• Charme

    Das Substantiv Charme bezeichnet eine Anziehungskraft, die vom Wesen einer Person, einer Sache oder einem Ort ausgeht.

    Synonyme zu Charme sind unter anderem „Anmut“, „Ausstrahlung“, „ Flair“, „ Grazie“, „Reiz“ oder „Zauber“.

    Charme stammt aus dem Französischen und ist auf das lateinische carmen (Gesang, Lied, Zauberformel) zurückzuführen.

    Die Wohnung versprühte durch die schönen Holzdielen, die Stuckdecken und die großen Flügeltüren einen ganz besonderen Charme, so dass die Entscheidung der Wohnungssuchenden schon auf den ersten Blick klar war.

    Sie braucht nur ihren Charme spielen zu lassen und schon tanzen alle nach ihrer Pfeife.

    Gut 1000 Euro Honorar erhält er für die Story. Authentisch ist die dann allemal, und diese Echt- und Direktheit macht einen Teil des Charmes des Heftes aus, den Leser in Briefen loben.
    Peter Gaide, Verrohte Sitten, Brandeins, 02/2014

  • lädiert

    Das Adjektiv lädiert bedeutet, dass etwas beschädigt und daher im äußeren Erscheinungsbild beeinträchtigt ist.

    Synonyme zu lädiert sind „angeschlagen“, „defekt“, „schadhaft“, „ramponiert“ oder das umgangssprachliche „mitgenommen“.

    Lädiert ist abgeleitet vom lateinischen Verb laedere („schädigen“, „verletzen“).

    Nach langen Überredungskünsten hatte er sich letztendlich doch dazu durchgerungen, seinem Sohn das Auto zu leihen. Umso mehr fühlte er sich in seiner Skepsis bestätigt, als der lädierte Wagen nach Ende des Festivals wieder in der Auffahrt stand.

    Die Lokalpatrioten konnten sich in der packenden Partie letztendlich mit viel Körpereinsatz durchsetzen. Die gegnerische Mannschaft verließ lädiert das Feld und begab sich trotzig auf den Heimweg.

    Viel schwerer haben es dagegen die großen Energieversorger in Deutschland, die ihre Gewinne größtenteils mit Atommeilern und braunkohlebefeuerten Kraftwerken einfahren und sich nebenbei eine Sparte für erneuerbare Energien leisten. Wenn dann noch häufig Störfälle auftreten, peinliche Vertuschungsversuche sowie miserabel kommunizierte Preiserhöhungen wie vor fünf Jahren bei Vattenfall Europe, wird auch der Ruf als Arbeitgeber schwer lädiert.
    Andreas Molitor, Ins Licht gerückt, Brandeins, 02/2012

  • a priori

    A priori bedeutet im deutschen Sprachgebrauch heute „von vornherein“ oder „grundsätzlich“.

    Der Begriff kann etwa gebraucht werden, wenn man ohne weitere Beweise und von vornherein ein Urteil trifft. Insbesondere findet der Begriff auch in der Philosophie Verwendung. Hier bedeutet eine Aussage a priori zu treffen, dass diese ohne tatsächliche Erfahrung, sondern durch bloßes Nachdenken und logische Schlussfolgerung erreicht wurde.

    Seinen Ursprung findet der Ausdruck im lateinischen prior (Vorfahre, Vorgänger).

    Es ist in diesem Fall schwer, a priori eine Entscheidung zu treffen. Man sollte die Idee daher zunächst im kleinen Rahmen testen, bevor man sie generell für gültig erklärt.

    Wir schließen a priori aus, uns mit dieser Frage auch nur zu beschäftigen, um unsere Ablehnung der theoretischen Grundlagen zu bekräftigen.

    A priori ist das kein Widerspruch, wenn der Fall dann aber tatsächlich eintritt, muss man auf alles gefasst sein.

  • avisieren

    Das Verb avisieren bedeutet „ankündigen“. Avisiert werden kann etwa ein bevorstehendes Ereignis. Speziell im wirtschaftlichen Sprachgebrauch wird das Eintreffen von Personen, Dingen und Veränderungen avisiert.

    Seinen Ursprung hat der deutsche Begriff im gleichbedeutenden französischen aviser.

     Er hatte für die gesamte Abteilung eine üppige Bonuszahlung avisiert, konnte das Versprechen aber nach Beginn der Finanzkrise nicht mehr einlösen.

    Nachdem die geplatzte Bonuszahlung – nebst anderen nicht erfüllten Erwartungen – das Arbeitsklima nachhaltig verschlechtert hatte, wurde der Abteilung ein Führungswechsel binnen einer Woche avisiert.

    Die von der Bundesregierung avisierte Einführung der LKW-Maut wurde wieder und wieder verschoben.

  • Syntax

    Der Begriff Syntax (die) kommt aus der Sprachwissenschaft und meint:

    • Ein Teilgebiet der Grammatik: die Lehre vom Bau des Satzes bzw. die Satzlehre.
    • Die in einer Sprache übliche Verbindung von Wörtern zu Wortgruppen, Phrasen und Sätzen.

    Die Herkunft des Substantivs liegt im griechischen sýntaxis (Zusammenstellung), welches sich aus den Wörtern sýn (zusammen) und táxis (Ordnung) zusammensetzt.

    Nutzt man den Service Google Translate, um komplette Sätze in eine andere Sprache zu übersetzen, führt dies meistens zu einer fehlerhaften Syntax.

    „Tragen einen Helm du sollst“ – so würde es Yoda formulieren, der 900 Jahre alte Geistesriese von Zwergenwuchs aus den Star Wars-Filmen, der allein mit der Kraft seiner Gedanken deutsche Syntax zerstören kann.
    Peter Dausend, Möge der Helm mit dir sein!, Zeit online, 4. Juni 2015

  • Minorität

    Das Substantiv Minorität (die) bedeutet „Minderheit“, „Minderzahl“ oder „Randgruppe“. Eine Minorität ist ein zahlenmäßig unterlegener Teil einer Gruppe, der sich durch kulturelle oder personale Andersartigkeit im Vergleich zur Mehrheit definiert.

    Diese Andersartigkeit kann etwa beruhen auf:

    • kultureller Identität
    • sexueller Identität
    • politischen Ansichten
    • Moralvorstellungen
    • Sprache
    • Religion
    • sozialem Status

    Das Antonym zu Minorität ist Majorität.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem Französischen. Minorité (Minderheit) geht derweil auf das gleichbedeutende mittellateinische minoritas zurück.

    Die Befürworter für eine umweltfreundlichere Lebensweise befinden sich trotz steigender Gesundheitsschäden und Wetterextreme immer noch in der Minorität.

    Die Frage lautet: „Wenn du Tor unterstützt, unterstützt du dann sowohl Whistleblower, verfolgte Minoritäten und Aktivisten in Bürgerkriegsländern als auch Kinderpornohändler und Dealer?“ – Clemens Setz, Deep Net – Die Tiefe, Zeit online, 04. Juli 2013

  • kosmopolitisch

    Das Adjektiv kosmopolitisch bedeutet:

    • „Weltoffen“, „weltbürgerlich“, „weltgewandt“ und beschreibt Menschen, die „sich überall zu Hause fühlen“.
    • In der Biologie: Tier- und Pflanzenarten, die über die ganze Welt verbreitet sind.
    • Im kommunistischen Sprachgebrauch abwertend: den Kosmopolitismus (Streben der imperialistischen Großmächte nach Weltherrschaft) vertretend.

    Der Begriff leitet sich vom altgriechischen kosmopolítēs (Weltbürger, jemand, der über den Stadtstaat hinausdenkt) ab, welches sich aus kósmos (Weltanschauung, Weltall, Universum) und polítēs (Bürger) zusammensetzt.

    In der globalisierten Welt hat ein kosmopolitischer Mensch mannigfaltige Möglichkeiten der Lebensgestaltung und ist in der Lage, über Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen und nach seinem Gusto zu leben.

    Durch die intensive Impfkampagne der WHO konnte der kosmopolitische Krankheitserreger der Pocken bekämpft und die Krankheit 1980 für ausgerottet erklärt werden.

    Er selbst sprach lesend mit den Toten, er brachte sie für andere zum Sprechen, Kant etwa, er hielt dessen Idee einer kosmopolitischen Weltregierung nicht für veraltet. – Elisabeth von Tadden, So golden glüht Europa, DIE ZEIT Nr. 8/2016, 15. Februar 2016

  • soigniert

    Das Adjektiv soigniert bedeutet „gepflegt“, „kultiviert“, „vornehm“.

    Als soigniert können in erster Linie Personen – vor allem ältere Herren, die eine gewisse Reife ausstrahlen – bezeichnet werden. Seltener wird der Begriff zum Beschreiben von Dingen (wie etwa Einrichtungsgegenständen) oder Architektur verwendet.

    Der Ursprung des Wortes liegt im französischen  soigner (pflegen, sorgfältig behandeln).

    Ein auffallend elegant gekleideter Herr betrat den Saal. Nicht wenige Blicke folgten seiner soignierten Erscheinung.

    Aber der Admiral a. D ist nur ein Totschläger, der im traditionellen, jetzt zivilen Dunkelblau, grauhaarig, soigniert, als freier Mann den Gerichtssaal verließ.
    Conli (1966), Tod aus Tradition, DIE ZEIT, 4.3.1966 Nr. 10.

  • Normativ

    Das bildungssprachliche Adjektiv normativ meint, dass etwas als Maßstab oder Norm dient. Eine normative Aussage ist also eine Anweisung, ein „so sollte es gemacht werden“. Die Anweisung kann implizit oder explizit sein.

    Synonyme sind etwa „maßgebend“, „verpflichtend“ oder „wegweisend“.

    Der Begriff leitet sich vermutlich aus dem lateinischen Substantiv „norma“ (Winkelmaß, Richtschnur, Regel, Vorschrift) ab.

    Beispiele für normative Aussagen:

    • Man sollte täglich 6-8 Stunden schlafen. (Explizit: Schlafen Sie X Stunden pro Nacht!)
    • 5 Stunden Schlaf pro Nacht sind nicht genug. (Impliziert: Schlafen Sie mehr als 5 Stunden!)

    Das Gegenwort zu normativ ist „deskriptiv„, also „beschreibend“. Eine deskriptive Aussage beschreibt einen Sachverhalt lediglich, gibt aber keine Anweisung.

    Beispiel für eine deskriptive Aussage:

    • Deutsche schlafen im Schnitt 6,5 Stunden pro Nacht. (Keine Anweisung. Anmerkung: Zahl ist aus der Luft gegriffen)

    Verwendungsbeispiele „normativ“:

    Auch umfassende Analysen reichen nicht aus, um einen Veränderungsprozess anzustoßen, wenn aus ihnen keine normativen Erkenntnisse abgeleitet werden können.

    „The pursuit of market share is not a strategy in itself.“ Damit sind wir bei zwei Grundfehlern von Managementmoden, dem Normativierungsdrang und dem Benchmark-Irrtum. Der Normativierungsdrang besteht darin, zwanghaft analytische Kategorien in normative Rezepte umzufunktionieren.

    Franz Liebl, Kolumne – Schneller wachsen, jünger sterben, Brandeins, 03/2003

     

  • Fasson

    Die Fasson ist im eigentlichen Sinne die Passform oder der Schnitt von Kleidungsstücken. Der Begriff kann weiterhin die normale Körperform einer Person beschreiben. Auf abstrakter Ebene kann die Fasson, nahe an der ursprünglichen lateinischen Bedeutung, auch die persönliche Auffassung oder Verfahrensweise einer Person sein, etwa ethische oder religiöse Fragen betreffend.

    Abgeleitet ist Fasson vom gleichbedeutenden französischen façon und geht zurück auf das lateinische factio (das Verfahren).

    Er ist aufgegangen wie ein Hefekloß, vollkommen aus der Fasson geraten.

    Das Hemd hat eine sehr schmale, körperbetonte Fasson.

    Nach seiner eigenen Fasson glücklich zu werden ist ein guter Plan für ein erfülltes Leben.

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