• Corpus Delicti

    Das Corpus Delicti ist ein Gegenstand, mit dem ein Verbrechen verübt wurde und der im Anschluss als Beweisstück verwendet werden kann. Im Falle eines Einbruchs also etwa ein Brecheisen, im Falle eines Gewaltverbrechens die Tatwaffe etc. Mittlerweile kann der Ausdruck auch im Kontext anderer Vergehen verwendet werden, selbst wenn es sich nicht um Verbrechen im rechtlichen Sinne handelt.

    Der Ausdruck wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und trägt dort die gleiche Bedeutung.

    Das Corpus Delicti, die mehr als 500 Seiten starke „Doktorarbeit“, wurde im Anschluss penibel auf plagiierte Textstellen untersucht.

    Der Palästinenserpremier Salam Fajad aber ist ein Revolutionär, der hinter sich aufräumt. Beim Lunch im Seehof von Davos greift er zwar zur verbotenen Zigarette. Dann aber gießt er sorgfältig Mineralwasser auf eine Serviette, drückt die Zigarette darin aus, rollt das feuchte Papiertuch zusammen und wirft das Corpus Delicti in den Ascheimer vor der Tür.
    Josef Joffe (2010), Israel ist da und bleibt, DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07.

  • Prekariat

    Unter Prekariat versteht man im Bereich der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

    Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

    Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

    Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
    Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

    „Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
    Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

  • prätentiös

    Das Adjektiv prätentiös  bedeutet im deutschen Sprachgebrauch soviel wie „selbstgefällig“ oder auch „effekthascherisch“.

    Eine Person oder ihr Verhalten wird als prätentiös bezeichnet, wenn sie sich als Experte aufspielt ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu besitzen oder wenn sie sich selbstherrlich hervortut und wenn sie wichtigtuerisch auf andere herabblickt. So gilt beispielsweise – auch interessant im Kontext dieses Internetangebots – ein übermäßiger und unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern als prätentiös.

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, wo praetendere „Anspruch erheben“ bedeutet.

    Bisher war sie von ihm recht angetan gewesen, doch dass er im Restaurant allerlei Änderungswünsche an seinem Gericht hervorbrachte und letztlich sogar wissen wollte, welche Sorte Balsamico-Essig – den er ‚Aceto Balsamico‘ nannte – für das Salatdressing verwendet werde, empfand sie als störend prätentiös.

    Je prätentiöser der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, desto dünner ist meist der Inhalt.

    Drinnen tritt sie ans Rednerpult, eine zarte, zerbrechlich erscheinende Frau von 59 Jahren. Nichts an ihr wirkt prätentiös, nichts pompös. Sie trägt eine schlichte schwarze Jacke, als Schmuck nur eine Perlenkette, ihre dünnrandige Intellektuellenbrille wird von einem pflegeleichten Pagenschnitt umrahmt.
    Thomas Kleine-Brockhoff (2007), Die Elite wird weiblich, Die Zeit, 15.02.2007.

  • ex ante

    Der Begriff ex ante bedeutet „im Voraus“, „vorab“ oder „zuvor“. Der Begriff beschreibt eine Betrachtung oder Beurteilung der Sachlage vor dem Eintritt des eigentlichen Ereignisses.

    Ex ante wird hauptsächlich in der juristischen Fachsprache, gelegentlich aber auch in der Wirtschaftssprache verwendet.

    Das Antonym zu ex ante lautet ex post (im Nachhinhein, hinterher).

    Der Begriff ist lateinischer Herkunft und setzt sich aus den Teilen ex (an, aus, seit) und ante (vor, vorher, vorwärts) zusammen.

    Im Qualitätsmanagement werden unter anderem Regeln aufgestellt, die ex ante klar definieren, wie Prozesse innerhalb des Unternehmens ablaufen (sollten).

    Bei der ex-ante-Betrachtung des Vorfalls wird deutlich, dass der Angeklagte nicht genau feststellen konnte, ob das Opfer bewaffnet gewesen ist oder nicht. Daher kann man von einer Tat aus Notwehr ausgehen.

    Rückblickend lässt sich das immer ganz toll erkennen, aber ex ante weiß man nie etwas.
    Marcus Rohwetter, Wartesaal des Geldes, Zeit Online, 29. November 2012

  • usurpieren

    Das Verb usurpieren bedeutet, widerrechtlich (und oft mit Gewalt) Machtbefugnisse oder Besitz an sich zu reißen. Beispielsweise also mittels eines Militärputsches die Regierungsgewalt über einen Staat zu erlangen. Jemanden, der so vorgeht,  nennt man einen Usurpator.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen usurpare (gebrauchen, in Besitz nehmen).

    Er usurpierte den Staat und regierte für einige Jahre als Diktator.

    Sie usurpierte schließlich den Vorsitz über die Versammlung und konnte sich so mit ihrer unkonventionellen Meinung Gehör verschaffen.

  • immens

    Das Adjektiv immens bedeutet „in Bewunderung erregender Weise groß“, „unermesslich“, „überdimensioniert“ oder „gewaltig“.

    Zurückzuführen ist der Begriff auf das lateinische immensus (unermesslich, ungeheuerlich groß), welches über das französische, gleichbedeutende immense seinen Weg in die deutsche Sprache gefunden hat.

    Er hat zuletzt immense Fortschritte beim Lernen gemacht. Mittlerweile bin ich doch davon überzeugt, dass er die Abiturprüfungen besteht.

    Die Hamburger Elbphilharmonie ist endlich fertiggestellt, allerdings waren die immensen Kosten nicht im Vorfeld bekannt.

    In Wolfsburg kennt man das immense Potenzial dieser Gattung und will, so sagt es Vorstandvorsitzender Herbert Diess zur Premiere in Genf, „unser Angebot an SUVs kräftig ausbauen und künftig in jedem Kernsegment ein SUV anbieten.“ – Christoph M. Schwarzer, Erfolgsmodell Pseudo-SUV, Zeit Online, 2. März 2016

  • Kaschieren

    Das Verb kaschieren bedeutet „beschönigen“, „korrigieren“, „verbergen“ oder „verschleiern“.

    Wenn man eine Sache oder einen Zustand kaschiert, so verändert man etwas oder stellt etwas so dar, dass eine positivere Wirkung erzielt wird. Das heißt, man verdeckt bestimmte Mängel, damit diese nicht mehr erkennbar sind.

    Kaschieren wird unter anderem auch in der Theaterbranche und Textilindustrie verwendet, um den Herstellungsprozess plastischer Teile der Bühnendekoration zu beschreiben oder die Verklebung zweier Textilgewebe miteinander durch die Einlagerung von Klebstoff.

    Der Begriff wurde im 17.Jahrhundert dem französischen cacher („verstecken“) entlehnt.

    Durch vorteilhafte, weite Kleidung lassen sich allerlei Problemzonen, wie zum Beispiel weihnachtlicher Bauchspeck, kaschieren.

    Um triste Buchrücken attraktiv zu gestalten, werden sie mit dekorativen Einbänden kaschiert.

    Der zweitgrößte Automobilclub der Welt war wegen Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel in die Kritik geraten. Dabei waren die Teilnehmerzahlen für ein Voting zum beliebtesten Auto der Deutschen geschönt worden, um das geringe Interesse der ADAC-Mitglieder an der Wahl zu kaschieren.
    Zeit Online, ADAC: Grüne werfen ADAC Manipulation bei Deutschland-Rallye vor, Zeit Online, 21.01.2014.

  • unilateral

    Das Adjektiv unilateral bedeutet „einseitig“. Es wird meist verwendet, um politische Handlungen oder Ereignisse als von einem Akteur ausgehend bzw. nur einen Akteur betreffend zu beschreiben.

    Der Begriff setzt sich zusammen aus den lateinischen Worten unus (ein/e) und latus (Seite).

    Anstatt Verhandlungen mit den anderen Staatschefs abzuwarten, preschte er mit einem unilateralen Beschluss vor.

    Sie gibt sich deutlich verhandlungsbereiter als ihr häufig unilateral handelnder Vorgänger.

  • skandieren

    Das Verb skandieren bedeutet ursprünglich, mit starker Betonung der Hebungen zu lesen oder zu sprechen. Hebungen sind im Deutschen die Wörter oder Silben in Versen, die auch im natürlichen Redefluss betont werden.

    Weiterhin kann ein rhythmisches, einzelne Silben betonendes Sprechen oder Rufen gemeint sein, wie es etwa bei Sprechchören von Menschenmassen zu hören ist. Aus diesem Grund trifft man auf den Begriff insbesondere im Rahmen der Berichterstattung über Demonstrationen und Sportveranstaltungen.

    Sie versammelten sich zu Tausenden vor dem Palast und skandierten stundenlang: „Der König muss weg!“ „

    Als eine Schalker Fan-Gruppierung am Samstag beim Spiel gegen Frankfurt ein Feuer zündete, erfuhr sie sofort Ablehnung aus dem eigenen Lager. „Wir sind Schalker und ihr nicht“, skandierte eine große Menge anderer blau-weißer Anhänger.
    Oliver Fritsch (2012), Das alte, neue Nazi-Problem in den Fankurven, ZEIT ONLINE.

  • Nimbus

    Das Substantiv Nimbus (der) bedeutet „Heiligenschein“ bzw. „besonderes Ansehen/Prestige“.

    Vom Nimbus im Sinne eines Heiligenscheins hinter dem Haupt einer Person spricht man vor allem im Kontext der bildenden Kunst, wo er als Symbol des Göttlichen oder auch weltlicher Macht dient.

    Ebenfalls kann ein (eventuell sogar übersteigerter) Ruhm gemeint sein, wenn man vom Nimbus einer Sache, einer Person oder einer Gruppe von Personen spricht. Der strahlende Glanz also, der sich von rational begründbarer Bewunderung abhebt.

    Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen nimbus, welches wörtlich „Regenwolke“ bedeutet und im übertragenen Sinne die Nebelhülle meint, in der Götter den Menschen erscheinen.

    Er wollte um jeden Preis den Nimbus um seine Person bewahren; diesem Ziel ordnete er alles andere unter.

    Das neue Album bestätigt ihren Nimbus als eine der vielseitigsten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit.

    Am Sonntag stehen in Venezuela Gouverneurswahlen an. Der Staatspräsident hat seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren – nun kandidieren Dissidenten gegen seinen Willen.
    Thomas Chavez (2008), Chávez gegen Chávez, Zeit Online, 23.11.2008.

    Um das haupt griechischer gottheiten erscheint auf abbildungen ein strahlenkranz und nimbus, auf indogriechischen münzen pflegt der Mithras einen kreisförmigen nimbus mit spitzen strahlen zu zeigen, andere darstellungen entbehren der strahlen.[sic!]
    – Jacob Grimm (1835), Deutsche Mythologie.

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