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Affront

Ein Affront ist ein öffentlicher, beleidigender Angriff beziehungsweise eine Provokation. Der Begriff wurde im 17. Jhd. aus dem Französischen übernommen, wo affronter „die Stirn bieten, beschimpfen“ bedeutet.

Sein letzter Brief wurde als Affront gewertet.

Sie sah über seinen Affront hinweg und wünschte höflich ein angenehmes Wochenende.

Wütend über den Affront polterte er los.

Die Wohnung mit der Kuppel kennt man in Kreuzberg. Viele im Viertel haben sich schon mal gefragt, wer hier das Geld hat, um sich eine gläserne Krone aufs Dach zu setzen. Ein Affront für jeden Steinewerfer.
Annabel Wahba (2009), Kammerspiel, DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22.

frigide

Das Adjektiv frigide (von lat. frigidus = kalt, frostig) bedeutet gehoben „kühl, frostig“ oder im medizinischen Kontext „sexuell nicht erregbar, geschlechtlich gleichgültig“. Die zweite Bedeutung bezieht sich ausschließlich auf das weibliche Geschlecht und ist veraltet. Wird das Wort heute dementsprechend gebraucht, hat es oft einen abwertenden Beiklang.

Substantiviert spricht man von Frigidität.

War Ingeborg Bachmann frigide? War Kafka impotent? War Shakespeare andersrum? War Goethe schwul?
Sigrid Löffler (1997), War Goethe schwul?, DIE ZEIT 1997.

Jesus aber, „Gottes Klon“, ist ein verhunztes Kunstprodukt, ferngezeugt in einer frigiden Retorte namens „Jungfrau Maria“
Hanns-Hermann Kersten (1982), Kritik in Kürze, DIE ZEIT, 14.5.1982 Nr. 20.

Prämisse

Das Substantiv Prämisse entstammt dem lateinischen Wort praemissa, was wörtlich übersetzt „vorausgeschickter Satz“ bedeutet. Weitergehend kann es analog zur heutigen Bedeutung als „vorausgeschickt“ verstanden werden. Im Kontext der Philosophie ist die Prämisse nach heutigem Verständnis der erste Satz eines logischen Schlusses. Sie kann aber auch eine Voraussetzung beschreiben, die gedanklich oder plantechnisch einem bestimmten Vorhaben zugrunde liegt.

Für Verbesserungen braucht man oft neue Ideen und neue Ideen verlangen auch des öfteren, dass die üblichen Denkpfade verlassen werden müssen. Nicht allzu selten müssen hierbei bereits anerkannte und fundierte Prämissen überwunden werden.

Was aber ist Organisationsberatung? Sie könnte – zugegebenermaßen etwas akademisch – als ein professioneller, vertraglich beauftragter Dienstleistungs- und Transformationsprozess der intervenierenden Begleitung durch ein Beratungssystem bei der Analyse, Beschreibung und Lösung eines Problems des Klienten – im Sinne einer Arbeit an Entscheidungsprämissen mit dem Ziel der Transformation verstanden werden.
– Stephan A. Jansen, Merkwürdigkeiten aus den Manegen des Managements: Das Dilemma der Berater, brand eins 02/2012.

Portfolio

Das Substantiv Portfolio entstammt dem italienischen Wort Portafoglio was als „Brieftasche“ zu übersetzen ist. Hierzulande ist die genaue Bedeutung abhängig vom Kontext:

Im Verlagswesen ist ein Portfolio ein mit Fotografien ausgestatteter Bildband.

In der Kunstwissenschaft ist ein Portfolio ebenfalls eine Mappe mit Grafiken oder Fotografien.

Eine der italienischen Bedeutung sehr nahe kommende Übersetzung ist in der Wirtschaft gebräuchlich. Hier kann ein Portfolio einen Bestand an Wertpapieren einer Person oder eines Unternehmens darstellen.

Im wirtschaftlichen Kontext ist auch die Verwendung von Portfolio als Synonym für das gesamte Angebot eines Unternehmens oder für eine schematische Darstellung einer strategischen Unternehmensplanung gängig.

Das Portfolio großer Automobilkonzerne wird in Zukunft nicht nur die Herstellung von Fahrzeugen umfassen, sondern auch das Bereitstellen von Mobilitäts-Dienstleistungen. Ein gutes Beispiel ist „car2go“ von Daimler, welches sich in Hamburg und vielen weiteren Städen bereits erfolgreich etabliert hat.

Zurück in München wartete schon das Angebot von Süd Chemie. Für den Spezialchemie-Konzern suchte sie mit ihrem kleinen Team nach Start-ups, die ins Portfolio des Unternehmens passten. Von dort ging es weiter zur KPMG, wo sie nach einigen Jahren harter Arbeit – Laptop und Blackberry waren immer im Urlaubsgepäck – auf den sogenannten „Partner-Track“ gelangte: die Chance, Teilhaber der Firma zu werden. Da kündigte sie.
– Carolyn Braun, Die Freischreiberin, brand eins 01/2012.

Als Sicherheit für den kurzfristigen Kredit, im Rahmen der Neubeschaffung von Werkzeugen, konnte ohne Probleme das gesamte Portfolio an Anlagen und langfristigen Investments zugezogen werden.

kognitiv

Das Adjektiv kognitiv bedeutet „das Denken, Verstehen oder Wissen betreffend“. Der Ursprung liegt im lateinischen cognoscere (wissen, erkennen).

Kindern sollte die Möglichkeit gegeben werden, sowohl ihre sozialen als auch ihre kognitiven Fähigkeiten zu entwickeln.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Kreativität, das Planen, die Orientierung, die Imagination, die Argumentation, dieIntrospektion, der Wille, das Glauben und einige mehr.
Wikipedia-Eintrag „Kognition“, abgerufen am 31.05.2012.

Kognitive Behinderungen werden oft vererbt, aber auch exogene Faktoren sind eine mögliche Ursache.

Die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen hat naturgemäß auch ihre Grenzen.

Nostalgie

Das Substantiv Nostalgie entstammt dem neulateinischen nostalgia, was als Heimweh zu übersetzen ist. Im Griechischen bedeutet nóstos „die Rückkehr“ und álgos „der Schmerz“, was die heutige Bedeutung wohl geprägt hat: Im deutschen Sprachgebrauch meint Nostalgie ein von Unbehagen angesichts der Gegenwart ausgelöstes Stimmungsbild. Es kann auch ein von unbestimmter Sehnsucht erfüllter Moment sein, der von Rückbesinnung auf vergangene Zeiten oder der Vorstellung vergangener Momente geprägt ist. Die Nostalgie ensteht dann, wenn beispielsweise Kunst, Mode oder Musik vergangener Zeiten in diesen Momenten wieder auflebt. Ein weiteres Synonym für Nostalgie ist Wehmut.

Immer, wenn mein Großvater die alten Platten auflegte, schwelgte er unübersehbar in Nostalgie.

Heute ist alles anders – das hat auch Senior-Journalist Cortesi festgestellt. Dennoch flüchtet er sich in Nostalgie. Dies kann sich nur leisten, wer seine Pflicht im Journalismus bereits erfüllt hat.
Konrad Weber (2012), Bitte keine Nostalgie, zeit online 5/2012.

Innovation

Das Substantiv Innovation findet seinen Ursprung im spätlateinischen Wort innovatio (Erneuerung, Veränderung) bzw. im lateinischen novus (neu). Im heutigen Sprachgebrauch ist eine Innovation, im Kontext der Soziologie, eine geplante und kontrollierte Veränderung oder Neuerung, die sich durch neue Techniken und Ideen auszeichnet. Im Allgemeinen kann damit auch eine Reform gemeint sein, also die Einführung von etwas Neuem. Im wirtschaftlichen Kontext spricht man von Innovationen, wenn es sich um neue Produkte oder die Anwendung eines neuen Verfahrens handelt. Weitaus weniger bekannt ist die Bedeutung im Kontext der Botanik, hier bezeichnet man die jährliche Neuausprägung eines Sprosssystems als Innovation.

Das neu vorgestellte Fahrzeug diversifizierte sich vor allem durch auffallend viele Innovationen, die den Insassen noch mehr Fahrkomfort versprechen sollten.

Unabhängig von den aktuellen politischen Diskussionen in Deutschland, wird das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ in der Schweiz schon länger als soziale Innovation diskutiert. In Deutschland hingegen hat dieses Thema eher den Charakter eines sozialpolitischen Reparaturwerkzeuges.

Nicht nur die wirtschaftliche Struktur, und damit vor allem das Verhältnis von Spitzentechnologien, höherwertigen und low-tech Branchen, einer Gesellschaft determiniert ihre Innovativität, sondern erst eine Kopplung von wirtschaftlicher Struktur und institutionellem Setting ermöglicht die Institutionalisierung bzw. Veralltäglichung von Innovationen und damit zugleich die Gewährleistung internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Birgit Blättel-Mink (2009), Innovationssysteme — Soziologische Anschlüsse, Springer 2009.

honorieren

Das Verb honorieren wurde aus dem Lateinischen überführt, wo das Wort honorare soviel wie ehren und belohnen bedeutet.  Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet honorieren in erster Linie , dass jemand für seine Leistung bezahlt wird (d.h. ein Honorar erhält), was der Belohnung gleichkommt. Andererseits kann honorieren auch bedeuten, jemandem für eine Leistung Anerkennung zu zollen. Hier passen die Synonyme würdigen, danken und belohnen.

Für seine legendären Ergebnisse in der Malaria-Forschung honorierten sie ihn mit dem Ehrentitel.

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation, können Studenten darauf bestehen, adäquat honoriert zu werden. Das ist für diese, verglichen mit der sonst üblichen Ausbeutung von Berufsanfängern, wesentlich angenehmer.

Wenn der Schöpfer des einen mehr Geld verdient, als der des anderen, so bewirkt dies nur die größere Anzahl derer, von denen jeder für das Produkt dennoch nur ebensoviel zahlt, wie jeder Abnehmer des anderen. Liegt hierin schon an und für sich der demokratische Charakter des Geldes, gegenüber den Ausstattungen der zu honorierenden Persönlichkeiten durch Einzelpersonen in den Formen des Feudalismus oder des Mäcenatentums, so dient diese Anonymität des Geldgebers, im Gegensatz zu den genannten anderen Formen, sicherlich der subjektiven Unabhängigkeit und freien Entwicklung der die Leistung anbietenden Person.
– Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

subtil

Das Adjektiv subtil entstammt dem lateinischen subtexilis (fein unter anderes gewebt). Daraus sind im Deutschen drei unterschiedliche Bedeutungen entstanden.

Zum Ersten kann subtil – stark angelehnt an den lateinischen Ursprung – „fein strukturiert“ bedeuten und jegliche derart beschaffene Dinge beschreiben.

Zum Zweiten kann subtil „unterschwellig“ bedeuten.

Zum Dritten kann subtil auch meinen, mit großer Sorgfalt oder Genauigkeit vorzugehen, d.h. präzise und bis ins Detail zu planen oder derart überlegt zu handeln. Somit lassen sich fein ausgeklügelte und nuancierte Methoden, Aktionen und Vorgehensweisen beschreiben. In dieser Bedeutung ist auch der Einsatz als Adverb möglich.

Die Wirtschaft an sich ist ein überaus subtiles System, in dem verschiedene Akteure mit unterschiedlichsten Interessen eine Rolle spielen.

Natürlich kann ein Vorgesetzter solch einen Vorschlag einfach abschmettern, aber ein einfühlsames und subtiles Vorgehen inklusive detaillierter Begründung lohnt sich fast immer, da ansonsten die Arbeitsmoral stark leidet und die Abteilung bald nur noch „Dienst nach Vorschrift“ leistet.

Die einfachsten Dinge des Lebens sind angeblich die schönsten, doch auch die subtilen haben so ihre Reize.

Was auch immer die Zukunft für technische Entwicklungen bringt, die subtile Angst vor einem erneuten Unfall wird ihn bis an sein Lebensende begleiten.

Obwohl er bei Motorola bereits ein Spitzenmanager war, verwechselte ein Kollege ihn mit dem Kellner. “ Die Diskrimierung war selten offen, fast immer subtil“ , sagt Ruiz.
Thomas Jahn (2004), Der Grenzgänger, brand eins 05/2004.

„Wir sind Freibeuter. Die Piraten sitzen bei uns in der Regierung und rauben die Bürger aus.“ Der subtile Unterschied zwischen beiden Verbrechertypen ist nur wenigen Linguisten bekannt. Freibeuter sind Zeitgenossen, die mit Erlaubnis ihrer Regierung feindliche Schiffe entern und plündern. Piraten machen im Grunde dasselbe, nur ohne den Sanktus einer Obrigkeit.
Alfred Dorfer (2012), Auf großer Kaperfahrt, DIE ZEIT, 16.5.2012 Nr. 21.

Manier

Das Wort Manier entstammt dem altfranzösischen manière (Art und Weise), welches wiederum auf das lateinische Wort manus (Hand) zurückzuführen ist. Heutzutage ist die Manier die charakteristische Art und Weise, wie sie zu jemandem bzw. zu etwas oder einem Sachverhalt gehört. Die Manier kann auch ein typischer Stil eines Künstlers sein bzw. eine bestimmte Darstellungsform von Kunst. Mit Manier kann aber auch das Benehmen gemeint sein.

Sie trafen sich in der alten Kaschemme voller Erinnerungen an die Jugend und tranken in gewohnter Manier Aquavit, der zum Erstaunen aller nicht mehr so schmeckte wie noch vor 25 Jahren.

Die Hinterteile gehören Thomas Ostermeier, Sasha Waltz, Jochen Sandig und Jens Hillje, der neuen künstlerischen Leitung der Berliner Schaubühne. Und die hatte sich in der Manier der Kommune 1 an die Wand gestellt: Beine breit, Rebellenpose. Bereit zur Durchsuchung oder Erschießung.
– Christian Rickens (2000), Viel Geld für ein wenig Theater, brand eins 03/2000.