Erotomanie

Erotomanie ist die Bezeichnung für die Persönlichkeitstörung einer Person, deren Denken von der wahnhaften, obsessiven Liebe zu jemandem vereinnahmt ist.

Es handelt sich bei diesem Krankheitheitsmuster zumeist um eine Begleiterscheinung einer anderen psychischen Störung. Das kognitiv verzerrte Denkmuster des Erotomanen äußert sich dabei in einem obsessiven Verhalten gegenüber dem Begehrten in Form ausgeprägter, unwiderstehlicher Liebe und ist fast immer einseitig.

Die felsenfeste Überzeugung, die begehrte Person erwidere die Liebe, wird durch unablässige Fehldeutung ihres Verhaltens am Leben gehalten. So wird selbst offene Ablehnung noch als Koketterie interpretiert und Abgrenzungsversuche als Versuch gedeutet, der sexuellen oder emotionalen Anziehung des Erotomanen zu entfliehen.

Der von dem französischen Gefängnispsychiater und Fotografen Gaëtan Gatian de Clérambault eingeführte medizinische Begriff setzt sich aus den beiden altgriechischen Wörtern Eros (Liebe, Begehren) und Manie (Raserei, Wut, Wahnsinn) zusammen.

Neben Kränkung durch Zurückweisung, Rachsucht und Sadismus ist Erotomanie eines der sechs Hauptmotive, nach denen Stalker psychologisch klassifiziert werden.

So sehen wir ihn denn, wie Vargas Llosa ihn uns vor Augen stellt: einen mageren Mann mit traurigen Augen hinter riesigen Brillengläsern und einem Hang zu Alkohol und Erotomanie, ein schroffer Einzelgänger, der aus der Zisterne, in die er sich als Kind zum Lesen hinabließ, nie mehr herausgestiegen ist.
Gabriele Killert (2009), Wunderbares Halbdunkel, DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28.

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