• implizit

    Das Adjektiv implizit leitet sich aus dem lateinischen Wort implicitum ab, welches das zweite Partizip von implicare (umfassen) ist. Im deutschen Sprachgebrauch hat implizit zweierlei Bedeutungen, zum einen kann es für „mit enthalten“ verwendet werden oder auch für „mit gemeint“, wobei hier der direkte Verweis nicht unbedingt zur Sprache kommt. Zum anderen beschreibt implizit Sachverhalte, die nicht aus sich selbst zu verstehen sind, sondern zunächst logisch erschlossen werden müssen.

    Unter der genannten Bedeutung kann implizit als Synonym unter anderem für die folgenden Begriffe verwendet werden: einbeziehen, gleichzeitig bedeuten, in sich bergen, mit einschließen oder mit zum Inhalt.

    Außergewöhnlich erfolgreiche Wahlen für Spass-Parteien oder Randparteien können oft als implizite Botschaften der Wähler verstanden werden, die einfach deutlich machen wollen, dass die aktuelle Politik alles andere als Ihren Interessen entspricht.

    Die implizite Botschaft: Der Krieg gegen Drogen ist ein Klassenkrieg. Hast du es in die Vororte und das für die Service-Industrie wertvolle Amerika geschafft, dann wirst du gebraucht, und niemand wird dir wegen des Konsums oder Verkaufs von Koks so bald die Tür eintreten. Du gehörst zur richtigen Klasse.
    – Jonathan Fischer (2012), So schafft man Sozialpathen, brand eins 04/2012.

  • reziprok

    Das Adjektiv reziprok ist vom lateinischen reciprocus (auf demselben Weg zurückkehrend) abgeleitet und bedeutet „wechselseitig“ oder „gegenseitig“.

    In der heutigen Verwendung können als reziprok wechselseitige, gegenseitige oder aufeinander bezügliche Sequenzen oder Abläufe beschrieben werden. Auch Sachverhalte oder Verhältnisse können reziprok sein.

    In der Mathematik ist der reziproke Wert genau der Kehrwert einer Zahl.

    Die Beziehung der zwei Professoren war – ungewöhnlich für die Fakultät – von reziproker Hochachtung geprägt.

    Das nennt man den ‚reziproken Altruismus‘, wenn wechselseitig altruistisches Verhalten einen positiven Gesamteffekt hat.

    Im Prinzip funktioniert Vertrauensbildung unter Menschen ganz ähnlich: Wir sammeln bewusst oder unbewusst Erfahrungen über die andere Seite, bis wir in einer bestimmten Situation die Entscheidung treffen, eine riskante Vorleistung zu erbringen. Wird diese Vorleistung nicht missbraucht, setzt sich eine Spirale, ein reziproker Prozess in Gang. Das Ergebnis kann blindes Vertrauen sein.
    – Christiane Sommer (2008), Was uns antörnt, brand eins 12/2008.

  • dezidiert

    Das Adjektiv dezidiert entstammt dem lateinischen Verb decidere, welches als „eigentlich“ bzw. „abschneiden“ zu übersetzen ist. Als dezidiert kann man Sachverhalte, Meinungen oder Prozesse bezeichnen, die bestimmt, entschieden oder energisch sind. Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

    Weitere Synonyme für dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverständlich.

    Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von Missverständnissen und Unklarheiten – ein für allemal beendet werden konnte.

    Er besaß für eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natürliche Klugheit, Wohlwollen, Erzähler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
    – Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

    Stefan Schaltegger, der Professor für Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verändert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung dezidiert für das Thema verantwortlich ist.“ Und wenn er für Verbindlichkeit sorgt.
    Thomas Ramge (2010), Die Wohlfühl-Utopie, brand eins 05/2010 

  • Traktat

    Der Begriff „Traktat“ ist auf das lateinische Wort  tractatus zurückzuführen, was als „Abhandlung“ oder „Erörterung“ zu übersetzen ist. Im deutschen Sprachgebrauch ist ein Traktat ebenfalls eine Abhandlung, jedoch kann damit auch explizit eine Flugschrift mit Schmäh- oder Streitinhalten gemeint sein. Veraltet ist die Bezeichnung von Staatsverträgen als Traktat. Synonyme für Traktat sind unter anderem „Artikel“, „Aufsatz“, „Schrift“, „Text“ oder „Essay“.

    Cyril Northcote Parkinson war ein fleißiger Mann. Im Laufe seines Lebens schrieb er 60 Bücher: Abenteuerromane ebenso wie historische Werke, Traktate über Politik ebenso wie Abhandlungen über Betriebsorganisationen. Bis auf eines gerieten sie schnell in Vergessenheit. Das erschien 1957, heißt Parkinsons Gesetz und gilt als Wirtschaftsklassiker.
    – Gerhard Pretting (2005), Was ist eigentlich -PARKINSONS GESETZ?, brand eins 04/2005.

    Der lateinische Text des Traktats von der Liebe des Andreas Capellanus ist in zwölf Handschriften erhalten in den Bibliotheken von Rom Wolfenbüttel, Paris, Montpellier, Florenz, München, Brügge, Leipzig und Wien; die älteste ist die im Vatikan (Nr. 1463).
    – von Stendhal – Henry Beyle (1907), Über die Liebe.

  • immanent

    Das Adjektiv immanent leitet sich vom lateinischen immanens bzw. immanere (bei etwas bleiben, anhaften) ab. Unter der heutigen Verwendung von immanent versteht man eine ähnliche Bedeutung, nämlich „innewohnend“ oder „in etwas enthalten“. Im Kontext der Philosophie bedeutet immanent, in den Grenzen möglicher Erfahrungen inne zu halten oder bei einem Standpunkt zu bleiben. Im heutigen Sprachgebrauch kann immanent für folgende Synonyme verwendet werden: eingeschlossen, enthalten, inbegriffen, implizit oder inhärent.

    Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind zu erlernende Fähigkeiten, die einem Studium schon immer immanent waren.

    Die Interpretation sollte rein textimmanent sein, hierbei fokussiert man zunächst nur den Inhalt und die sprachliche Gestaltung des Textes.

    Um ihre Zukunft und die ihrer Studenten macht sich das Paar keine Sorgen. „Aus Sicht eines Politikers ist Förderung ein politisches Steuerungsinstrument“, sagt er. „Auf dieses Instrument werden Politiker nie verzichten wollen. Es ist systemimmanent.“
    – Thomas Ramge (2011), Europa aktiv nutzen, brand eins 04/2011.

  • suggerieren

    Das Verb suggerieren entstammt dem lateinischen suggerere, was übersetzt „von unten heran tragen“ bedeutet. Heute wird damit eine unterbewusste Beeinflussung eines Menschen beschrieben, zum Beispiel wenn auf jemanden eingeredet wird, um seine Meinung bzw. sein Verhalten zu beeinflussen.

    Auch kann jemandem ein Eindruck oder ein Sachverhalt suggeriert werden, der nicht den Tatsachen entspricht. Hiermit ist das (meist mit böser Absicht) Manipulieren und Verdrehen von Tatsachen gemeint. Weitere Synonyme für suggerieren sind aufschwatzen, einreden, glauben machen, manipulieren oder indoktrinieren.

    Durch das immer breiter werdende Spektrum der Medienpräsenz können zum einen dem Volk sehr einfach falsche Sachverhalte suggeriert werden, andererseits fliegen Intrigen dieser Art durch eine breitere Berichterstattung auch viel schneller auf.

    Sie suggerierte ihm, dass es völlig normal sei, dass Sie auch mal im Büro nächtigen würde, um ihren Seitensprung zu vertuschen.

    „Wir bauen nur so viele Batterien, wie wir bei unseren Kunden auch loswerden, nicht fantastische Stückzahlen, die uns ein ehrgeiziger Geschäftsplan suggeriert„, fügt Forcier hinzu. Zu den ersten Kunden gehören General Motors, BMW , Daimler und die E-Auto-Marke Fisker aus Kalifornien.
    Steffan Heuer (2012), Geladene Gäste, brand eins 02/2012. 

  • legitim

    Das Adjektiv legitim stammt vom gleichbedeutenden lateinischen legitimus ab. Beide Begriffe beschreiben rechtmäßige bzw. im Rahmen der Gesetze erlaubte und berechtigte Sachverhalte. Eine ältere Verwendung ist die Beschreibung von ehelichen Kindern als legitim. Im heutigen Sprachgebrauch kann es jedoch auch für folgende Synonyme verwendet werden:  allgemein anerkannt, vertretbar, vernünftig/ berechtigt und moralisch einwandfrei.

    Sich der Verantwortung für mediale Inhalte auf Websiten mit Videostreams zu entziehen ist aufgrund der exponentiellen Expansion an Inhalt und dem immer größeren Verlust der Übersichtlichkeit im Internet absolut legitim.

    Auch dort wird versucht, das Reale mit dem Unmöglichen zu beschreiben. Im Prinzip ist das derselbe Vorgang, nur kann man die Ableitungen aus Annahmen des mathematischen Modells, das ja nichts anderes ist als ein fiktiver Idealzustand, nicht im Experiment mit der Wirklichkeit verbinden, so, wie es die Naturwissenschaften können. Schon aus diesem Grund ist es legitim zu bezweifeln, dass man in der Volkswirtschaft überhaupt Mathematik einsetzen darf.
    Oliver Link (2011), Die Welt lässt sich nicht berechnen, brand eins 11/2011. 

  • lapidar

    Das Adjektiv lapidar entstammt dem lateinischen Wort lapis, was soviel wie Stein bedeutet. Es beschreibt in einer etwas veralteten Form eine kurze und mit wenigen Worten auskommende, aber sehr treffende Ausdrucksweise. Weitere Synonyme sind bündig, gedrängt, genau, knapp, lakonisch  oder prägnant.

    Der Bezug zur lateinischen Bedeutung ist auf die notwendigerweise kurze und knappe Formulierung von Texten, die in Stein gemeißelt werden sollten, zurückzuführen. In der heutigen Verwendung wird damit eine knappe und treffende Wortwahl oder eine überraschend knappe Feststellung beschrieben.

     Ein lapidarer Redestile hilft bei der nachhaltigen Vermittlung von Informationen, die durch ihre Kürze viel einfacher aufgenommen und gespeichert werden können.

    Er formulierte seinen Vortrag sehr lapidar, was nicht jeder Zuhörer begrüßte, da man erwartete, dass der Vortrag eine Stunde dauern würde und nicht nur 15 Minuten.

    „Die wissenschaftlichen Belege und die meisten Ratschläge sind dünn bis wertlos“, teilt das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München nach einer kritischen Prüfung des vermeintlichen Wissens über gesundes Essen lapidar mit.
    – Jens Bergmann (2008), Die Wissenschaft hat festgestellt, brand eins 03/2008.

  • pragmatisch

    Das Adjektiv pragmatisch bedeutet „sachbezogen“, d.h. „im Sinne einer Sache oder eines Ziels praktisch und lösungsorientiert (handeln)“. Der Begriff hat seinen Ursprung im griechischen pragmatikós (tüchtig).

    Als pragmatisches Handeln wird bezeichnet, wenn jemand das tut, was nötig ist und was erwiesenermaßen tatsächlich funktioniert. Dabei treten Dinge wie Theorie oder Ideologie zuweilen in den Hintergrund. Eine derart handelnde Person nennt man einen Pragmatiker.

    Das Handeln der chinesischen Regierung ist in vielen Fragen sehr pragmatisch. Ein gutes Beispiel ist die Ausgestaltung des chinesischen Wirtschaftssystems, in das – aller Ideologie zum Trotz – seit dem Ende der siebziger Jahre nach und nach immer mehr Marktelemente eingeführt werden.

    Während es für Handwerker im Sinne der Qualitätssicherung zahlreiche Vorschriften gibt, wählt man als Heimwerker ohne professionelle Hilfe oft eine eher pragmatische Lösung.

    Beide sind weltanschaulich weit voneinander entfernt, aber gleichzeitig kühl kalkulierende Machttechniker, die pragmatische Absprachen treffen und Andersdenkenden mit professionellem Respekt begegnen.
    Elisabeth Niejahr (2009), Fix und Foxi, DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12.

  • marginal

    Das Adjektiv marginal entstammt dem lateinischen Begriff margo (Rand). Im heutigen Sprachgebrauch sind marginale Dinge oder Sachverhalte solche, die am Rande liegen oder von nur geringfügiger bzw. von nicht unmittelbarer Bedeutung sind. Im Kontext der Psychologie oder Soziologie sind marginale Sachverhalte in einer Grenzstellung befindlich bzw. nicht eindeutig einem bestimmten Bereich zuzuordnen.

    Die häufigste Verwendung ist wohl die, wenn über marginale Mengen gesprochen wird. Damit werden dann meist Abweichungen oder Toleranzen bzw. Grauzonen,  die kaum Einfluss auf den Gesamteindruck oder das Ergebnis haben, beschrieben.

    Die Abweichungen der Volkszählungen im Vergleich zu den gemeldeten Personen in der Stadt waren so marginal, dass diese vermutlich aus Eingabefehlern seitens des Meldeamtes resultierten.

    „Wenn man dann ein bisschen länger nachdenkt, kommt man auf interessante Dinge“, sagt der Tüftler, „und meine Gedanken kreisen halt immer um Plattenspieler.“ Dass die analoge Technik nahezu ausgereizt ist, ist ihm bewusst. „Ich bin am Ende der Fahnenstange angelangt. Wenn es jetzt noch besser werden soll, sind die Unterschiede marginal. Und jeder noch so kleine Schritt wird ganz teuer.“
    – Andreas Molitor (2011), Freddy soll nicht schwanken, brand eins 12/2011.

    Welch riesiges Glück kommt auf uns zu angesichts unserer Demografie. Zusätzlich gibt es vermutlich Bonuszahlungen von etwa 20.000 Dollar für Single-Senioren und 100.000 für Kinderlosigkeit. Wenn wir noch den Faktor Vergesslichkeit mit etwa 20.000 Glücksdollar beziffern, kommen wir auf eine großartige Summe. Rund 200.000 Dollar jährlich verdienen unsere Alterskrösusse an der Fun-Börse. Soll da noch ein marginaler Betrag wegfallen wegen körperlicher Gebrechen, es bleibt ein Menge über. Und da soll noch einer sagen, die Wissenschaft sei eine trockene Angelegenheit.
    Alfred Dorfer (2012), Glücklich ist wer vergisst, Zeit Online 25.04.2012. 

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