• opportun

    Das Adjektiv opportun bedeutet „vorteilhaft“ oder „angebracht“.

    Im heutigen Sprachgebrauch wird der Ausdruck verwendet, um Entscheidungen, ein Verhalten oder Maßnahmen zu beschreiben, die von Vorteil bzw. in der vorliegenden Situation angebracht sind. Ein opportunes Verhalten zielt dabei immer auf den größmöglichen (eigenen) Vorteil ab.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen opportunus, welches sich aus den beiden Wörtern ob (auf) und portus (Hafen) zusammensetzt und damit soviel wie „auf den Hafen zu“ bedeutet.

    Jetzt alle Unternehmesanteile zu veräußern, erschien ihm angesichts des Wirtschaftsaufschwungs nicht opportun. Er entschied sich somit, eine Aufwertung seines Unternehmens durch steigende Umsätze abzuwarten um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.

    Er hat keine klare Linie, sondern entscheidet immer so, wie es gerade opportun ist. Das kann man positiv oder auch negativ beurteilen.

    Wann immer es den Politikern opportun erschien, warfen sie die Gelddruckmaschinen an. Das fühlte – stark verkürzt – am Ende dazu, dass es mehr Geld als Waren gab und die Preise drastisch stiegen. Die Folgen für die Volkswirtschaft waren bekanntermaßen fatal.
    Lars-Oliver Flüchter (2000), Grundkurs Bilanz: IAS – US=GAAP – HGB, brand eins 05/2000.

  • pharisäisch

    Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • Charisma

    Das Substantiv Charisma bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch die besondere Ausstrahlung oder Ausstrahlungskraft eines Menschen.

    Menschen, die über Charisma verfügen, haben also eine besondere Ausstrahlung und wirken dadurch auf eine große Zahl von Menschen sympathisch.

    Des Weiteren steht das Substantiv in der Theologie für die Gesamtheit der durch den Geist Gottes bewirkten Gaben und Befähigungen des Christen in der Gemeinde.

    Synonyme zu Charisma sind unter anderem „Attraktivität“, „Präsenz“, „Reiz“ oder „Schönheit“. All diese Synonyme decken sich aber nicht 100-prozentig mit der eigentlichen Wortbedeutung.

    Das Substantiv hat seinen Ursprung im lateinischen charisma (Geschenk) bzw. im griechischen chárisma (Geschenk, Gnadengabe)

    Beispiele

    Angela Merkel ist die beliebteste Bundeskanzlerin. Sie verfügt offensichtlich über Charisma.

    Bei den Frauen kommt er vor allem aufgrund seines starken Charismas gut an.

    Mit der Übernahme des Traditions-Hotels ging das innehaltende Charisma des Gebäudes verloren. Der neue Eigentümer, eine deutschlandweite Hotel-Kette, hat dem Ort seine Individualität geraubt und den Betrieb standardisiert.

    Charisma geht anders, es hat etwas mit Authentizität zu tun. „Das Handeln muss zur Persönlichkeit passen“, sagt die Sozialpsychologin Andrea Abele-Brehm. Charismatische Menschen hätten einen eigenen Stil in der Art, wie sie auftreten, und könnten andere dadurch mitreißen.
    Nina Horcher, Warum haben manche Menschen Charisma und andere nicht?, ZEIT Wissen Nr. 04/2015

  • diffizil

    Das Adjektiv diffizil bedeutet „schwierig“, „kompliziert“, aber auch „äußerst penibel“.

    Diffizil hat seinen Ursprung im lateinischen difficilis (schwierig, schwer zu tun) und gelang über das Französische (difficil)  in den deutschen Sprachgebrauch.

    Durch die weit verbreitete Theatralik im Profifußball müssen die Schiedsrichter Fingerspitzengefühl bei den diffizilen Entscheidungen beweisen.

    Ich komme mit ihr nicht zurecht, sie ist ein sehr diffiziler Mensch.

    Die Umstände der Explosion sind noch nicht geklärt. Dies bedarf zuerst einer diffizilen Untersuchung.

  • autorisieren

    Das Verb autorisieren bedeutet „jemanden berechtigen“ oder „bevollmächtigen“.

    Es beschreibt vor allem zwei Vorgänge:

    • Jemand erhält die Erlaubnis, etwas zu tun.
    • Jemand wird mit einer tatsächlichen Vollmacht ausgestattet.

    Autorisieren leitet sich von dem mittellateinischen Verb auctorizare (bestätigen, ermächtigen, genehmigen) ab.

    Die Chefin hat mich autorisiert, stellvertretend die Verhandlungen zu führen und die Verträge zu unterzeichnen. Hier ist meine Vollmacht.

    US-Präsident Barack Obama genehmigte den Schritt am Mittwoch und autorisierte dabei auch die Lieferung militärischer Ausrüstung an die irakischen Sicherheitskräfte.

    Zeit Online, 10.06.2015

  • Skeuomorphismus

    Ein Skeuomorphismus ist ein Objekt, das in seiner Gestaltung ein anderes Material imitiert. Ein Beispiel dafür sind etwa Möbel aus Lederimitat, Klebfolien, die den Look von gebürstetem Metall imitieren und ähnliches.

    Mittlerweile wird der Begriff vorrangig in Bezug auf die Gestaltung von Software verwendet, wo Programme gerne aussehen wie Papierkalender, ein in Leder eingebundenes Notizbuch etc. Ein gutes Beispiel dafür ist die von Apple in Mac OS X eingebundene Notiz-Software.

    Skeuomorphismus bei Apple

    Der bisher noch nicht im Duden aufzufindende Begriff hat seinen Weg ins Deutsche erst vor Kurzem über das englische skeuomorph gefunden. Selbiges ist griechischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus skeuos (Behälter) und morphe (Form).

    Es stellt sich die Frage, welchen Sinn Skeuomorphismus in Software-Design hat. In den Kindertagen der grafischen Benutzeroberfläche sollten Ordner, der Papierkorb oder andere Icons den Benutzer mit den Funktionen eines Computers vertraut machen. Heute wissen die meisten aber, wie ein Computer funktioniert – dafür kennen sie die alten Produkte kaum noch.
    Florian Matthey (2012), Skeuomorphismus: Software-Design soll auch Apple-intern zu Streit führen, GIGA.de.

  • Kakophonie

    Die Kakophonie bezeichnet eine schlecht klingende Folge von Lauten, also einen Missklang.

    Das Substantiv kann sich auf die Sprachwissenschaft, aber auch auf den Bereich der Musik beziehen. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem Präfix kakós (Miss-) und phōnḗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des Musikstücks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fürs gefühlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlängelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • Ex abrupto

    Ex abrupto bedeutet so viel wie „unversehens“, „abrupt“, „plötzlich“ oder „unvermittelt“.

    Der bildungssprachliche Ausdruck stammt aus dem Lateinischen und ist aus dem Präfix ex und abruptus, abgeleitet von abrumpere (abreißen), zusammengesetzt.

    Ex abrupto schwenkte das Wetter um.

    Er sprang ex abrupto auf, um eine seiner berühmt-berüchtigten Motivationsreden zu halten.

    Die Gefahr des Börsengeschäfts ist, dass die Kurse ex abrupto einbrechen können.

  • Phobie

    Das Substantiv Phobie bezeichnet eine extreme, möglicherweise krankhafte Angst oder Furcht vor bestimmten Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen.

    Synonyme zu Phobie sind beispielsweise „Angstneurose“, „Erwartungsangst“ oder „Situationsangst“.

    Phobie ist vom gleichbedeutenden griechischen Begriff phóbos (Furcht) hergeleitet.

    Bei jedem Treffen erzählt sie auf larmoyante Weise von einer neuen Phobie, die sie quält. Das Repertoire erstreckt sich mittlerweile über eine solch immense Bandbreite, dass ein normales Leben kaum mehr vorstellbar scheint.

    Um die schwere Phobie zu heilen, werden verschiedene Ansätze diskutiert. Selbst Hypnose und Schocktherapie werden in Betracht gezogen.

    Die durchschnittliche Verkaufsfläche ist auf 31 500 Quadratmeter gesunken, was vielleicht nicht mehr ganz zum Wandern reicht, aber immer noch, um sich auf Phobien aller Art zu testen. Der mittlerweile pensionierte Handelspsychologe Hans-Otto Schenk nennt die Agoraphobie, eine Form von Unwohlsein auf zu großen Plätzen, wie auch das Gegenteil, die Klaustrophobie in geschlossenen Räumen oder engen Gängen. Nicht zu vergessen die Phobophobie, die Angst vor der Angst, nicht unwahrscheinlich auf steil nach unten führenden Rolltreppen.
    Dirk Böttcher, Stress in der City, Brandeins, 10/2009

  • Duktus

    Das Substantiv Duktus beschreibt die charakteristische Art einer Person, sich auszudrücken. Also den einer Person eigenen Stil beim Sprechen und Schreiben, speziell bei Künstlern auch die für sie charakteristische Art des Zeichnens und Malens sowie der Formgebung.

    In der Medizin wird die lateinische Schreibweise verwandt. Ein Ductus steht hier für einen Gang, Kanal, Verbindungs- oder auch Ausführungsgang von Drüsen.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen ductus und bedeutet „Führung“ oder „Leitung“.

    Der Ductus Botalli stellt im fetalen Blutkreislauf die Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie dar.

    Wenn ich mich mit ihm länger unterhalte, treibt mich sein gekünstelter Duktus immer an den Rand des Wahnsinns.

    Auch wenn viele ihm nachsagen, eine Sauklaue zu haben, bezeichnet er seine Handschrift immer beschönigend als „speziellen Duktus“.

    Der Vorwurf wäre also: Lanz kann sich nicht benehmen. So ähnlich, wenngleich schärfer im Duktus, wird eine jüngst veröffentlichte Onlinepetition begründet, die auf Grund des Vorfalls vom ZDF fordert, Lanz hinauszuwerfen.
    David Hugendick, Onlinepetition: Lanz vorm Scherbengericht, Zeit Online, 23.01.2014.

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