• Authentizität

    Das bildungssprachliche Substantiv Authentizität bedeutet „Echtheit“.

    Es bezeichnet die Eigenschaft einer Sache, Person oder Organisation, authentisch zu sein, also auf Echtheit geprüft und „als Original befunden“.

    Synonyme zu Authentizität sind „Glaubwürdigkeit“, Zuverlässigkeit“, „Unverfälschtheit“ oder „Wahrheit“.

    Authentizität ist als Substantiv seit Mitte des 18.Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Bei dem Wort handelt es sich um eine Ableitung des Adjektivs authentisch, welches auf das spätlateinische authenticus (original, echt, verbürgt) zurückzuführen ist.

    Die Authentizität des Vertrags wurde notariell beglaubigt.

    Das Museum zeigt die Wohnumstände in der Stadt während des 18. Jahrhunderts. Ausgewähltes, originalgetreues Mobiliar und viele Details verleihen den Wohnräumen des alten Bauernhauses Authentizität.

    Luxusmarken müssen darauf reagieren, dass ihre Kunden zunehmend aus dem asiatischen Raum kommen, andere Vorlieben haben und ein anderes Einkaufsverhalten. Sie müssen gleichzeitig der Digitalisierung von Kommunikation und Handel Rechnung tragen – eine Entwicklung, die größere Transparenz und Authentizität von einer Branche fordert, die am liebsten inszenierte Geschichten und perfekte Illusionen verkaufte.
    Markus Albers, Das Luxus-Problem, Brandeins 12/2014

  • falsifizieren

    Das bildungssprachliche Verb falsifizieren bedeutet „fälschen“,  „verfälschen“ oder „widerlegen“,„entkräften“.

    Es  wird zum Beispiel verwendet, um auszudrücken, dass wissenschaftliche Hypothesen durch empirische Studien oder logische Beweise widerlegt und somit entkräftet werden.

    Antonym (Gegenwort) zu falsifizieren ist das Verb „verifizieren“.

    Falsifizieren ist abgeleitet vom mittellateinischen falsificare, zu lateinisch falsus (falsch) und facere (machen, tun).

    Mithilfe der Langzeitstudie soll die vorherrschende Hypothese falsifiziert werden und ein neuer Durchbruch in der Forschung erreicht werden.

    Noch deutlicher wird Dannemann: „Dass alle Autoren von Lehrbüchern abschreiben ist eine unhaltbare Generalisierung, die sich angesichts der großen Anzahl von Lehrbüchern nicht verifizieren, aber schon mit einem einzigen Gegenbeispiel falsifizieren lässt.“
    Jonas Krumbein, Hat der Plagiatsjäger selbst plagiiert?, Der Tagesspiegel, 08.11.2013

    Die Schule falsifiziert eine Reihe schulorganisatorischer Mythen. So etwa die Notwendigkeit der Auslese der AHS-Schülerschaft im Alter von zehn Jahren und die Sinnhaftigkeit der achtjährigen gymnasialen Langform.
    Karl Heinz Gruber, Diese Schule dürfte es nicht geben, DIE ZEIT Nº 48/2014

  • konzedieren

    Das Wort konzedieren kommt im bildungssprachlichen Gebrauch vor und bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

    Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

    Auch beim leicht widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

    Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

    Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

    Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

    Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

    Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

    Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
    Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

    Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
    Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

  • Atavismus

    Das Substantiv Atavismus wird fachsprachlich genutzt, um das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die den unmittelbar vorhergehenden Generationen fehlen. Atavismus kann bei Pflanzen, Tieren oder Menschen auftreten.

    Im übertragenden Sinn wird Atavismus zudem verwendet, um eine Auffassung oder ein Verhalten zu beschreiben, das einem veralteten Weltbild entspricht.

    Das Substantiv ist auf das lateinische atavus (Großvater des Urgroßvaters, Urahne) zurückzuführen.

    Trotz fortgeschrittener Emanzipation kehren viele junge Familien zum Atavismus des geldverdienenden Vaters und der fürsorglichen Hausfrau zurück.

    Ich glaube nicht an die Genialität, auch nicht bei Künstlern. Ich arbeite gern im Kollektiv. Genialität, das ist eine Art Atavismus. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erreichen.
    Chris Dercon, „Veränderung tut immer weh“, Der Tagesspiegel, 26.04.2015

    Offenbar mutieren liebende Eltern, kaum haben sie ihren eigenen Nachwuchs abgeliefert, zu Rasern, die auf den Nachwuchs anderer keine Rücksicht nehmen. Ein Atavismus zur Erhaltung der eigenen Gene?
    Mark Spörrle, Wieso gibt es vor den Hamburger Schulen keine „Kiss & Ride“-Parkplätze für Eltern?, DIE ZEIT Nº 38/2014

  • Fakturieren

    Das Verb fakturieren ist der Kaufmannssprache zuzuordnen und bezeichnet das Ausschreiben oder in Rechnung stellen von gelieferten Waren und geleisteten Diensten.

    Zudem erfolgt in gleichem Zug die entsprechende Buchung des Geschäftsvorfalls auf das betroffene Konto im externen Rechnungswesen.

    Synonyme zu fakturieren sind „abschätzen“, „ausschreiben“ oder „berechnen“.

    Das Verb ist auf das lateinisch-spanische factura (Rechnung) zurückzuführen.

    Nachdem sich die Reparaturen über Wochen hinausgezogen haben, wurde die Rechnung zu allem Erstaunen direkt im Anschluss an die Fertigstellung fakturiert.

    In diesem Monat wurden im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Lieferungen fakturiert.

    Das Unternehmen liefert 85 Prozent seiner Maschinen in jeden Winkel des Auslands. Ein Viertel des Absatzes geht in die USA. Die Dollarschwäche des Sommers habe dem Maschinenbauer bislang nicht geschadet, sagt der Chef. „In Nordamerika können wir fast ausschließlich in Euro fakturieren.“ Außerdem schließe man Kurssicherungsgeschäfte ab.
    Peter Gaide und Marc-Stefan Andres, Limonade für die neuen Reichen, Zeit Online, 04.09.2008

     

  • denunzieren

    Das Verb denunzieren bedeutet, jemanden oder etwas (meist aus niederen Beweggründen) anzuzeigen, zu verraten, oder öffentlich bloßzustellen.

    Synonyme zu denunzieren sind beispielsweise „brandmarken“, „verleumden“, „anschwärzen“ oder „kompromittieren“.

    Denunzieren ist über das lateinische denuntiare (ankündigen, kundtun) herzuleiten.

    Aus Rache denunzierte sie ihren Ex-Mann bei der Polizei und zeigte ihn wegen Steuerhinterziehung an.

    Die Aussage wurde von sämtlichen Journalisten als rechtsradikal denunziert und scharf kritisiert.

    Als der Boss den Jungspund zum Souschef ernannte, war es vorbei mit der Kameraderie. Wojta: „Ich wurde von Stund an gemobbt. Die Kollegen sprachen nicht mehr mit mir.“ Sie warteten auf den geringsten Fehler des Günstlings, um ihn zu denunzieren: „Ich habe oft mehrmals am Tag Rotz und Wasser geheult.“
    Bernd Dörler, Statt Hummer Schinkenfleckerl, Brandeins 12/2014

  • Ambidextrie

    Das Substantiv Ambidextrie ist ein medizinischer Fachbegriff. Er bezeichnet die Beidhändigkeit, beziehungsweise die gleich ausgebildete Geschicklichkeit beider Hände.

    Weiterhin beschreibt die „Organisationale Ambidextrie“ die Fähigkeit von Organisationen, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein.

    Ambidextrie stammt aus dem Lateinischen und ist auf die Worte ambo (beide) und dexter (rechte Hand) zurückzuführen.

    Organisationale Ambidextrie, Fairness und Ressourcenschonung stellen wesentliche Hauptziele des Imagewechsels der Firma dar.

    Nach dem Unfall konnte er seine rechte Hand lange Zeit nicht bewegen. Aus der Not heraus trainierte er das Schreiben mit der linken Hand und verfügt mittlerweile über eine bemerkenswerte, selbst angeeignete Ambidextrie.

  • nymphoman

    Das Adjektiv nymphoman bezeichnet in Medizin und Psychologie einen krankhaft gesteigerten Sexualtrieb bei Frauen.

    Synonyme zu nymphoman sind „mannstoll“ oder „nymphomanisch“.

    Der Ausdruck ist über das altgriechische nýmphē (Braut) und manía (Wahnsinn, Raserei) herzuleiten.

    Als einziger Mann auf der Party suchte er schließlich das Weite – gänzlich überfordert mit der alkoholisierten, nymphomanen Horde an Frauen.

    In seinem Kasperle-Theater für Erwachsene ist Kasper ein Proll, Gretel eine Schlampe, die Großmutter nymphoman und der Teufel ein depressiver Berliner.
    Fokke Joel, Arien aus Vulgarien, Zeit Online, 02.04.2015

  • pejorativ

    Das Adjektiv pejorativ bedeutet „abwertend“. Es wird insbesondere in der Sprachwissenschaft verwendet, um auszudrücken, dass Begriffe, Ausdrücke oder Redewendungen mit negativer Bedeutung behaftet sind.

    Synonyme zu pejorativ sind unter anderem „abfällig“, „abschätzig“, „abwertend“ oder „geringschätzig“.

    Das Adjektiv ist auf das lateinische peioratum, zu peiorare (verschlechtern) zurückzuführen.

    Verwöhnt von urbanen Nachtclubs mit erstklassigen DJs, erlesenem Publikum und exquisiter Getränkeauswahl, war sie von der kleinstädtischen Disko mehr als gelangweilt. „Provinz-Schuppen“ war noch der freundlichste, pejorative Ausdruck, der im Laufe des Abends über ihre Lippen ging.

    Der Begriff „Stadttheater“ wurde seit den 68ern immer gerne pejorativ verwendet – als kulturbürgerliche Institution des bloß schönen Scheins, der Routine und des Kunsthandwerks. Das war schon immer kokett.
    Ijoma Mangold, Die singende Einkaufstüte, Zeit Online, 16.05.2013

    Theodore Roosevelt soll sie als Erster „muckraker“ genannt haben – etwa „Mist-Harker“ und pejorativ für Enthüllungsjournalisten gebräuchlich. Muckraker galten einerseits als Heroen der Aufklärung, wurden aber auch beargwöhnt, hinter jeder Kulisse Verkommenheiten zu vermuten und vor allem die üblen Seiten der Gegenwart zu beleuchten.
    Carolin Fetscher, Der Aufmacher-Macher, Zeit Online, 01.10.2012

  • Indiskutabel

    Das Adjektiv indiskutabel wird bildungssprachlich abwertend verwendet, um auszudrücken, dass etwas von vornherein unannehmbar und nicht erwägenswert ist.

    Synonyme zu indiskutabel sind beispielsweise „ausgeschlossen“, „nicht infrage kommend“, „unmöglich“ oder auch „undiskutabel“.

    „Annehmbar“, „erörterungswert“ und „diskutabel“ sind Gegenwörter zu indiskutabel.

    Das Adjektiv wird seit dem 20. Jahrhundert gebraucht. Es ist zusammengesetzt aus der verneinenden Vorsilbe in– und diskutabel, welches auf das gleichbedeutende, französische discutable zurückzuführen ist.

    Die Überschreitung der Abgabefrist ist indiskutabel – verspätete Einreichungen werden somit nicht berücksichtigt.

    Die neuen internen Lohnfestsetzungen werden von den Angestellten als indiskutabel angesehen. Inspiriert vom Rest der Republik haben die Arbeitnehmervertreter daher beschlossen, auf die Barrikaden zu gehen und zu streiken.

    Wenn erst mal die Druckmaschinen direkt in den Läden stehen, wie es die französische Kette Fnac bereits erprobt, kann theoretisch jedes Geschäft jedes Buch sofort anbieten. Nur: Die Ausstattung der Bände ist noch sehr schlicht, für Freunde von schönen Bücher sind die Ausgaben völlig indiskutabel.
    Peter Lau, Mehr Wert, Brandeins, 08/2001

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