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ex ante

Der Begriff ex ante bedeutet „im Voraus“, „vorab“ oder „zuvor“. Der Begriff beschreibt eine Betrachtung oder Beurteilung der Sachlage vor dem Eintritt des eigentlichen Ereignisses.

Ex ante wird hauptsächlich in der juristischen Fachsprache, gelegentlich aber auch in der Wirtschaftssprache verwendet.

Das Antonym zu ex ante lautet ex post (im Nachhinhein, hinterher).

Der Begriff ist lateinischer Herkunft und setzt sich aus den Teilen ex (an, aus, seit) und ante (vor, vorher, vorwärts) zusammen.

Im Qualitätsmanagement werden unter anderem Regeln aufgestellt, die ex ante klar definieren, wie Prozesse innerhalb des Unternehmens ablaufen (sollten).

Bei der ex-ante-Betrachtung des Vorfalls wird deutlich, dass der Angeklagte nicht genau feststellen konnte, ob das Opfer bewaffnet gewesen ist oder nicht. Daher kann man von einer Tat aus Notwehr ausgehen.

Rückblickend lässt sich das immer ganz toll erkennen, aber ex ante weiß man nie etwas.
Marcus Rohwetter, Wartesaal des Geldes, Zeit Online, 29. November 2012

extensiv

Das Adjektiv extensiv bedeutet „ausgedehnt“, „flächig“ oder „umfassend“.

Der Begriff wird beispielsweise in den Naturwissenschaften verwendet: Eine extensive Größe ist in der Physik eine von der Systemgröße abhängige Größe. In der Mathematik ist eine extensive Abbildung eine solche, die Mengen vergrößert. Extensive Landwirtschaft bezeichnet sehr flächigen Anbau mit verhältnismäßig geringem Aufwand.

Der Ausdruck kann auch abstrakt verwendet werden, zum Beispiel kann das Recht extensiv ausgelegt werden.

Das Adjektiv stammt vom lateinischen extendere (ausdehnen) ab.

Zum Missfallen der Chefin legte er die Ergebnisse der Besprechung viel zu extensiv aus.

Extensives Training verzichtet auf intensive Anstrengungen, sondern setzt auf Ausdauer.

Anders als in den alten Bundesländern sind die Flächen in Ostdeutschland nicht parzelliert, das Land ist flach und ließe sich extensiv nutzen.
brand eins, kerstin Friemel, „Regionen werden von Menschen gemacht“, Jan. 2007

repetitiv

Das Adjektiv repetitiv bedeutet „sich wiederholend“.

Oft wird der Begriff negativ konnotiert verwendet, wobei dann der Vorwurf der Monotonie mitschwingt.

Die Herkunft des Begriffs liegt im gleichbedeutenden englischen repetitive bzw. im lateinischen repetere (wiederholen). Vgl. auch lateinisch repetitio (Wiederholung).

Bezahlt wurde er gut, nur gab er zu bedenken, dass die repetitive Arbeit am Fließband nicht förderlich für die geistige Fitness sei.

Repetitive Elemente sind das Herzstück der neuesten Fliesenkollektion.

Die holprigen, gleichwohl repetitiven und durchgängigen Beats in Tracks wie Karamasow und 3000 Euro lassen spüren, dass Frick den Gebrauch des Sequencers im Hip-Hop lernte.
Zeit online, Pinky Rose, „Die schnodderigste Grabesstimme im deutschen Pop“, 09.08.2018

Kryokonservierung

Bei der Kryokonservierung wird organisches Material in flüssigem Stickstoff eingefroren, zum Beispiel Blut, Eizellen oder Embryonen. Durch die Kryokonservierung ist es möglich, den Zustand der biologischen Zellen zu erhalten und sie zu einem späteren Zeitpunkt unbeschadet auftauen zu können.

Das Verfahren der Kryokonservierung wirft eine Vielzahl von ethischen Fragestellungen auf, zum Beispiel, ob und unter welchen Voraussetzungen menschliche Embryonen eingefroren werden dürfen.

Etymologisch setzt sich das Wort Kryokonservierung aus zwei Begriffen zusammen, dem griechischen κρύος (krýos) und dem lateinischen conservare. Das Wort κρύος (krýos) bedeutet übersetzt unter anderem Kälte, das Wort conservare lässt sich mit speichern oder bewahren übersetzen. In der deutschen Sprache wird auch der Begriff der Kältekonservierung verwendet.

Kryokonservierung von Sperma oder Blutzellen ist seit Jahrzehnten etabliert. Nun ist das Ziel von Kryobiologen, ganze Organe einzufrieren.
pharmazeutische-zeitung.de

insistieren

Das Verb insistieren bedeutet „auf etwas bestehen“, „auf etwas beharren“.

Wer insistiert, verfolgt ein Ziel oder Vorhaben mit Nachdruck und lässt keine Abweichung zu. Insbesondere auch entgegen den Einwänden oder Vorbehalten anderer Personen. Auch das Bestehen auf die Beantwortung einer gestellten Frage kann gemeint sein.

Das Wort stammt aus dem lateinischen insistere (auf etwas treten, stellen; innehalten).

Sie insistierte auch angesichts der aktuellen Entwicklung auf Einhaltung der Absprachen.

„Ja, aber was genau hat er gesagt?, insistierte der Staatsanwalt.

polarisieren

Das Verb polarisieren bedeutet bildungssprachlich „Gegensätze schaffen“, „trennen“.

Es bezieht sich in erster Linie auf das Trennen von einer Gruppe (etwa der Bevölkerung eines Landes) in verschiedene Lager mit gegensätzlichen Ansichten. Ursachen für eine solche Trennung kommen zahlreiche in Frage, etwa anstehende politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, Wahlen, Personen des öffentlichen Lebens, alle Arten von Kunst etc.

Ursprung des Begriffs ist das griechische Substantiv pólos (Erdachse, Himmelsgewölbe).

Beispiele:

Trump polarisiert. Während er von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wird, treibt er einem großen Teil der restlichen Welt die Sorgenfalten auf die Stirn.

Während einige Politiker eine gemäßigte Vorgehensweise vorziehen und lieber den Mittelweg suchen, polarisiert sie oft und gerne. Um sich die fanatische Unterstützung eines Teils der Bevölkerung zu sichern, nimmt sie den Hass des anderen Teils in Kauf.

Ob eine Krise polarisiert oder ein Land vereint ist davon abhängig, wie einig sich die Bevölkerung bezüglich der Strategie zur Bewältigung der Krise ist.

Ihr neues Album wirkte überraschend polarisierend und spaltete ihre Anhängerschaft in zwei Lager.

kapriziös

Das Adjektiv kapriziös bedeutet „launenhaft“ oder „eigenwillig“.

Im deutschen Sprachgebrauch wird damit meistens eine launische, freche und unberechenbare Art von Personen oder Dingen beschrieben. Beispielsweise könnte man Menschen, die durch spontane, unerwartete und überraschende Einfälle positiv bzw. negativ auffallen, als kapriziös bezeichnen. Auch Produkte, die z.B. durch überraschende und unerwartete Resonanzen am Absatzmarkt auffallen, können kapriziös sein.

Der Begriff ist aus dem französischen Wort capricieux (bzw. caprice = Laune) abgeleitet. Der französische Begriff wurde verwendet, um besonders freche und launische Musikstücke zu beschreiben.

Nach einer langen Zeit der Stagnation sind in den letzten Jahren so viele Fortschritte auf diesem Gebiet erreicht worden, daß die Physiker jetzt zu wissen glauben, wie sie weiter arbeiten müssen, um das kapriziöse Plasma — die Ausgangssubstanz ihrer Experimente — endlich zu bändigen.
– Michael Globig (1971), Das kapriziöse Sonnenfeuer, Zeit-Online 18.06.1971

Sie machte ihrem Ruf als kapriziöse Diva wieder alle Ehre und nervte die anderen Hochzeitsgäste schon beim Essen.

Die Probleme beim Schaltgetriebe des neuen Sportwagens – Kapriziöse Technik oder falsche Bedienung?

Chuzpe

Chuzpe (die) ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit.

Aussprache: Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht.

Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner ursprünglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abhängig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein.

Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als kühn und gewitzt bewerten.

Beispiele:

Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, führte dann aber später seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsfähig gewesen, könne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

Huber […] redet Klartext: „Gott empört mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willkürliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
Jan Küveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.

approximativ

Das Adjektiv approximativ bedeutet „ungefähr“. Es beschreibt also Aussagen zu Werten, Preisen, Beträgen etc. als angenähert und somit nicht ganz exakt.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen approximare (sich nähern).

Wirtschaftliche Vorhersagen haben stets approximativen Charakter. Es spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle, die in den Modellen nicht berücksichtigt werden können.

Er hatte die Aufgabe nur approximativ gelöst und bekam dafür Punktabzüge.

Kabale

Eine Kabale ist eine „Intrige“ beziehungsweise ein „Ränkespiel“, meint also (im Verborgenen betriebene) Machenschaften zur Erreichung niederträchtiger Ziele. Der Duden beschreibt den Gebrauch des Begriffs als veraltet, jedoch findet man ihn in den Printmedien auch heute noch gelegentlich.

Seinen Weg ins Deutsche fand das Wort über das französische cabale, welches auf das hebräische ḳabālā (eine mystische Geheimlehre des Judentums, siehe Kabbala) zurückgeht.

Die innerparteiliche Kabale ließ die Wähler an der Stabilität der Partei zweifeln und verhinderte schließlich den Wahlerfolg.

Er ist in seinen Ämtern sicher nicht ärmer geworden, aber bereichert an Springer haben sich viele – vor allem Deutschlands teuerste Anwälte, denen die Kabalen in und um den Verlag jahrzehntelang üppige Einkommen bescherten.
Ernst Elitz (2005), Die Märchenprinzessin, DIE ZEIT 17.02.2005 Nr.8.