• Latenz

    Das Substantiv Latenz (die) bedeutet „Verstecktheit“, „Verborgenheit“ und beschreibt das Vorhandensein einer (noch) nicht sichtbaren Sache.

    Darüber hinaus meint Latenz im übertragenen Sinne die Zeit zwischen einem Reiz und der daraus folgenden Reaktion. In der Technik wird häufig auch das Synonym Signallaufzeit verwandt.

    Zu guter Letzt wird der Begriff in der Medizin genutzt, um das zeitweilige Verborgensein einer Krankheit in der symptomfreien Zeit zu beschreiben.

    Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen latens (verborgen).

    Bei Onlinespielen haben Nutzer häufig mit dem Problem der Latenz zu kämpfen, wenn ihre Eingaben nicht zeitnah von den Servern verarbeitet werden und anderen Spielern daraus ein Vorteil entsteht.

    Ansteckende Krankheiten sind besonders dann gefährlich, wenn die Phasen der Latenz sehr lang sind und Infizierte somit oft unwissentlich Mitmenschen anstecken.

    Der Kalte Krieg hatte die archaischen Feindschaften in dem künstlichen Staatsgebilde Jugoslawiens in der Latenz gehalten, jetzt brechen sie aus. – Ijoma Mangold, Die Putzfrau der Gewalt, Zeit online, 30. Januar 2014

  • liquidieren

    Das Verb liquidieren hat verschiedene Bedeutungen:

    • Jemanden aus bestimmten Gründen töten oder hinrichten (lassen).
    • Etwas beseitigen, tilgen (z.B. Schulden).
    • Ein Unternehmen auflösen und damit verbundene Rechtsgeschäfte abwickeln.
    • Einen Geldbetrag einfordern, für den eine Leistung erbracht worden ist (vergleichbar mit: Rechnung ausstellen).
    • Sachwerte durch Verkauf in flüssige Gelder umwandeln (siehe auch: Liquidität).

    Entlehnt wurde liquidieren um 1600 aus dem Italienischen. Das italienische Verb liquidare bedeutet „bezahlen“, „begleichen“ und geht auf das lateinische Adjektiv liquidus (flüssig, klar) zurück.

    Zunächst wurde der Begriff nur im kaufmännischen Kontext verwendet. Erst seit dem 20. Jahrhundert ist liquidieren ein Synonym für „ermorden“ bzw. „hinrichten“.

    Es sind nicht nur Gerüchte, dass die US-amerikanische Regierung zahlreiche Staatsfeinde und Gegner durch die CIA und andere geheime Organisationen liquidieren ließ.

    Nach seinem Tod sollen seine Habseligkeiten liquidiert werden, damit das Erbe unkompliziert an die Hinterbliebenen verteilt werden kann.

    Es fehlen Regeln im Umgang mit Staatspleiten. Anders als Unternehmen können Staaten nicht liquidiert werden, dafür aber zahlungsunfähig. – Clemens Fuest und Carsten Linnemann, Aus der Krise lernen, DIE ZEIT Nr. 30/2015, 23. Juli 2015

  • rigide

    Das Adjektiv rigide bedeutet „streng“, „starr“ oder „unnachgiebig“. Es kann etwa den Charakter eines Menschen beschreiben, aber auch andere Sachverhalte. Man spricht etwa von rigiden Regeln, Vorschriften, Preisen etc.

    Im medizinischen Kontext bedeutet rigide „steif“ bzw. „starr“ in Bezug auf Körperstrukturen.

    Die Herkunft des Begriffes geht auf das lateinische rigidus (steif, rau, unerbittlich) zurück.

    In unserer Zeit in der Schule hatten wir nichts zu lachen. Die rigide Führung der Lehrer unterband jede Menge Frohsinn.

    Nach dem Sport ist für ihn nicht mehr an Bewegung zu denken, denn er leidet daraufhin unter einer rigiden Muskulatur.

    In Saudi-Arabien herrscht eine ausgesprochen rigide Ausprägung des sunnitischen Islams, der Wahhabismus. – Hintergrund: Sunniten, Schiiten, Wahhabiten, Zeit online 04.01.2016

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • gustatorisch

    Das Adjektiv gustatorisch bedeutet „den Geschmackssinn betreffend“ bzw. „das Schmecken betreffend“.

    Die Sinneszellen in Nase und Mund, allen voran auf der Zunge, sind für die Wahrnehmung der gustatorischen Reize wie süß, sauer, salzig und bitter verantwortlich.

    Grundsätzlich kommt der Begriff nur in Bereichen der Medizin oder der Psychologie vor, in denen auch die anderen Sinne beleuchtet werden, die olfaktorische, akustische, visuelle und haptische Reize wahrnehmen.

    Gustatorisch leitet sich vom lateinischen Verb gustare (schmecken, probieren, genießen) ab.

    Das Mahl sieht aus wie zusammengewürfelt, aber gustatorisch sagt es mir dennoch zu.

    Die gustatorischen Nervenzellen des Patienten leiden unter einer Fehlfunktion, so dass es ihm nicht möglich ist, alle Geschmacksrichtungen zu unterscheiden.

    Neben den klassischen gustatorischen und olfaktorischen sind vor allem mechano- , thermo- und nociceptive Empfindungen beteiligt. – Hatt, Hanns, Chemosensibilität, Geruch und Geschmack, in: Josef Dudel / Randolf Menzel / Robert F. Schmidt (Hg.), Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 297-316, S. 308

  • Dilettant

    Das Substantiv Dilettant (der) beschreibt eine Person, die sich aus persönlichem Interesse oder Liebhaberei mit einem wissenschaftlichen, künstlerischen oder handwerklichen Gebiet beschäftigt. Synonyme sind hier „Amateur“ oder „Laie“.

    Meist wird der Begriff allerdings abwertend genutzt, um jemanden zu beschreiben, der sein Handwerk nicht beherrscht. Als Synonym gelten hier „Stümper“ oder „Nichtskönner“.

    Antonyme zu Dilettant sind demnach „Fachmann“, „Experte“ oder Profi“.

    Der Begriff wurde vom italienischen dilettante (Kunstliebhaber) entlehnt, welches auf das lateinische Verb delectare (erfreuen, unterhalten, interessieren) zurückgeht.

    Bei der Renovierung meines Hauses waren offensichtlich nur Dilettanten am Werk, so dass ich einen Großteil der Arbeit noch einmal selbst erledigen muss.

    Er ist zwar nur ein Dilettant, dennoch sind seine geschnitzten Figuren von außerordentlicher Hingabe geprägt.

    Was aber passiert […], wenn Mäzen Klaus-Michael Kühne sich öffentlich meldet und sagt, dass er diesen Labbadia doch für einen Dilettanten hält, der so schnell wie möglich aus dem Verein geschmissen werden muss? – Kilian Trotier, Hamburger SV – Ein Verein von Anfängern, 27.08.15, Zeit online

  • Diversifikation

    Das Substantiv Diversifikation (die) bedeutet „Veränderung“, „Abwechslung“ oder „Vielfalt“ im eigentlichen Sinne wird aber meist in der Wirtschaft oder auch der Linguistik verwandt.

    In der Linguistik beschreibt die Diversifikation die Differenzierung einer ursprünglichen Form in verschiedene Formen oder unterschiedliche Ausprägungen (Diversifikationsgesetz).

    Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff das Vorgehen eines Unternehmens, seine Produktion auszuweiten und neue Produkte auf neuen oder alten Märkten anzubieten. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Diversifikation:

    • Horizontale Diversifikation: Erweiterung der Produkte, die der eigentlichen Produkt-Markt-Kombination ähnlich sind (Bsp.: Coca Cola -> Coke Zero).
    • Vertikale Diversifikation: Erweiterung der Produkte durch Teile der vor- oder nachgelagerten Produktionsstufe (Bsp.: Übernahme der Aufgaben der Zulieferer).
    • Laterale Diversifikation: Erweiterung durch Produkte, die für das Unternehmen in keinem bisherigen Zusammenhang stehen (Bsp.: Produktion von Bekleidung und Uhren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen diversificare (verteilen), welches auf diversus (verschieden) und facere (machen, tun) zurückgeht.

    Daneben wird gleichbedeutend zu Diversifikation auch manchmal der Begriff Diversifizierung verwendet.

    Um unser Wachstumsziel zu erreichen, bedarf es einer Diversifikation unserer Produktion, da der bisherige Markt gesättigt ist.

    Noch in diesem Jahr solle es demnach ein „Memorandum of Understanding“ zwischen der EU und den beiden Ex-Sowjet-Staaten geben. Bis 2016 wolle Brüssel ein umfassendes Paket zur Diversifikation der europäischen Gasversorgung entwickeln. – afp, Bericht: EU setzt auf Gas aus Aserbaidschan und Turkmenistan, 22.02.2015, Zeit online

     

  • desolat

    Das bildungssprachliche Adjektiv desolat bedeutet „trostlos“, „traurig“, „einsam“ oder in anderem Kontext so viel wie „schlecht“, „miserabel“.

    Desolat wird häufig in den charakteristischen Wortkombinationen „ausgesprochen/sehr desolat“ oder „desolater Zustand“ verwendet, Gegenwörter zu desolat sind „erfreulich“ oder „wohlgeordnet“.

    Der Begriff ist auf das lateinische desolatum, dem 2. Partizip von desolare (einsam lassen, verlassen) zurückzuführen.

    Nach der haushohen Niederlage sind die Fans enttäuscht und die Mannschaft muss sich mit dem desolaten letzten Tabellenplatz zufriedengeben.

    Der desolate Zustand der Fassade drückt den Verkaufspreis des Hauses, so dass der Eigentümer seine Preisvorstellung wohl kaum durchsetzen wird.

    Selbstredend wurden auch happige Strategiefehler gemacht. Bei Bally wechselten die Manager im Expresstempo und mit ihnen die Neuausrichtungen. Bei Ascom blockierte die Familienstiftung eine Modernisierung. Und die Swissair beteiligte sich im Rahmen einer so genannten Hunter-Strategie an defizitären, kleinen Fluggesellschaften, die letztlich nicht zum Aufbau einer großen, unabhängigen Airline rührten, sondern neben der desolaten Finanzlage zu einem restlos verwässerten Image.
    Reto Wüthrich, Das Schweizer Kreuz, Brandeins, 05/2002

  • Zampano

    Ein Zampano ist ein Mann, häufig Anführer einer Gruppe, der durch übertriebenes, prahlerisches Gebaren beeindrucken will. Er versucht, sich in den Vordergrund zu spielen und erweckt gerne den Eindruck, Unmögliches möglich machen zu können.

    Zampano ist auf die gleichnamige Figur in Federico Fellinis Film „La Strada“ zurückzuführen. Fellinis Zampano ist ein prahlerischer Schausteller, der bei seinen Auftritten auf imposante Weise Eisenketten sprengt, welche seinen Brustkorb umschließen.

    In Anspielung auf Fellinis Figur wird der Eigenname häufig in der Wortkombination „der große Zampano“ verwendet.

    Sobald er ein Restaurant betritt, spielt er sich auf wie der große Zampano. Er erwartet, dass alle Kellner sich sofort auf ihn stürzen und ihm den bestmöglichen Tisch und Service gewähren.

    „Kippenberger hätte diese große Karriere nie über die Museen gemacht. Durchgesetzt haben ihn die Privatsammler, die ihn aus den falschen Gründen gekauft haben. Ohne seine Selbstinszenierung hätte sich sein Werk nicht durchgesetzt. Das Tragische ist, dass er ein bedeutender Künstler ist, auch wenn viele in ihm nur den Exzess-Zampano sehen.“
    Peter Laudenbach, Heiße Ware, Brandeins, 12/2009

  • Paraphrasieren

    Das Verb paraphrasieren meint in der Sprachwissenschaft „etwas in eigenen Worten wiedergeben/erklären“.

    Dabei kann etwas mit anderen Wörtern oder Ausdrücken umschrieben, frei in eine andere Sprache übertragen oder sinngemäß wiederholt werden.

    Im Bereich der Musik kann paraphrasieren zudem bedeuten, eine Melodie oder Abfolge von Akkorden auszuschmücken.

    Das Verb ist aus dem Substantiv Paraphrase abgeleitet. Paraphrase ist aus dem griechischen Präfix para– (bei, neben) und phrásis (Redeweise, Ausdruck) zusammengesetzt und bedeutet so viel wie „Umschreibung“.

    Für die Synchronisation muss das Drehbuch aus dem Englischen ins Deutsche paraphrasiert werden. Eine wortwörtliche Übersetzung der Texte ist nicht möglich, da das gesprochene Wort zur Lippenbewegung der Schauspieler passen muss.

    Derzeit ist die Band mit dem Schreiben der Songs ihres zweiten Studioalbums beschäftigt. In stundenlangen Sessions werden Melodien entwickelt, paraphrasiert und mit Songtexten unterlegt.

    Nur in jeder zehnten Arbeit wurde korrekt zitiert und belegt, in den anderen haben wir fehlende, falsche oder unvollständige Zitierweisen und Quellenangaben gefunden. Häufig paraphrasieren die Studenten etwa nach einem korrekten Zitat, vergessen aber, dazu ein „vergleiche“ zu schreiben.
    Kerstin Eleonora Kohl, „Nicht alle Studenten unter Generalverdacht stellen“, DIE ZEIT Nº 34/2013

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