Auf neueswort.de lernen Sie täglich ein Fremdwort. Direkt auf der Website oder im kostenlosen Newsletter.

Ka­no­ni­sa­ti­ons­kon­gre­ga­ti­on

Das wichtige Wort Kanonisationskongregation bezeichnet die katholische Institution, die mit der Prüfung der Anträge auf Selig- und Heiligsprechung (auch: Kanonisation, Kanonisierung) von Personen betraut ist. Wird eine Person von der Kanonisationskongregation für ausreichend bedeutend befunden (also wenn sie etwa ein Märtyrer ist oder sich an ihr ein Wunder zugetragen hat), wird der Antrag im Anschluss vom Advocatus Diaboli angefochten, der gegen eine Selig- oder Heiligsprechung argumentieren soll. Ihm gegenüber argumentiert der Advocatus Dei für eine Selig- bzw. Heiligsprechung.

Schließlich wird eine Seligsprechung vom Präfekten der Kanonisationskongregation selbst durchgeführt und eine Heiligsprechung vom amtierenden Papst. Am wichtigsten ist dabei der Eintrag ins Martyrologium.

Die Ordensgemeinschaft reichte den Antrag bei der Kanonisationskongregation ein und hatte große Hoffnung, dass ihr kürzlich verstorbenes Mitglied heilig gesprochen werden würde.

ad acta

Die Redewendung ad acta bedeutet sinngemäß, dass etwas abgelegt (zu den Akten gelegt) wird. Diese Redewendung wird immer dann verwendet, wenn etwa eine besonders lästige Angelegenheit als erledigt betrachtet werden kann.

Die Redewendung setzt sich aus den lateinischen Wörter ad (zu, nach) und acta (Handlung, Protokoll, Akte) zusammen.

Beide Nachbarn hatten im Laufe der Zeit immer wieder durch massive Angriffe mit toxischen Flüssigkeiten auf die Flora im Garten des jeweilig anderen ihren Nachbarschaftsstreit untermauert. Als jedoch bekannt wurde, dass eine Autobahn 200m weiter südlich ihrer Grundstücke geplant ist legten sie ihren Kleinkrieg ad acta und kämpften nun gemeinsam gegen das Autobahnprojekt.

„Aber dann habe ich gemerkt, dass ich nicht weit komme, wenn ich das neben dem Studium als Hobbyprojekt betreibe“, erinnert sich Pohl, „mit Leuten, die nur so lange mitmachen, wie es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Frustriert legte er das Vorhaben ad acta. Und er fasste einen Entschluss: „Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann richtig.“
Andreas Molitor (2011), Vergesst Sezuan – schaut nach Horb!, brand eins 03/2011.

Zeche

Der geläufige Begriff Zeche wird häufig in der Gastronomie umgangssprachlich als Bezeichnung für die Rechnung für konsumierte Speisen und Getränke verwendet. Eher unbekannt ist hingegen die Bezeichnung aus dem Kontext des Bergbaus einer Grube oder Mine als Zeche. Im Ruhrgebiet (Steinkohlebergwerke) ist die Zeche auch heute noch ein gängiges Synonym für ein Bergwerk.

Die nähere Herkunft des Wortes ist unbekannt, jedoch tauchte der Begriff zuerst im Umfeld des Bergbaus auf.

Ein mittlerweile nicht unüblicher Volkssport in Berlin ist es, in einem Restaurant zu essen, um dann in einen unbeobachteten Moment zu türmen und die Zeche zu prellen.

Die ganze Nacht hat es gegossen, und kurz vor elf, am Sammelpunkt der Kundgebung gegen die Stilllegung der Zeche Tower, schüttet es immer noch. Als ob alle Schleusen im Himmel geöffnet worden wären, um das hoffnungslose Land zu ersäufen und den Förderturm der letzten Zeche in Süd-Wales für immer im Morast versinken zu lassen.
–  Andreas Molitor (2009), Tyrones Traum, brand eins 02/2009. 

komplementär

Das Adjektiv komplementär bedeutet „(sich wechselseitig) ergänzend“. Es beschreibt sich gegenseitig ergänzende Dinge, die jedoch augenscheinlich unabhängig, vielleicht sogar widersprüchlich oder gegensätzlich sind.

Der Begriff entstammt dem lateinischen complementum (Erfüllung, Ergänzung).

Blau und Orange sind Farben, die in einem Gesamtbild ein harmonisches und komplementäres Schema ergeben.

Für einen lokalen Wirtschaftskreislauf, etwa von Lebensmitteln, genügt regionales Geld, dafür braucht man keine international handelbare Währung. Komplementärwährungen verbinden ungenutzte Ressourcen mit unbefriedigten Bedürfnissen. Sie können Leistungen, die zu gering oder zu ineffizient sind, als dass sie auf dem globalen Markt mit einer nationalen Währung konkurrieren könnten, aus der Schattenwirtschaft holen und diese an den ökonomischen Kreislauf anschließen.
– Elisabeth C. Gründler (2009), Erhöhte Unfallgefahr, brand eins 01/2009.

Phrase

In erster Linie ist eine Phrase eine im abwertenden Sinne als nichtssagend oder abgegriffen bezeichnete Aussage bzw. Redensart. Nicht mehr sehr geläufig ist die allgemeine Betitelung von Formulierungen als Phrase, da diese dann als überwiegend abwertend verstanden wird.
Im Kontext der Sprachwissenschaften kann mit einer Phrase auch ein bestimmter Satzteil gemeint sein, der aus mehreren offensichtlich zusammengehörenden Wörtern besteht.
Analog zur Verwendung in der Sprachwissenschaft, ist eine Phrase in den Künsten der Musik eine zusammengehörige, melodische, rythmische Einheit, die in einer größeren musikalischen Struktur auftritt.

Phrase“ entstammt dem lateinischen Wort phrasis übertragend zu „aussprechen“, „anzeigen“ oder „sagen“ übersetzt werden kann.

Irritierend nur, dass im „Traumhotel Brasilien“ ständig unmotiviert Schönheiten im Tanga durchs Bild laufen, womöglich weil der österreichische Regisseur Otto Retzer seine Karriere einst mit Sexfilmchen begann. Die hölzernen Dialoge, die auch von denjenigen Schauspielern, die es eigentlich besser könnten, teilnahmslos aufgesagt werden, kann man als Zuschauer leicht mitsprechen, denn es wird Phrase an Phrase gereiht und kein Klischee ausgelassen.
– Jens Bergmann, Alles wird gut, brand eins 06/2012.

Ag­glo­me­ra­ti­on

Das Substantiv Agglomeration beschreibt eine Anhäufung bzw. Zusammenballung, im Schweizer-Deutsch ist es des Weiteren das Synonym für ein Ballungsgebiet (kurz Agglo). Die Verwendung für Ballungsgebiete oder Kernstädte ist neben der schweizerischen Interpretation auch in Deutschland üblich.

Seinen Ursprung findet das Wort in dem lateinischen Begriff agglomerare, was als „fest anschließen“ übersetzt werden kann.

Viele Städte in nächster Nähe zu Kohleabbaugebieten und der daran angeknüpften Industrie sind rein funktional errichtet und stellen meist eine Agglomeration hässlicher Betonbauten dar.

Trotz aller positiven Entwicklungen bleiben Widersprüche und gravierende strukturelle Unterschiede bestehen, nicht nur weltweit zwischen den dynamischen Regionen und den immer noch armen Entwicklungsländern. Auch in Europa ist die Kluft zwischen den weitgehend entsiedelten Landschaften im Osten und im Süden und den Boom-Regionen entlang der Küsten, um die großen Agglomerationen und im europäischen Kernland von London über Amsterdam und die Rhein-Schiene bis nach Mailand unübersehbar.
Andreas Neef et al. (2003), Basis – Deutschland und Europa 2020, brand eins 10/2003.

transpirieren

Das schwache Verb transpirieren bedeutet „schwitzen“, also das Abgeben von Flüssigkeit durch die Poren der Haut. Entsprechend ist die Transpiration „der Schweiß“.  Analog zum menschlichen Schwitzen kann mit dem Begriff auch das Verdunsten von Wasser aus Pflanzen beschrieben werden. Mit den Stomata, kleinen Öffnungen auf der Oberfläche von Blättern und anderen Pflanzenteilen, aus denen das Wasser austritt, besteht auch eine entsprechende Analogie zu menschlichen Hautporen.

Herkunft des Begriffs transpirieren ist die Verbindung der lateinischen Vorsilbe trans- (durch-) mit dem Verb spirare (hauchen, atmen).

Sie transpirierte so stark, dass sich auf ihrer Bluse große dunkle Flecken unter den Achseln abzeichneten.

Sein stets unangenehm feuchter Händedruck war Resultat einer übermäßigen Neigung zur Transpiration. Glücklicherweise konnte sein Dermatologe das Problem beseitigen, wenn auch eine schmerzhafte Spritze dazu nötig war.

„Selbst im tiefsten Winter kann ich mich nicht dünn genug anziehen ohne dennoch schlimmer zu transpirieren als ein vollbehaarter sizilianischer Straßenbauarbeiter.“
Achim Achilles (2009), Alles im Fluss, veröffentlicht auf Spiegel Online am 20.02.2009.

Manko

Ein Manko ist ein Zustand, der vorliegt, wenn etwas in einem Sachverhalt noch fehlt oder durch eine fehlende Sache beeinträchtigt wird. Im Kontext der Wirtschaft spricht man auch von einem Manko, wenn ein Fehlbetrag oder eine Fehlmenge vorliegt.
Das  Wort entstammt dem lateinischen Ausdruck mancus, was als „verstümmelt“ bzw. „unvollständig“ übersetzt werden kann.

In der vorliegenden Strategie sah er in der Finanzierung noch ein nachhaltiges Manko, was die Wirtschaftlichkeit der Geschäftsidee in Frage stellte.

Grönemeyer: Ich empfinde es als Riesen-Manko unseres Gesundheitssystems, dass ich zurzeit nur privat abrechnen darf. Dabei möchte ich auch Parienten aus den gesetzlichen Kassen behandeln. Aber die Krankenkassen tun sich schwer, innovative Behandlungsmethoden zu zahlen.
– Oliver Driesen, Das Krankenhaus als Event inszenieren, brand eins 05/2002.

Diskrepanz

Das Substantiv „Diskrepanz“ bedeutet soviel wie Widersprüchlichkeit bzw. beschreibt ein Missverhältnis zwischen zwei Sachverhalten oder Dingen. Einfache Differenzen zwischen Sachverhalten, deren Ziel ggf. die Übereinstimmung war, können auch als Diskrepanzen bezeichnet werden.

Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Wort discrepantia (nicht übereinstimmen).

Schon in der Einleitung seines Vortrages wurde schnell klar, dass die herrschenden Diskrepanzen der rivalisierenden Intressengruppen nicht kleinlaut unter den Tisch fallen würden, sondern in einem offenen Dialog diskutiert werden sollten.

Viele halten ihr Unternehmen für innovativer, als es wirklich ist. Wenn man – wie wir es für unsere Untersuchung getan haben – mal nachbohrt, wie Ideen im Unternehmen gefordert und gefördert werden, wissen viele keine Antwort mehr. Es gibt eine gravierende Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Innovations-Anspruch auf der einen Seite und mangelhafter Innovations-Verantwortung auf der anderen. Ernüchternd war die Selbsteinschätzung von 104 Ansprechpartnern auf der Ebene Vorstand, Geschäftsleitung und Konzernentwicklung: Nicht einmal ein Drittel von ihnen hielt sich selbst für zuständig.
Harald Willenbrock, Was Menschen treibt: Ich kümmere mich drum. In zwei Jahren., brand eins 06/2008.

et al.

Die Abkürzung et al. steht für die lateinische Wortkombination et alii, welche soviel wie „und andere“ bedeutet. Die Abkürzung findet seine häufigste Verwendung bei abgekürzten Quellenangaben, die ggf. im Text auftauchen oder in einer Fußnote. Gemäß den Regeln nach dem „Havard-Zitat“ wird dabei der Nachname des Hauptautors der Quelle genannt und auf die weiteren beteiligten Personen durch et al. hingewiesen.

[…]zu bedienen wie Pauschaltouristen am All-inclusive-Büfett. Doch auf lange Sicht ist das ebenso so sinnlos, wie Tag für Tag auf Pump einzukaufen und zu verdrängen, dass früher oder später eine Tilgung fällig wird. Zuzüglich Zinsen.

1) Gilt auch für die in unserer Grafik verwendeten externen Kosten
2) Mark A. Sutton et al.: The European Nitrogen Assessment. Cambridge University Press 2011
Harald Willenbrock, Was kostet die Welt?, brand eins 06/2011.

Es ist für einige Menschen schon oft nicht leicht, in räumlichen Dimensionen zu denken. Wenn man nun die Zeit als weitere Dimension und dann noch die Variation der Zeit hinzuzieht (also fünf Dimensionen), macht das die Sache doch erheblich komplizierter. Wer sich mit der Geschichte des Universum beschäftigt, kommt auch an der imaginären Zeit nicht vorbei, wobei sich unter der Berücksichtigung derer die Geschichte des Universums anhand einer abgeflachten Kugel, die einer Nussschale ähnelt, darstellen lässt [Hawking et al.].