Das Substantiv Saudade (die) bezeichnet eine „schwermütige Sehnsucht“ nach etwas Abwesendem oder Verlorenem. In Portugal und Brasilien gilt sie als charakteristische Seelenhaltung.
Gemeint ist ein Gefühl, das sich auf etwas Abwesendes richtet: auf einen Menschen, einen Ort, eine Zeit. Anders als beim bloßen Vermissen schwingt darin auch etwas Zärtliches mit. Wer Saudade empfindet, leidet an einem Verlust und hält zugleich fest, was verloren ging.
Im Deutschen ist das Wort selten und bildungssprachlich. Man findet es vor allem in Texten über Musik, Literatur und Reisen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Fado, dem portugiesischen Musikstil.
Oft heißt es, Saudade lasse sich nicht übersetzen. Ein wirklich passendes Wort fehlt im Deutschen tatsächlich.
Abgrenzung
Von der Nostalgie unterscheidet sich das Wort in der Färbung. Die Nostalgie verklärt das Vergangene und blickt dabei stets zurück. Die Saudade erinnert sich und vermisst, ohne zu verklären.
Und anders als die Melancholie hat sie stets ein Gegenüber. Sie ist Sehnsucht nach etwas Bestimmtem, nicht eine allgemeine Schwere.
Hintergrund
Das Wort stammt aus dem Portugiesischen und geht auf das lateinische solitas (Einsamkeit) zurück. Im Galicisch-Portugiesischen des 13. Jahrhunderts lautete es noch soidade und ist in der Dichtung jener Zeit früh belegt.
Der Weg von soidade zu saudade ist lautlich unregelmäßig und lässt sich nicht allein aus der Wortgeschichte erklären. Die verbreitete Deutung nimmt an, dass zwei ähnlich klingende Wörter eingewirkt haben: saudar (grüßen, Gesundheit wünschen) und saúde (Gesundheit), beide zu lateinisch salus. Sicher belegt ist diese Erklärung nicht, sie gilt aber als die plausibelste.
Auch das Galicische kennt den Begriff und beansprucht ihn für sich. Ins Deutsche gelangte er erst spät und blieb ein Zitatwort. Der Duden führt ihn, das DWDS bislang nicht.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [sauˈðaːðə]
Verwendungsbeispiele
Wer den Fado zum ersten Mal hört, ahnt schon nach wenigen Takten, was mit Saudade gemeint ist.
Nach dem Umzug blieb ihm eine stille Saudade nach den langen Sommern am Meer.
Die Übersetzerin suchte lange nach einem deutschen Wort für Saudade und ließ den Begriff schließlich unübersetzt stehen.
Sie sprach von einer Saudade, die sie jedes Mal überkam, wenn sie alte Fotos durchsah.
Viele Menschen, die ihr Land verlassen haben, beschreiben eine Saudade, die auch nach Jahrzehnten nicht nachlässt.
