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  • expressiv

    Das Adjektiv expressiv bedeutet „ausdrucksstark“ oder „ausdrucksvoll“.

    In den deutschen Sprachraum gelangte der Begriff ĂŒber das (gleichbedeutende) französische expressif. Der gleiche Wortstamm taucht bereits beim lateinischen expressio auf, was „Ausdruck“ bedeutet.

    Das Wort „intensiv“, welches ebenfalls aus der französischen Sprache ĂŒbernommen wurde, wird manchmal als Synonym fĂŒr expressiv verwendet. Das liegt auch daran, dass expressiv im Deutschen seltener genutzt wird.

    Ihr Vortrag war extrem expressiv und konnte selbst viele Zweifler im Publikum ĂŒberzeugen.

    Geradezu expressiv ist das Bild des neuen Rathauses. SchrĂ€g von unten und ohne Dach – eine Perspektive, die dem dunklen Kopfbau so ohne Spitzdach sehr gut steht.

    Neues Kleve im alten Schwarz-Weiß – Matthias Grass, rp-online.de, 02.04.2018

  • multilateral

    Das Adjektiv multilateral bedeutet „mehrere Akteure betreffend“. Der Begriff wird besonders hĂ€ufig im politischen Kontext auf der Ebene von Staaten verwendet.

    So bezeichnet der Ausdruck multilateraler Vertrag ein Vertragswerk zwischen mehreren Staaten. Verhandlungen zwischen mehreren Staaten nennt man hÀufig multilaterale GesprÀche.

    Die grĂ¶ĂŸte politische multilaterale Institution sind die Vereinten Nationen. Ein Beispiel fĂŒr ein multilaterales Abkommen ist das Kyoto-Protokoll.

    Synonyme sind zum Beispiel mehrseitig oder vielseitig.

    Der Begriff leitet sich von den lateinischen Wörtern multus (viel) und latus (Seite) ab.

    Der Wiener Kongress gilt es als eindrucksvolles Beispiel fĂŒr multilaterale Verhandlungen.

    „Mit der leichtfertigen Blockade der WTO-Streitschlichtung, fragwĂŒrdigen Zollandrohungen und sogenannten Schutzzöllen fĂŒhrt die US-Regierung das regelbasierte, multilaterale Handelssystem an den Abgrund“, warnte Kempf.

    BDI-PrÀsident Kempf: US-Regierung stellt mit Blockade der WTO das Welthandelssystem infrage, finanzen.net, 02.04.2018

  • Nonkonformismus

    Nonkonformismus (der) bezeichnet eine individualistische, unangepasste, unabhĂ€ngige Haltung gegenĂŒber sozialen, religiösen oder weltanschaulichen Normen. Man schwimmt dabei nicht immer direkt gegen den Strom, aber auch nicht mit ihm.

    Das Substantiv ist deckungsgleich mit NonkonformitÀt oder Antikonformismus.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich in der Verbindung des lateinischen non- fĂŒr „nicht“ und dem spĂ€tlateinischen conformis, was „gleichförmig“ bedeutet.

    Gesellschaften, in denen Nonkonformismus als erstrebenswert gilt, sind bunter, vielfÀltiger und lebhafter.

    Nonkonformismus angesichts ĂŒberwĂ€ltigender wissenschaftlicher Belege ist fehlgeleitet. Wer Impfungen und moderne Medizin zu Gunsten von Homöopathie und Wunderheilung ablehnt, mag sich als freidenkender Nonkonformist fĂŒhlen – ist tatsĂ€chlich aber einfach nur irrational.

    Mit ihrer Kleidung drĂŒcken die Musiker den von ihnen propagierten Nonkonformismus aus.

    Nachdem die Hippiekultur frĂŒher als Ausdruck des Nonkonformismus zu verstehen war, sind zumindest Teile von ihr inzwischen lĂ€ngst in die gĂ€ngige Popkultur eingegangen und können kaum noch ĂŒberraschen oder gar schockieren.

  • stringent

    Das Adjektiv stringent bedeutet „streng nach den Regeln oder dem Plan“ beziehungsweise „lĂŒckenlos, folgerichtig, zwingend schlĂŒssig, logisch“. Substantiviert kann man auch von der Stringenz sprechen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen stringere (schnĂŒren, zusammenziehen).

    Mit stringenter BeweisfĂŒhrung und Argumentation trug der Staatsanwalt die Verfehlungen des Unternehmens vor.

    FĂŒr die Zukunft sollte ein stringentes Regelwerk formuliert werden.

    Einen Plan stringent zu verfolgen ist nur so lange sinnvoll, bis SituationsÀnderungen ein flexibles Umdenken erfordern.

    Damit die Zuhörer einem Vortrag gut folgen können, sollte er möglichst stringent und gut formuliert sein.

  • derangiert

    Das Adjektiv derangiert bedeutet „durcheinander“ oder „unordentlich“. Damit kann ein geistiges Durcheinander gemeint sein, also ein Zustand der Verwirrtheit. Auch ein durcheinanderer oder unordentlicher Zustand (zerzauste Haare, chaotische Kleidung, wirrer Blick, Dinge liegen verstreut herum) einer Person, eines Ortes, einer Organisation etc. kann so beschrieben werden.

    Der Begriff stammt aus dem Französischen (vgl. frz. déranger = durcheinanderbringen, verwirren) und wird dementsprechend ausgesprochen.

    Das derangierte BĂŒhnenbild diente als Allegorie fĂŒr den Geisteszustand des Antagonisten.

    Als er schließlich – mit 10-minĂŒtiger VerspĂ€tung – auf der BĂŒhne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

    Das Hotelzimmer ließ sie derangiert zurĂŒck.

    Als er schließlich – mit 10-minĂŒtiger VerspĂ€tung – auf der BĂŒhne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

    Sie machte doch einen recht derangierten Eindruck, mit ihrer schief geknöpften Bluse und der wirren Frisur.

    Bei meinem zweiten Gang dann besorgte Miro Klose die FĂŒhrung, die ich immerhin noch in der Wiederholung erleben durfte. Den darauf folgenden Ausgleich musste ich ungeschĂŒtzt und schon leicht derangiert ĂŒber mich ergehen lassen. Das Siegtor aber fiel tatsĂ€chlich bei meiner letzten Kloflucht.
    Thorsten Pannen (2008), Das Klofluchtverfahren, ZEIT online.

  • elaboriert

    Das Adjektiv elaboriert bedeutet „sorgfĂ€ltig ausgefĂŒhrt“, „sorgfĂ€ltig herausgebildet“ oder „hoch differenziert“, „hoch entwickelt“.

    Im Kontext der Sprachwissenschaften spricht man auch von elaborierter Sprache bzw. einem elaborierten Kode, wenn das Sprachniveau besonders ausgebildet und differenziert ist.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich im englischen elaborated (herausgearbeitet) bzw. im lateinischen elaborare (etwas sorgfĂ€ltig ausfĂŒhren).

    Ein elaboriertes System von Checks und Balances soll die Gewaltenteilung in den USA aufrechterhalten.

    Auch die Körpersprache gehört zu einem elaborierten KulturverstÀndnis.

    Wie elaboriert man sich ausdrĂŒcken muss und soll, hĂ€ngt auch vom GesprĂ€chspartner ab.

    Der ausgeformte oder elaborierte Kode, so lesen wir in den verschiedenen Schriften des englischen Soziolinguisten Basil Bernstein und seiner SchĂŒler, ist die Sprache der bĂŒrgerlichen Mittelschicht […], wĂ€hrend sich die sozioökonomische Unterschicht der lohnabhĂ€ngigen, handarbeitenden Bevölkerung mit den wesentlich einfacheren und dĂŒrftigeren Redestrategien des restringierten Kode begnĂŒgen muss.
    –  Harald Weinrich (1973), „Sprechen Sie elaboriert?“, Zeit-Online 26.10.1973.

    Durch eine fotorealistische OberflÀche und die intuitiv verstÀndliche Softwarestruktur wird eine elaborierte Bedienbarkeit des GerÀtes erreicht.

  • ad hoc

    Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafĂŒr“ lautet, drĂŒckt im deutschen Sprachgebrauch „dafĂŒr“ bzw. „hierfĂŒr“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im ĂŒbertragenen Sinne kann damit auch ausgedrĂŒckt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unĂŒberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym fĂŒr ad hoc.

    Dementsprechend wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv ist. Die Verwendung unter der ursprĂŒnglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

    Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der AbschlĂŒsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte PrĂŒfungskommission kompensiert werden.

    Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing fĂŒr seine Aktie machen können, um ĂŒberhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
    Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

    Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

    Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.

  • I bims

    Der Ausdruck I bims bedeutet „ich bin’s“. Die absichtliche Falschschreibung wurde vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort 2017 „gekĂŒrt“.

    Der Begriff wird der Facebook-Seite Nachdenkliche SprĂŒche mit Bilder zugeschrieben, die vom satirischen Umgang mit oft auf Facebook geteilten Inhalten geprĂ€gt ist. Die bewusst falsche Rechtschreibung, in der die „nachdenklichen SprĂŒche“ verfasst sind, hat sich schnell zu einer eigenen Subkultur entwickelt. Bekannte AuswĂŒchse sind die Holyge Bimbel (Affiliate-Link) als Verballhornung der Bibel und der Youtube-Kanal von Phil Laude.

    Hallo i bims 1 Fremdwort-Website LOL.

  • Interdependenz

    Das Substantiv Interdependenz bedeutet „gegenseitige AbhĂ€ngigkeit“. Entsprechend ist die Dependenz ein Synonym fĂŒr „AbhĂ€ngigkeit“.

    Der Begriff setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen inter fĂŒr „zwischen“ und dependere fĂŒr „abhĂ€ngig sein“.

    Die Interdependenz ist eine Grundannahme menschlichen Zusammenlebens, da Menschen in sozialen GefĂŒgen stets auf andere angewiesen sind.

    Beide Staaten stehen in Interdependenz zueinander, da sie auf die Exporte des jeweils anderen angewiesen sind.

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen spĂ€teren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrĂŒcklich nicht das legitime Aufschieben aufgrund Ă€ußerer UmstĂ€nde gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrĂŒckende KomplexitĂ€t der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (fĂŒr) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter SchĂŒlern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tĂ€gliche Fremdwort auch manchmal ausfĂ€llt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrĂŒcken das Handtuch fĂŒr sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.