Fremdwörter mit I

  • in­t­rin­sisch

    Das Adjektiv intrinsisch bedeutet „von innen heraus“ oder „einer Sache inne wohnend“.

    Der Begriff beschreibt damit Zustände, Sachverhalte oder Vorgänge, die von innen her, also aus eigenem Antrieb erfolgen oder hervorgerufen werden. Das geläufigste Beispiel ist die intrinsische Motivation, die unabhängig von äußeren Einflüssen, z.B. aus dem Drang zur Selbstverwirklichung oder dem Streben nach persönlichen Idealen entsteht.

    Intrinsisch“ entstammt dem lateinischen intrinsecus (innerlich).

    Die äußeren und familiären Zustände ließen keine Anhaltspunkte zu dieser Tat zu. So musste von rein intrinsischen Motiven ausgegangen werden, was das Strafmaß wiederum erhöhte.

    Da sah man den Arbeiter als Produktivkraft, bloßes Instrument, das einfach nur effizient eingesetzt werden musste – Anweisungen geben, Umsetzung kontrollieren, fertig. Zuckerbrot und Peitsche galt da schon als subtile Methode. Heute ist die Rede von intrinsischer Motivation, von wertschätzender Kommunikation, von emotionaler oder gar spiritueller Intelligenz.
    – Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins 05/2011.

  • infantil

    Das Adjektiv infantil bedeutet „kindlich“ sowie im abwertenden Sinne „kindisch“ oder „unreif“.

    Der abwertende Gebrauch ist der bei weitem häufigere. So wird eine Person als infantil bezeichnet, die sich nicht ihrem Alter entsprechend verhält. Infantil können darüber hinaus nicht nur Personen selbst sein, sondern auch deren Ideen, Vorstellungen oder Äußerungen, also alle Arten des Ausdrucks oder Verhaltens, die nicht altersgemäß sind.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen infantilis (kindlich, noch klein).

    Donald Trumps infantile Art, mit Konflikten umzugehen, bereitet der Weltgemeinschaft immer wieder Kopfschmerzen.

    Sie sind alle infantil, diese Romantiker, Männer, die zu lange oder immer Kinder geblieben sind, ohne die Kraft zur Selbstkritik, aber mit ewigen Hemmungen aus dem dumpfen Bewußtsein persönlicher Schwäche und von dem kranken Gedanken getrieben, die Gesellschaft abzuändern, die ihnen zu männlich, zu gesund, zu nüchtern ist, nicht mit dem Messer und Revolver wie in Rußland, beileibe nicht, sondern mit edlem Gerede und poetischen Theorien.
    – Oswald Spengler (1933), Jahre der Entscheidung.

    Seine infantile Reaktion auf die Vorwürfe der Aktionäre ließ gewisse Rückschlüsse auf seine Eignung als Vorstandsvorsitzender zu.

    Wir kennen es vom Kind in der Sandkiste, das auf den Bagger des Kameraden neidisch ist und ruft: „Will ich auch haben!“
    Dieser infantile Wunsch ist der Motor des Konsumismus und des Wachstums.
    Ulrich Greiner (2014), Wer braucht das schon alles?, Zeit Online.

  • indigniert

    Das Adjektiv indigniert bedeutet „peinlich berührt“. Ist eine Person indigniert, so fühlt sie sich in ihrer Würde verletzt, sieht sich also mit etwas konfrontiert, was ihr unangenehm ist und sie betreten macht.

    Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen indignus (unangemessen, unwürdig), welches sich aus der verneinenden Vorsilbe in- und dem lateinischen Wort für „würdig“, dignus, zusammensetzt.

    Indigniert schüttelte er den Kopf und sah anschließend zu Boden.

    Ich war von seinem Verhalten aufs Höchste indigniert. Ein Fauxpas jagte den nächsten, schrecklich!

    Sie wünschte sich, ihr würde eine schlagfertige Entgegnung einfallen. Stattdessen schwieg sie nur indigniert.

  • intermittierend

    Das Adjektiv intermittierend bedeutet „mit Unterbrechungen“ und beschreibt Vorgänge, Handlungen und Zustände, die zeitweilig ausgesetzt werden bzw. zeitweilig nachlassen und in geringerer Intensität weiter bestehen.

    Besonders häufig wird der Ausdruck im medizinischen Kontext verwendet, um derartige Krankheitsverläufe zu beschreiben.

    Der Ursprung des Begriffs findet sich im lateinischen intermittere (dazwischen offen lassen, unterbrechen), welches sich aus der Vorsilbe inter– (dazwischen, mitten) und dem Verb mittere (schicken, weglassen, loslassen) zusammensetzt.

    Seine Treue als Ehemann ließ auf Geschäftsreisen immer schlagartig nach. Er betrachtete sich sozusagen nur intermittierend als in festen Händen.

    Sie leidet unter intermittierenden Schmerzen, die ebenso plötzlich auftreten wie sie wieder nachlassen.

  • imperativ

    Als Adjektiv bedeutet der bildungssprachliche Begriff imperativ so viel wie „befehlend“, „zwingend“, „bindend“ oder (gehobener) „gebietend“.

    So wird das Adjektiv beispielsweise in Bezug auf die imperative Programmierung in der Informatik, imperativen Harndrang in der Medizin oder imperative Mandate in der Politik verwendet.

    Das Adjektiv ist nicht zu verwechseln mit der substantivierten Form „Imperativ“, welche in der Grammatik die Befehls- und Aufforderungsform darstellt, oder in der Philosophie und Soziologie ein „Gebot“ oder „Prinzip“ bezeichnet.

    Der Begriff stammt aus dem Spätlateinischen und ist über imperativus, zu lateinisch imperare (befehlen) herzuleiten.

    Mit dem Erhalt des imperativen Mandats wurde dem Politiker viel Vertrauen entgegengebracht. Sofern er sich an die inhaltlichen Vorgaben der von ihm Vertretenen hält, sollte einer erfolgreichen Amtszeit nichts im Wege stehen.

    Der mit dem Alter zunehmende, imperative Harndrang führt oftmals zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten.

    Philosophie des Radfahrens ist kein Schmöker. Es ist ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um ein Kapitel zu lesen. Radfahrer werden es mögen. Schon allein wegen des imperativen Charakters, der einem immer wieder Lust macht, selbst aufs Rad zu steigen.
    Andrea Reidl, Velophil: Ein Buch verführt zum Radfahren, Zeit Online, 22.04.2013

  • Impetus

    Das bildungssprachliche Substantiv Impetus bezeichnet einen inneren oder äußeren Antrieb, Anstoß, Impuls oder eine Triebkraft. Dieser Antrieb kann als eine Art Anfangsenergie verstanden werden, die eine Sache in Bewegung setzt.

    Sinnverwandte Wörter sind Dynamik, Elan, Anregung, Antrieb oder Impuls.

    Impetus ist auf das lateinische impetus (das Vorwärtsdrängen) zurückzuführen.

    Es bedarf noch Impetus, um wieder mit dem Sport anzufangen.

    Die neue Kollegin hat den Arbeitsrückstand in zwei Arbeitstagen aufgeholt. Sie ist sehr engagiert und verfügt über den richtigen Impetus.

    Pop-Professor Jeffrey Sachs gilt als einer der Väter der Millenniumsziele und wurde vom einstigen UN-Generalsekretär Kofi Annan zum persönlichen Berater berufen: ein charismatischer Menschenfreund, der von einem enormen moralischen Impetus, aber auch von einer ansehnlichen Portion Eitelkeit angetrieben wird.
    Johannes Dieterich, Man kann das kaum in Worte fassen, Brandeins, 10/2007

  • Infarkt

    Das Substantiv Infarkt ist ein Begriff aus dem Bereich der Medizin und bezeichnet das Absterben von Gewebe oder Organteilen nach Unterbrechung der Blutzufuhr.

    Neben dieser ursprünglichen Bedeutung steht Infarkt im übertragenden Sinne auch für einen Zusammenbruch von etwas.

    Infarkt ist vom lateinischen infarctum entlehnt, einer Partizipform von infarcire (hineinstopfen).

    Es kam zu einem Infarkt in der Vorderwand des Herzens, woraufhin sofort operiert werden musste.

    Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor in Hinblick auf Herzinfarkte, koronare Herzerkrankungen oder Schlaganfälle.

    In Hamburg, der fahrradfreundlichsten Stadt, wie Behörden und Marketing gern tönen. Oder besser: in der fahradfeindlichsten Stadt, wie Betroffene, die Grünen und diverse Studien gegenhalten. Und dazwischen steht die Geografin Spott, stellvertretend für Hunderttausende Radler einer Metropole vorm Verkehrsinfarkt. In einem Land mit Benzin im Blut.
    Jan Freitag, Radfahren: Hamburg, Stadt der kompromisslosen Autogerechtigkeit, Zeit Online, 11.10.2013

  • Illusorisch

    Das Adjektiv illusorisch bedeutet, dass etwas nur in der Illusion besteht. Es ist also demnach unrealistisch, utopisch oder irreal. Des Weiteren kann Illusorisch ausdrücken, dass etwas in Anbetracht gewisser Umstände zwecklos und unmöglich ist und sich daher erübrigt.

    Der Ausdruck ist auf das lateinische illusorius („täuschend“, „verspottend“) zurückzuführen.

    Als er die Menschenmasse sah, die zum Besichtigungstermin erschienen war, wurde ihm sofort klar, dass eine Zusage für die Wohnung illusorisch sei.

    Da das Taxi seit einer Stunde im Stau steht, ist es illusorisch noch pünktlich am Flughafen zu sein und den Flieger zu bekommen.

    Es ist illusorisch zu glauben, dass wir all unsere Interessen in einem einzigen Job befriedigen können. Und ich finde es auch wirtschaftlich hochriskant, sich komplett von einem Arbeitgeber abhängig zu machen.
    Johanna Bruckner, Plädoyer fürs Multijobbing: „Mit nur einem Job würde ich unruhig schlafen“, sueddeutsche.de, 12.02.2014.

  • Ironie

    Ironie bezeichnet einen verdeckten, unterschwelligen Spott, bei dem ein Unterschied zwischen der wörtlichen und der eigentlichen, wirklichen Bedeutung besteht.

    Ironie ist auf das lateinische ironia, beziehungsweise das griechische eirōneía, zurückzuführen, was so viel heißt wie „geheuchelte Unwissenheit“ oder „Verstellung“.

    Sein Humor ist nicht immer einfach zu verstehen. Daher fragt man sich oftmals, welche seiner Aussagen ernst gemeint sind und welche aus purer Ironie bestehen.

    Ironischerweise predigt sie jeden Tag eine gesunde, ausgewogene Ernährung, isst selbst aber am liebsten Hamburger, Curry Wurst und Pizza.

    Ironie der Geschichte: Selbst der CIA-Mann Michael Morell, ebenfalls Mitglied der Expertengruppe, räumt in aller Offenheit ein, dass die Datensammelei der NSA „bisher keine entscheidende Rolle bei der Vereitelung irgendwelcher Terrorangriffe gespielt hat“.
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, NSA-Debatte: Warten auf Obamas Geheimdienst-Reform, FAZ.net, 15.01.2014.

  • idiosynkratisch

    Im Allgemeinen bedeutet das Adjektiv idiosynkratisch „spezifisch“ oder „eigentümlich“.

    Idiosynkratisch lässt sich aber auch in speziellen Bereichen verwenden. So steht es in der Medizin für das überempfindliche und heftige Reagieren auf bestimmte Stoffe und Reize.

    In der Psychologie bezeichnet idiosynkratisch eine gewisse Art von Reaktion auf bestimmte Personen oder Gegenstände. Gegenüber diesen Personen wird tiefste Abneigung empfunden und nicht gescheut, diese offen zu zeigen.

    Abgeleitet vom Substantiv „Idiosynkrasie“ stammt idiosynkratisch aus dem Altgriechischen und wird sinngemäß mit „spezifische Beschaffenheit eines einzelnen Körpers“ übersetzt.

    Nach der zweiten Eiseninfusion reagierte ihr Körper idiosynkratisch. Es kam zu einem allergischen Schock.

    Es reichte aus, dass er ihre Stimme hörte und schon sprang er idiosynkratisch auf und schlug die Zimmertür zu.

    „Ich dachte: Ich muss jetzt einen Moment lang anhalten und leben. Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot. Ich hatte das Gefühl: Ich lebe nur noch in der Arbeit und war besorgt, dass das ultra-idiosynkratisch wird.“
    Tom Tykwer, „Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot.“, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010.