• Enfant terrible

    Ein Enfant terrible ist das sprichwörtliche „Schwarze Schaf“ auf einem Gebiet, in einer Gruppe oder in einer Familie, teils jedoch ohne die besondere negative Note. Eine Person also, die sich provokant über geltende Konventionen hinwegsetzt und damit oft aneckt oder sogar schockiert, möglicherweise aber auch als Draufgänger bewundert wird, Neues versucht und so zum Fortschritt zwingt.

    Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt „schreckliches Kind“.

    Seinem Ruf als Enfant terrible der Theaterszene nachkommend, war auch seine neueste Inszenierung so provokant und jenseits des guten Geschmacks, dass ein Teil der Zuschauer schon vor Ende der Vorstellung den Saal verließ.

    Auch vor dem Halbfinale gegen Deutschland blicken alle auf Mario Balotelli, die „Skandalnudel“, den „Bad Boy“, das „Enfant terrible„. Er ist wohl der einzige Spieler des Turniers, der nicht an seinen sportlichen Leistungen, sondern seinen Eskapaden gemessen wird.
    Eike Kühl (2012), Der Anarchist mit dem Hahnenkamm, ZEIT online.

  • verbos

    Das Adjektiv verbos bedeutet „wortreich“, „weitschweifig“. Der Begriff ist mittlerweile veraltet und wird kaum noch verwendet.

    Weitere Synonyme wären „ausführlich“ und „erschöpfend“.

    Der Ursprung des Begriffes liegt im lateinischen verbosus (wortreich), von verbum (Wort, Wortlaut).

    Aufgrund verboser Reden von Politikern ist es für den Otto-Normal-Bürger oft schwierig, die Intention der Politik nachzuvollziehen.

    Hör mir doch mal zwei Minuten zu, anstatt mich nur verbos vollzuschwafeln! Bei dir kommt man ja gar nicht zu Wort.

  • biblioman

    Das Adjektiv biblioman ist ein Begriff der Psychologie und bedeutet „krankhaft bücherliebend“.

    Die Liebe zu Büchern ist bei den betroffenen Personen so stark ausgeprägt, dass Kennzeichen einer Sucht erkennbar sind oder sie sogar zu kriminellen Handlungen getrieben werden. So wiesen vor allem Angehörige des Klerus und Adels im 18. und 19. Jahrhundert bibliomane Züge auf. Der Pfarrer Johann Georg Tinius gilt als erster bekannter Bibliomane in Deutschland. Er verübte während des 19. Jahrhunderts mehrere Raubmordversuche und veruntreute Kirchengelder, um seinen Sammelwahn zu finanzieren.

    Der Ausdruck biblioman stammt aus dem Griechischen und ist zurückzuführen auf die Substantive biblion (Buch) und mania (Wahn).

    Die überfüllten Bücherregale im Wohnzimmer lassen auf bibliomane Bewohner schließen.

    Viele Gleichaltrige machen sich über die 15 jährige, bibliomane Schülerin lustig und sprechen sie nur noch mit „Leseratte“ an. Für die Mitschüler ist es unbegreiflich, warum sie ihre geliebten Bücher den generationsprägenden Partys, Youtube-Channels und Facebook-Chats vorzieht.

    Nach Erkenntnis der Medizin können Bücher krank machen. Die Sucht erzeugen, Buchrücken um sich zu haben. Das einchlägige Lexikon „Literatur und Medizin“ nennt als Symptome für „die bibliomanische Suchterkrankung“ : Verlust der rationalen Kontrolle über die benötigte und realistisch nutzbare Menge an Büchern. Verzicht auf Nahrungsaufnahme und Schlaf. Beschaffungskriminalität.
    Lucas Wiegelmann, Wie Michael F. der Begierde nach 24.000 Büchern erlag, Die Welt, 06.03.2012

  • Nepotismus

    Nepotismus (der) bedeutet „Vetternwirtschaft“. Vetternwirtschaft bzw. Nepotismus ist die bevorzugte Behandlung von Freunden und Verwandten bei wirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei der Auswahl neuer Mitarbeiter, der Besetzung politischer Posten, der Vergabe von Aufträgen und finanziellen Mitteln etc. Dabei tritt die Frage, ob der Begünstigte überhaupt geeignet ist, in den Hintergrund.

    Der Begriff hat seinen Weg ins Deutsche über das gleichbedeutende italienische nepotismo gefunden. Vgl. auch lateinisch nepos (Neffe).

    Nepotismus ist gerade in dieser Branche weit verbreitet. So haben es Neu- und Quereinsteiger oft schwer, Fuß zu fassen.

    In den Vereinigten Staaten gibt es ein Anti-Nepotismus-Gesetz. Personen im öffentlichen Dienst ist es verboten,  Posten mit Familienmitgliedern zu besetzen. Es gilt ausdrücklich auch für den Präsidenten.

  • indifferent

    Das Adjektiv indifferent bedeutet „gleichgültig“, „unbestimmt“, „teilnahmslos“ oder „unentschieden gegenüber mehreren Möglichkeiten“.

    Darüber hinaus wird der Begriff in der Chemie bzw. Medizin verwendet. Hier beschreibt indifferent Stoffe ohne spezifische Wirkung. Häufig wird auch das Synonym „neutral“ genutzt.

    Über das gleichbedeutende, französische indifférent, welches auf das lateinische indifferens (sich nicht unterscheidend, gleichgültig) zurückgeht, gelang das Adjektiv im 17. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch.

    In politischen Diskussionen wirke ich des Öfteren indifferent, da mir die nötigen Informationen fehlen, um mir eine konkrete Meinung zu bilden.

    In einer Versuchsreihe für neue Medikamente werden neben dem wirklichen Medikament auch Placebos ausgegeben. Diese werden aufgrund der enthaltenen, indifferenten Stoffe oft auch als Leerpräparate bezeichnet.

    Einige Studien stellten einen positiven Zusammenhang fest zwischen dem Anteil der Frauen in Führungspositionen in einem Unternehmen und seinen wirtschaftlichen Kennzahlen. Andere Studien widerlegten dies – und wieder andere seien völlig indifferent.
    Tina Groll, Debatte über Frauenquote verändert in Chefetagen wenig, Zeit Online, 21. Januar 2015

  • suspekt

    Das Adjektiv suspekt bedeutet „verdächtig“, „fragwürdig“ oder „zweifelhaft“.

    Objekte, Ereignisse oder Personen werden als suspekt bezeichnet, wenn ein Betrachter Zweifel an deren Qualität, Echtheit, Nützlichkeit oder – bei Personen – Beweggründen hat.

    Weitere Synonyme wären „bedenklich“, „zwielichtig“ oder „dubios“.

    Der Begriff wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Lateinischen entlehnt. Ihm zugrunde liegt das adjektivische 2. Partizip von suspicere (aufblicken, beargwöhnen, verdächtigen) : suspectus (verdächtig).

    Als vor kurzem ein Vertreter vor meiner Tür stand, fand ich ihn nicht nur unsympathisch, sondern gar suspekt. Ich hatte das Gefühl, er war nur auf mein Geld aus.

    Nicht nur aufgrund suspekter Geschäfte mit Hypothekenwertpapieren haben viele Menschen das Vertrauen in Banken verloren.

    So erfahren auch Moscheen durch ihre Hilfsbereitschaft einen fundamentalen Statuswandel in Deutschland. „Sie sind vorher jahrelang als suspekt betrachtet worden, jetzt sind sie als Helfer mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagt Foroutan.
    Alltagstest für die „Willkommenskultur“ in Deutschland, Zeit Online, 19. September 2015

  • in­t­rin­sisch

    Das Adjektiv intrinsisch bedeutet „von innen heraus“ oder „einer Sache inne wohnend“.

    Der Begriff beschreibt damit Zustände, Sachverhalte oder Vorgänge, die von innen her, also aus eigenem Antrieb erfolgen oder hervorgerufen werden. Das geläufigste Beispiel ist die intrinsische Motivation, die unabhängig von äußeren Einflüssen, z.B. aus dem Drang zur Selbstverwirklichung oder dem Streben nach persönlichen Idealen entsteht.

    Intrinsisch“ entstammt dem lateinischen intrinsecus (innerlich).

    Die äußeren und familiären Zustände ließen keine Anhaltspunkte zu dieser Tat zu. So musste von rein intrinsischen Motiven ausgegangen werden, was das Strafmaß wiederum erhöhte.

    Da sah man den Arbeiter als Produktivkraft, bloßes Instrument, das einfach nur effizient eingesetzt werden musste – Anweisungen geben, Umsetzung kontrollieren, fertig. Zuckerbrot und Peitsche galt da schon als subtile Methode. Heute ist die Rede von intrinsischer Motivation, von wertschätzender Kommunikation, von emotionaler oder gar spiritueller Intelligenz.
    – Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins 05/2011.

  • stoisch

    Das Adjektiv stoisch bedeutet heute allgemein „gleichmütig“, „unerschütterlich“. Es beschreibt Menschen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, stets beherrscht und weitestgehend frei von emotionalen Schwankungen sind.

    Ins Deutsche gelangte der Begriff über das lateinischen stoicus, d.h. „betreffend die Stoa“. Die Stoa wiederum war eine der vier großen philosophischen Schulen im alten Griechenland. Deren Begründer Zenon von Kition traf sich mit seinen Schülern zunächst in der stoa poikile, der bemalten Säulenhalle gegenüber der Akropolis in Athen.

    Neben weiteren Aspekten befasst sich die stoische Lehre auch mit ethischen Fragen und gibt normativ das Streben nach Ataraxie, Apatheia und Autarkie vor, also nach emotionalem Gleichmut, Unerschütterlichkeit gegenüber negativen Ereignissen und Selbstgenügsamkeit. Aus dem ethischen Leitbild der Stoa ergibt sich schließlich die heutige Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch.

    Seine stoische Ruhe war bemerkenswert, nichts schien ihn aus dem Gleichgewicht bringen zu können.

    Mit stoischer Miene nahm sie die Anschuldigungen hin.

  • latent

    Das Adjektiv latent beschreibt etwas als vorhanden, aber (noch) nicht in Erscheinung tretend.

    Oft werden eher negative, unangenehme Dinge als latent bezeichnet, also solche, deren tatsächliches Zutagetreten nicht erwünscht ist.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische latere (verborgen sein).

    Er litt unter latenten Depressionen, die ihn in Augenblicken starker Belastung jederzeit überrollen konnten.

    Tatsächlich scheint sich ein latenter Rassismus durch weite Teile der Bevölkerung zu ziehen.

    Fast schon ein Markenzeichen der feiernden Massen auf der Hamburger Reeperbahn ist eine latente Aggression.

    Irak ist jetzt allein. Am Sonntag sind die letzten US-Truppen abgezogen – und sofort bricht in der Zentralregierung die bislang latent schwelende politische Krise aus.
    Steffen Richter (2011), Malikis gefährliches Spiel, ZEIT ONLINE 22.12.2011.

  • Transkulturation

    Transkulturation (die) ist die Einflussnahme einer Kultur auf eine andere. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieser Begriff aus den Kulturwissenschaften nur selten verwendet.

    Beispiele für Transkulturation sind etwa die Amerikanisierung zahlreicher Kulturräume während der letzten Jahrzehnte oder die Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens im Zuge der islamischen Expansion während des 8. bis 10. Jahrhunderts.

    Der Begriff der transculturación wurde in den 1940er Jahren vom kubanischen Wissenschaftler (u.a. der Anthropologie) und Politiker Fernando Ortiz Fernández geprägt und besteht aus der lateinischen Vorsilbe trans- (durch, über, auf die andere Seite) und dem lateinischen cultura (Kultur). Das deutsche Pendant ist eine direkte Übersetzung aus dem Spanischen.

    Die fortschreitende globale Vernetzung im Laufe der letzten 30 Jahre hat ganz neue Wege der Transkulturation mit sich gebracht.

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