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konzedieren

Das Verb konzedieren bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

Auch beim eher widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

unorthodox

Das Adjektiv unorthodox bedeutet „ungewöhnlich“ oder „unkonventionell“. Es beschreibt etwas, was nicht den üblichen Normen und Gepflogenheiten entspricht, d.h. mit Altem bricht.

Das Gegenwort orthodox bedeutet „strenggläubig“, „an Altem festhaltend“.

Mit dem Begriff unorthodox werden wiederum neue, frische Meinungen und Ideen bezeichnet.

Die Herkunft des Begriffs liegt in den altgriechischen Wörtern orthos, was übersetzt richtig bedeutet, und doxa, was soviel wie Meinung oder Glaube bedeutet.

Beispiele:

Seine unorthodoxen Lehrmethoden sorgten bei Schülern, Lehrern und Eltern für Aufsehen.

Aus Sicht der Schulmedizin lässt sich eine solche Behandlung bestenfalls als unorthodox beschreiben.

Anhedonie

Das Substantiv Anhedonie bedeutet Lustlosigkeit im weitesten Sinne.

Es wird im sexualtherapeutischen Bereich zum Beschreiben der sexuellen Lustlosigkeit genutzt, kann aber – gerade im psychiatrischen Kontext – auch die völlige Unfähigkeit, Lust oder Freude an irgendetwas zu empfinden, meinen.
Im Zusammenhang mit Depressionen spielt dieser Begriff als Diagnosekriterium eine entscheidende Rolle.

Das Substantiv stammt aus dem Griechischen ἀν (an (nicht)) und ἡδονή (hēdonḗ (Lust)).

Auch noch Monate nach dem schrecklichen Unfall, litt der Patient an generalisierter Anhedonie und war kaum für Reize empfänglich.

Es ist zu klären, ob seine fehlenden Qualitäten als Liebhaber oder ihre generelle Anhedonie der Grund für das erkaltete Liebesleben ist.

Die Genusstherapie zielt auf die Überwindung der „Anhedonie„: der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Denn wer depressiv ist, hat oft verlernt, schöne Gerüche oder Wohlklang wahrzunehmen.
Spiegel online, Annette Bruhns, Ansgar Mertin und Thomas Reintjes, „Was der Seele guttut“, 22.02.2011

kapazitiv

Das Adjektiv kapazitiv bedeutet allgemein „die Kapazität betreffend“. Besonders häufig wird kapazitiv in der Physik verwendet, um die Kapazität eines Kondensators zu beschreiben. Ein Kondensator ist dabei ein Bauelement in einem Stromkreis, welcher elektrische Ladung speichern kann.

Durch das starke Aufkommen von Touchscreens in den letzten Jahren wird auch das Adjektiv kapazitiv häufiger verwendet. Kapazitive Touchscreens sind Bildschirme, die auf Berührung reagieren (im Gegensatz zu anderen Touchscreens, die nur auf Druck reagieren).

Die in der deutschen Sprache verwendeten Wörter kapazitiv und Kapazität gehen auf einen lateinischen Ursprung zurück. So lässt sich das lateinische Wort capacitas mit „Umfang“, „Größe“ oder „Fassungsvermögen“ übersetzen. Auch im Französischen und im Englischen findet man sehr ähnliche Wörter. So gibt es in der englischen Sprache das Substantiv capacity und das Adjektiv capacitive.

Mechanische Tasten werden zunehmend häufiger durch kapazitive Tasten ersetzt. Im Vergleich zu mechanischen Tasten sind sie flach, nahezu verschleißfrei, leicht zu reinigen, optisch ansprechend und unkompliziert in Systeme einzufügen. Ein Nachteil kapazitiver Tasten ist jedoch deren unbeabsichtigtes Auslösen.

Kapazitive Schalter – Sicherheit erhöht, André Zeidler, elektroniknet.de, 01.10.2018

pharisäisch

Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

Ergebnisse sind wichtiger als pharisäischer Arbeitseifer.

Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

vice versa

Die Wortverbindung vice versa bedeutet „(und) umgekehrt“ und beschreibt wechselseitige Beziehungen. Sie deutet also einen Gegenzug bzw. einen umgekehrten Wechsel an.

Aussprache in Lautschrift: [ˈviːt͡sə vɛʁza]

Wenn direkte Wechselbeziehungen vorhanden sind, lässt sich vice versa als Überleitung verwenden, wenn im Folgenden die Gegenwirkung beschrieben werden soll. Auch kann es am Ende eines Satzes verwendet werden um auf die Wechselseitigkeit einer vorher beschriebenen Beziehung aufmerksam zu machen. Im geschriebenen Text kann für vice versa auch die Abkürzung v. v. verwendet werden.

Der Ausdruck wurde unverändert aus dem Lateinischen übernommen.

Beispiele:

In einer harmonischen und konstruktiven Lehr- und Lernatmosphäre haben die Studenten das Recht, den Dozenten zu kritisieren und vice versa.

In der klinischen Betreuung wird von den Schwestern erwartet, dass sie hart arbeiten. Vice versa muss auch die Kooperation und Mithilfe seitens der Patienten vorhanden sein.

Unser Broker erkennt zeitnah, dass auf dem Kontostand der Ewigkeit Zeit und Geld dasselbe sind – die stürzende Börse war ein temporärer Augenblick in der Ewigkeit der Geldzeit. Oder im DM-Deutsch: Alles wird gut. Solange Zeit ist, wird Geld sein. Und vice versa. Das ist der pekuniäre Gottesbeweis, den die zeitlosen Apokalyptiker einer Deutschen Bank noch immer suchen.
Thomas Assheuer (2000), Geldzeit-Der Mark schlägt die Stunde, Zeit Online.

Nepotismus

Nepotismus (der) bedeutet „Vetternwirtschaft“.

Vetternwirtschaft bzw. Nepotismus ist die bevorzugte Behandlung von Freunden und Verwandten bei wirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei der Auswahl neuer Mitarbeiter, der Besetzung politischer Posten, der Vergabe von Aufträgen und finanziellen Mitteln etc. Dabei tritt die Frage, ob der Begünstigte überhaupt geeignet ist, in den Hintergrund.

Der Begriff hat seinen Weg ins Deutsche über das gleichbedeutende italienische nepotismo gefunden. Vgl. auch lateinisch nepos (Neffe).

Beispiele:

Nepotismus ist gerade in dieser Branche weit verbreitet. So haben es Neu- und Quereinsteiger oft schwer, Fuß zu fassen.

In den Vereinigten Staaten gibt es ein Anti-Nepotismus-Gesetz. Personen im öffentlichen Dienst ist es verboten,  Posten mit Familienmitgliedern zu besetzen. Es gilt ausdrücklich auch für den Präsidenten.

kafkaesk

Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergründliches Gefühl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren Bürokratie ausgeliefert.

Zunächst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine ähnliche Grundstimmung und einen ähnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner für ihr Anliegen war oder ob es überhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal überprüft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske Gefühl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
– Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

biblioman

Das Adjektiv biblioman ist ein Begriff der Psychologie und bedeutet „krankhaft bücherliebend“.

Die Liebe zu Büchern ist bei den betroffenen Personen so stark ausgeprägt, dass Kennzeichen einer Sucht erkennbar sind oder sie sogar zu kriminellen Handlungen getrieben werden. So wiesen vor allem Angehörige des Klerus und Adels im 18. und 19. Jahrhundert bibliomane Züge auf. Der Pfarrer Johann Georg Tinius gilt als erster bekannter Bibliomane in Deutschland. Er verübte während des 19. Jahrhunderts mehrere Raubmordversuche und veruntreute Kirchengelder, um seinen Sammelwahn zu finanzieren.

Der Ausdruck biblioman stammt aus dem Griechischen und ist zurückzuführen auf die Substantive biblion (Buch) und mania (Wahn).

Beispiele:

Dass nicht nur die Regale, sondern auch sämtliche Sitzgelegenheiten und Tische mit Büchern vollgestapelt sind, lässt auf bibliomane Bewohner schließen.

Du magst mich für biblioman halten. Ich selbst empfinde mich als bibliophil und bestens belesen.

Viele Gleichaltrige machen sich über die 15 jährige, bibliomane Schülerin lustig und sprechen sie nur noch mit „Leseratte“ an. Für die Mitschüler ist es unbegreiflich, warum sie ihre geliebten Bücher den generationsprägenden Partys, Youtube-Channels und Facebook-Chats vorzieht.

Nach Erkenntnis der Medizin können Bücher krank machen. Die Sucht erzeugen, Buchrücken um sich zu haben. Das einchlägige Lexikon „Literatur und Medizin“ nennt als Symptome für „die bibliomanische Suchterkrankung“ : Verlust der rationalen Kontrolle über die benötigte und realistisch nutzbare Menge an Büchern. Verzicht auf Nahrungsaufnahme und Schlaf. Beschaffungskriminalität.
Lucas Wiegelmann, Wie Michael F. der Begierde nach 24.000 Büchern erlag, Die Welt, 06.03.2012

delektieren

Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
– Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.