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  • progressiv

    Das Adjektiv progressiv hat seine Herkunft im Lateinischen, wo progressus „Fortgang, Fortschreiten“ bedeutet. In der deutschen Sprache kann progressiv sowohl „fortschrittlich“ (im Sinne von modern) als auch „fortschreitend, sich steigernd“ meinen.

    In der ersten Wortbedeutung kann man somit Dinge und Sachverhalte beschreiben, die dem aktuellsten Stand der Dinge entsprechen, neue Ideen pr√§sentieren, besonders modern sind, eventuell sogar mit Altem brechen, insbesondere auch im politischen oder k√ľnstlerischen Sinne.

    In der zweiten Wortbedeutung können Vorgänge als progressiv bezeichnet werden, die sich kontinuierlich und ohne nennenswerte Abweichungen in eine bestimmte Richtung entwickeln. Insbesondere im medizinischen Kontext werden so sich verschlimmernde Krankheitsverläufe charakterisiert.

    Der progressive Stil des Ensembles war nicht jedermanns Sache, brach er doch mit vielen altbewährten Elementen der Popmusik.

    Sie berief sich einerseits auf Traditionen, andererseits fanden besonders ihre progressiven Ansätze große Beachtung.

    Auch im Falle von Alzheimer kommt es meist zu einem progressiven Krankheitsverlauf, der sich mit therapeutischen Maßnahmen bestenfalls verzögern lässt.

  • manifestieren

    Der Begriff manifestieren¬†leitet sich von dem lateinischen Verb manifestare ab, was w√∂rtlich √ľbersetzt soviel bedeutet wie „zeigen“ oder „deutlich machen“. Im heutigen Sprachgebrauch hat manifestieren die Bedeutung „sich oder etwas zu offenbaren“ oder „sich zu erkennen geben“ beziehungsweise „sichtbar werden“. Analog zur urspr√ľnglichen Bedeutung kann es auch als Synonym f√ľr „deutlich machen“ oder „etwas zum Ausdruck bringen“ gebraucht werden.

    Das Wort wird im Sprachgebrauch meist angewandt wenn eine Steigerungsform der oben genannten Synonyme passend ist.

    Mit dem unvergleichbar hohen Eintrittspreis sollte die Exklusivität der Veranstaltung  manifestiert werden.

    Mit kleinen Aufklebern in Form eines Vereinslogos auf der Heckseite ihres Fahrzeuges manifestieren viele Fussballfans die Liebe zu ihrem Verein.

    Vielleicht wäre mehr Gerechtigkeit, mehr Wahrheit möglich, wo weniger Zwang zur Transparenz herrschte. Eine kommunikative Gesellschaft, die sich selbst transparent ist, ist ein Ideal der Aufklärung. Sie manifestiert sich aber heute als eine Gesellschaft totaler Kontrolle, des Verdächtigens, des Misstrauens und der Entblößung
    Oliver Link, Nur eine Maschine ist transparent, brand eins 07/2011

  • d’ac¬≠cord

    Das Adjektiv d’accord wurde direkt aus dem Franz√∂sischen √ľbernommen und bedeutet „einig, einer Meinung, einverstanden“. Die Aussprache folgt korrekterweise ebenfalls dem franz√∂sischen Vorbild, vermischt sich in Deutschland aber naturgem√§√ü h√§ufig mit einem gewissen Akzent.

    Verwendet wird der Begriff um auszudr√ľcken, dass man mit jemandem einer Meinung ist und beispielsweise seinen Vorschl√§gen zustimmt. So kann man mit einer Person d’accord sein oder – seltener und umgangssprachlicher – mit ihr d’accord gehen. F√ľr sich stehend kann der Begriff auch als Ausruf zum Ausdruck des Einverst√§ndnisses gebraucht werden: „D’accord!“

    Da bin ich vollkommen d’accord mit Ihnen.

    In wenigstens dieser Angelegenheit musste er einfach zugeben, mit mir d’accord zu sein.

    Diesbez√ľglich gehen wir wohl d’accord.

  • philanthropisch

    Das Adjektiv philanthropisch entstammt dem griechischen¬†phil√°nthrŇćpos und beschreibt die Menschenfreundlichkeit. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass jemand besonders menschenfreundlich handelt oder denkt. Die urspr√ľngliche Bedeutung erweiternd, werden heutzutage auch wohlt√§tige und gemeinn√ľtzige Denkweisen und Sachverhalte als philanthropisch bezeichnet.

    Wenn also eine Denkweise oder eine Handlung als wohlt√§tig oder als Projekt f√ľr die Menschen gesehen wird, so kann philanthropisch als Kompliment f√ľr die Verantwortlichen verwendet werden.

    Auch Facebook lerne dazu. Am bemerkenswertesten aber habe sich, so Eck, Microsoft gemacht Рund das nicht nur, weil Bill Gates und seine Frau Melinda sich mit ihrer philanthropischen Stiftung einen guten Ruf erarbeitet hätten.
    Ulf J. Froitzheim (2011), Dallas Digital, brand eins 09/2011

    Auch der hohe Erl√∂s der Spenden f√ľr die Kinderhilfsprojekte war ein weiteres Indiz f√ľr den rein philanthropischen Charakter der Spendengala.

    Ohne nicht auch mal die eigenen Maximen und philanthropischen Denkweisen zu ignorieren, w√ľrde es uns vielleicht schwerer fallen, Missst√§nde in der Gesellschaft zu verstehen.

  • lakonisch

    Das Adjektiv lakonisch entstammt dem griechischien lakŇćnik√≥s (kurz und treffend, wortkarg) und hat im Deutschen heute noch die gleiche Bedeutung. Es bezog sich urspr√ľnglich auf die knappe Ausdrucksweise der Spartaner, die man derzeit auch Lakedaimonier nannte.

    Das Wort l√§sst sich immer dann verwenden, wenn man darauf hinweisen m√∂chte, dass etwas kurz und treffend ausgedr√ľckt wurde. Oft, aber nicht immer, schlie√üt das auch eine n√ľchterne und pr√§zise Ausdrucksweise ein.

     Lakonisch, ohne auch nur die Stimme zu erheben, beschrieb sie den Tathergang.

    Auf die sehr offen gestellte Frage antwortete er √ľberraschend lakonisch.

    Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, wiederum brachte es auf die lakonische Formel „der Weg ist das Ziel“.
    Katharina Schuler (2009), Islamkonferenz √ľbt sich in Bescheidenheit, Zeit Online 25.6.2009.

    H√§ufig spricht man von „lakonischer K√ľrze“, was jedoch ein Paradebeispiel f√ľr einen Pleonasmus ist.

  • monet√§r

    Das Adjektiv monet√§r findet seine etymologische Herkunft in dem lateinischen Wort f√ľr M√ľnze (moneta) und bedeutet „finanziell, das Geld betreffend“. Es bezeichnet somit im Allgemeinen geldliche und finanzielle Werte.

    Das Wort ist im allt√§glichen Sprachgebrauch sinngem√§√ü anwendbar. Man verwendet es √ľblicherweise, wenn besonders in den Vordergrund gestellt werden soll, dass es sich ausschlie√ülich um geldliche und nicht um vergleichbare Werte handelt.

    Monetäre Anreize können einen Ansporn zu mehr Leistung im beruflichen Alltag darstellen.

    Zur Stabilisierung der Region wurden fiskalische und monetäre Mittel eingesetzt.

    Monetär sind wir derzeit gut aufgestellt.

    Inzwischen ist eine neue Elite¬†entstanden, die sich √ľber viele L√§nder verteilt und auf kultureller Ebene austauscht.¬†F√ľr diese Menschen hat Luxus nichts mehr¬†mit monet√§ren und materiellen Werten zu¬†tun ‚Äď ihnen geht es um kulturelle Relevanz.
    Р Gabriele Fischer, Wolf Lotte (2006), Ehrlichkeit ist auch eine Strategie, brand eins 04/2006

  • evident

    Das Adjektiv evident leitet sich von dem lateinischen Adjektiv evidens ab und bedeutet soviel wie augenscheinlich. Es beschreibt etwas, das klar auf der Hand liegt.

    Ein evidenter Sachverhalt ist unmittelbar und ohne Schwierigkeit erkennbar. Das Wort l√§sst sich somit allt√§glich f√ľr die Betonung der Offensichtlichkeit eines Sachverhalts oder eines Zustandes verwenden, insbesondere auch um deutlich zu machen, dass man weitere Diskussion f√ľr √ľberfl√ľssig h√§lt.

    Dein Engagement in dem neuen Projekt ist aufgrund deines Nichterscheinens bei der Arbeit evident unzureichend.

    Irgendwann werde etwas so evident, dass sich daraus ein neuer Trend ableiten ließe.
    Schönherr K. (2011), Vorraussagen was angesagt ist, Zeit-Online 23.12.2011

    Mit dieser Geistesverfassung von froher, √ľbersch√§umender Kraft ging man an die L√∂sung der letzten Aufgabe, die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit so¬†evident¬†zu machen, wie es ein mathematischer Lehrsatz war, denn alles war ja mathematisch erkennbar.
    – Paul Ernst (1935), Ein Credo.

  • polemisch

    Wenn eine Argumentation polemisch ist, dann ist sie unsachlich, aggressiv und √ľberspitzt. Das Wort stammt von dem gleichbedeutende Adjektiv pol√©mique aus dem Franz√∂sischen¬†ab, welches wiederum auf polemik√≥s (kriegerisch) aus dem Griechischen zur√ľckzuf√ľhren ist.

    Man sagt, Auseinandersetzungen und Diskussionen mit politischem, literarischem oder wissenschaftlichem Hintergrund gleiten ins Polemische ab, wenn eine persönliche und unsachliche Ebene erreicht wird. Somit lässt sich das Wort verwenden, um jemanden auf diesen Missstand seiner Argumentation aufmerksam zu machen.

    Ihre Ausf√ľhrungen f√ľr die Durchsetzung ihrer Ziele der Autofreien Zone haben das Kernthema g√§nzlich verlassen. Ihre polemische Argumentation bringt uns nicht weiter.

    D√ľhring hat Helmholtz geradezu besudelt; und es braucht wohl kaum gesagt zu werden, da√ü Einstein diese Art einer polemischen Beweisf√ľhrung verabscheut;
    – Alexander Moszkowski (1922), Einstein – Einblicke in seine Gedankenwelt.

    Nun, das liegt nicht in meiner Absicht. Der Anschein entstand wahrscheinlich daraus, da√ü ich in meiner¬†polemisch¬†angelegten Darstellung die unausgebildeten √§rztlichen Analytiker f√ľr noch gef√§hrlicher erkl√§ren mu√üte als die Laien.
    – Sigmund Freud (1926), Die Frage der Laienanalyse.

  • obsolet

    Das steigerbare Adjektiv obsolet entstammt dem lateinischen Begriff obsoletus, was so viel wie „abgenutzt“ bedeutet.

    So bezeichnet man im Deutschen Dinge, Ideen, Anschauungen und √§hnliches als obsolet, wenn sie √ľberholt und veraltet sind. Obsolet ist also alles, was durch neues ersetzt und damit √ľberfl√ľssig geworden ist. Statt eine Sache als obsolet zu benennen, kann man auch von ihrer Obsoleszenz sprechen.

    Die Erfindung digitaler Speichermedien hat herkömmliche Fotokameras obsolet werden lassen. Ihrer technischen Obsoleszenz zum Trotz erfreuen sie sich aber bei Enthusiasten nach wie vor großer Beliebtheit.

    Die Zeit verlangt Wahrheit, die ganze Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Es mu√ü noch dahin kommen, da√ü keiner dem andern eine Ohrfeige √ľbelnehmen darf, wofern letztere nur aus einer teuren √úberzeugung entsprang. Kein Briefgeheimnis, kein Hausgeheimnis! Alle diese obsoleten Begriffe m√ľssen fallen! Alles mu√ü √∂ffentlich sein!
    – Karl Immermann (1977), M√ľnchhausen.

  • spartanisch

    Das Wort spartanisch stammt aus der Antike und beschreibt die sprichw√∂rtliche H√§rte und Einfachheit der Spartaner. Es leitet sich direkt aus dem altgriechischen Namen der Stadt Sparta¬†ab. Wortw√∂rtlich steht es f√ľr schlicht, einfach oder bescheiden.

    Verwenden l√§sst sich dieses Adjektiv allt√§glich f√ľr die Beschreibung einfach gestalteter Sachverhalte. Wo die Bescheidenheit oder das Einfache als Stilmittel benutzt wird und die Bemerkung respektvoll untermalt werden soll, findet das Wort Anwendung.

    Die Website hat etwas Spartanisches, der Benutzer wird nicht mit √ľberfl√ľssiger Werbung und unn√ľtzer Information √ľberh√§uft.

    Der 59-J√§hrige sitzt an einem alten Holztisch in der Mitte eines schmalen, spartanisch eingerichteten Konferenzraums. Um den Tisch herum sechs harte St√ľhle. An der Wand Schr√§nke, die an Spinde in Kasernen erinnern.
    Karin Finkenzeller (2011), Kriegsspiele, brand eins 09/2011