• restrukturieren

    Das Verb restrukturieren bedeutet „neu ordnen“, „neu gestalten“ bzw. „die alte Struktur durch eine neue ersetzen“.

    Meistens wird das Verb in wirtschaftlichen Zusammenhängen benutzt, findet aber auch in der Politik oder anderen Bereichen des Lebens Verwendung. Häufig in substantivierter Form (Restrukturierung) oder in Verbindung mit -maßnahmen (Restrukturierungsmaßnahmen).

    Entlehnt wurde der Begriff vom lateinischen structura (Aufbau, Ordnung, Struktur) und der Vorsilbe re- (zurück, wieder).

    „Aufgrund seines mäßigen Trainingserfolges hat er sich vorgenommen, sein Workout zu restrukturieren.“

    „Der Vorstand um Matthias Harsch will sich mit dem Antrag nun die Zeit verschaffen, um Loewe schneller zu restrukturieren und die neue Unternehmensstrategie umzusetzen.“ – TV-Hersteller Loewe beantrag Gläubigerschutz, Zeit Online, 16. Juli 2013

    „Das Land solle nach dieser Variante die Eurozone für mindestens fünf Jahre verlassen und seine Schulden restrukturieren.“ – Skepsis gegenüber Athener Reformpaket, Zeit Online, 11. Juli 2015

  • Zenit

    Das bildungssprachliche Substantiv Zenit bezeichnet in der Astronomie den gedachten, höchsten Punkt des Himmelsgewölbes senkrecht zum Standort des Beobachters bzw. über einem bestimmten Bezugspunkt auf der Erde. In diesem Sinne gilt der Zenit als Scheitelpunkt.

    Antonym zu Zenit ist der „Nadir“, also der Fußpunkt gegenüber dem Zenit.

    Des Weiteren wird das Substantiv in der Bildungssprache gebraucht, um den [Zeit]punkt der höchsten Entfaltung oder Wirkung – mit anderen Worten also einen Höhepunkt – zu beschreiben. In diesem Sinne sind „Krönung“, „Maximum“, „Optimum“, „Finale“ oder „Klimax“ Synonyme zu Zenit.

    Das Substantiv wurde im 16. Jahrhundert vom italienischen zenit (höchster Punkt, Höhepunkt) entlehnt, welches auf das arabisch samt ar-ra’s (Richtung des Kopfes, Scheitelpunkt) zurückgeht.

    Heute Nacht um 2:30 Uhr wird der Stern im Zenit stehen.

    Viele Kinder-Stars aus Hollywood haben schon vor ihrem Teenager-Dasein den Zenit ihres Ruhmes erreicht. Meist folgen darauf nur noch Skandale und Abstürze um Alkohol, Drogen und Sex.

    Im Zenit der Euro-Krise wich die Notenbank zweimal von ihrem Rhythmus ab: Im Dezember 2011 und im Februar 2012 versorgte sie die Banken mit jeweils rund 500 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von etwa einem Prozent für drei Jahre.
    Marcus Pfeil, Die Grenzer, Brandeins, 03/2013

  • unisono

    Das Adverb unisono ist ein Begriff aus dem Bereich der Musik und bedeutet „im Einklang“ oder „im Einklang zu spielen oder zu singen“.

    Unisono kann aber auch unabhängig von der Musik benutzt werden, um auszudrücken, dass Gegenstände, Personen oder Situationen übereinstimmend oder im Einklang sind.

    Synonyme für unisono sind beispielsweise „einstimmig“, „einvernehmlich“, „übereinstimmend“ oder „zusammen“.

    Das Adverb ist aus dem Italienischen entlehnt und auf das spätlateinische unisonus (eintönig, einförmig), zu lateinisch unus (einer, ein Einziger) und sonus (Ton, Klang), zurückzuführen.

    Das Geigen-Duo überzeugte unisono in dem Konzert.

    Obwohl die Interessen der beiden Parteien unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie in ihren Pressemitteilungen unisono gemeinsamen Ziele angekündigt.

    Der Chef duzt sich mit vielen Mitarbeitern, die unisono sagen, er lasse einem, wenn er Vertrauen gefasst habe, große Freiräume. Beim täglichen Frühstück für alle 150 Beschäftigten, das die Firma bezahlt, mischt sich der große, hagere Mann zwanglos unter die Mitarbeiter, während seine Hunde durch die Reihen streifen.
    Stefan Scheytt, Nimbus: Mickey Maus hat’s raus, Brandeins, 10/2012

  • Misanthrop

    Ein Misanthrop ist ein Menschenfeind oder Menschenhasser und damit das Gegenteil eines Philanthropen.

    Der Begriff stammt aus dem Griechischen, wo misé͞in „hassen“ und ánthrōpos „Mensch“ bedeutet.

    Er ist ein richtiger Misanthrop, läuft immer mit säuerlicher Miene durch die Gegend und grüßt selbst an Feiertagen niemanden.

    Mankells große Suggestion besteht nun darin, diesen eigentlich ungenießbaren narzisstischen Misanthropen liebenswert zu machen, indem er uns, exklusiv nur uns Leser, teilhaben lässt an seinem Innenleben. Nur wir wissen, dass Wallander ein guter Mensch ist.
    Tobias Gohlis (2001), Kurt Wallander, Held unserer Zeit, DIE ZEIT, 45/2001.

  • Pseudonym

    Der Begriff Pseudonym kann als Substantiv oder Adjektiv verwendet werden.

    Das Substantiv Pseudonym (das) bezeichnet einen „Decknamen“. Das kann etwa ein erfundener Name eines Autors bzw. einer Autorin sein. Ein Pseudonym wird meist zur Verschleierung der Identität verwendet.

    Das seltener verwendete Adjektiv pseudonym beschreibt das Auftreten einer Person bzw. die Veröffentlichung eines Werkes unter eben diesem Decknamen.

    Entlehnt wurde der Begriff vom altgriechischen Adjektiv pseudōnymos (mit falschem Namen auftretend).

    Der bekannte Horror-Schriftsteller Stephen King veröffentlichte sieben Romane unter dem Pseudonym „Richard Bachman“, um herauszufinden, ob die Bücher sich aufgrund ihrer Qualität oder seines Namens so gut verkaufen.

    Facebook geht es um viele Nutzer mit Realnamen, weil sich diese kommerziell besser verwerten lassen. Dass eine Plattform auch unter pseudonymer Nutzung funktioniert, zeigen Twitter, WhatsApp oder Google+. – Mark Spörrle, Hat sich Ihr Leben durch die Flüchtlingskrise verändert?, Zeit online, 28. Februar 2016

  • paralysieren

    Das Verb paralysieren bedeutet „jemanden handlungsunfähig machen“ (bildungssprachlich) oder „lähmen“ (Medizin).

    Das Partizip II („paralysiert“) stellt die häufigste Verwendungsform des Begriffs dar.

    Weitere Synonyme sind „stören“, „lahmlegen“ und „blockieren“.

    In der Medizin beschreibt die Paralyse eine motorische Lähmung einzelner Muskelgruppen oder mehrerer Körperregionen, die durch Zerstörung der versorgenden Nerven oder der betreffenden Wurzelzellen im Rückenmark entstehen (z.B. bei Syphilis).

    Der Ursprung des Wortes liegt im griechischen paralýein (auflösen, wegnehmen, entziehen).

    Aufgrund der Machtverteilung in der russischen Regierung wirkt die „Duma“ trotz demokratischer Wahlen wie paralysiert.

    Die fürchterlichen Gestalten, die ihn im Traum heimsuchten, paralysierten ihn auch im Wachzustand und zwangen ihn zum Liegenbleiben.

    Die mit sieben Punkten so gut wie noch nie in die Saison gestarteten Kölner wirkten nicht nur in dieser Szene wie paralysiert. – Meier-Comeback: Drei Tore bei Eintracht-Gala gegen Köln, Zeit online, 12. September 2015

  • proaktiv

    Das Adjektiv proaktiv bedeutet „im Voraus wirkend“ oder bezeichnet in der Wirtschaft zielgerichtetes Handeln und eine Planung im Hinblick auf zukünftige Geschehenisse, auch mit selbst herbeigeführten Ereignissen. Diese Vorgehensweise kann auch bei menschlichen, selbstbezogenen Entscheidungen angewendet werden. Als Antonym hierzu gilt „reaktives Handeln“.

    Der Begriff proaktiv setzt sich aus den lateinischen Wörter pro (vor, für, vorwärts) und activus (aktiv, tätig) zusammen. Über den englischen Wortschatz (proactivity) gelang der Begriff in den deutschen Sprachgebrauch.

    Dank der proaktiven Strategie unserer Vorsitzenden konnte in den letzten Jahren die Entwicklung des Unternehmens erfolgreich vorangetrieben werden.

    Die Wirkung proaktiver Lebensmittel ist nicht unbedingt bewiesen und dem Verbraucher meist eher schleierhaft; die Marketingstrategie wirkt indes mit Sicherheit auf die Konsumenten.

    Es reiche nicht mehr, auf extreme Wetterbedingungen zu reagieren, die Welt müsse vielmehr „proaktiv“ werden, um sich auf die Herausforderungen durch den Klimawandel einzustellen, sagte Field. – Neuer Weltklimabericht: Klimawandel erfordert dringendes Handeln, Zeit online, 31. März 2014

     

     

     

     

  • Abnorm

    Das Adjektiv abnorm bedeutet „krankhaft“ oder „vom Üblichen/Normalen abweichend“.

    Synonyme zu abnorm sind in diesem Sinne beispielsweise „normwidrig“, „unnatürlich“ oder „anormal“.

    Nebst dieser eher negativen Konnotation bedeutet abnorm im Weiteren so viel wie „das gewohnte Maß übersteigend“, „über das Übliche hinausgehend“, „extrem“ und „ungewöhnlich“.

    Abnorm wird seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts in der deutschen Sprache verwendet. Es ist vom lateinischen abnormis (regelwidrig) abgeleitet.

    Was als kleiner Umtrunk angedacht war, endete schließlich in einer orgiastischen und abnormen Party –gefolgt von ebenfalls abnormen Kopfschmerzen am nächsten Morgen.

    Die Blutanalyse ergab abnorme Werte.

    Sein Bruder Christian war von abnormer Frühintelligenz, sprach mit drei Jahren Latein, kannte die Bibel auswendig und war zu einer bizarren europäischen Sehenswürdigkeit geworden.
    Klaus J. Hennig, Ritter der Kunst, DIE ZEIT Nº 31/2012

  • Charme

    Das Substantiv Charme bezeichnet eine Anziehungskraft, die vom Wesen einer Person, einer Sache oder einem Ort ausgeht.

    Synonyme zu Charme sind unter anderem „Anmut“, „Ausstrahlung“, „ Flair“, „ Grazie“, „Reiz“ oder „Zauber“.

    Charme stammt aus dem Französischen und ist auf das lateinische carmen (Gesang, Lied, Zauberformel) zurückzuführen.

    Die Wohnung versprühte durch die schönen Holzdielen, die Stuckdecken und die großen Flügeltüren einen ganz besonderen Charme, so dass die Entscheidung der Wohnungssuchenden schon auf den ersten Blick klar war.

    Sie braucht nur ihren Charme spielen zu lassen und schon tanzen alle nach ihrer Pfeife.

    Gut 1000 Euro Honorar erhält er für die Story. Authentisch ist die dann allemal, und diese Echt- und Direktheit macht einen Teil des Charmes des Heftes aus, den Leser in Briefen loben.
    Peter Gaide, Verrohte Sitten, Brandeins, 02/2014

  • lädiert

    Das Adjektiv lädiert bedeutet, dass etwas beschädigt und daher im äußeren Erscheinungsbild beeinträchtigt ist.

    Synonyme zu lädiert sind „angeschlagen“, „defekt“, „schadhaft“, „ramponiert“ oder das umgangssprachliche „mitgenommen“.

    Lädiert ist abgeleitet vom lateinischen Verb laedere („schädigen“, „verletzen“).

    Nach langen Überredungskünsten hatte er sich letztendlich doch dazu durchgerungen, seinem Sohn das Auto zu leihen. Umso mehr fühlte er sich in seiner Skepsis bestätigt, als der lädierte Wagen nach Ende des Festivals wieder in der Auffahrt stand.

    Die Lokalpatrioten konnten sich in der packenden Partie letztendlich mit viel Körpereinsatz durchsetzen. Die gegnerische Mannschaft verließ lädiert das Feld und begab sich trotzig auf den Heimweg.

    Viel schwerer haben es dagegen die großen Energieversorger in Deutschland, die ihre Gewinne größtenteils mit Atommeilern und braunkohlebefeuerten Kraftwerken einfahren und sich nebenbei eine Sparte für erneuerbare Energien leisten. Wenn dann noch häufig Störfälle auftreten, peinliche Vertuschungsversuche sowie miserabel kommunizierte Preiserhöhungen wie vor fünf Jahren bei Vattenfall Europe, wird auch der Ruf als Arbeitgeber schwer lädiert.
    Andreas Molitor, Ins Licht gerückt, Brandeins, 02/2012

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