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Nimbus

Das Substantiv Nimbus (der) bedeutet „Heiligenschein“ bzw. „besonderes Ansehen/Prestige“.

Vom Nimbus im Sinne eines Heiligenscheins hinter dem Haupt einer Person spricht man vor allem im Kontext der bildenden Kunst, wo er als Symbol des Göttlichen oder auch weltlicher Macht dient.

Ebenfalls kann ein (eventuell sogar übersteigerter) Ruhm gemeint sein, wenn man vom Nimbus einer Sache, einer Person oder einer Gruppe von Personen spricht. Der strahlende Glanz also, der sich von rational begründbarer Bewunderung abhebt.

Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen nimbus, welches wörtlich „Regenwolke“ bedeutet und im übertragenen Sinne die Nebelhülle meint, in der Götter den Menschen erscheinen.

Verwendungsbeispiele

Die WM in Russland hat Joachim Löws Nimbus des Unangreifbaren zerstört.
Süddeutsche Zeitung, 3.7.2018.

Er wollte um jeden Preis den Nimbus um seine Person bewahren; diesem Ziel ordnete er alles andere unter.

Das neue Album bestätigt ihren Nimbus als eine der vielseitigsten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit.

Am Sonntag stehen in Venezuela Gouverneurswahlen an. Der Staatspräsident hat seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren – nun kandidieren Dissidenten gegen seinen Willen.
Zeit Online, 23.11.2008.

Um das haupt griechischer gottheiten erscheint auf abbildungen ein strahlenkranz und nimbus, auf indogriechischen münzen pflegt der Mithras einen kreisförmigen nimbus mit spitzen strahlen zu zeigen, andere darstellungen entbehren der strahlen.[sic!]
– Jacob Grimm (1835), Deutsche Mythologie.

konstitutiv

Das Adjektiv konstitutiv bedeutet „grundlegend“, „tragend“ und beschreibt ein Merkmal, eine Bedingung oder eine Eigenschaft, die für den Erfolg, die Gesamterscheinung oder die Definition einer Sache oder einer Person maßgeblich ist, also nicht weggelassen werden kann.

Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen constituere (feststellen, beschließen).

Aussprache

Hörbeispiel: Aussprache anhören
Lautschrift (IPA): [ˌkɔnstituˈtiːf]

Verwendungsbeispiele

Die persönliche Ansprache des Publikums ist konstitutiver Bestandteil seiner Bühnenshow.

Konstitutiv waren in dieser Phase vor allem der Weitblick und der Entscheidungswillen des neu gewählten Präsidenten.

Die eigene Sprache ist zweifellos konstitutives Element jeder lokalen Kultur.

sardonisch

Das Adjektiv sardonisch bedeutet „boshaft“, „hämisch“. Es beschreibt meist ein grimmiges, verzerrtes Lächeln bzw. Lachen.

Wer sardonisch lächelt, beißt vielleicht die Zähne fratzenhaft zusammen. Grinst dem Unglück anderer Personen, der eigenen Misere oder beidem gleichzeitig mit schmerzhaftem, grimmigem Spott entgegen.

Eine sardonische Art oder ein sardonisches Werk (Text, Film, Theaterstück etc.) ist von ebendiesem schmerzvollen, grimmigen Hohn und Spott geprägt.

Speziell in der Medizin beschreibt das sardonische Lachen bzw. der Risus sardonicus das starre Grinsen, das etwa von Wundstarrkrampf oder einer Strychninvergiftung hervorgerufen wird.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen sardonius und geht zurück auf das griechische sardónios gélōs (bitteres Hohngelächter bei eigenem Schaden).

Verwendungsbeispiele

„Wie war dein Vorstellungsbespräch“, fragte sie mich sardonisch. Dabei wusste sie längst, dass ich vor Aufregung kein Wort herausgebracht hatte.

Gestern hat er mir noch eine Abreibung verpasst. Heute verfolge ich mit sardonischem Lächeln den Skandal, in den er plötzlich verstrickt ist.

„Alles bestens! Die Ärzte geben mir noch ganze zwei Wochen“, verkündet er sardonisch.

par ex­cel­lence

Die nachgestellte Phrase par excellence bedeutet „in höchster Vollendung“.

Personen, Sachverhalte, Entwicklungen oder Gegenstände können par excellence sein, wenn sie in mustergültiger Ausführung vorliegen.

Die Herkunft des Ausdrucks liegt im französischen excellence (Erhabenheit, Herrlichkeit) und geht zurück auf das gleichbedeutende lateinische excellentia.

Er begeisterte seine Gäste mit einem Gin Tonic par excellence.

„Das war eine Eröffnungsrede par excellence. Ich war von deinem Vortrag zu Tränen gerührt.“

Als Abteilungsleiterin par excellence wird sie nicht nur von ihrem Team durch und durch respektiert, sondern auch von ihrer Vorgesetzten hoch geschätzt.

Dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen mit Depressionen leben, die ärztliche oder therapeutische Hilfe brauchen, ist ein Zeichen. Ehrenberg hält Depression für „die Krankheit par excellence des demokratischen Menschen“.
– Stefan Reinecke (2012), Darf es etwas weniger sein?, brand eins o4/2012.

insinuieren

Das Verb insinuieren bedeutet „unterstellen“ oder „durchblicken lassen“, „andeuten“.

Wer etwas insinuiert, äußert meist einen Verdacht – entweder in klaren Worten oder nur angedeutet bzw. umschrieben.

Der Begriff ist entlehnt aus dem lateinischen insinuare (eindringen, sich hineindrängen, einflüstern, sich einschmeicheln).

Verwendungsbeispiele

In ihrer Ansprache insinuierte sie, dass die zunehmende Salonfähigkeit von offen zur Schau getragener Fremdenfeindlichkeit für den Wahlerfolg der AfD verantwortlich sei.

Seine Noten haben sich verschlechtert. Das liegt sicher an diesen fürchterlichen Computerspielen, insinuieren seine Eltern.

Auch wenn die Presse es unablässig bissig insinuiert, wir stehen trotz sinkender Zahlen noch lange nicht vor der Insolvenz.

Sie hat den Vorwurf nicht offen geäußert, sondern nur implizit insinuiert.

Kalamität

Das Substantiv Kalamität (die) bedeutet [1] „missliche bzw. peinliche Lage“, „Schwierigkeit“ oder „Missstand“. Der Gebrauch ist eher umgangssprachlich als bildungssprachlich.

[2] Speziell in der Biologie ist eine Kalamität die Schädigung einer großen Anzahl von Kulturpflanzen, beispielsweise durch Unwetter oder Schädlingsbefall. Man spricht etwa von der Borkenkäferkalamität.

Der Begriff wurde im 17. Jahrhundert aus dem französischen calamité bzw. dem lateinischen calamitas (Schaden, Verlust, Unheil) übernommen und ursprünglich zur Beschreibung jeglichen Unglücks gebraucht.

Verwendungsbeispiele

[1] Ich stecke in außerordentlichen Kalamitäten und brauche Hilfe.

[1] Wir müssen diese Kalamität überwinden, um unser Ziel zu erreichen.

[2] Nach der Blattlauskalamität habe ich die Rosenzucht aufgegeben.

[2] Der Holzmarkt bzw. -preis wird maßgeblich von Kalamitäten beeinflusst.

gerieren

Das Verb gerieren bedeutet „sich aufführen“ oder „auftreten“, wobei die Art des Auftretens stets ebenfalls genannt werden muss. Man spricht in der Regel davon, dass sich eine Person als etwas geriert, wenn sie sich als etwas ausgibt, das nicht der Wahrheit entspricht.

Gerieren leitet sich aus dem lateinischen gerere (tun, führen, tragen) ab.

Er geriert sich als Messias des deutschen Films, kaut jedoch nur gängige Hollywoodklischees wieder.

Im dritten Teil der Batman-Trilogie geriert sich der von der Gesellschaft der Schatten ausgestoßene Bane als Befreier Gothams aus den Händen der dekadenten Oberschicht.

Wielowski meckerte, Wielowski lobte, er korrigierte und ließ umschreiben. Mitunter gerierte er sich sogar als Doktorvater, obwohl er vermutlich nie einen Universitätshörsaal von innen gesehen hat.
Egmont R. Koch (2012), Beim Titelhändler, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

retrospektiv

Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rückblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen Ausdrücke retro (rückwärts, zurück) und spectare (schauen, betrachten).

Verwendungsbeispiele

Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte. Nun bereue ich die Trennung.

arbiträr

Das Adjektiv arbiträr bedeutet „nach eigenem Ermessen oder eigenen Überlegungen“ oder „willkürlich“. Ein weiteres Synonym für arbiträr ist „beliebig.“

Arbiträr ist damit praktisch alles, was nicht höheren Grundsätzen folgt.

Speziell in der Sprachwissenschaft sagt man etwa, dass Begriffe und Zeichen arbiträr sind. Der Begriff, mit dem wir ein bestimmtes Objekt beschreiben, ist (fast immer) prinzipiell willkürlich.

Beispiel: Es gibt keinen naturgegebenen Grund, warum wir einen Apfel „Apfel“ nennen und nicht mit einem anderen Begriff bezeichnen. Gleiches gilt für die Aussprache von Worten, die ebenfalls nicht in Stein gemeißelt ist, sondern sich durchaus von Region zu Region unterscheiden kann.

In der Mathematik ist der Begriff arbiträre Größe geläufig. Er bezeichnet eine konstante, beliebige Größe, die durch einen Buchstaben symbolisiert wird.

Das deutsche Wort arbiträr leitet sich vom französischen arbitraire (willkürlich, eigenmächtig) ab, welches auf das lateinische arbitrarius (willkürlich) zurückgeht.

Verwendungsbeispiele

Beim Kochen ging er arbiträr und ohne Rezept vor.

Was ist besser, Links- oder Rechtsverkehr? Weder noch, die Entscheidung ist also arbiträr.

Gesellschaftliche Normen sind zumindest teils arbiträr, wie sich an ihrem Wandel über die Zeit und ihrer Unterschiedlichkeit in verschiedenen Kulturen erkennen lässt.

Gesetze sind nötig, damit Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft nicht vollkommen arbiträr agieren können.

Bei der Neugestaltung meiner Wohnung bin ich keinem bestimmten Prinzip gefolgt, sondern habe arbiträr Farben und Materialien gewählt, die mir gefallen haben. „Wird schon schick werden“, dachte ich mir.

Kairos

Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
– Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.