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Kabale

Eine Kabale ist eine „Intrige“ beziehungsweise ein „Ränkespiel“, meint also (im Verborgenen betriebene) Machenschaften zur Erreichung niederträchtiger Ziele. Der Duden beschreibt den Gebrauch des Begriffs als veraltet, jedoch findet man ihn in den Printmedien auch heute noch gelegentlich.

Seinen Weg ins Deutsche fand das Wort über das französische cabale, welches auf das hebräische ḳabālā (eine mystische Geheimlehre des Judentums, siehe Kabbala) zurückgeht.

Die innerparteiliche Kabale ließ die Wähler an der Stabilität der Partei zweifeln und verhinderte schließlich den Wahlerfolg.

Er ist in seinen Ämtern sicher nicht ärmer geworden, aber bereichert an Springer haben sich viele – vor allem Deutschlands teuerste Anwälte, denen die Kabalen in und um den Verlag jahrzehntelang üppige Einkommen bescherten.
Ernst Elitz (2005), Die Märchenprinzessin, DIE ZEIT 17.02.2005 Nr.8.

immanent

Das Adjektiv immanent bedeutet „innewohnend“ oder „in etwas enthalten“.

Im Kontext der Philosophie bedeutet immanent, in den Grenzen möglicher Erfahrungen inne zu halten oder bei einem Standpunkt zu bleiben.

Im heutigen Sprachgebrauch kann immanent für folgende Synonyme verwendet werden: eingeschlossen, enthalten, inbegriffen, implizit oder inhärent.

Der Begriff leitet sich vom lateinischen immanens bzw. immanere (bei etwas bleiben, anhaften) ab.

Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind zu erlernende Fähigkeiten, die einem Studium schon immer immanent waren.

Die Interpretation sollte rein textimmanent sein, hierbei fokussiert man zunächst nur den Inhalt und die sprachliche Gestaltung des Textes.

Um ihre Zukunft und die ihrer Studenten macht sich das Paar keine Sorgen. „Aus Sicht eines Politikers ist Förderung ein politisches Steuerungsinstrument“, sagt er. „Auf dieses Instrument werden Politiker nie verzichten wollen. Es ist systemimmanent.“
– Thomas Ramge (2011), Europa aktiv nutzen, brand eins 04/2011.

Orkus

Orkus (bzw. Orcus) war laut römischer Mythologie der Herrscher der Unterwelt. Im Deutschen dient der Orkus als Synonym für die Unterwelt respektive das Reich der Toten.

Etwas weniger dramatisch kann der metaphorische Abgrund gemeint sein, auf den jemand oder etwas zusteuert. In diesem Sinne spricht man gerne davon, etwas im Orkus zu versenken.

Umgangssprachlich und seltener wird der Begriff auch als Synonym für „Toilette“ gebraucht.

Der Begriff wurde aus dem Lateinischen übernommen.

Steuert Donald Trump die amerikanische Gesundheitsversorgung in den Orkus?

Ende der Woche – so die mutmaßliche Prophezeiung der Mayas – wird die ganze Welt im Orkus versinken.

Die Investoren kehrten zurück. Die Staatsschuld halbierte sich auf den Traumwert von heute 46 Prozent der Wirtschaftsleistung (die Griechen sind bei 108 Prozent).

Der Staatsbankrott muss also nicht in den Orkus führen. Aber bis dahin werden noch einige Euros in der Ägäis versinken.
Joffe (2010), Euros in die Ägäis, DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18.

Aficionado

Ein Aficionado ist ein begeisterter Liebhaber bzw. ein Enthusiast.

Der Begriff wird oft in Bezug auf Dinge lateinamerikanischen oder spanischen Ursprungs verwendet, wie Tequila, Stierkampf oder insbesondere Zigarren. Er kann jedoch auch mit anderem Bezug gebraucht werden.

Das Wort wurde aus dem Spanischen übernommen, wo es die gleiche Bedeutung trägt. Im Duden taucht es erst seit 2009 auf.

Seinem Ruf als Zigarrenaficionado alle Ehre machend, hat er vor Kurzem eine beträchtliche Summe in einen neuen Humidor investiert.

Fußball ist seit jeher seine große Leidenschaft. Als brennender Aficionado verpasst er kein Bundesligaspiel.

Klugscheißer gibt es fast so viele wie schlechte Flaschen am Markt. Die Komplexität des Weintrinkens bringt es mit sich, dass mancher Aficionado glaubt, sich als Kenner der Lagen, Geschmacksträger und Ausbauverfahren präsentieren zu können, ohne entlarvt zu werden.
Willmann (2004), Erforscht & Getrunken, DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17.

veritabel

Das Adjektiv veritabel bedeutet „wahr“ oder „wahrhaft“.

Der Begriff leitet sich vom französischen Wort véritable ab, das die gleiche Bedeutung hat. Dieses Wort stammt wiederum vom lateinischen Begriff veritas ab, das „wahr“ bedeutet.

Das ist eine veritable Aussage.

Was Sie geschafft haben, war eine veritable Leistung, auf die Sie stolz sein können.

Innerhalb der Partei entbrannte ein veritabler Streit darüber, wer den Vorsitz übernehmen sollte.

Defätismus

Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich auch durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ.

Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

Corpus Delicti

Das Corpus Delicti ist ein Gegenstand, mit dem ein Verbrechen verübt wurde und der im Anschluss als Beweisstück verwendet werden kann. Im Falle eines Einbruchs also etwa ein Brecheisen, im Falle eines Gewaltverbrechens die Tatwaffe etc. Mittlerweile kann der Ausdruck auch im Kontext anderer Vergehen verwendet werden, selbst wenn es sich nicht um Verbrechen im rechtlichen Sinne handelt.

Der Ausdruck wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und trägt dort die gleiche Bedeutung.

Das Corpus Delicti, die mehr als 500 Seiten starke „Doktorarbeit“, wurde im Anschluss penibel auf plagiierte Textstellen untersucht.

Der Palästinenserpremier Salam Fajad aber ist ein Revolutionär, der hinter sich aufräumt. Beim Lunch im Seehof von Davos greift er zwar zur verbotenen Zigarette. Dann aber gießt er sorgfältig Mineralwasser auf eine Serviette, drückt die Zigarette darin aus, rollt das feuchte Papiertuch zusammen und wirft das Corpus Delicti in den Ascheimer vor der Tür.
Josef Joffe (2010), Israel ist da und bleibt, DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07.

dechiffrieren

Das Verb dechiffrieren bedeutet „entschlüsseln“. Es bezieht sich ursprünglich auf das Übertragen einer verschlüsselten (auch: chiffrierten) Botschaft in Klarschrift .

Im übertragenen Sinne meint dechiffrieren auch das Entschlüsseln komplexer, schwierig zu durchschauender Sachverhalte und das Übersetzen selbiger in klare, einfach zu verstehende Worte.

Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende französische déchiffrer.

Seine Aufgabe während des Krieges war in erster Linie, abgefangene Botschaften des Feindes zu dechiffrieren.

Es gelang ihnen erst in der zweiten Halbzeit allmählich, die Angriffsmuster des Titelverteidigers zu dechiffrieren und entsprechend souverän zu reagieren.

filibustern

Das Verb filibustern bedeutet „Zeit schinden“ oder „hinauszögern“.

Es wird vor allem in der Politik verwendet, um ein ausschweifendes, marathonartiges Reden zu beschreiben, mit dem unangenehme Dinge, wie Entscheidungen oder Abstimmungen, hinausgezögert oder zu verhindern versucht werden.

Seinen Ursprung findet filibustern im englischen Verb to filibuster, welches anhand des Substantivs filibuster (Flibustier) herzuleiten ist. Das Substantiv wurde durch westindische Seeräuber der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geprägt und bezeichnet somit Freibeuter.

Minderheitenparteien bleibt oft nur, stundenlang zu filibustern, um Entscheidungen im Senat zu verhindern.

Ihre Taktik ist es, so lange zu filibustern, bis das Publikum den eigentlichen Anlass der Rede verdrängt hat und somit hoffentlich niemand ihre komplette Ahnungslosigkeit bemerkt.

An der französischen Schule hat sich keiner für das Zeugnis interessiert. Die hatten andere Sorgen. Die waren einfach nur glücklich über den neuen Aushilfslehrer, da oben im Norden. Am Ende des Jahres konnte ich parlieren, charmieren, mich echauffieren, sautieren und filibustern, dass es eine helle Freude war.
Harald Martenstein, „Ich habe niemals gelogen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“, ZEITmagazin, 10/2011

Redundanz

Das Substantiv Redundanz (die) beschreibt das Vorhandensein von mehr Dingen, Daten oder Informationen, als eigentlich benötigt werden.

Redundanzen gibt es etwa

  • in der Sprache (z.B. mehrfaches Beschreiben des selben Sachverhaltes).
  • in der Informatik (mehrfache Speicherung oder Übertragung der gleichen Daten).
  • in technischen Systemen (mehrere Systeme oder Komponenten mit der gleichen Funktion).

Redundanzen sind überflüssig – bis sie es nicht sind:

In der Kommunikation, vor allem der gesprochenen Sprache, erhöhen sie den Grad der erfolgreichen Übertragung von Informationen. Sagt man etwas zweimal, ggf. leicht unterschiedlich formuliert, kommt es mit größerer Wahrscheinlichkeit beim Gesprächspartner an.

In der Informatik ist es keine Seltenheit, dass Speichermedien den „Hardwaretod“ sterben oder verloren gehen. Mehrfache Sicherung der gleichen Daten schützt also vor Datenverlust.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen redundantia (Überfülle).

Beispielsätze:

Zum Glück wurde beim Anfertigen der Backups an Redundanz gedacht, daher sind durch den Bürobrand die Firmendaten nicht verloren gegangen.

Es ist eine unnötige Redundanz, diese Information über zwei Kanäle zu übermitteln.