• abstrus

    Das Adjektiv abstrus bedeutet „verworren“, „diffus“. Es beschreibt Sachverhalte, Äußerungen, Vorstellungen etc. als so abwegig und wirr, dass sie von anderen Personen nicht oder nur schwer nachvollzogen bzw. verstanden werden können.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen abstrusus (versteckt), abgeleitet von lat. abstrudere (verbergen).

    Seine abstrusen Anschuldigungen konnte ich nicht nachvollziehen.

    Der Vertrauensverlust der Aktionäre in die Geschäftsleitung ist zum größten Teil auf die abstrusen Pläne des CEO zurückzuführen.

    Die Galeriebesucher waren von dem abstrusen Stilmix ihrer Werke fasziniert.

  • Expletiv

    Ein Expletiv (das) ist ein für den Sinn eines Satzes entbehrliches Füllwort. Ein solches Wort nimmt auf den Wahrheitsgehalt einer Aussage keinen Einfluss und ist in geschriebener Sprache stilistisch meist fehl am Platz. In der gesprochenen Sprache jedoch dienen Expletive zu einer Verbesserung des Sprachrhythmus und lassen gegebenenfalls einen Rückschluss auf Stimmung und Haltung des Sprechers zu.

    Vergleicht man etwa die beiden Sätze

    Dein Fernseher ist sehr groß.

    und

    Dein Fernseher ist aber sehr groß.

    so drücken beide aus, dass der Sprecher den Fernseher sehr groß findet, d.h. die Kernaussage bleibt unverändert. Der zweite Satz klingt jedoch überrascht bzw. verwundert.

    Weitere Beispiele für derartige Füllwörter sind etwa: wohl, ja, gewissermaßen, eben, halt, eh und Verbindungen wie „aber auch“.

    Der Begriff Expletiv findet seinen Ursprung im lateinischen explere (ausfüllen).

  • Melancholie

    Melancholie (die) ist ein Gemütszustand, der von außerordentlicher Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit geprägt ist. Der Ausdruck wird insbesondere dann verwendet, wenn es für diese „tiefe schmerzliche Verstimmung“ (S. Freud) keinen konkreten Anlass gibt.

    Der Begriff geht (wie etwa auch das bereits vorgestellte Adjektiv phlegmatisch) auf die Viersäftelehre des Hippokrates von Kos zurück. Dieser beschrieb die melancholia als schwarze Galle, die als einer der vier Körpersäfte – wenn im Überschuss vorhanden – zu Schwermut führt.

    Er wurde von anhaltender Melancholie erfasst.

    Die Zuschauer lachten, und manchmal weinten sie auch vor Freude, aber stets schwebte eine Melancholie über Hüschs Erzählungen. Heimeligkeit wurde im Keim erstickt. Seine Geschichten vom Niederrhein waren „endlose Trauermärsche in Dur“, so hat er es selbst einmal gesagt.
    Andreas Molitor, Der Alltagschronist, brand eins Wissen.

  • flamboyant

    Das Adjektiv flamboyant bedeutet wörtlich „flammend“, „farbenprächtig“ oder im übertragenen Sinne „energisch“. So kann mit dem Ausdruck im direkten Sinne das Aussehen von Dingen,  Malereien, Gebäuden etc. respektive im übertragenen Sinne das Wesen von Personen, Musikstücken, Filmen etc. beschrieben werden.

    Ein Beispiel für flamboyante Architektur
    Die Westfassade der Kirche im französischen Vendôme, gestaltet im Flamboyant-Stil.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen flamboyer (aufflammen, aufleuchten).

    Curtis wurde zu einem der letzten großen Stars des alten Hollywood. Ein gut aussehender Junge, der scheinbar leichtfüßig und flamboyant den Glanz verkörperte, der nun einmal zum Zauber des Kinos dazu gehört.
    Ruben Donsbach (2010), Lebemann des alten Hollywood, Zeit online.

    Bildnachweis:  Manfred Heyde  [Lizenz: CC-BY-SA-3.0 bzw. GFDL], via Wikimedia Commons.

  • fragil

    Das Adjektiv fragil bedeutet zerbrechlich, anfällig. Es kann sowohl zur Beschreibung konkreter Dinge wie auch abstrakter Sachverhalte (Beziehungen, Ideen etc.) verwendet werden.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische fragilis (zerbrechlich, hinfällig). Vgl. auch lat. fragilitas (Zerbrechlichkeit).

    Das Finanzsystem Europas ist, wie sich im letzten Jahrzehnt gezeigt hat, überaus fragil.

    Der fragile Frieden in der Region könnte jederzeit ein Ende finden.

    Es mag erstaunen, wie sehr die kleinen, fragil aussehenden Tierchen – meist handelt es sich um die Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) – allen menschlichen Anstrengungen trotzen.
    Kai Michel (2003), DER HEUSCHRECKLER, brand eins.

  • Indikator

    Ein Indikator (der) ist in unterschiedlichen Kontexten ein Anzeiger. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit ein Ereignis, ein Umstand oder Merkmal gemeint, aus der sich auf den Zustand oder die Entwicklung etwas anderen schließen lässt.

    Auch in den Natur- und Geisteswissenschaften findet der Ausdruck vielfach Anwendung. Ein Indikator im technischen Sinne ist etwa ein einfaches Anzeigegerät, beispielsweise eine Kontrollleuchte. In den Sozialwissenschaften ist ein Indikator eine Kennzahl, wie etwa die Geburtenrate, die Säuglingssterblichkeit oder die Analphabetenrate, aus der sich auf den Zustand einer Gesellschaft schließen lässt.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen indicare (anzeigen).

    Der vom Institut für Wirtschaftsprüfung ermittelte Geschäftsklimaindex ist ein aussagekräftiger Indikator für die kurzfristige Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

  • Minimalismus

    Minimalismus (der) ist die Beschränkung auf das Nötigste und das Wesentliche. Speziell in bildender Kunst, Architektur und Musik beschreibt der Begriff eine Reduktion auf möglichst wenige Elemente und den Verzicht auf schmückendes Beiwerk. Inzwischen kann der Begriff auch in anderem Kontext verwendet werden.

    Der Ausdruck geht zurück auf das lateinische minimus (das Geringste).

    Sie hat sich dem Minimalismus verschrieben. Ihre aus hochwertigen Materialien gefertigten Möbelstücke zeichnen sich durch klare Formen und gerade Linien aus.

    Gelebter Minimalismus bedeutet für mich vor allem der Verzicht auf allen überflüssigen physischen Besitz. Das würde ich nicht mit einem Leben in Askese gleichsetzen, denn ich habe nicht das Gefühl, auf etwas Verzichten zu müssen. Ich beschränke mich einfach nur auf die für mich wirklich wichtigen Dinge. So kann ich jederzeit alles, was ich besitze, in einem einzelnen Koffer verstauen.

  • situiert

    Das Adjektiv situiert beschreibt die wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen sich eine Person befindet. Im deutschen Sprachgebrauch wird in der Regel ein weiteres Adjektiv benötigt, um die genaue Ausprägung zu definieren. So kann jemand etwa gut, besser, schlecht, schwach etc. situiert sein.

    Der Begriff leitet sich aus dem französischen situé (gelegen) ab, welches auf das lateinische situs (Lage) zurückgeht.

    Sie ist bei ihren schwach situierten Verwandten aufgewachsen.

    Unsere Zielgruppe sind überdurchschnittlich gut situierte Eltern mit einem vollen Terminkalender.

  • Veto

    Ein Veto (das) ist ein unilateraler Einspruch, der einen bestimmten Vorgang unmöglich macht oder wenigstens aufschiebt,  etwa das Inkrafttreten eines Gesetzes oder einer bestimmten Maßnahme. Der Begriff meint in der Regel speziell einen solchen Einspruch, für den ein formell (zum Beispiel per Gesetz) definierter Rahmen existiert. Der Einspruch einlegenden Partei oder Person wird also ein offizielles Vetorecht zugesprochen.

    In Deutschland kann der Bundesrat ein Veto gegen vom Bundestag verabschiedete Gesetze einlegen.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen veto (ich verbiete). Im römischen Reich existierte ein solcher Mechanismus, allerdings wurde damals der Ausdruck intercessio (Einspruch, Dazwischentreten) gebraucht.

    Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Vereinigte Königreich, die Volksrepublik China, die Russische Föderation und Frankreich besitzen innerhalb der Vereinten Nationen ein Vetorecht, das ihnen ermöglicht, jeden von der UNO gefassten Beschluss zu unterbinden.

    Der amerikanische Präsident Barack Obama hat Apple vor einem Einfuhrverbot für mehrere ältere Modelle von iPhone und iPad wegen Patentverletzungen gerettet. Sein Handelsbeauftragter Michael Froman blockierte mit seinem Veto in letzter Minute ein Urteil der amerikanischen Handelskommission ITC zu Gunsten des Apple-Erzrivalen Samsung.
    Obama kippt Einfuhrverbot für ältere iPhones und iPads, Frankfurter Allgemeine Zeitung 04.08.2013.

  • Fundament

    Ein Fundament (das) ist eine besonders stabile und meist massive Struktur, auf der etwas fragileres errichtet werden kann. Während der Begriff ursprünglich nur im Bauwesen für das tatsächliche Fundament von Gebäuden und anderen Bauwerken verwendet wurde, kann er inzwischen auch in übertragenem Sinne gebraucht werden.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen fundus (Grund, Boden).

    Das Fundament des Taipei 101, inzwischen nur noch das zweithöchste Gebäude der Welt, besteht aus 9000 Tonnen Stahl und über 30 000 Tonnen Beton.

    Eine gute Ausbildung ist ein möglicher Weg, das Fundament für eine erfolgreiche Karriere zu legen.

    Der neue Nord-Südkonflikt in Europa, der mehr ist als ein ökonomischer zwischen Reicher und Ärmer, gerät längst zum Clash der Kulturen – innerhalb eines Europas, das sich seiner Gründung auf dem Fundament einer gemeinsamen politischen Kultur immer weniger erinnert.
    Peter von Becker (2013), Diagnose: leidenschaftslos, Zeit online.