• legitim

    Das Adjektiv legitim stammt vom gleichbedeutenden lateinischen legitimus ab. Beide Begriffe beschreiben rechtmäßige bzw. im Rahmen der Gesetze erlaubte und berechtigte Sachverhalte. Eine ältere Verwendung ist die Beschreibung von ehelichen Kindern als legitim. Im heutigen Sprachgebrauch kann es jedoch auch für folgende Synonyme verwendet werden:  allgemein anerkannt, vertretbar, vernünftig/ berechtigt und moralisch einwandfrei.

    Sich der Verantwortung für mediale Inhalte auf Websiten mit Videostreams zu entziehen ist aufgrund der exponentiellen Expansion an Inhalt und dem immer größeren Verlust der Übersichtlichkeit im Internet absolut legitim.

    Auch dort wird versucht, das Reale mit dem Unmöglichen zu beschreiben. Im Prinzip ist das derselbe Vorgang, nur kann man die Ableitungen aus Annahmen des mathematischen Modells, das ja nichts anderes ist als ein fiktiver Idealzustand, nicht im Experiment mit der Wirklichkeit verbinden, so, wie es die Naturwissenschaften können. Schon aus diesem Grund ist es legitim zu bezweifeln, dass man in der Volkswirtschaft überhaupt Mathematik einsetzen darf.
    Oliver Link (2011), Die Welt lässt sich nicht berechnen, brand eins 11/2011. 

  • lapidar

    Das Adjektiv lapidar entstammt dem lateinischen Wort lapis, was soviel wie Stein bedeutet. Es beschreibt in einer etwas veralteten Form eine kurze und mit wenigen Worten auskommende, aber sehr treffende Ausdrucksweise. Weitere Synonyme sind bündig, gedrängt, genau, knapp, lakonisch  oder prägnant.

    Der Bezug zur lateinischen Bedeutung ist auf die notwendigerweise kurze und knappe Formulierung von Texten, die in Stein gemeißelt werden sollten, zurückzuführen. In der heutigen Verwendung wird damit eine knappe und treffende Wortwahl oder eine überraschend knappe Feststellung beschrieben.

     Ein lapidarer Redestile hilft bei der nachhaltigen Vermittlung von Informationen, die durch ihre Kürze viel einfacher aufgenommen und gespeichert werden können.

    Er formulierte seinen Vortrag sehr lapidar, was nicht jeder Zuhörer begrüßte, da man erwartete, dass der Vortrag eine Stunde dauern würde und nicht nur 15 Minuten.

    „Die wissenschaftlichen Belege und die meisten Ratschläge sind dünn bis wertlos“, teilt das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München nach einer kritischen Prüfung des vermeintlichen Wissens über gesundes Essen lapidar mit.
    – Jens Bergmann (2008), Die Wissenschaft hat festgestellt, brand eins 03/2008.

  • pragmatisch

    Das Adjektiv pragmatisch bedeutet „sachbezogen“, d.h. „im Sinne einer Sache oder eines Ziels praktisch und lösungsorientiert (handeln)“. Der Begriff hat seinen Ursprung im griechischen pragmatikós (tüchtig).

    Als pragmatisches Handeln wird bezeichnet, wenn jemand das tut, was nötig ist und was erwiesenermaßen tatsächlich funktioniert. Dabei treten Dinge wie Theorie oder Ideologie zuweilen in den Hintergrund. Eine derart handelnde Person nennt man einen Pragmatiker.

    Das Handeln der chinesischen Regierung ist in vielen Fragen sehr pragmatisch. Ein gutes Beispiel ist die Ausgestaltung des chinesischen Wirtschaftssystems, in das – aller Ideologie zum Trotz – seit dem Ende der siebziger Jahre nach und nach immer mehr Marktelemente eingeführt werden.

    Während es für Handwerker im Sinne der Qualitätssicherung zahlreiche Vorschriften gibt, wählt man als Heimwerker ohne professionelle Hilfe oft eine eher pragmatische Lösung.

    Beide sind weltanschaulich weit voneinander entfernt, aber gleichzeitig kühl kalkulierende Machttechniker, die pragmatische Absprachen treffen und Andersdenkenden mit professionellem Respekt begegnen.
    Elisabeth Niejahr (2009), Fix und Foxi, DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12.

  • marginal

    Das Adjektiv marginal entstammt dem lateinischen Begriff margo (Rand). Im heutigen Sprachgebrauch sind marginale Dinge oder Sachverhalte solche, die am Rande liegen oder von nur geringfügiger bzw. von nicht unmittelbarer Bedeutung sind. Im Kontext der Psychologie oder Soziologie sind marginale Sachverhalte in einer Grenzstellung befindlich bzw. nicht eindeutig einem bestimmten Bereich zuzuordnen.

    Die häufigste Verwendung ist wohl die, wenn über marginale Mengen gesprochen wird. Damit werden dann meist Abweichungen oder Toleranzen bzw. Grauzonen,  die kaum Einfluss auf den Gesamteindruck oder das Ergebnis haben, beschrieben.

    Die Abweichungen der Volkszählungen im Vergleich zu den gemeldeten Personen in der Stadt waren so marginal, dass diese vermutlich aus Eingabefehlern seitens des Meldeamtes resultierten.

    „Wenn man dann ein bisschen länger nachdenkt, kommt man auf interessante Dinge“, sagt der Tüftler, „und meine Gedanken kreisen halt immer um Plattenspieler.“ Dass die analoge Technik nahezu ausgereizt ist, ist ihm bewusst. „Ich bin am Ende der Fahnenstange angelangt. Wenn es jetzt noch besser werden soll, sind die Unterschiede marginal. Und jeder noch so kleine Schritt wird ganz teuer.“
    – Andreas Molitor (2011), Freddy soll nicht schwanken, brand eins 12/2011.

    Welch riesiges Glück kommt auf uns zu angesichts unserer Demografie. Zusätzlich gibt es vermutlich Bonuszahlungen von etwa 20.000 Dollar für Single-Senioren und 100.000 für Kinderlosigkeit. Wenn wir noch den Faktor Vergesslichkeit mit etwa 20.000 Glücksdollar beziffern, kommen wir auf eine großartige Summe. Rund 200.000 Dollar jährlich verdienen unsere Alterskrösusse an der Fun-Börse. Soll da noch ein marginaler Betrag wegfallen wegen körperlicher Gebrechen, es bleibt ein Menge über. Und da soll noch einer sagen, die Wissenschaft sei eine trockene Angelegenheit.
    Alfred Dorfer (2012), Glücklich ist wer vergisst, Zeit Online 25.04.2012. 

  • Profession

    Der Begriff Profession ist vom lateinischen professio abgeleitet, was als „öffentliches Bekenntnis“ (beispielsweise zu einem Gewerbe) zu übersetzen ist. Der Bezug des Wortes zur Bedeutung „Gewerbe“ wird durch die Übersetzung des artverwandten lateinischen Wortes profiteri, welches „Geschäft“ bedeutet, deutlich. Die heutige Verwendung setzt das Wort Profession mit den Synonymen Arbeit, Beruf, Beschäftigung, Gewerbe, Handwerk oder Metier gleich.

    Entgegen der Annahme, dass eine Profession direkt mit der Berufung zu einem Professor zu tun hat (was selbstverständlich ebenfalls eine Profession ist), kann das Wort durchaus im alltäglichen Sprachgebrauch für die o.g. Synonyme verwendet werden.

    Das Maurerhandwerk ist seine Profession.

    Sie lassen kaum ein gutes Haar an Ihrer Profession, der Informatik. Was kann denn der Computer überhaupt?

    Die Informatik ist dabei, all diese Träume umzusetzen, aber in der Praxis werden relativ robuste normale Grundgedanken eingesetzt – die wirkliche Kunst braucht man meist gar nicht. Ich maule gar nicht über die Profession.
    – Interview von Thomas Ramge (2012), Der Computer  ist nicht originell, brand eins 03/2012.

    Möglicherweise aber hat der Professor, indem er seine Bedenken über die Wirksamkeit der Frau im öffentlichen Leben aussprach, weniger die betrübsamen weltgeschichtlichen Consequenzen solcher Ungehörigkeiten im Sinne gehabt. Er hat vielleicht vorzugsweise an subalterne Professionen gedacht, wie Post- und Telegraphen- oder Lehr- und Kaufmannsberuf, zu deren Ausübung eine vorherrschende Gefühlsrichtung die Frau untauglich mache!
    – Hedwig Dohm (1874), Die wissenschaftliche Emancipation der Frau.

  • Obolus

    Der Begriff Obolus stammt von dem griechischen Wort obolós bzw. obelós ab, was in der Antike einen Spieß (vgl. Obelisk) betitelte. Dass die Bedeutung von obolós auch zu jener Zeit schon für kleine Münzen stand, ist vermutlich drauf zurück zu führen, dass Münzen zu der Zeit kleine spitze Metallstücke waren. In der deutschen Sprache bezeichnet der Obolus einen kleinen Betrag bzw. eine kleine Geldspende für etwas.

    Verwendet werden kann das Wort immer in einem Kontext, in dem es um einen kleinen Beitrag zu etwas geht. In der Regel handelt es sich hierbei um monetäre Mittel.

    Die „Gebührenakzeptanz immer neu“ zu begründen, gehöre zur „Überlebensstrategie“ der Anstalten. Zwar ist die Rechtslage eindeutig: Den Obolus muss jeder Gerätebesitzer entrichten, sogar der, der ausschließlich Dauerwerbesendungen schaut. Dass die GEZ potenzielle Schwarzseher per Melderegisterabgleich aufspürt und ihnen mit dem Gerichtsvollzieher droht, gilt nicht einmal innerhalb der begünstigten Anstalten als der Weisheit letzter Schluss.
    – Roland Keller, Ulf J. Froitzheim (2002), Wettbewerb über Gebühr, brand eins 06/2002.

    „Er traut nicht einmal den Versprechungen der unbescholtenen Philosophen und möchte sicherlich die beiden Kalbinnen schon im voraus haben – ist das aber eine Riesenausgabe für mich. Aber wenn der edle Vinicius mir von dem, was er mir versprach, einen Teil des Lohns auf Abrechnung geben wollte …“

    „Nicht einen Obolus, Chilon!“ sprach Petronius, „nicht einen Obolus! Die Freigebigkeit des Vinicius soll deine Erwartungen übertreffen, aber erst dann, wenn Lygia gefunden ist, das heißt, wenn du uns ihr Versteck angegeben hast.“
    – Henryk Sienkiewicz (1895), Quo Vadis.

  • antizipieren

    Das Verb antizipieren entstammt dem Lateinischen, wo ante „vorher“ und capere „nehmen“ bedeutet. Im Deutschen hat der Begriff zwei Bedeutungen. Im Allgemeinen meint er „vorwegnehmen, vorhersehen“, speziell im wirtschaftlichen Vokabular bedeutet er „eine Zahlung vor Fälligkeit leisten“.

    Spricht man davon, dass etwas antizipiert wird, so meint man in der Regel die Vorwegnahme eines eintretenden Ereignisses oder eines Zustands. Die schließt neben dem Vorhersehen oft auch das Einstellen auf die erwartete Situation mit ein, so dass man gegebenenfalls adäquat reagieren kann.

    Er antizipierte den Pass des Mittelfeldspielers und konnte sich so im Duell mit dem Abwehrspieler einen entscheidenden Vorteil sichern.

    Bei Investitionsentscheidungen ist es auch wichtig, mögliche Risiken zu antizipieren.

  • markant

    Das Adjektiv markant stammt vom französischen marquant (sich auszeichnend, hervorragend) ab. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „stark ausgeprägt“ bzw. beschreibt etwas als stark auffallend oder zur Identifikation heranziehbar.

    Geläufige Verwendungen sind beispielsweise markante Erscheinungen, was personenbezogen ein auffallendes Erscheinungsbild beschreibt.  Menschliche Profile oder auch Sachverhalte sowie Entwicklungen können ebenfalls markant sein.

    […] 2002 Als Kind war er ein Verehrer von Mr. Spock, dem Ersten Offizier des Raumschiffs Enterprise, der mit seiner Crew in der gleichnamigen Fernsehserie durchs All flog, um neue Welten zu entdecken. Markenzeichen von Mr. Spock: markant geformte Ohren und eine ebenso markante, überaus sachliche Art zu sprechen.
    Astrid Funck (2005), Die Sprachingenieure, brand eins 06/2005. 

    Auf dem Balkon qualmt schon der Grill, drinnen im Saal riecht es markant nach Wurst. Gut 50 Journalisten schreiben eifrig mit, als Balz Horber, Geschäftsführer des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF), poetische Töne anschlägt: Die „leicht gekrümmte Form“ der Cervelat lasse die Leute „ins Schwärmen geraten“, und dann diese „feine Oberfläche“ der Wursthaut. Das gelinge nur mit dem Darm aus Brasilien.
    Kai Michel (2008), Jetzt geht’s um die Wurst, brand eins 03/2008. 

  • subsistieren

    Das Verb subsistieren entstammt dem lateinischen Wort subsistere, was soviel wie „stillstehen“ oder „standhalten“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet subsistieren im Kontext der Philosophie, dass etwas für sich und unabhängig von anderem besteht.  In einer veralteten bildungssprachliche Verwendung kann subsistieren auch „einen Lebensunterhalt haben“ bedeuten.

    Nur darf man den Charakter der Konkretheit dadurch nicht herabgesetzt glauben, daß er hier nicht an dem Einzelwesen als solchem haftet. Die Relativität zwischen den Dingen hat die einzigartige Stellung: über das Einzelne hinauszureichen, nur an der Mehrheit als solcher zu subsistieren und doch keine bloß begriffliche Verallgemeinerung und Abstraktion zu sein.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

    Heute wollte ich die neuen Untersuchungen fortsetzen, fand mich aber von meiner Phantasie so fortgerissen, daß ich den ganzen Tag nichts habe tun können. In meiner jetzigen Lage ist dies nun leider kein Wunder! Ich habe berechnet, daß ich von heute an nur noch 14 Tage hier subsistieren kann.
    – Heinrich Heine (1835), Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland.

  • tangibel

    Der Begriff tangibel findet seinen Ursprung im lateinischen Adjektiv tangibilis, was „berührbar“ bedeutet bzw. im Verb tangere, das als „berühren“ übersetzt werden kann. Im  Deutschen beschreibt der Begriff Dinge oder Sachverhalte, die spürbar, anfassbar oder greifbar sind. Weitere Synonyme sind „real“ oder „konkret“.

    Während das englische tangible häufig gebraucht wird, kommt das deutsche Pendant im täglichen allgemeinen Sprachgebrauch eher selten vor. Im Kontext der Betriebswissenschaften wird der Begriff für materielle, lagerbare Güter und greifbare Dienstleistungen verwendet. Auch bei Firmengründungen spricht man häufig von tangiblen Werten, die als Sacheinlage dienen. Nicht greifbare, also immaterielle Güter bezeichnet man als intangibel.

    Nach Ansicht der Schweizer Forscher verkaufen sich nicht tangible Produkte besser, wenn sie das Selbstbild des Kunden positiv beeinflussen. Ein einfaches Beispiel sind hochwertige Kofferanhänger, die die Deutsche Lufthansa an die Mitglieder der Vielfliegerprogramme Senator und HON Circle ausgibt.
    Thomas Ramge (2011), Nicht gucken anfassen!, brand eins 12/2011.

    Bisweilen (im ersten Frühling, um die Sommermittagsstunde, nach langem Wachen oder Fasten oder auch ohne sichtbaren Grund) erscheinen die Menschen und Dinge und wir selbst uns wie intangibel, von einer unerklärlichen isolierenden Aura umgeben.
    – Egon Friedell (1965), Kulturgeschichte der Neuzeit.

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