• situiert

    Das Adjektiv situiert beschreibt die wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen sich eine Person befindet. Im deutschen Sprachgebrauch wird in der Regel ein weiteres Adjektiv benötigt, um die genaue Ausprägung zu definieren. So kann jemand etwa gut, besser, schlecht, schwach etc. situiert sein.

    Der Begriff leitet sich aus dem französischen situé (gelegen) ab, welches auf das lateinische situs (Lage) zurückgeht.

    Sie ist bei ihren schwach situierten Verwandten aufgewachsen.

    Unsere Zielgruppe sind überdurchschnittlich gut situierte Eltern mit einem vollen Terminkalender.

  • Veto

    Ein Veto (das) ist ein unilateraler Einspruch, der einen bestimmten Vorgang unmöglich macht oder wenigstens aufschiebt,  etwa das Inkrafttreten eines Gesetzes oder einer bestimmten Maßnahme. Der Begriff meint in der Regel speziell einen solchen Einspruch, für den ein formell (zum Beispiel per Gesetz) definierter Rahmen existiert. Der Einspruch einlegenden Partei oder Person wird also ein offizielles Vetorecht zugesprochen.

    In Deutschland kann der Bundesrat ein Veto gegen vom Bundestag verabschiedete Gesetze einlegen.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen veto (ich verbiete). Im römischen Reich existierte ein solcher Mechanismus, allerdings wurde damals der Ausdruck intercessio (Einspruch, Dazwischentreten) gebraucht.

    Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Vereinigte Königreich, die Volksrepublik China, die Russische Föderation und Frankreich besitzen innerhalb der Vereinten Nationen ein Vetorecht, das ihnen ermöglicht, jeden von der UNO gefassten Beschluss zu unterbinden.

    Der amerikanische Präsident Barack Obama hat Apple vor einem Einfuhrverbot für mehrere ältere Modelle von iPhone und iPad wegen Patentverletzungen gerettet. Sein Handelsbeauftragter Michael Froman blockierte mit seinem Veto in letzter Minute ein Urteil der amerikanischen Handelskommission ITC zu Gunsten des Apple-Erzrivalen Samsung.
    Obama kippt Einfuhrverbot für ältere iPhones und iPads, Frankfurter Allgemeine Zeitung 04.08.2013.

  • Fundament

    Ein Fundament (das) ist eine besonders stabile und meist massive Struktur, auf der etwas fragileres errichtet werden kann. Während der Begriff ursprünglich nur im Bauwesen für das tatsächliche Fundament von Gebäuden und anderen Bauwerken verwendet wurde, kann er inzwischen auch in übertragenem Sinne gebraucht werden.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen fundus (Grund, Boden).

    Das Fundament des Taipei 101, inzwischen nur noch das zweithöchste Gebäude der Welt, besteht aus 9000 Tonnen Stahl und über 30 000 Tonnen Beton.

    Eine gute Ausbildung ist ein möglicher Weg, das Fundament für eine erfolgreiche Karriere zu legen.

    Der neue Nord-Südkonflikt in Europa, der mehr ist als ein ökonomischer zwischen Reicher und Ärmer, gerät längst zum Clash der Kulturen – innerhalb eines Europas, das sich seiner Gründung auf dem Fundament einer gemeinsamen politischen Kultur immer weniger erinnert.
    Peter von Becker (2013), Diagnose: leidenschaftslos, Zeit online.

  • unartikuliert

    Das Adjektiv unartikuliert bedeutet „nicht in klare Worte gefasst“. Es beschreibt undeutlich oder auch ganz Worte ausgedrückte Gefühle, Pläne etc. Wird eine Person als unartikuliert bezeichnet, hat der Begriff eine abwertende Konnotation und beschreibt jemanden als simpel und in Folge dessen unfähig, sich in klaren Worten auszudrücken.

    Das Deutsche „artikulieren“ hat seinen Ursprung im lateinischen articulare (deutlich aussprechen). Adjektiviert und mit dem verneinenden deutschen Präfix un- versehen ergibt sich der hier beschriebene Ausdruck.

    Mit unartikuliertem Gebrüll stürzte er sich auf den Gegner, der schon nach dem ersten Schlag wie ein gefällter Baum zu Boden krachte.

    Ihre unartikulierte Trauer scheint sie von innen heraus zu verzehren.

  • Myriade

    Eine Myriade (die) ist eine sehr große Anzahl von etwas, also eine derart große Menge, dass sie nicht ohne Weiteres genau abgezählt werden kann. Besonders häufig wird der Plural Myriaden verwendet.

    Während der Begriff im Gegensatz zu etwa Millionen oder Milliarden heute eine unbestimmte Menge beschreibt, war mit dem altgriechischen myrias ein Vielfaches von zehntausend gemeint. 5 myrias waren demnach 50 000.

    In meiner Wohnung befinden sich Myriaden von Ameisen. Sobald ich etwas zu Essen auf den Tisch stelle oder auch nur ein paar Krümel auf den Boden fallen lassen, stürzt sich eine halbe Armee meiner ungebetenen Mitbewohner darauf.

    Ich habe mich beim Schreiben meiner Doktorarbeit durch eine Myriade Fachaufsätze gekämpft.

  • observieren

    Das Verb observieren bedeutet „beobachten“ oder „beschatten“. Es beschreibt das Überwachen von Personen, Einrichtungen oder Gebäuden über einen längeren Zeitraum, im Speziellen dann, wenn es von der Polizei durchgeführt wird.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen observare (auf etwas Acht geben, etwas aufmerksam beobachten).

    Der Tatverdacht konnte erst bestätigt werden, nachdem die Polizei ihn wochenlang observiert hatte.

    Spätestens seit dem Terrorangriff vom 11. September 2001 haben die Regierungen begonnen, die Kommunikation der Bürger übers Internet flächendeckend zu observieren, wie vorher schon die Telekommunikation.
    Ludwig Greven (2013), Danke, NSA!, Zeit online.

  • extrahieren

    Das Verb extrahieren bedeutet „herausziehen“ bzw. „entpacken“. Es beschreibt das Absondern eines bestimmten Teils eines Ganzen oder einer Mischung, also etwa das Herausziehen einer einzelnen Substanz aus einer Pflanze oder das Isolieren eines Elements aus einer chemischen Verbindung oder auch einem Gasgemisch.

    Speziell im EDV-Jargon meint extrahieren das Zerlegen eines komprimierten Archivs (etwa der Formate .zip oder .rar) in einzelne Dateien, bzw. das Entnehmen eines Datensatzes aus einer Datenbank.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende lateinische extrahere.

    Aus den seltenen südamerikanischen Pflanzen wird die Grundzutat für das begehrte Medikament extrahiert.

    Er extrahiert kurze Samples aus den alten Blues- und Rockplatten, um sie dann neu zu arrangieren.

    Eine neue Generation von Amaronisti verfolgt einen anderen Weg: Sie entscheiden sich zu Beginn der Vinifikation für eine Standzeit der Beeren im eigenen Saft, um die Aromen vorsichtig zu extrahieren. Danach erst kommt die alkoholische Gärung, und zwar ohne zu starke physikalische Bewegung der Maische.
    Lange & Lange (2013), Ein Wein, der wärmt, Zeit online.

    Ihm schweben Roboter vor, die ihre Umwelt beharrlich erforschen, um unentwegt Informationen daraus zu extrahieren – wie ein Kind, das ständig Fragen stellt. Aus passiv lernenden sollen neugierige, kreative Maschinen werden.
    Boris Hänßler (2013), Vertrau mir!, brand eins.

    Aus dem Speicher eines Smartphones lassen sich in der Regel persönliche Daten von erschreckendem Umfang extrahieren.

  • provisorisch

    Das Adjektiv provisorisch bedeutet „behelfsmäßig“ und beschreibt  Maßnahmen, die nur als erste – oft aus der Not heraus geborene – Lösung eines akuten Problems dienen. Eine solche Lösung ist also zeitlich begrenzt und dient lediglich als Notbehelf, bis ein dauerhaftes Arrangement gefunden werden kann.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen providere (vorhersehen, vorsorgen).

    Noch am Tag der Revolution zog die provisorische Regierung in den Palast ein und unternahm erste Schritte zur Stabilisierung des Landes.

    In der provisorisch eingerichteten Wohnung fühlte ich mich noch nicht wirklich zu Hause.

  • paradox

    Das Adjektiv paradox bedeutet „widersprüchlich“ oder „äußerst merkwürdig“. Es beschreibt also Dinge und Sachverhalte, auf die man sich keinen Reim machen kann, da sie entweder zu widersinnig oder zu abwegig sind.

    Der Ausdruck geht zurück auf das griechische paradoxon (der allgemeinen Meinung widersprechend).

    Einerseits veranlasste sie die Nachricht zu Freudensprüngen, andererseits wurde sie von einer tiefen Traurigkeit erfasst. Ein wahrhaft paradoxes Gefühl.

    Es ist paradox: In einer Welt, in der wir immer erreichbar sind und prinzipiell mit jedem Kontakt aufnehmen könnten (wenn wir nur wollten), kennen viele ihre eigenen Nachbarn nicht mehr.

    Es ist sicher paradox, die römischen Verträge genau in dem Moment zu feiern, in dem die deutsche Präsidentschaft ansetzt und die Europäische Union an einer grundlegenden Unsicherheit und Orientierungslosigkeit leidet. In noch höherem Maße paradox ist die Tatsache, dass ein historisches Ereignis wie die europäische Einheit so häufig als Problem wahrgenommen wird.
    Rolf Gustavsson (2009), Psychologischer Waffenstillstand, ZEIT online.

    Das Öl-Paradox – Immer wieder sagen Forscher das Ende des Erdölzeitalters voraus. Doch die weltweite Fördermenge steigt seit Jahren an. Wie kann das sein?
    Thomas Schmelzer (2012), Das Öl-Paradox, brand eins.

  • delegieren

    Das Verb delegieren bedeutet „etwas anordnen“ bzw. eine Aufgabe, Zuständigkeit oder Kompetenz an eine andere Person, Abteilung oder Organisation zu übertragen.

    Der Begriff entstammt dem gleichbedeutenden lateinischen delegare.

    Kompetenzen zu delegieren war keine ihrer Stärken, lieber erledigte sie alles selbst.

    Immer häufiger nutzen kleine Unternehmen und Selbstständige virtuelle Assistenten, an die sie Aufgaben delegieren können, ohne jemanden fest anstellen zu müssen.