• Profession

    Der Begriff Profession ist vom lateinischen professio abgeleitet, was als „öffentliches Bekenntnis“ (beispielsweise zu einem Gewerbe) zu übersetzen ist. Der Bezug des Wortes zur Bedeutung „Gewerbe“ wird durch die Übersetzung des artverwandten lateinischen Wortes profiteri, welches „Geschäft“ bedeutet, deutlich. Die heutige Verwendung setzt das Wort Profession mit den Synonymen Arbeit, Beruf, Beschäftigung, Gewerbe, Handwerk oder Metier gleich.

    Entgegen der Annahme, dass eine Profession direkt mit der Berufung zu einem Professor zu tun hat (was selbstverständlich ebenfalls eine Profession ist), kann das Wort durchaus im alltäglichen Sprachgebrauch für die o.g. Synonyme verwendet werden.

    Das Maurerhandwerk ist seine Profession.

    Sie lassen kaum ein gutes Haar an Ihrer Profession, der Informatik. Was kann denn der Computer überhaupt?

    Die Informatik ist dabei, all diese Träume umzusetzen, aber in der Praxis werden relativ robuste normale Grundgedanken eingesetzt – die wirkliche Kunst braucht man meist gar nicht. Ich maule gar nicht über die Profession.
    – Interview von Thomas Ramge (2012), Der Computer  ist nicht originell, brand eins 03/2012.

    Möglicherweise aber hat der Professor, indem er seine Bedenken über die Wirksamkeit der Frau im öffentlichen Leben aussprach, weniger die betrübsamen weltgeschichtlichen Consequenzen solcher Ungehörigkeiten im Sinne gehabt. Er hat vielleicht vorzugsweise an subalterne Professionen gedacht, wie Post- und Telegraphen- oder Lehr- und Kaufmannsberuf, zu deren Ausübung eine vorherrschende Gefühlsrichtung die Frau untauglich mache!
    – Hedwig Dohm (1874), Die wissenschaftliche Emancipation der Frau.

  • Obolus

    Der Begriff Obolus stammt von dem griechischen Wort obolós bzw. obelós ab, was in der Antike einen Spieß (vgl. Obelisk) betitelte. Dass die Bedeutung von obolós auch zu jener Zeit schon für kleine Münzen stand, ist vermutlich drauf zurück zu führen, dass Münzen zu der Zeit kleine spitze Metallstücke waren. In der deutschen Sprache bezeichnet der Obolus einen kleinen Betrag bzw. eine kleine Geldspende für etwas.

    Verwendet werden kann das Wort immer in einem Kontext, in dem es um einen kleinen Beitrag zu etwas geht. In der Regel handelt es sich hierbei um monetäre Mittel.

    Die „Gebührenakzeptanz immer neu“ zu begründen, gehöre zur „Überlebensstrategie“ der Anstalten. Zwar ist die Rechtslage eindeutig: Den Obolus muss jeder Gerätebesitzer entrichten, sogar der, der ausschließlich Dauerwerbesendungen schaut. Dass die GEZ potenzielle Schwarzseher per Melderegisterabgleich aufspürt und ihnen mit dem Gerichtsvollzieher droht, gilt nicht einmal innerhalb der begünstigten Anstalten als der Weisheit letzter Schluss.
    – Roland Keller, Ulf J. Froitzheim (2002), Wettbewerb über Gebühr, brand eins 06/2002.

    „Er traut nicht einmal den Versprechungen der unbescholtenen Philosophen und möchte sicherlich die beiden Kalbinnen schon im voraus haben – ist das aber eine Riesenausgabe für mich. Aber wenn der edle Vinicius mir von dem, was er mir versprach, einen Teil des Lohns auf Abrechnung geben wollte …“

    „Nicht einen Obolus, Chilon!“ sprach Petronius, „nicht einen Obolus! Die Freigebigkeit des Vinicius soll deine Erwartungen übertreffen, aber erst dann, wenn Lygia gefunden ist, das heißt, wenn du uns ihr Versteck angegeben hast.“
    – Henryk Sienkiewicz (1895), Quo Vadis.

  • antizipieren

    Das Verb antizipieren entstammt dem Lateinischen, wo ante „vorher“ und capere „nehmen“ bedeutet. Im Deutschen hat der Begriff zwei Bedeutungen. Im Allgemeinen meint er „vorwegnehmen, vorhersehen“, speziell im wirtschaftlichen Vokabular bedeutet er „eine Zahlung vor Fälligkeit leisten“.

    Spricht man davon, dass etwas antizipiert wird, so meint man in der Regel die Vorwegnahme eines eintretenden Ereignisses oder eines Zustands. Die schließt neben dem Vorhersehen oft auch das Einstellen auf die erwartete Situation mit ein, so dass man gegebenenfalls adäquat reagieren kann.

    Er antizipierte den Pass des Mittelfeldspielers und konnte sich so im Duell mit dem Abwehrspieler einen entscheidenden Vorteil sichern.

    Bei Investitionsentscheidungen ist es auch wichtig, mögliche Risiken zu antizipieren.

  • markant

    Das Adjektiv markant stammt vom französischen marquant (sich auszeichnend, hervorragend) ab. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „stark ausgeprägt“ bzw. beschreibt etwas als stark auffallend oder zur Identifikation heranziehbar.

    Geläufige Verwendungen sind beispielsweise markante Erscheinungen, was personenbezogen ein auffallendes Erscheinungsbild beschreibt.  Menschliche Profile oder auch Sachverhalte sowie Entwicklungen können ebenfalls markant sein.

    […] 2002 Als Kind war er ein Verehrer von Mr. Spock, dem Ersten Offizier des Raumschiffs Enterprise, der mit seiner Crew in der gleichnamigen Fernsehserie durchs All flog, um neue Welten zu entdecken. Markenzeichen von Mr. Spock: markant geformte Ohren und eine ebenso markante, überaus sachliche Art zu sprechen.
    Astrid Funck (2005), Die Sprachingenieure, brand eins 06/2005. 

    Auf dem Balkon qualmt schon der Grill, drinnen im Saal riecht es markant nach Wurst. Gut 50 Journalisten schreiben eifrig mit, als Balz Horber, Geschäftsführer des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF), poetische Töne anschlägt: Die „leicht gekrümmte Form“ der Cervelat lasse die Leute „ins Schwärmen geraten“, und dann diese „feine Oberfläche“ der Wursthaut. Das gelinge nur mit dem Darm aus Brasilien.
    Kai Michel (2008), Jetzt geht’s um die Wurst, brand eins 03/2008. 

  • subsistieren

    Das Verb subsistieren entstammt dem lateinischen Wort subsistere, was soviel wie „stillstehen“ oder „standhalten“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet subsistieren im Kontext der Philosophie, dass etwas für sich und unabhängig von anderem besteht.  In einer veralteten bildungssprachliche Verwendung kann subsistieren auch „einen Lebensunterhalt haben“ bedeuten.

    Nur darf man den Charakter der Konkretheit dadurch nicht herabgesetzt glauben, daß er hier nicht an dem Einzelwesen als solchem haftet. Die Relativität zwischen den Dingen hat die einzigartige Stellung: über das Einzelne hinauszureichen, nur an der Mehrheit als solcher zu subsistieren und doch keine bloß begriffliche Verallgemeinerung und Abstraktion zu sein.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

    Heute wollte ich die neuen Untersuchungen fortsetzen, fand mich aber von meiner Phantasie so fortgerissen, daß ich den ganzen Tag nichts habe tun können. In meiner jetzigen Lage ist dies nun leider kein Wunder! Ich habe berechnet, daß ich von heute an nur noch 14 Tage hier subsistieren kann.
    – Heinrich Heine (1835), Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland.

  • tangibel

    Der Begriff tangibel findet seinen Ursprung im lateinischen Adjektiv tangibilis, was „berührbar“ bedeutet bzw. im Verb tangere, das als „berühren“ übersetzt werden kann. Im  Deutschen beschreibt der Begriff Dinge oder Sachverhalte, die spürbar, anfassbar oder greifbar sind. Weitere Synonyme sind „real“ oder „konkret“.

    Während das englische tangible häufig gebraucht wird, kommt das deutsche Pendant im täglichen allgemeinen Sprachgebrauch eher selten vor. Im Kontext der Betriebswissenschaften wird der Begriff für materielle, lagerbare Güter und greifbare Dienstleistungen verwendet. Auch bei Firmengründungen spricht man häufig von tangiblen Werten, die als Sacheinlage dienen. Nicht greifbare, also immaterielle Güter bezeichnet man als intangibel.

    Nach Ansicht der Schweizer Forscher verkaufen sich nicht tangible Produkte besser, wenn sie das Selbstbild des Kunden positiv beeinflussen. Ein einfaches Beispiel sind hochwertige Kofferanhänger, die die Deutsche Lufthansa an die Mitglieder der Vielfliegerprogramme Senator und HON Circle ausgibt.
    Thomas Ramge (2011), Nicht gucken anfassen!, brand eins 12/2011.

    Bisweilen (im ersten Frühling, um die Sommermittagsstunde, nach langem Wachen oder Fasten oder auch ohne sichtbaren Grund) erscheinen die Menschen und Dinge und wir selbst uns wie intangibel, von einer unerklärlichen isolierenden Aura umgeben.
    – Egon Friedell (1965), Kulturgeschichte der Neuzeit.

  • Prosa

    Der Begriff Prosa stammt von dem spätmittelhochdeutschen Wort prōse, welches wiederum auf das lateinische Wort prōsa (oratio)  zurückzuführen ist. Der lateinische Begriff bedeutet soviel wie „schlichte Rede“, was das Gegenteil von poetischer, lyrischer oder rhythmischer Rede darstellt. Im heutigen Gebrauch bezeichnet die Prosa ebenfalls Texte, die nicht den Genres Lyrik, Drama etc. zuzuordnen sind, jedoch steht es auch für besonders einfache oder gewöhnliche Aussagen. Im übertragenen Sinne kann es auch für nüchterne, einfache oder zusammenhangslose Sachverhalte verwendet werden.

    Regelmäßiger Sport und Wellness sind für viele die einzige Möglichkeit der Alltags-Prosa zu entkommen.

    Alle spannenden Geschichten gleichen einander auf bestimmte Weise. Wirklich interessant wird es, wenn die Form der spannenden Erzählung nur noch als geisterhafte Hülle um ein langes Stück Prosa liegt, so wie ein ordentlicher Sonntagsanzug um eine beunruhigende, aus dem Leim gehende Vogelscheuche.
    – Clemens J. Setz, Menschen im Dämmer, Zeit Online 04.04.2012.

    Der Vortragende, einer aus der Abteilung der selbst ernannten Menschenumkrempler, kommt zum Gipfelpunkt seiner hoffnungslos optimistischen Personalentwickungs-Prosa: „Wir müssen wieder das Lernen lernen!“ Alles nickt. Jedermann scheint zu wissen, was gemeint ist. Ich nicht.
    – Reinhard Sprenger, Lehrstück, brand eins 06/2012.

  • haptisch

    Das Adjektiv haptisch hat seinen Ursprung im griechischen haptikos (greifbar) und meint im deutschen Sprachgebrauch „den Tastsinn betreffend“.

    Das Wort wird immer gebraucht, um eine Erfahrung als „ertastbar“ zu beschreiben bzw. auf die ertastbaren Merkmale einer Sache hinzuweisen. Die haptische Qualität oder auch die Haptik eines Gegenstands meint somit alle Merkmale, die mittels des Tastsinns erfasst werden können. Dazu gehört beispielsweise die Beschaffenheit der Oberfläche.

    Rein haptisch ist das Produkt hervorragend. Nichts wackelt, nichts fühlt sich billig an, keine scharfen oder unregelmäßigen Kanten deuten auf minderwertige Verarbeitung hin.

    Moderne Smartphones und Tablet-PCs verfügen heute über sogenanntes „haptisches Feedback“. Um etwa einen Tastendruck zu simulieren und die glatte Oberfläche eines Touchscreens natürlicher wirken zu lassen, vibrieren die Geräte beim Drücken von grafischen Bedienelementen kurz.

    Obwohl Grass seine Fertigkeiten als bildender Künstler nicht gegeneinander ausspielen will – die Arbeit an einer Skulptur ist ihm doch das Höchste. „Alles ist Auge und Raumgefühl, umgriffig, wunderbar! Für literarische Spekulation ist da wohltuenderweise kein Platz.“ Ganz leer der Kopf, Tee die einzige Droge, im Hintergrund geduldet das Kulturradio. „Die einzige Arbeit übrigens, bei der ich nicht rauche. Die haptische Befriedigung ist groß genug.“
    Christof Siemes (2007), Der Künstler Günter Grass, ZEITmagazin LEBEN, 19.12.2007 Nr. 52.

  • Thesaurus

    Der Begriff Thesaurus stammt ursprünglich vom griechischen Wort thēsaurós ab und betitelte in der Antike Gebäude zur Aufbewahrung kostbarer Weihegaben, also eine Art Schatzhaus. Ebenfalls wurden besonders große Wörterbücher als Thesaurus bezeichnet, insbesondere alphabetisch und systematisch geordnete Sammlung von Begriffen eines bestimmten Fachbereiches.
    Spätestens seit der Software MS-Office Word ist der Begriff Thesaurus im aktuellen Sprachgebrauch verankert und betitelt heute ein allgemeinsprachliches Wörterbuch, welches Synonyme bzw. sinn- und sachverwandte Wörter zu bestimmten Schlagwörtern enthält.

     Obwohl hier auch Allesschlucker, Bänkelsänger, Ohrenseifenbläser und andere Akteure des Schaugeschäftes kurz vorgestellt werden, hat der Wiener Sachbuchautor Rudi Palla kein Kuriositätenkabinett der spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Arbeitswelt eingerichtet. In seinem „Thesaurus der untergegangenen Berufe“ wird der vorindustrielle Alltag nicht romantisiert, sondern realistisch beschrieben. Es ist ein Nacfrschlagewerk über „Verschwundene Arbeit“ – und mit seinem Druck vom Bleisatz selbst ein gutes Stück einst gewohnter Handwerkerqualität.
    – DIE ZEIT, 7.10.1994 Nr. 41

  • kollaborieren

    Das Verb kollaborieren entstammt dem lateinischen collaborare, zusammengesetzt aus der Vorsilbe co (zusammen) und laborare (arbeiten). Im Deutschen bedeutet es „mit dem Feind zusammenarbeiten“. Passenderweise bedeutet das  lateinische laborare nämlich unter anderem auch „in Gefahr sein“, ein Zustand, der dem Kollaborateur im Regelfall bekannt ist.

    Das Wort kann im Deutschen – anders als das englische collaborate – ausdrücklich nur in dieser spezifischen Bedeutung verwendet werden, also um zu beschreiben, dass jemand gegen die Interessen seines Heimatlandes mit gegnerischen Mächten, etwa Kriegsgegnern, Terroristen oder Besatzern, zusammenarbeitet.

    Er eröffnete ihr eine neue Sicht auf die Welt, so dass alles plötzlich einen neuen Sinn ergab. Später kollaborierte sie dann mit einer Terrorzelle unter seiner Führung und versorgte diese mit entscheidenden Informationen für die Planung mehrerer Anschläge.

    Er entsprach ganz dem Typus des skrupellosen Kriegsherrn, der über Leichen geht. Graziani ließ als Erstes die Halbnomaden entwaffnen und all jene von ihnen hinrichten, die im bloßen Verdacht standen, mit den Aufständischen kollaboriert zu haben.
    – Aram Mattioli (2003), Libyen, verheißenes Land, Die Zeit 15.05.2003.

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