• korrumpieren

    Das schwache Verbe korrumpieren bedeutet „(durch Bestechung) moralisch verderben“.

    Eine korrumpierte Person wurde also mittels Vergünstigungen in den Dienst moralisch zweifelhafter Interessen gestellt. Mal steht dabei das Bestechen im Vordergrund, mal das Verderben. Im übertragenen Sinne können auch Dinge korrumpiert, also verdorben und zweckentfremdet werden.

    Der Begriff wurde aus dem lateinischen corrumpere (verderben, vernichten) entlehnt.

    Sie sprach sich für Integrität auf allen Ebenen aus und ging mit dem Vorsatz ins Amt, sich unter keinen Umständen korrumpieren zu lassen.

    Selbst die Justiz war damals durch und durch korrumpiert. Entscheidungsgrundlage bei Gerichtsverhandlungen war daher oftmals nur noch die Größe des Geldgeschenks.

    Jesse Owens freundete sich bei Olympia 1936 zum Schrecken der Nazis mit dem Deutschen Luz Long an, und gewann eine Goldmedaille nach der anderen. Solche Sachen, erinnert sich da jemand dran? Die großen Sportverbände schon lange nicht mehr. Sie kommerzialisieren und korrumpieren den Sport bis zur Unkenntlichkeit. Er wird zum Event, zum Zirkus, zur Farce.
    Christian Spiller (2012), Sportfreunde, empört Euch!, ZEIT ONLINE.

  • olfaktorisch

    Das Adjektiv olfaktorisch bedeutet „den Geruchssinn/Riechnerv betreffend“.

    Olfaktorisch beziehungsweise ein olfaktorischer Reiz ist somit alles, was riechbar ist. Man spricht dann auch von olfaktorischer Wahrnehmung.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen olfacere (riechen).

    Das Leben auf dem Land ist geruhsam und gemeinhin angenehm. Jedoch steigt, wenn es für die Landwirte an der Zeit ist, ihre Felder zu düngen, die olfaktorische Belastung für die Umgebung stark an.

    Diesen Duft zu erschnuppern kommt einem olfaktorischen Orgasmus gleich.

    Fernsehen ist derzeit – zum Glück – noch kein olfaktorisches Erlebnis.

  • Divergenz

    Das Substantiv Divergenz meint im Allgemeinen das „Auseinandergehen, Abweichen, Auseinanderstreben“, oft von Meinungen oder meinungsabhängigen Sachverhalten. Entsprechend meint man Meinungsverschiedenheiten, wenn man von Divergenzen spricht.

    Das Wort wurde im 18. Jahrhundert aus dem lateinischen divergere (in verschiedene Richtungen auseinandergehen, sich auseinanderneigen) entlehnt.

    Solange die Divergenz zwischen Worten und Taten, zwischen Theorie und Praxis fortbesteht, ist eine Besserung der Lage unwahrscheinlich.

    Die beiden Länder müssen ihre Divergenzen dringend beseitigen.

    Mit jedem Zuwachs an Divergenz und Vielfalt der sozialen und wirtschaftlichen Interessen, der Nationalsprachen und -kulturen, der geschichtlich geprägten Identitäten wächst auch das Risiko verschärfter Konflikte. Deshalb ist die fortschreitende Erweiterung der EU in der Vergangenheit von Schritten zu einer vertieften Integration immer wieder begleitet worden.
    Jürgen Habermas (2007), Erste Hilfe für Europa, DIE ZEIT, 29.11.2007 Nr. 49.

  • fakultativ

    Das Adjektiv fakultativ bedeutet „dem eigenen Ermessen überlassen“ oder „freiwillig“. Etwas kann als fakultativ bezeichnet werden, wenn es nicht verbindlich oder nicht unbedingt erforderlich ist.

    Der Begriff wurde aus dem Französischen entlehnt und hat seinen Ursprung im lateinischen facultas (Möglichkeit). Das entsprechende Gegenwort ist obligatorisch.

    Dein Erscheinen heute Abend ist zwar fakultativ, aber in jedem Falle wünschenswert.

    Das Ganze ist eine eher fakultative Veranstaltung, die man nur besuchen sollte, wenn man tatsächlichen Nutzen aus den angebotenen Vorträgen ziehen kann.

    Ferner: Darf der klassische Religionsunterricht durch eine Art multikulturellen Modells ersetzt werden – nämlich Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde (LER)? Und wenn ja: fakultativ oder obligatorisch?
    Marion Graefin Doenhoff (1996), Erziehung zur Kultur, DIE ZEIT, 13/1996.

  • lavieren

    Das schwache Verb lavieren bedeutet im übertragenen Sinne „geschickt durch etwas hindurch oder um etwas herum steuern“. Es stammt aus dem nautischen Sprachgebrauch und bezeichnete dort die Technik zum Segeln gegen den Wind mittels eines Zickzackmanövers.

    Seinen Ursprung hat das Wort im niederländischen laveren (schwankend gehen) beziehungsweise im französischen lovier (kreuzen).

     Er lavierte geschickt um das Thema herum.

    Am Ende meines Lebens hatte ich das Gefühl, mich trotz allem doch immer gut hindurchlaviert zu haben.

    Denn das Sinfonieorchester von Detroit, das nahezu ohne staatliche Subventionen auskommen muss, laviert am Rande der Insolvenz, seit 2008 die weltweite Finanzkrise und die Malaise der amerikanischen Autoindustrie die Stadt gleichzeitig heimsuchten.
    Jürgen Kalwa (2012), Der Mäzen rockt, DIE ZEIT, 3.5.2012 Nr. 19.

  • Jour fixe

    Der Jour fixe ist im deutschen Sprachgebrauch ein regelmäßig stattfindendes Treffen eines definierten Personenkreises an einem festgesetzten Wochentag, gegebenenfalls zu einer festen Uhrzeit.

    Vom Jour fixe hört man oft im Arbeitsumfeld, womit dann wöchentliche Besprechungstermine oder Diskussionsrunden in Projekten oder Arbeitskreisen gemeint sind. In neudeutscher Ausdrucksweise könnte man auch sagen, es handle sich hierbei um ein regelmäßiges festgesetztes Meeting. Auch im Privaten kann der Begriff verwendet werden, beispielsweise um ein wöchentliches Treffen einer festen Gruppe Freunde zu beschreiben.

    Der Begriff ist französischer Herkunft: „Jour“ bedeutet übersetzt „Tag“, jedoch wurde das Wort früher auch für einen sich periodisch wiederholenden Termin verwendet; „fixe“ bedeutet „festgesetzt“. 

    Um regelmäßig einen Überblick über den Arbeitsfortschritt der anderen Projektteams zu erhalten, wurde ein Jour fixe der Teamleiter für das nächste halbe Jahr an  jeden Freitag um 14:00 Uhr angesetzt.

    Personal findet man im IT-Bereich lieber in eigenen Netzwerken. „Das Networking ist für diese Leute extrem wichtig“, erkannte auch Ulrich Schmid, Bereichsleiter Informationstechnologie und Medienwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Berlin. Also versucht er, die Gründer monatlich in einem Jour fixe zusammenzubringen.
    – Sebastian Marquardt (2000), Knapp vorbei, brand eins 04/2000

  • Courage

    Das Substantiv Courage (die) bedeutet „Beherztheit“, „Mut“ oder „Unerschrockenheit“.

    Spricht man von der Courage einer Person, schwingt in der Regel eine gewisse Bewunderung mit.

    Der Begriff stammt vom französischen courage ab und wurde mitsamt Bedeutung direkt ins Deutsche übernommen. Die Aussprache unterscheidet sich jedoch: Das finale „e“ ist im Französischen stimmlos, wird aber im Deutschen mitgesprochen.

    Überrascht von der eigenen Courage hielt sie kurz inne.

    Er zeigte in seinem letzten Kampf viel Courage und stellte sich den Schlägen seines Kontrahenten unerschrocken entgegen.

    Nachdem er sich gehörig Courage angetrunken hatte, wankte er ans andere Ende des überfüllten Raums und sprach sie an.

    Man darf den Unternehmern nicht aberkennen, dass zum Gründen auch immer einiges an Courage gehört.

  • sukzessiv

    Das Adjektiv sukzessiv bedeutet „allmählich“, „nach und nach“ oder „schrittweise“.

    Prozesse oder Entwicklungen können als sukzessiv bezeichnet werden, um ihren graduellen Verlauf herauszustellen. Zur Beschreibung von Tätigkeiten muss das zugehörige Adverb sukzessive verwendet werden.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen successivus (nachfolgend).

    Lernt man jeden Tag ein neues Fremdwort, so erweitert man sukzessive seinen Wortschatz.

    Man sprach zunächst von einem sukzessiven Abbau der bestehenden Hindernisse, entschied sich letztlich aber doch für das alternativ vorgeschlagene Hauruckverfahren.

    Es ist ein sukzessives Erstarken dieser politischen Strömung zu beobachten.

    Albert der Große verfocht die Theorie der simultanen Beseelung – gleichzeitig mit dem Embryo entstehe die Seele. Thomas von Aquin dagegen vertrat die Theorie der so genannten sukzessiven Beseelung.
    – Antonio Autiero (2008), Verletzender Fundamentalismus, DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02.

  • konsolidieren

    Das Verb konsolidieren bedeutet „sichern“, „festigen“, „stabilisieren“ oder „stärken“.

    Konsolidiert werden kann alles, was als Einrichtung Bestand hat, beispielsweise also eine Ehe, die Wirtschaft, die politische Ausrichtung oder Position, ein zwischenmenschliches Verhältnis, der Staatshaushalt und ähnliches.

    Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 18. Jhd. vom gleichbedeutenden französischen consolider. Der Ursprung liegt im lateinischen consolidare. Das lateinische solidus bedeutet ‚fest, stark oder hart‘ und bildet auch den Urspung des Adjektivs ’solide‘.

    Durch den weitreichenden Abbau wirtschaftlicher Schranken soll der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft konsolidiert werden.

    Mittels geschickter Fiskalpolitik gelang das Kunststück, bei anhaltendem Wirtschaftswachstum den Staatshaushalt zu konsolidieren.

    Der außenpolitische Ansehensverlust ist enorm und dürfte lange vorhalten. Medwedjew, auf dessen liberalere Überzeugungen der Westen hoffte, ist entzaubert. Zwar mag die Hoffnung naiv untersetzt gewesen sein, da ein neuer russischer Herrscher am besten mit geballter Faust Popularität im eigenen Land erreichen kann. Aber der Krieg mit Georgien hat das Putin’sche Machtsystem konsolidiert und damit Medwedjews kleine Spielräume, falls er sie je nutzen will, weiter eingeengt.
    Johannes Voswinkel (2009), Russlands falsches Kalkül, ZEIT ONLINE 08.05.2009.

  • konsterniert

    Das Adjektiv (oder auch Adverb) konsterniert bedeutet „fassungslos“, „verblüfft“ oder „bestürzt“.

    Ist eine Person konsterniert, so ist sie in einer unerwarteten Situation derart aus der Fassung gebracht, dass ihr zunächst die Worte fehlen, es ihr also buchstäblich die Sprache verschlagen hat.

    Der Begriff stammt vom lateinischen Verb consternare (aus der Fassung bringen) ab.

    Sonst sehr schlagfertig, starrte er nun nur konsterniert zu Boden.

    Er war von dem Steuerbescheid aufs Höchste konsterniert.

    Nach einem Zuordnungsdurcheinander in der Münchner Abwehr fand ein zauberhaftes Zuspiel von Mesut Özil den freistehenden Ronaldo, diesmal wählte er die linke Ecke. Dass er dabei ein paar Zentimeter im Abseits stand, merkten die konsternierten Münchner gar nicht und verzichteten auf jeden Protest.
    Sven Goldmann (2012), Fußball voller Wucht, Zeit Online, 26.04.2012 – 08:45 Uhr.