Physiognomie

Der Begriff Physiognomie (die) bedeutet im Allgemeinen „Erscheinungsbild“ und bezeichnet somit die äußere Erscheinung von Lebewesen, Personen und Pflanzen.

Beim Menschen bezieht man sich mit dem Wort meist auf die Gesichtsform und auf charakteristische Gesichtszüge, die Menschen voneinander unterscheidbar machen.

Zur Physiognomie gehören Merkmale, die vom emotional bedingten Gesichtsausdruck nicht beeinflusst werden:

  • die Länge und Form der Nase,
  • die Lage, Größe und Form der Ohren,
  • die Hautfarbe usw.

Seltener können auch die Statur und der Körperbautyp (ektomorph usw.) darunter fallen.

Menschen können die Physiognomie anderer Menschen wahrnehmen und unterscheiden, also andere anhand ihrer Gesichtszüge usw. identifizieren. Diese Fähigkeit erlernt man in der Regel im Säuglingsalter. Manchen Menschen fehlt diese Fähigkeit aber. Wer Gesichtsblindheit (Prosopagnosie) hat, erkennt andere Gesichter – und selbst das eigene – nicht wieder.

Die Physiognomie von Menschen spielt weiterhin auf Ausweisdokumenten und bei Ermittlungen der Polizei (Stichwort: Phantombilder) eine Rolle. Also immer dann, wenn Personen anhand ihrer äußeren Merkmale identifiziert werden sollen.

Es gibt und gab Versuche, aus der Physiognomie von Menschen Erkenntnisse über ihren Charakter, ihr Temperament usw. abzuleiten. Diese „Wissenschaft“ wird Physiognomik genannt.

Im übertragenen Sinne kann der Begriff auch auf andere Dinge angewendet werden. So kann man z.B. über die Physiognomie einer Landschaft, einer Stadt oder Ähnlichem sprechen.

Das Wort Physiognomie gelangte durch das mittellateinische phisionomia (Gesichtszüge, Beurteilung nach den Gesichtszügen) ins Deutsche, hat seine Wurzeln aber im griechischen φυσιογνωμία (physiognōmía). Der Begriff geht auf das griechische Kompositum physiognṓmōn (φυσιογνώμων) zurück, was sich zusammensetzt aus phýsis (φύσις) (Natur, natürliche, körperliche Beschaffenheit, Wuchs) und gnṓmōn (γνώμων) (Kenner, Beurteiler).

Aussprache

Lautschrift (IPA): [fyzi̯oɡnoˈmiː]

Verwendungsbeispiele

Forscher behaupten, sie könnten aus unserem Erbgut Steckbriefe mit unseren Physiognomien bauen.
– Haluka Maier-Borst (2015): „Mein DNA-Ich“. DIE ZEIT ONLINE. 10.12.2015.

Sie genoss die wunderschöne Physiognomie der Alpen.

Er war in Berlin, wie Brecht es hervorhob, ein Zeichner, der von der Physiognomie auf den sozialen Zustand seiner Figuren schloß oder diesen Zustand mittels der Physiognomie definierte.
– Hans Piatschek (1980): „Politische Naivität?“. DIE ZEIT ARCHIV. 21.03.1980.

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