• honorieren

    Das Verb honorieren wurde aus dem Lateinischen überführt, wo das Wort honorare soviel wie ehren und belohnen bedeutet.  Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet honorieren in erster Linie , dass jemand für seine Leistung bezahlt wird (d.h. ein Honorar erhält), was der Belohnung gleichkommt. Andererseits kann honorieren auch bedeuten, jemandem für eine Leistung Anerkennung zu zollen. Hier passen die Synonyme würdigen, danken und belohnen.

    Für seine legendären Ergebnisse in der Malaria-Forschung honorierten sie ihn mit dem Ehrentitel.

    Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation, können Studenten darauf bestehen, adäquat honoriert zu werden. Das ist für diese, verglichen mit der sonst üblichen Ausbeutung von Berufsanfängern, wesentlich angenehmer.

    Wenn der Schöpfer des einen mehr Geld verdient, als der des anderen, so bewirkt dies nur die größere Anzahl derer, von denen jeder für das Produkt dennoch nur ebensoviel zahlt, wie jeder Abnehmer des anderen. Liegt hierin schon an und für sich der demokratische Charakter des Geldes, gegenüber den Ausstattungen der zu honorierenden Persönlichkeiten durch Einzelpersonen in den Formen des Feudalismus oder des Mäcenatentums, so dient diese Anonymität des Geldgebers, im Gegensatz zu den genannten anderen Formen, sicherlich der subjektiven Unabhängigkeit und freien Entwicklung der die Leistung anbietenden Person.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

  • subtil

    Das Adjektiv subtil entstammt dem lateinischen subtexilis (fein unter anderes gewebt). Daraus sind im Deutschen drei unterschiedliche Bedeutungen entstanden.

    Zum Ersten kann subtil – stark angelehnt an den lateinischen Ursprung – „fein strukturiert“ bedeuten und jegliche derart beschaffene Dinge beschreiben.

    Zum Zweiten kann subtil „unterschwellig“ bedeuten.

    Zum Dritten kann subtil auch meinen, mit großer Sorgfalt oder Genauigkeit vorzugehen, d.h. präzise und bis ins Detail zu planen oder derart überlegt zu handeln. Somit lassen sich fein ausgeklügelte und nuancierte Methoden, Aktionen und Vorgehensweisen beschreiben. In dieser Bedeutung ist auch der Einsatz als Adverb möglich.

    Die Wirtschaft an sich ist ein überaus subtiles System, in dem verschiedene Akteure mit unterschiedlichsten Interessen eine Rolle spielen.

    Natürlich kann ein Vorgesetzter solch einen Vorschlag einfach abschmettern, aber ein einfühlsames und subtiles Vorgehen inklusive detaillierter Begründung lohnt sich fast immer, da ansonsten die Arbeitsmoral stark leidet und die Abteilung bald nur noch „Dienst nach Vorschrift“ leistet.

    Die einfachsten Dinge des Lebens sind angeblich die schönsten, doch auch die subtilen haben so ihre Reize.

    Was auch immer die Zukunft für technische Entwicklungen bringt, die subtile Angst vor einem erneuten Unfall wird ihn bis an sein Lebensende begleiten.

    Obwohl er bei Motorola bereits ein Spitzenmanager war, verwechselte ein Kollege ihn mit dem Kellner. “ Die Diskrimierung war selten offen, fast immer subtil“ , sagt Ruiz.
    Thomas Jahn (2004), Der Grenzgänger, brand eins 05/2004.

    „Wir sind Freibeuter. Die Piraten sitzen bei uns in der Regierung und rauben die Bürger aus.“ Der subtile Unterschied zwischen beiden Verbrechertypen ist nur wenigen Linguisten bekannt. Freibeuter sind Zeitgenossen, die mit Erlaubnis ihrer Regierung feindliche Schiffe entern und plündern. Piraten machen im Grunde dasselbe, nur ohne den Sanktus einer Obrigkeit.
    Alfred Dorfer (2012), Auf großer Kaperfahrt, DIE ZEIT, 16.5.2012 Nr. 21.

  • Manier

    Das Wort Manier entstammt dem altfranzösischen manière (Art und Weise), welches wiederum auf das lateinische Wort manus (Hand) zurückzuführen ist. Heutzutage ist die Manier die charakteristische Art und Weise, wie sie zu jemandem bzw. zu etwas oder einem Sachverhalt gehört. Die Manier kann auch ein typischer Stil eines Künstlers sein bzw. eine bestimmte Darstellungsform von Kunst. Mit Manier kann aber auch das Benehmen gemeint sein.

    Sie trafen sich in der alten Kaschemme voller Erinnerungen an die Jugend und tranken in gewohnter Manier Aquavit, der zum Erstaunen aller nicht mehr so schmeckte wie noch vor 25 Jahren.

    Die Hinterteile gehören Thomas Ostermeier, Sasha Waltz, Jochen Sandig und Jens Hillje, der neuen künstlerischen Leitung der Berliner Schaubühne. Und die hatte sich in der Manier der Kommune 1 an die Wand gestellt: Beine breit, Rebellenpose. Bereit zur Durchsuchung oder Erschießung.
    – Christian Rickens (2000), Viel Geld für ein wenig Theater, brand eins 03/2000.

  • verquer

    Das Adjektiv verquer beschreibt Sachverhalte oder Dinge, die schief oder quer sind. Alles, was nicht ist, wie es sein sollte, wird ebenfalls als verquer bezeichnet. Damit kann auch gemeint sein, dass etwas in absonderlicher Art und Weise vom Üblichen abweicht. Verquer kann unter anderem als Synonym für eigentümlich, kurios, paradox oder wunderlich verwendet werden.

    Wenn man aus einem bestimmten Winkel in die Küche schaute, konnte man erkennen, dass die Einbauküche etwas verquer integriert war.

    Immer wieder kam er mit seinen verqueren Lehrmethoden mit dem Prüfungsausschuss in Konflikt, was letztlich zu seinem Autoritätsverlust führte.

    Die Linien liefern die implizite Theorie gleich mit: Messfehler, falsche Modellannahmen, oberflächliche Analogien und Korrelationen werden zur Kausalität geadelt. Wer merkt schon, dass es sich lediglich um Verquere Vermutungen handelt, um eine nummerische Abgaswolke, umwirbelt von Bedeutungsschwall? Über den Zahlen schwebt ein Sinn, der unmittelbar inhaliert wird, ohne direkt etwas mit den Inhalten zu tun zu haben.
    – Reinhard K. Sprenger (2002), Wer viel misst, misst viel Mist, brand eins 08/2002.

  • implizit

    Das Adjektiv implizit leitet sich aus dem lateinischen Wort implicitum ab, welches das zweite Partizip von implicare (umfassen) ist. Im deutschen Sprachgebrauch hat implizit zweierlei Bedeutungen, zum einen kann es für „mit enthalten“ verwendet werden oder auch für „mit gemeint“, wobei hier der direkte Verweis nicht unbedingt zur Sprache kommt. Zum anderen beschreibt implizit Sachverhalte, die nicht aus sich selbst zu verstehen sind, sondern zunächst logisch erschlossen werden müssen.

    Unter der genannten Bedeutung kann implizit als Synonym unter anderem für die folgenden Begriffe verwendet werden: einbeziehen, gleichzeitig bedeuten, in sich bergen, mit einschließen oder mit zum Inhalt.

    Außergewöhnlich erfolgreiche Wahlen für Spass-Parteien oder Randparteien können oft als implizite Botschaften der Wähler verstanden werden, die einfach deutlich machen wollen, dass die aktuelle Politik alles andere als Ihren Interessen entspricht.

    Die implizite Botschaft: Der Krieg gegen Drogen ist ein Klassenkrieg. Hast du es in die Vororte und das für die Service-Industrie wertvolle Amerika geschafft, dann wirst du gebraucht, und niemand wird dir wegen des Konsums oder Verkaufs von Koks so bald die Tür eintreten. Du gehörst zur richtigen Klasse.
    – Jonathan Fischer (2012), So schafft man Sozialpathen, brand eins 04/2012.

  • reziprok

    Das Adjektiv reziprok ist vom lateinischen reciprocus (auf demselben Weg zurückkehrend) abgeleitet und bedeutet „wechselseitig“ oder „gegenseitig“.

    In der heutigen Verwendung können als reziprok wechselseitige, gegenseitige oder aufeinander bezügliche Sequenzen oder Abläufe beschrieben werden. Auch Sachverhalte oder Verhältnisse können reziprok sein.

    In der Mathematik ist der reziproke Wert genau der Kehrwert einer Zahl.

    Die Beziehung der zwei Professoren war – ungewöhnlich für die Fakultät – von reziproker Hochachtung geprägt.

    Das nennt man den ‚reziproken Altruismus‘, wenn wechselseitig altruistisches Verhalten einen positiven Gesamteffekt hat.

    Im Prinzip funktioniert Vertrauensbildung unter Menschen ganz ähnlich: Wir sammeln bewusst oder unbewusst Erfahrungen über die andere Seite, bis wir in einer bestimmten Situation die Entscheidung treffen, eine riskante Vorleistung zu erbringen. Wird diese Vorleistung nicht missbraucht, setzt sich eine Spirale, ein reziproker Prozess in Gang. Das Ergebnis kann blindes Vertrauen sein.
    – Christiane Sommer (2008), Was uns antörnt, brand eins 12/2008.

  • dezidiert

    Das Adjektiv dezidiert entstammt dem lateinischen Verb decidere, welches als „eigentlich“ bzw. „abschneiden“ zu übersetzen ist. Als dezidiert kann man Sachverhalte, Meinungen oder Prozesse bezeichnen, die bestimmt, entschieden oder energisch sind. Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

    Weitere Synonyme für dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverständlich.

    Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von Missverständnissen und Unklarheiten – ein für allemal beendet werden konnte.

    Er besaß für eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natürliche Klugheit, Wohlwollen, Erzähler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
    – Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

    Stefan Schaltegger, der Professor für Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verändert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung dezidiert für das Thema verantwortlich ist.“ Und wenn er für Verbindlichkeit sorgt.
    Thomas Ramge (2010), Die Wohlfühl-Utopie, brand eins 05/2010 

  • Traktat

    Der Begriff „Traktat“ ist auf das lateinische Wort  tractatus zurückzuführen, was als „Abhandlung“ oder „Erörterung“ zu übersetzen ist. Im deutschen Sprachgebrauch ist ein Traktat ebenfalls eine Abhandlung, jedoch kann damit auch explizit eine Flugschrift mit Schmäh- oder Streitinhalten gemeint sein. Veraltet ist die Bezeichnung von Staatsverträgen als Traktat. Synonyme für Traktat sind unter anderem „Artikel“, „Aufsatz“, „Schrift“, „Text“ oder „Essay“.

    Cyril Northcote Parkinson war ein fleißiger Mann. Im Laufe seines Lebens schrieb er 60 Bücher: Abenteuerromane ebenso wie historische Werke, Traktate über Politik ebenso wie Abhandlungen über Betriebsorganisationen. Bis auf eines gerieten sie schnell in Vergessenheit. Das erschien 1957, heißt Parkinsons Gesetz und gilt als Wirtschaftsklassiker.
    – Gerhard Pretting (2005), Was ist eigentlich -PARKINSONS GESETZ?, brand eins 04/2005.

    Der lateinische Text des Traktats von der Liebe des Andreas Capellanus ist in zwölf Handschriften erhalten in den Bibliotheken von Rom Wolfenbüttel, Paris, Montpellier, Florenz, München, Brügge, Leipzig und Wien; die älteste ist die im Vatikan (Nr. 1463).
    – von Stendhal – Henry Beyle (1907), Über die Liebe.

  • immanent

    Das Adjektiv immanent leitet sich vom lateinischen immanens bzw. immanere (bei etwas bleiben, anhaften) ab. Unter der heutigen Verwendung von immanent versteht man eine ähnliche Bedeutung, nämlich „innewohnend“ oder „in etwas enthalten“. Im Kontext der Philosophie bedeutet immanent, in den Grenzen möglicher Erfahrungen inne zu halten oder bei einem Standpunkt zu bleiben. Im heutigen Sprachgebrauch kann immanent für folgende Synonyme verwendet werden: eingeschlossen, enthalten, inbegriffen, implizit oder inhärent.

    Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind zu erlernende Fähigkeiten, die einem Studium schon immer immanent waren.

    Die Interpretation sollte rein textimmanent sein, hierbei fokussiert man zunächst nur den Inhalt und die sprachliche Gestaltung des Textes.

    Um ihre Zukunft und die ihrer Studenten macht sich das Paar keine Sorgen. „Aus Sicht eines Politikers ist Förderung ein politisches Steuerungsinstrument“, sagt er. „Auf dieses Instrument werden Politiker nie verzichten wollen. Es ist systemimmanent.“
    – Thomas Ramge (2011), Europa aktiv nutzen, brand eins 04/2011.

  • suggerieren

    Das Verb suggerieren entstammt dem lateinischen suggerere, was übersetzt „von unten heran tragen“ bedeutet. Heute wird damit eine unterbewusste Beeinflussung eines Menschen beschrieben, zum Beispiel wenn auf jemanden eingeredet wird, um seine Meinung bzw. sein Verhalten zu beeinflussen.

    Auch kann jemandem ein Eindruck oder ein Sachverhalt suggeriert werden, der nicht den Tatsachen entspricht. Hiermit ist das (meist mit böser Absicht) Manipulieren und Verdrehen von Tatsachen gemeint. Weitere Synonyme für suggerieren sind aufschwatzen, einreden, glauben machen, manipulieren oder indoktrinieren.

    Durch das immer breiter werdende Spektrum der Medienpräsenz können zum einen dem Volk sehr einfach falsche Sachverhalte suggeriert werden, andererseits fliegen Intrigen dieser Art durch eine breitere Berichterstattung auch viel schneller auf.

    Sie suggerierte ihm, dass es völlig normal sei, dass Sie auch mal im Büro nächtigen würde, um ihren Seitensprung zu vertuschen.

    „Wir bauen nur so viele Batterien, wie wir bei unseren Kunden auch loswerden, nicht fantastische Stückzahlen, die uns ein ehrgeiziger Geschäftsplan suggeriert„, fügt Forcier hinzu. Zu den ersten Kunden gehören General Motors, BMW , Daimler und die E-Auto-Marke Fisker aus Kalifornien.
    Steffan Heuer (2012), Geladene Gäste, brand eins 02/2012. 

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