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  • ambivalent

    Das Adjektiv ambivalent bedeutet „zwiesp√§ltig“ oder „doppeldeutig“.

    Man bezeichnet etwas als ambivalent, wenn mehrere Deutungsebenen nebeneinander existieren. Diese k√∂nnen dabei durchaus gegens√§tzlicher Natur sein, ohne ihre jeweilige G√ľltigkeit zu verlieren.

    Ebenfalls kann man das Adjektiv substantivieren und von der Ambivalenz einer Sache sprechen.

    Der Begriff entstammt dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus ambi- (von zwei Seiten, herum) und valens (stark, mächtig).

    „Jede Minute z√§hlt“ lautet der Untertitel des Buches, das Birgitt Kollmann mit feinem Gesp√ľr f√ľr die ambivalente Stimmung des Romans ins Deutsche √ľbersetzt hat. Der leuk√§miekranke elfj√§hrige Sam und der zwei Jahre √§ltere Felix, die sich im Krankenhaus angefreundet haben, sind fest entschlossen, jede Minute ihres kurzen Lebens auszukosten.
    – Hilde Elisabeth Menzel (2009), LUCHS des Jahres 2008, Die Zeit, 15.01.2009 Nr. 04.

    In Bezug auf den letzten Punkt dr√ľckte er sich √§u√üerst ambivalent aus, so als wisse er selber gar nicht ganz genau, wo die Reise hingehen sollte.

    Bei seinem Anblick wurde sie von ambivalenten Gef√ľhlen √ľberflutet. Einerseits hasste Sie ihn f√ľr das, was aus ihm geworden war, andererseits liebte sie ihn nach wie vor innig und aufrichtig.

  • kompensieren

    Das Verb kompensieren stammt vom lateinischen compensare ab, was soviel bedeutet wie „gegeneinander abw√§gen“ oder „ausgleichen“. Im deutschen Sprachgebrauch steht das Wort ebenfalls f√ľr die Synonyme „ausgleichen“ und „aufheben“, im √ľbertragenen Sinne ist es aber auch als „verg√ľten“ oder „verrechnen“ verwendbar.

    Kompensieren verwendet man beispielsweise, wenn es um finanzielle Prozesse geht in denen etwas¬†ausgeglichen oder durch eine Gegenwirkung aufgehoben wird. Bildungssprachlich kann der Begriff aber auch verwendet werden, um einen Ausgleichsprozess jeglicher Art zu beschreiben beziehungsweise als Synonym f√ľr ¬†„aufwiegen“, „ausbalancieren“, „wettmachen“, „entsch√§digen“, oder „wiedergutmachen“.

    Soziale Vernachl√§ssigungen lassen sich nicht einfach durch Geschenke kompensieren. So kann der Leistungsdruck seitens des Jobs einen sehr viel mehr Kosten als „nur“ viel Zeit.

    Geringe Kapitalausstattung und Qualifikation lie√üen sich kompensieren: durch kompromisslosen Einsatz und famili√§re Unterst√ľtzung.
    Harald Willenbrock (2011), Wo kommen all die t√ľrkischen Gem√ľseh√§ndler her?, brand eins 05/2011.

    Sie ist ergebnisorientiert und bereit, ihre Entscheidungen auch gegen Widerstand und Kritik durchzusetzen. Ihre mangelnde Erfahrung im Einkauf kann sie durch ihre Professionalität und gute Vorbereitung kompensieren.
    Philipp-André Plogmann, Wer ist der beste Bewerber? РWas Experten raten, Harvard Business Manager 09/2011.

  • Prokrastination

    Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Von Prokrastination im soziologischen Sinne spricht man dann, wenn eine anstehende Tätigkeit Рmeist eine unangenehme aber notwendige Aufgabe Рauf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. In Abgrenzung zum legitimen und sinnvollen Vertagen meint Prokrastination im Speziellen ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben, es entstehen also durch das Prokrastinieren Nachteile.

    Ein beinahe schon typisches Studentenproblem ist die Prokrastination. Hausarbeiten werden regelmäßig in den letzten zwei Tagen geschrieben und kurz vor der Klausur wird der Stoff noch schnell bis zum Umfallen gepaukt, nur um danach gleich wieder vergessen zu werden.

    Es gibt im wesentlichen zwei Grundmuster der Prokrastination. Die einen prokrastinieren, weil ihnen der Druck der letzten Minuten und das Gef√ľhl, es doch noch geschafft zu haben, zus√§tzliche Befriedigung verschaffen. Die anderen prokrastinieren, weil sie unangenehmen Aufgaben auszuweichen versuchen oder Angst haben, zu versagen.

  • Metier

    Der Begriff Metier stammt vom¬†franz√∂sischen Wort¬†m√©tier¬†ab, was f√ľr ein Gesch√§ft oder Handwerk steht, welches jemand beherrscht oder betreibt. Im Deutschen bedeutet er schlie√ülich „Beruf“, „Handwerk“ oder „Gewerbe“.

    Das Metier einer Person ist somit ihr T√§tigkeiten- oder Berufsfeld, f√ľr das sie die n√∂tigen¬†Voraussetzungen¬†erf√ľllt, in dem sie also „zu Hause“ ist. Eine formale Ausbildung ist daf√ľr nicht unbedingt n√∂tig.¬†Auch Politiker beherrschen gegebenenfalls ihr Metier, wobei sie hierf√ľr vielleicht keine zielgerichtete Ausbildung genossen haben. Der Begriff wird oft f√ľr die Beschreibung von T√§tigkeitsfeldern im k√ľnstlerischen und akademischen Bereich verwendet.

    Man sieht, dass er in der Malerei sein Metier gefunden hat. Niemals zuvor ist er so kreativ gewesen.

    Der neue Stil der Brosch√ľre ist au√üergew√∂hnlich, jedoch ist das hier auch ein ganz anderes Metier als das der √ľblichen Ausgaben.

    Wenn man nun auch dem jungen Menschen an der lustigen und frohen Unterhaltung und an den √ľblichen Vergn√ľgungen, solange sie in den Schranken des Anstand es bleiben, teilzunehmen erlaubt, so wird er doch von seinen ernsthaften Hauptgesch√§ften noch immer Zeit genug √ľbrig behalten, irgendein¬†Metier¬†zu lernen.
    – John Locke (1920),¬†Gedanken √ľber Erziehung.

  • redundant

    Der Begriff redundant hat seine Herkunft im lateinischen Wort redundare¬†(re = zur√ľck und unda = Welle) und bedeutet soviel wie „mehrfach vorhanden, √ľberreichlich, wiederholt oder √ľberz√§hlig“. Sachverhalte oder Abl√§ufe k√∂nnen redundant sein wenn diese mehrfach ausgef√ľhrt worden sind. Auch Produkte oder Daten k√∂nnen redundant sein wenn¬†diese wenigstens doppelt vorhanden sind.

    Wenn Datens√§tze mehrfach an verschiedenen Orten vorhanden sind spricht man auch von redundanter Datenspeicherung. Prozesse sind oft nicht effizient, wenn Arbeiten doppelt ausgef√ľhrt werden. Auch hier spricht man von redundanten Prozessen.

    Auch die redundanten Sicherheitssysteme konnten den schweren Unfall in der Brennkammer nicht verhindern.

    Wenn in der sprachlichen Kommunikation redundante Informationen √ľbertragen werden, so ist dies bei weitem nicht √ľberfl√ľssig, sondern sichert das korrekte Verst√§ndnis der Information.

    Eine redundante Ausf√ľhrung von Sensoren und Bordcomputern ist im Flugzeugbau l√§ngst ein Standard, hierbei kann der Ausfall von einzelnen Komponenten durch parallel arbeitende Systeme kompensiert werden.

  • progressiv

    Das Adjektiv progressiv hat seine Herkunft im Lateinischen, wo progressus „Fortgang, Fortschreiten“ bedeutet. In der deutschen Sprache kann progressiv sowohl „fortschrittlich“ (im Sinne von modern) als auch „fortschreitend, sich steigernd“ meinen.

    In der ersten Wortbedeutung kann man somit Dinge und Sachverhalte beschreiben, die dem aktuellsten Stand der Dinge entsprechen, neue Ideen pr√§sentieren, besonders modern sind, eventuell sogar mit Altem brechen, insbesondere auch im politischen oder k√ľnstlerischen Sinne.

    In der zweiten Wortbedeutung können Vorgänge als progressiv bezeichnet werden, die sich kontinuierlich und ohne nennenswerte Abweichungen in eine bestimmte Richtung entwickeln. Insbesondere im medizinischen Kontext werden so sich verschlimmernde Krankheitsverläufe charakterisiert.

    Der progressive Stil des Ensembles war nicht jedermanns Sache, brach er doch mit vielen altbewährten Elementen der Popmusik.

    Sie berief sich einerseits auf Traditionen, andererseits fanden besonders ihre progressiven Ansätze große Beachtung.

    Auch im Falle von Alzheimer kommt es meist zu einem progressiven Krankheitsverlauf, der sich mit therapeutischen Maßnahmen bestenfalls verzögern lässt.

  • manifestieren

    Der Begriff manifestieren¬†leitet sich von dem lateinischen Verb manifestare ab, was w√∂rtlich √ľbersetzt soviel bedeutet wie „zeigen“ oder „deutlich machen“. Im heutigen Sprachgebrauch hat manifestieren die Bedeutung „sich oder etwas zu offenbaren“ oder „sich zu erkennen geben“ beziehungsweise „sichtbar werden“. Analog zur urspr√ľnglichen Bedeutung kann es auch als Synonym f√ľr „deutlich machen“ oder „etwas zum Ausdruck bringen“ gebraucht werden.

    Das Wort wird im Sprachgebrauch meist angewandt wenn eine Steigerungsform der oben genannten Synonyme passend ist.

    Mit dem unvergleichbar hohen Eintrittspreis sollte die Exklusivität der Veranstaltung  manifestiert werden.

    Mit kleinen Aufklebern in Form eines Vereinslogos auf der Heckseite ihres Fahrzeuges manifestieren viele Fussballfans die Liebe zu ihrem Verein.

    Vielleicht wäre mehr Gerechtigkeit, mehr Wahrheit möglich, wo weniger Zwang zur Transparenz herrschte. Eine kommunikative Gesellschaft, die sich selbst transparent ist, ist ein Ideal der Aufklärung. Sie manifestiert sich aber heute als eine Gesellschaft totaler Kontrolle, des Verdächtigens, des Misstrauens und der Entblößung
    Oliver Link, Nur eine Maschine ist transparent, brand eins 07/2011

  • philanthropisch

    Das Adjektiv philanthropisch entstammt dem griechischen¬†phil√°nthrŇćpos und beschreibt die Menschenfreundlichkeit. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass jemand besonders menschenfreundlich handelt oder denkt. Die urspr√ľngliche Bedeutung erweiternd, werden heutzutage auch wohlt√§tige und gemeinn√ľtzige Denkweisen und Sachverhalte als philanthropisch bezeichnet.

    Wenn also eine Denkweise oder eine Handlung als wohlt√§tig oder als Projekt f√ľr die Menschen gesehen wird, so kann philanthropisch als Kompliment f√ľr die Verantwortlichen verwendet werden.

    Auch Facebook lerne dazu. Am bemerkenswertesten aber habe sich, so Eck, Microsoft gemacht Рund das nicht nur, weil Bill Gates und seine Frau Melinda sich mit ihrer philanthropischen Stiftung einen guten Ruf erarbeitet hätten.
    Ulf J. Froitzheim (2011), Dallas Digital, brand eins 09/2011

    Auch der hohe Erl√∂s der Spenden f√ľr die Kinderhilfsprojekte war ein weiteres Indiz f√ľr den rein philanthropischen Charakter der Spendengala.

    Ohne nicht auch mal die eigenen Maximen und philanthropischen Denkweisen zu ignorieren, w√ľrde es uns vielleicht schwerer fallen, Missst√§nde in der Gesellschaft zu verstehen.

  • lakonisch

    Das Adjektiv lakonisch entstammt dem griechischien lakŇćnik√≥s (kurz und treffend, wortkarg) und hat im Deutschen heute noch die gleiche Bedeutung. Es bezog sich urspr√ľnglich auf die knappe Ausdrucksweise der Spartaner, die man derzeit auch Lakedaimonier nannte.

    Das Wort l√§sst sich immer dann verwenden, wenn man darauf hinweisen m√∂chte, dass etwas kurz und treffend ausgedr√ľckt wurde. Oft, aber nicht immer, schlie√üt das auch eine n√ľchterne und pr√§zise Ausdrucksweise ein.

     Lakonisch, ohne auch nur die Stimme zu erheben, beschrieb sie den Tathergang.

    Auf die sehr offen gestellte Frage antwortete er √ľberraschend lakonisch.

    Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, wiederum brachte es auf die lakonische Formel „der Weg ist das Ziel“.
    Katharina Schuler (2009), Islamkonferenz √ľbt sich in Bescheidenheit, Zeit Online 25.6.2009.

    H√§ufig spricht man von „lakonischer K√ľrze“, was jedoch ein Paradebeispiel f√ľr einen Pleonasmus ist.

  • monet√§r

    Das Adjektiv monet√§r findet seine etymologische Herkunft in dem lateinischen Wort f√ľr M√ľnze (moneta) und bedeutet „finanziell, das Geld betreffend“. Es bezeichnet somit im Allgemeinen geldliche und finanzielle Werte.

    Das Wort ist im allt√§glichen Sprachgebrauch sinngem√§√ü anwendbar. Man verwendet es √ľblicherweise, wenn besonders in den Vordergrund gestellt werden soll, dass es sich ausschlie√ülich um geldliche und nicht um vergleichbare Werte handelt.

    Monetäre Anreize können einen Ansporn zu mehr Leistung im beruflichen Alltag darstellen.

    Zur Stabilisierung der Region wurden fiskalische und monetäre Mittel eingesetzt.

    Monetär sind wir derzeit gut aufgestellt.

    Inzwischen ist eine neue Elite¬†entstanden, die sich √ľber viele L√§nder verteilt und auf kultureller Ebene austauscht.¬†F√ľr diese Menschen hat Luxus nichts mehr¬†mit monet√§ren und materiellen Werten zu¬†tun ‚Äď ihnen geht es um kulturelle Relevanz.
    Р Gabriele Fischer, Wolf Lotte (2006), Ehrlichkeit ist auch eine Strategie, brand eins 04/2006