kongenial

Das Adjektiv kongenial bedeutet „geistig ebenbürtig“ oder „dem Geist eines Werkes genau entsprechend“.

Das Wort beschreibt immer ein Verhältnis. Etwas ist kongenial zu etwas anderem: eine Übersetzung zum Original, eine Vertonung zum Gedicht, eine Verfilmung zur Vorlage. Gemeint ist, dass die zweite Leistung das Niveau und die Haltung der ersten erreicht, ohne sie bloß nachzuahmen.

Auch Menschen können einander kongenial sein. Von einem kongenialen Duo spricht man, wenn zwei Personen auf gleicher Höhe arbeiten und sich dabei ergänzen.

Das Wort ist bildungssprachlich und steht vor allem in Kritiken, Rezensionen und Würdigungen.

Abgrenzung

Die Vorsilbe kon- bedeutet „mit“ oder „zusammen“, nicht „sehr“. Kongenial ist deshalb keine Steigerung von genial. Wer eine Idee kongenial nennt, ohne zu sagen, wozu sie passt, verwendet das Wort falsch. Wörterbücher führen diesen Gebrauch ausdrücklich als Fehlverwendung.

Das englische congenial ist ein falscher Freund. Es bedeutet „angenehm“ oder „sympathisch“ und beschreibt Menschen, Räume oder Stimmungen. Von geistiger Ebenbürtigkeit ist dabei nicht die Rede.

Hintergrund

Kongenial sieht lateinisch aus, ist aber eine gelehrte Neubildung des 18. Jahrhunderts. Grundlage ist das deutsche Wort genial, davor die Vorsilbe kon- aus dem lateinischen cum (mit, zusammen).

Genial gehört zu Genie. Dieses kam Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Französischen ins Deutsche. Das französische génie (Begabung, Geist, Talent) geht zurück auf lateinisch genius (Schutzgeist, spätlateinisch auch: schöpferische Begabung, Talent). Daneben wirkte lateinisch ingenium (Charakter, Begabung, Geist, Witz) ein.

Aussprache

Hörbeispiel:  Lautsprechersymbol Aussprache anhören
Lautschrift (IPA): [kɔŋɡeˈni̯aːl]

Verwendungsbeispiele

Die Neuübersetzung gilt als kongenial: Sie trifft den Rhythmus des Originals, ohne ihn zu imitieren.

Der Komponist hat die Gedichte kongenial vertont, ohne ihnen etwas Fremdes hinzuzufügen.

Nach mehreren Fehlbesetzungen fand die Regisseurin endlich eine kongeniale Bühnenbildnerin.

Die beiden gelten als kongeniales Gespann: Sie entwirft die Konzepte, er setzt sie um.

Sein Vortrag war technisch makellos, dem Werk aber nicht kongenial.

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