• inhibieren

    Das Verb inhibieren bedeutet „hemmen“, gelegentlich auch „verhindern“. Neben dem kontextunabhängigen Gebrauch wird es besonders häufig auch im medizinischen Sprachgebrauch verwendet, wo man etwa davon spricht, dass die Wirkung eines Enzyms inhibiert wird.

    Seine Ursprung findet der Begriff im lateinischen inhibere (anhalten, hemmen).

    Die Maßnahme soll das Vertrauen der Investoren in die Währungsstabilität wiederherstellen und ein Fortschreiten der Krise inhibieren.

    Mit dem Ziel, den Einfluss rechter Ideologien in Deutschland zu inhibieren, wird immer wieder ein möglicher Verbot der NPD diskutiert.

  • Tabula rasa

    Die aus dem Lateinischen übernommene Wortverbindung Tabula rasa bedeutet wörtlich übersetzt „abgeschabte Tafel“, meint also eine geklärte und wieder beschreibbare Schreibtafel. Im Deutschen ist eine Tabula rasa eine Situation, in der alles bisher Gewesene getilgt und somit ein unbelasteter (Neu-)Beginn möglich ist.

    Die vergleichsweise häufig gebrauchte Wendung Tabula rasa machen ist weiterhin ein Synonym für das deutsche „reinen Tisch machen“, also mit etwas restlos aufräumen oder etwas restlos klären und somit Klarheit schaffen.

    Speziell in der Philosophie finden sich bei zahlreichen Philosophen Vergleiche zwischen der Seele oder auch dem Gedächtnis und einer wächsernen Schreibtafel. In diesem Kontext ist die Tabula rasa der jeweils anfängliche Zustand, d.h. als Mensch ist man zunächst ein unbeschriebenes Blatt und wird nach und nach von Erfahrungen geprägt.

    Sie entschied sich schließlich, Tabula rasa zu machen und in Australien ganz von vorne anzufangen.

    Nach der kriegsbedingten Tabula rasa kam der wirtschaftliche Aufschwung.

  • akkreditieren

    Das Verb akkreditieren bedeutet „bevollmächtigen“ oder „beglaubigen“.

    Der Begriff wird vor allem – aber nicht ausschließlich – im diplomatischen Kontext gebraucht. So kann ein Diplomat als Vertreter eines Landes in einem anderen Land akkreditiert werden. Das akkreditierende Land ist dabei das Empfangsland, nicht das entsendende Land. Ähnlich verhält es sich im Journalismus, wo einem akkreditierten Journalisten Zutritt zu einer Veranstaltung oder einem Land gewährt wird, wobei die akkreditierende Partei wiederum der Veranstalter respektive das empfangende Land ist.

    Weiterhin meint der Begriff das Bescheinigen der Fachkompetenz einer Instanz durch eine bereits allgemein anerkannte andere Instanz. In der Europäischen Union gibt es zu diesem Zweck pro Land je eine nationale Akkreditierungsstelle, die etwa Laboratorien oder Inspektionsstellen auf das Einhalten von Normen prüft.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen accréditer.

    Neben tausenden weiteren Journalisten ist sie in Brüssel als Korrespondentin akkreditiert.

    Die ordnungsgemäße Tierhaltung in der Landwirtschaft wird von akkreditierten Privatfirmen kontrolliert.

    Der neue Botschafter Frankreichs ist schon angereist, allerdings von Berlin noch nicht akkreditiert.

  • Korrelation

    Eine Korrelation ist eine wechselseitige Beziehung, meint also die gegenseitige Bedingung respektive Beeinflussung zweier Parteien oder Sachverhalte.

    Schärfer abgegrenzt ist der Begriff im mathematischen Kontext, wo er einen statistischen, quantitativen Zusammenhang zweier Größen meint, also Gegenläufigkeit oder parallele Entwicklung. Daraus lässt sich allerdings noch keine Aussage über den kausalen Zusammenhang ableiten. Korrelieren beispielsweise die beiden Größen Analphabetenrate und Wirtschaftswachstum miteinander, so sind – neben reiner Zufälligkeit – prinzipiell folgende drei Möglichkeiten gegeben:

    • Die Analphabetenrate beeinflusst das Wirtschaftswachstum.
    • Das Wirtschaftswachstum beeinflusst die Analphabetenrate.
    • Eine dritte Größe beeinflusst beide.

    Korrelation leitet sich aus dem lateinischen correlatio (Wechselbeziehung) ab.

    Die Korrelation zwischen religiösem Hintergrund und Sozialverhalten gilt als umstritten.

    Immer wieder weisen Studien auf den korrelativen Zusammenhang zwischen Attraktivität und wirtschaftlichem Erfolg hin.

  • potenziell

    Das Adjektiv potenziell (bzw. potentiell, beide Schreibweisen sind korrekt) bedeutet „denkbar“ oder „(zukünftig) möglich“. Es beschreibt in der Regel eine denkbare Entwicklung etwas bereits vorhandenen. So sind etwa schlendernde Passanten potenzielle Kunden und ein Spielplatz voller potenzieller Gefahren für Kinder.

    Potenziell findet seinen Ursprung im spätlateinischen potentialis (mächtig, möglich).

    In den Medien werden Computerspieler immer wieder als potenzielle Gewalttäter dargestellt.

    Seit er im Chor singt, hält er sich für einen potenziellen Superstar.

    Die Krankheit ist potenziell tödlich.

  • intrikat

    Das Adjektiv intrikat bedeutet „verworren“ respektive „verwickelt“. Es dient zur Beschreibung besonders komplexer und detailreicher Sachverhalte, deren geistige Erfassung eine erhebliche kognitive Leistung darstellt. Leider wird dieses schöne Wort heute nur noch selten gebraucht und gilt somit als veraltet.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im lateinischen intricare (verwirren, in Verlegenheit bringen). Vgl. auch tricare (Schwierigkeiten machen).

    Ein Hochschulstudium ist in der Regel ein recht intrikates Unterfangen.

    Die intrikaten rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in China machen westlichen Unternehmen den Markteintritt schwer.

  • appellieren

    Das Verb appellieren meint, jemanden um etwas anzuflehen oder etwas Abstraktes im Inneren einer Person zu beschwören, etwa Nächstenliebe oder Verantwortungsbewusstsein. Das Ziel des Appells wird dabei mit der Präposition „an“ bestimmt, es wird also stets an etwas appelliert.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische appellare (anrufen, ansprechen).

    Sie appellierte an seine Vernunft und an sein Verantwortungsbewusstsein, um ihn von der Entscheidung abzubringen.

    Die Regierung appellierte an die Bürger, nicht den Mut zu verlieren.

    Der Mensch tickt nicht nur rational. Die Politik nutzt das aus, indem sie an unser Gewissen und an unsere Instinkte appelliert. Das soll der Gesellschaft nutzen – doch der Einzelne weiß davon nur wenig.
    Sauerbrey (2012), Wie die Politik uns zu besseren Menschen machen will, Der Tagesspiegel.

  • narzisstisch

    Das Adjektiv narzisstisch bedeutet „selbstverliebt“ oder „selbstbezogen“ auf krankhaft übersteigerte Weise.

    Der Begriff geht zurück auf die Geschichte des Nárkissos in der griechischen Mythologie. Dieser wies aus Stolz auf seine eigene Schönheit alle ihn Umwerbenden zurück, wofür er schließlich von der Göttin Nemesis mit unstillbarer Liebe zu sich selbst gestraft wurde. Fortan verbrachte er seine Tage damit, verliebt in sein eigenes Spiegelbild zu starren.

    Es ist schwierig bis unmöglich, friedlich mit narzisstischen Kollegen zusammenzuarbeiten

    Im deutschen Journalismus gilt der Gebrauch der ersten Person Singular als narzisstische Selbststilisierung, ihre Vermeidung um jeden (formulierungsakrobatischen) Preis umgekehrt als objektivierende Zivilisationsleistung.
    Mangold (2012), Was ist mit deiner Seele?, DIE ZEIT, 25.10.2012 Nr. 44.

  • perfide

    Das Adjektiv perfide (seltener: perfid) bedeutet „niederträchtig“ beziehungsweise „gemein“. In dem bildungssprachlichen Ausdruck schwingt eine besondere Schärfe mit. Als perfide können Taten und Personen bezeichnet werden. Besonders häufig werden (oft abstrakte) Dinge mit dem Begriff beschreiben. So kann etwa ein Plan, ein Machwerk oder ein Spiel perfide sein.

    Das deutsche Wort geht auf das gleichbedeutende französische perfide zurück, welches sich aus dem lateinischen perfidus (treulos) ableitet.

    Trotz seiner perfiden Natur verfügt er über einen gewissen Charme.

    Um sich an der Affäre ihres Mannes zu rächen war ihr kaum ein Mittel perfide genug.

    Mitt Romneys Umgang mit Kritik ist bemerkenswert. Zumindest versucht der Herausforderer von US-Präsident Barack Obama nicht platt, das Thema zu wechseln oder anderweitig abzulenken, wenn er angegriffen wird. Stattdessen folgt der Republikaner offenbar einer viel perfideren Strategie: Die eigenen Schwachpunkte kann man ruhig auch mal dem Gegner vorwerfen, besser noch in einem Atemzug für sich selbst als Stärke umdeuten.
    Luther (2012), Outsourcer! Selber!, Zeit ONLINE US-Wahlblog.

  • plagiieren

    Das Verb plagiieren wird in der Bildungssprache verwendet und beschreibt den Vorgang des Diebstahls von geistigem Eigentum. Das Produkt des Plagiierens ist das Plagiat, welches sich ganz oder teilweise so stark an anderen Werken orientiert, dass es nicht mehr als Eigenleistung des Erstellers gewertet werden kann.

    Das Wort plagiieren leitet sich aus dem spätlateinischen plagiare ab, welches interessanterweise jedoch „Menschenraub begehen“ bedeutet.

    Er hat so gekonnt plagiiert, dass die Täuschung kaum auffiel.

    Wer plagiiert, besonders in wissenschaftlichen Zusammenhängen, begeht eine Straftat und läuft Gefahr, den durch das Plagiat erworbenen Titel wieder aberkannt zu bekommen.

    Statt zu plagiieren, sollten Studenten und Wissenschaftler alles daran setzen, neue Erkenntnisse vorweisen zu können.

    In Wahrheit hat May exzerpiert und zitiert, zum Teil auch plagiiert, was andere Autoren hergaben. Seine Bücher sind eine intertextuelle Wunderwelt, der freilich erst seine immense Fantasie zum Leben verhilft. Gerade darin mag man seine enorme Leistung sehen.
    Lütkehaus (2012), BIOGRAFIE – Genie und Hochstapler, DIE ZEIT, 29.3.2012 Nr. 14.

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