Zusatz „sans phrase“ als Vermerk, dass Sieyès seine Stimme ohne die sonst übliche Begründung abgegeben hatte. Im Laufe der Zeit verschmolz der Vermerk mit dem Zitat, und aus einer nüchternen Protokollnotiz wurde eines der berühmtesten Zitate der Revolution.
Sans phrase setzt sich zusammen aus dem französischen sans (ohne) und phrase (Satz, Redewendung). Im Deutschen gilt der Gebrauch heute als bildungssprachlich und veraltend bis veraltet.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [sɑ̃ˈfʁaːz], [zɑ̃ː ˈfʁaːzə]
Verwendungsbeispiele
Sie war eine Demokratin sans phrase, die sich für Meinungsfreiheit einsetzte, auch wenn die geäußerten Meinungen ihr nicht gefielen.
Er lehnte das Angebot ab, sans phrase, und verließ den Raum, bevor jemand etwas erwidern konnte.
Was hier vorliegt, ist Missmanagement sans phrase.
„Meine liebe Johanna“, schrieb Bismarck an seine Verlobte, „muss ich Dir nochmals sagen, dass ich Dich liebe, sans phrase, dass wir Freud und Leid miteinander teilen sollen.“
In einer Zeit der diplomatischen Floskeln war ihre Rede erfrischend direkt: Kritik sans phrase, ohne Rücksicht auf protokollarische Empfindlichkeiten.
