• Affront

    Ein Affront ist ein öffentlicher, beleidigender Angriff beziehungsweise eine Provokation. Der Begriff wurde im 17. Jhd. aus dem Französischen übernommen, wo affronter „die Stirn bieten, beschimpfen“ bedeutet.

    Sein letzter Brief wurde als Affront gewertet.

    Sie sah über seinen Affront hinweg und wünschte höflich ein angenehmes Wochenende.

    Wütend über den Affront polterte er los.

    Die Wohnung mit der Kuppel kennt man in Kreuzberg. Viele im Viertel haben sich schon mal gefragt, wer hier das Geld hat, um sich eine gläserne Krone aufs Dach zu setzen. Ein Affront für jeden Steinewerfer.
    Annabel Wahba (2009), Kammerspiel, DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22.

  • in flagranti

    In flagranti entstammt dem Lateinischen, wo in (crimineflagranti soviel wie „während des heißen (Verbrechens)“ bedeutet (vgl. flagrantia = die Glut). Heiß ist ein Verbrechen natürlich dann, wenn es aktuell stattfindet oder gerade stattgefunden hat. Ertappt man also jemanden in flagranti, so erwischt man ihn konkret beim Begehen einer Missetat. Synonym benutzt man im Deutschen auch „auf frischer Tat“.

    Sie erwischte ihren Gatten mit der Küchenhilfe in flagranti im Gartenhäuschen.

    Dieses Talent zeigten die Bänkler schon bald nach dem Ersten Weltkrieg, als sie den französischen Nachbarn anboten, ihr Geld am Fiskus vorbei in der Schweiz anzulegen. Der französischen Polizei gelang es 1932 gar, die Chefs der Basler Handelsbank in flagranti zu erwischen, als diese in Paris Geld entgegennahmen. Drei Jahre später legte die Schweiz daher gesetzlich fest, dass ein Offizialdelikt begeht, wer Kundendaten preisgibt. Dies war die Geburtsstunde des Schweizer Bankgeheimnisses.
    Dirk Böttcher und Lukas Kistler, Schwyzerdütsch – Deutsch, brand eins 10/2009.

  • frigide

    Das Adjektiv frigide (von lat. frigidus = kalt, frostig) bedeutet gehoben „kühl, frostig“ oder im medizinischen Kontext „sexuell nicht erregbar, geschlechtlich gleichgültig“. Die zweite Bedeutung bezieht sich ausschließlich auf das weibliche Geschlecht und ist veraltet. Wird das Wort heute dementsprechend gebraucht, hat es oft einen abwertenden Beiklang.

    Substantiviert spricht man von Frigidität.

    War Ingeborg Bachmann frigide? War Kafka impotent? War Shakespeare andersrum? War Goethe schwul?
    Sigrid Löffler (1997), War Goethe schwul?, DIE ZEIT 1997.

    Jesus aber, „Gottes Klon“, ist ein verhunztes Kunstprodukt, ferngezeugt in einer frigiden Retorte namens „Jungfrau Maria“
    Hanns-Hermann Kersten (1982), Kritik in Kürze, DIE ZEIT, 14.5.1982 Nr. 20.

  • Prämisse

    Das Substantiv Prämisse entstammt dem lateinischen Wort praemissa, was wörtlich übersetzt „vorausgeschickter Satz“ bedeutet. Weitergehend kann es analog zur heutigen Bedeutung als „vorausgeschickt“ verstanden werden. Im Kontext der Philosophie ist die Prämisse nach heutigem Verständnis der erste Satz eines logischen Schlusses. Sie kann aber auch eine Voraussetzung beschreiben, die gedanklich oder plantechnisch einem bestimmten Vorhaben zugrunde liegt.

    Für Verbesserungen braucht man oft neue Ideen und neue Ideen verlangen auch des öfteren, dass die üblichen Denkpfade verlassen werden müssen. Nicht allzu selten müssen hierbei bereits anerkannte und fundierte Prämissen überwunden werden.

    Was aber ist Organisationsberatung? Sie könnte – zugegebenermaßen etwas akademisch – als ein professioneller, vertraglich beauftragter Dienstleistungs- und Transformationsprozess der intervenierenden Begleitung durch ein Beratungssystem bei der Analyse, Beschreibung und Lösung eines Problems des Klienten – im Sinne einer Arbeit an Entscheidungsprämissen mit dem Ziel der Transformation verstanden werden.
    – Stephan A. Jansen, Merkwürdigkeiten aus den Manegen des Managements: Das Dilemma der Berater, brand eins 02/2012.

  • stringent

    Das Adjektiv stringent bedeutet „streng nach den Regeln oder dem Plan“ beziehungsweise „lückenlos, folgerichtig, zwingend schlüssig, logisch“. Es findet seinen Ursprung im lateinischen stringere (schnüren, zusammenziehen). Substantiviert kann man auch von der Stringenz sprechen.

    Mit stringenter Beweisführung und Argumentation trug der Staatsanwalt die Verfehlungen des Unternehmens vor.

    Für die Zukunft sollte ein stringentes Regelwerk formuliert werden.

    Einen Plan stringent zu verfolgen ist nur so lange sinnvoll, bis Situationsänderungen ein flexibles Umdenken erfordern.

    Damit die Zuhörer einem Vortrag gut folgen können, sollte er möglichst stringent und gut formuliert sein.

  • Portfolio

    Das Substantiv Portfolio entstammt dem italienischen Wort Portafoglio was als „Brieftasche“ zu übersetzen ist. Hierzulande ist die genaue Bedeutung abhängig vom Kontext:

    Im Verlagswesen ist ein Portfolio ein mit Fotografien ausgestatteter Bildband.

    In der Kunstwissenschaft ist ein Portfolio ebenfalls eine Mappe mit Grafiken oder Fotografien.

    Eine der italienischen Bedeutung sehr nahe kommende Übersetzung ist in der Wirtschaft gebräuchlich. Hier kann ein Portfolio einen Bestand an Wertpapieren einer Person oder eines Unternehmens darstellen.

    Im wirtschaftlichen Kontext ist auch die Verwendung von Portfolio als Synonym für das gesamte Angebot eines Unternehmens oder für eine schematische Darstellung einer strategischen Unternehmensplanung gängig.

    Das Portfolio großer Automobilkonzerne wird in Zukunft nicht nur die Herstellung von Fahrzeugen umfassen, sondern auch das Bereitstellen von Mobilitäts-Dienstleistungen. Ein gutes Beispiel ist „car2go“ von Daimler, welches sich in Hamburg und vielen weiteren Städen bereits erfolgreich etabliert hat.

    Zurück in München wartete schon das Angebot von Süd Chemie. Für den Spezialchemie-Konzern suchte sie mit ihrem kleinen Team nach Start-ups, die ins Portfolio des Unternehmens passten. Von dort ging es weiter zur KPMG, wo sie nach einigen Jahren harter Arbeit – Laptop und Blackberry waren immer im Urlaubsgepäck – auf den sogenannten „Partner-Track“ gelangte: die Chance, Teilhaber der Firma zu werden. Da kündigte sie.
    – Carolyn Braun, Die Freischreiberin, brand eins 01/2012.

    Als Sicherheit für den kurzfristigen Kredit, im Rahmen der Neubeschaffung von Werkzeugen, konnte ohne Probleme das gesamte Portfolio an Anlagen und langfristigen Investments zugezogen werden.

  • kognitiv

    Das Adjektiv kognitiv bedeutet „das Denken, Verstehen oder Wissen betreffend“. Der Ursprung liegt im lateinischen cognoscere (wissen, erkennen).

    Kindern sollte die Möglichkeit gegeben werden, sowohl ihre sozialen als auch ihre kognitiven Fähigkeiten zu entwickeln.

    Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Kreativität, das Planen, die Orientierung, die Imagination, die Argumentation, dieIntrospektion, der Wille, das Glauben und einige mehr.
    Wikipedia-Eintrag „Kognition“, abgerufen am 31.05.2012.

    Kognitive Behinderungen werden oft vererbt, aber auch exogene Faktoren sind eine mögliche Ursache.

    Die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen hat naturgemäß auch ihre Grenzen.

  • Nostalgie

    Das Substantiv Nostalgie entstammt dem neulateinischen nostalgia, was als Heimweh zu übersetzen ist. Im Griechischen bedeutet nóstos „die Rückkehr“ und álgos „der Schmerz“, was die heutige Bedeutung wohl geprägt hat: Im deutschen Sprachgebrauch meint Nostalgie ein von Unbehagen angesichts der Gegenwart ausgelöstes Stimmungsbild. Es kann auch ein von unbestimmter Sehnsucht erfüllter Moment sein, der von Rückbesinnung auf vergangene Zeiten oder der Vorstellung vergangener Momente geprägt ist. Die Nostalgie ensteht dann, wenn beispielsweise Kunst, Mode oder Musik vergangener Zeiten in diesen Momenten wieder auflebt. Ein weiteres Synonym für Nostalgie ist Wehmut.

    Immer, wenn mein Großvater die alten Platten auflegte, schwelgte er unübersehbar in Nostalgie.

    Heute ist alles anders – das hat auch Senior-Journalist Cortesi festgestellt. Dennoch flüchtet er sich in Nostalgie. Dies kann sich nur leisten, wer seine Pflicht im Journalismus bereits erfüllt hat.
    Konrad Weber (2012), Bitte keine Nostalgie, zeit online 5/2012.

  • Innovation

    Das Substantiv Innovation findet seinen Ursprung im spätlateinischen Wort innovatio (Erneuerung, Veränderung) bzw. im lateinischen novus (neu). Im heutigen Sprachgebrauch ist eine Innovation, im Kontext der Soziologie, eine geplante und kontrollierte Veränderung oder Neuerung, die sich durch neue Techniken und Ideen auszeichnet. Im Allgemeinen kann damit auch eine Reform gemeint sein, also die Einführung von etwas Neuem. Im wirtschaftlichen Kontext spricht man von Innovationen, wenn es sich um neue Produkte oder die Anwendung eines neuen Verfahrens handelt. Weitaus weniger bekannt ist die Bedeutung im Kontext der Botanik, hier bezeichnet man die jährliche Neuausprägung eines Sprosssystems als Innovation.

    Das neu vorgestellte Fahrzeug diversifizierte sich vor allem durch auffallend viele Innovationen, die den Insassen noch mehr Fahrkomfort versprechen sollten.

    Unabhängig von den aktuellen politischen Diskussionen in Deutschland, wird das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ in der Schweiz schon länger als soziale Innovation diskutiert. In Deutschland hingegen hat dieses Thema eher den Charakter eines sozialpolitischen Reparaturwerkzeuges.

    Nicht nur die wirtschaftliche Struktur, und damit vor allem das Verhältnis von Spitzentechnologien, höherwertigen und low-tech Branchen, einer Gesellschaft determiniert ihre Innovativität, sondern erst eine Kopplung von wirtschaftlicher Struktur und institutionellem Setting ermöglicht die Institutionalisierung bzw. Veralltäglichung von Innovationen und damit zugleich die Gewährleistung internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
    Birgit Blättel-Mink (2009), Innovationssysteme — Soziologische Anschlüsse, Springer 2009.

  • pathetisch

    Das Adjektiv pathetisch bedeutet „übertrieben feierlich/gefühlvoll“. Der Ursprung liegt im griechischen pathētikós (leidenschaftlich, leidend).

    Spricht man von einer pathetischen Ausdrucksweise, so meint man, dass sich jemand allzu dramatisch oder theatralisch und unnatürlich gefühlsbetont ausdrückt. Der Begriff wird oft abwertend gebraucht. Substantiviert spricht man vom Pathos.

    Seine pathetische Ansprache rief bei einigen Gänsehaut, bei anderen Würgereize hervor.

    Er antwortete mit pathetischem Zittern in der Stimme.

    Nein, sie spottet auch über Politiker, die lieber pathetische Ansprachen halten, als Probleme zu lösen. Sie misstraut solchen Rednern.
    – Bernd Ulrich (2012), Wie lange noch?, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

Seite 60 von 66«102057585960616263»