• Disput

    Ein Disput ist ein Streitgespräch respektive eine Diskussion, meist in Form einer besonders wortreichen Auseinandersetzung zweier oder mehrere Parteien. Dabei kann sich ein Disput durchaus über einen längeren Zeitraum erstrecken und somit eine langanhaltende, bisher ergebnislose und immer wieder aufkeimende Diskussion beschreiben. Meist ist jedoch ein auf eine Situation begrenzter Streit gemeint.

    Der deutsche Begriff hat seinen Ursprung im französischen dispute (lebhaftes Wortgefecht) und geht zurück auf das lateinische disputatio (wissenschaftliche Untersuchung, Erörterung).

    Der Disput führte zu keiner Einigung, vielmehr scheinen die Positionen der beiden Parteichefs noch weiter auseinander gerückt zu sein.

    Der Disput zwischen den Bandmitgliedern endete in einem Handgemenge, das schließlich von Ordnungskräften aufgelöst werden musste.

  • frappierend

    Das Adjektiv frappierend (oder inzwischen seltener: frappant) bedeutet „verblüffend“, „überraschend“ und beschreibt Dinge und Sachverhalte als unerwartet, oft so offensichtlich, dass sie dem Betrachter respektive Beobachter geradezu ins Auge springen.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen Verb frapper (jmd. schlagen, in Erstaunen versetzen).

    Er sieht seinem Vater frappierend ähnlich.

    Der Unterschied zu ihrer Vorgängerin könnte frappierender nicht sein.

    Was seine Beichte so frappierend macht, ist vor allem der krasse Gegensatz zu all seinen früheren Beteuerungen.

  • filigran

    Das Adjektiv filigran bedeutet heute meist allgemein „fein“, „feingliedrig“ und beschreibt die Form bzw. Beschaffenheit von Objekten oder Bauwerken, seltener auch den Körperbau von Menschen.

    Der Begriff ergibt sich aus dem gleichlautenden Substantiv Filigran bzw. Filigranarbeit. Eine Filigranarbeit (aus dem italienischen filigrana abgeleitet, zu lat. filum = Faden; granum = Korn) ist eine kunstvolle Dekorationsarbeit, bestehend aus einem feinen Geflecht von Metalldrähten.

    Sie bewahrte das filigrane Schmuckstück überwiegend in der sicheren Glasvitrine auf, um es nicht versehentlich zu verbiegen.

    Der Wolkenkratzer wirkt – trotz angeblicher Erdbeben- und Taifunsicherheit – überraschend filigran.

  • exhumieren

    Das Verb exhumieren bedeutet „ausgraben“, „enterdigen“ und bezieht sich auf das Ausgraben einer bereits bestatteten Leiche, speziell wenn dies auf offizielle Anordnung geschieht. Grund für die Exhumierung kann etwa die Suche nach Hinweisen sein, sollten im Nachhinein Zweifel an einer natürlichen Todesursache aufkommen.

    Im übertragenen Sinne spricht man auch davon, bereits sprichwörtlich begrabene Pläne, Vorhaben, Projekte etc. zu exhumieren.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen exhumare (ausgraben), welches sich aus der Vorsilbe ex– (aus, heraus) und humare (begraben) zusammensetzt.

    Im Zuge des Friedhofsverlegung wurden einige Dutzend Leichname exhumiert und erneut begraben.

    Mit ihrer aktuellen Single exhumieren sie das bereits totgeglaubte Genre und verschaffen ihm neuen Schwung.

  • orthodox

    Das Adjektiv orthodox bedeutet „strenggläubig“ bzw. genauer übersetzt „rechtgläubig“. Es bezeichnet die enge Orientierung oder das Festhalten an der ursprünglichen Auslegung einer Lehre, einer Religion oder einer Ideologie, selbst im Angesicht sich ändernder äußerer Umstände.

    Der Begriff findet seinen Ursprung in der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke orthos (richtig) und doxa (Glauben).

    Die orthodoxe Kirche wird häufig als fortschrittsfeindlich kritisiert.

    Mit seiner orthodoxen Linie machte er sich im Konzern viele Feinde.

  • obskur

    Das Adjektiv obskur bedeutet „unklar“, „zweifelhaft“, „unverständlich“ und beschreibt Dinge, Organisationen, Personen etc. als von zweifelhafter, nicht näher bekannter Herkunft, als undurchschaubar und verdächtig.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische obscurus (dunkel, unbekannt, unklar, unverständlich).

    Die obskure Sekte machte in letzter Zeit mit Selbstmordwellen unter ihren Mitgliedern Schlagzeilen.

    Ob seines obskuren Verhaltens bin ich mir nicht sicher, ob ich es mit einem Genie oder einem Wahnsinnigen zu tun habe.

    Der Verdächtige verschwand schließlich in einer obskuren Kneipe, die er erst in den frühen Morgenstunden wieder verließ.

  • transkribieren

    Das Verb transkribieren bedeutet „umschreiben“ bzw. „übertragen“. Gemeint ist meist das Übertragen von Worten in ein anderes Schriftsystem mit dem Ziel, den Klang der Ausgangssprache weitestgehend beizubehalten. Besonders häufig wird diese Technik verwendet, um Namen von Personen oder Orten in andere Sprachen zu übertragen.

    Weiterhin kann das Übertragen von Worten in eine phonetische Lautschrift, das Umschreiben eines Musikstücks für ein anderes Instrument oder das Niederschreiben gesprochener Sprache (etwa eines Interviews) gemeint sein.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im gleichbedeutenden lateinischen transcribere, welches sich aus der Vorsilbe trans– (über, hinaus) und dem Verb scribere (schreiben).

    Um chinesische Namen in lateinische Schrift zu transkribieren wird meist die Lautschrift Pinyin verwendet. Darüberhinaus geben sich viele Chinesen allerdings auch einen selbstgewählten – und mitunter amüsanten – englischen Namen.

    Alfred Kantorowicz, vor seiner Emigration in die USA (als eine Art Nachfolger Tucholskys) Paris-Korrespondent der Vossischen Zeitung, durfte in einem luftleeren Abhörraum des New Yorker Senders CBS täglich 10 Stunden die Hetztiraden jener Nazigrößen abhören (und transkribieren), vor denen er mit knapper Not sein Leben gerettet hatte.
    Fritz J. Raddatz (2007), Mein Versagen als Bürger der DDR, DIE ZEIT Nr.34 vom 16.08.2007, S.13.

  • maliziös

    Das Adjektiv maliziös bedeutet „boshaft“ oder „hämisch“ beschreibt Taten, Auftreten und Formen des Ausdrucks von Personen, seltener auch eine Person direkt.

    Der Begriff leitet sich aus dem französischen malicieux ab und geht zurück auf das lateinische malignus, jeweils mit der gleichen Bedeutung.

    Als er auf ihre mit rotgeweinten Augen vorgebrachte Frage antwortete, spielte ein maliziöses Lächeln um seine Lippen.

    Ihr maliziöser Plan scheiterte glücklicherweise an einer kleinen Unbedachtheit.

    Er wurde für seine hervorragende Darstellung des durch und durch maliziösen Antagonisten von den Kritikern gefeiert.

  • kryptisch

    Das Adjektiv kryptisch bedeutet „schwer zu deuten“, „schwer zu verstehen“ und beschreibt eine Darstellung oder eine Form des Ausdrucks als unverständlich oder unklar. Kryptisch können alle Formen des sprachlichen Ausdrucks sein, etwa Reden, Berichte, Briefe, Sätze und auch einzelne Begriffe.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im griechischen kryptikós (Verborgen).

    Den Studenten fiel es schwer, seinem kryptischen Vortragsstil zu folgen. Ohne die gute Arbeit der Tutoren, wäre die Durchfallquote sicher deutlich höher gewesen.

    Kryptische Wortschöpfungen und zahlreiche Anglizismen machen es Außenstehenden schwer, eine Online-Marketing-Konferenz ohne Kopfschmerzen zu überstehen.

    Das Militär bedient sich allerlei kryptischer Kürzel.

  • oktroyieren

    Das Verb oktroyieren bedeutet „auferzwingen“, d.h. einer Person, einer Gruppe, einem Volk oder auch einem Stadtteil, einem Unternehmen etc. wird etwas von außen auferlegt. Dabei kann es sich um Zielvorgaben, Veränderungen, Regeln und Ähnliches handeln.

    Übernommen wurde es aus dem französischen octroyer (verleihen, bewilligen) und wurde im Deutschen bis ins 19. Jahrhundert mit der gleichen Bedeutung verwendet.

    Unter den Bewohnern des Stadtteils regt sich Widerstand gegen den oktroyierten Entwicklungsplan des neuen Bürgermeisters. Gentrifizierung und steigende Mieten werden befürchtet.

    Vielleicht sehen viele Menschen in Deutschland nicht – oder sie wollen es nicht sehen –, dass der oktroyierte Sparkurs die Krise nur verstärkt und die Ungerechtigkeit weiter anwachsen lässt, denn nun sollen genau die Menschen die Zeche zahlen, die die geringste Schuld an dem Desaster haben
    Antonio Muñoz Molina (2012), Wie wir euch sehen, DIE ZEIT, 16.8.2012 Nr. 34.