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  • frenetisch

    Das Adjektiv frenetisch bedeutet „rasend“, „irrsinnig“, „leidenschaftlich“. Es bezieht sich in der Regel auf Ausbr√ľche der Begeisterung, etwa Jubel oder Applaus.

    In den deutschen Sprachgebrauch wurde es zun√§chst als medizinischer Ausdruck f√ľr „geisteskrank“ aus dem gleichbedeutenden lateinischen phreneticus √ľbernommen.

    Seine Interpretation des Shakespear Dramas „Romeo und Julia“, bei dem er als einziger Schauspieler alle Rollen √ľbernahm, wurde vom Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert.

    Nachdem das letzte Rollo nach oben gestemmt wurde, beendet mein kleiner Drecksack seine Show und manch einer jubelt frenetisch. Zwei, drei Dank ausdr√ľckende Knickse sp√§ter, hat sich es Luigi wieder auf meinen Schultern gem√ľtlich gemacht.
    Garmonbozia (2011), Mein Affe und ich, Neon.de.

  • reziprok

    Das Adjektiv reziprok ist vom lateinischen¬†reciprocus (auf demselben Weg zur√ľckkehrend)¬†abgeleitet und bedeutet „wechselseitig“ oder „gegenseitig“.

    In der heutigen Verwendung k√∂nnen als reziprok wechselseitige, gegenseitige oder aufeinander bez√ľgliche Sequenzen oder Abl√§ufe beschrieben werden. Auch Sachverhalte oder Verh√§ltnisse k√∂nnen reziprok sein.

    In der Mathematik ist der reziproke Wert genau der Kehrwert einer Zahl.

    Die Beziehung der zwei Professoren war – ungew√∂hnlich f√ľr die Fakult√§t – von reziproker Hochachtung gepr√§gt.

    Das nennt man den ‚reziproken Altruismus‘, wenn wechselseitig altruistisches Verhalten einen positiven Gesamteffekt hat.

    Im Prinzip funktioniert Vertrauensbildung unter Menschen ganz √§hnlich: Wir sammeln bewusst oder unbewusst Erfahrungen √ľber die andere Seite, bis wir in einer bestimmten Situation die Entscheidung treffen, eine riskante Vorleistung zu erbringen. Wird diese Vorleistung nicht missbraucht, setzt sich eine Spirale, ein reziproker Prozess in Gang. Das Ergebnis kann blindes Vertrauen sein.
    –¬†Christiane Sommer (2008), Was uns ant√∂rnt, brand eins 12/2008.

  • a posteriori

    A¬†posteriori¬†bedeutet „im Nachhinein“. Heutzutage wird a posteriori¬†etwa verwendet, um Urteile oder Entscheidungen zu beschreiben, die auf gemachten Erfahrungen beruhend getroffen werden. ¬†A posteriorisches Wissen ist dementsprechend erfahrungsabh√§ngiges Wissen.

    Der¬†Ausdruck¬†wurde aus dem Lateinischen √ľbernommen und setzt sich w√∂rtlich¬†aus „von“ bzw. „her“ (a) und „der sp√§tere“ oder „der hintere“ (posteriori) zusammen.

    Nachdem das Interesse der √Ėffentlichkeit erstmal geweckt war, standen pl√∂tzlich gen√ľgend Ressourcen zur Verf√ľgung, um eine Untersuchung a posteriori der tempor√§ren √úberlastung des Stromnetzes durchzuf√ľhren.

    Die Fehlereinschätzung der mathematischen Berechnung erfolgte a posteriori, um eine möglichst hohe Genauigkeit der festgestellten Fehlergröße zu erreichen.

  • pittoresk

    Das Adjektiv pittoresk wird bildungssprachlich verwendet und bedeutet malerisch. Es wird oft f√ľr die Beschreibung von Landschaften und anderen Umgebungen gebraucht.

    Pittoresk hat verschiedene Wurzeln. Grunds√§tzlich kommt es in diversen romanischen Sprachen vor. Man kann es vom lateinischen pictor ableiten, was Maler bedeutet. Alternativ kann man es auf das franz√∂sische pittoresque oder das italienische pittoresco zur√ľckf√ľhren.

    Ich lebe wirklich in einem pittoresken Ort.

    Die ganze Gartenanlage ist pittoresk.

    Sie hatte das Fest in der Tat pittoresk dekoriert.

  • kontemplativ

    Das Adjektiv kontemplativ bedeutet „beschaulich“, „unt√§tig“ oder „besinnlich“.

    Eine kontemplative Stimmung ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit geistigen Inhalten.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen contemplativus (beschaulich, betrachtend, theoretisch).

    Er ist eher kontemplativer Natur, kein extrovertierter Draufgänger, sondern in sich gekehrt und oft in Gedanken versunken.

    F√ľr die einen ist der eigene Geburtstag stets von ausgelassenem Feiern begleitet, f√ľr die anderen ein Anlass zu kontemplativem R√ľckzug.

    Ein kurzer Besuch im Karstadt-Kaufhaus in Hamburgs Innenstadt macht sicher. In den oberen Etagen herrscht, wenige Tage nach Ende des Winterschlussverkaufs, eine kontemplative Stimmung. Einige wenige Kunden stehen lustlos zwischen den Angeboten herum.
    Wolf Lotter (2003), Wert-Arbeit, brand eins 02/2003.

  • pragmatisch

    Das Adjektiv pragmatisch¬†bedeutet „sachbezogen“ bzw. „praxisbezogen“. Also „im Sinne einer Sache oder eines Ziels praktisch und l√∂sungsorientiert (handeln)“.

    Als pragmatisches Handeln wird bezeichnet, wenn jemand das tut, was nötig ist und was erwiesenermaßen tatsächlich funktioniert. Dabei treten Dinge wie Theorie oder Ideologie zuweilen in den Hintergrund. Eine derart handelnde Person nennt man einen Pragmatiker.

    Synonyme zu pragmatisch sind: anwendungsbezogen, handlungsbezogen, ideologiefrei, l√∂sungsorientiert, n√ľchtern.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im griechischen¬†pragmatik√≥s (t√ľchtig).

    Das Handeln der chinesischen Regierung ist in vielen Fragen sehr pragmatisch. Ein gutes Beispiel ist die Ausgestaltung des chinesischen Wirtschaftssystems, in das – aller Ideologie zum Trotz – seit dem Ende der siebziger Jahre nach und nach immer mehr Marktelemente eingef√ľhrt werden.

    W√§hrend es f√ľr Handwerker im Sinne der Qualit√§tssicherung zahlreiche Vorschriften gibt, w√§hlt man als Heimwerker ohne professionelle Hilfe oft eine eher pragmatische L√∂sung.

    Manche Probleme muss man pragmatisch angehen. Meinungen sollten sich dabei den erwiesenen Fakten unterordnen.

    Beide sind weltanschaulich weit voneinander entfernt, aber gleichzeitig k√ľhl kalkulierende Machttechniker, die pragmatische Absprachen treffen und Andersdenkenden mit professionellem Respekt begegnen.
    Elisabeth Niejahr (2009), Fix und Foxi, DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12.

  • agnostisch

    Das Adjektiv agnostisch beschreibt eine Person als den Agnostizismus vertretend, d.h. sie h√§lt die Existenz einer Gottheit oder einer anderen h√∂heren Macht f√ľr nicht beweisbar. Deren Existenz wird somit nicht verleugnet, aber eben auch nicht f√ľr gesichert gehalten.

    Im Gegensatz zum Atheismus im eigentlichen Sinne, der die Existenz einer höheren Instanz verneint, sind eine agnostische Weltanschauung und Glaube miteinander vereinbar. Man kann schließlich durchaus an einen Gott glauben und gleichzeitig die Unbelegbarkeit seiner Existenz anerkennen.

    Das gleichbedeutende englische agnostic wurde im sp√§ten 19. Jahrhundert vom britischen Biologen Thomas Henry Huxley gepr√§gt und geht vermutlich auf das griechische gnostikos (erkenntnisf√§hig) zur√ľck, dem ein negierendes a- vorangestellt wird.

    Ich bin streng christlich erzogen worden, w√ľrde mich inzwischen jedoch als agnostisch bezeichnen.

  • konstituieren

    Das Verb konstituieren bedeutet „ins Leben rufen“, „sich grundlegend organisieren“ oder „f√ľr etwas konstitutiv (grundlegend) sein“. Somit beschreibt es den Prozess der ersten Schritte der Realisierung etwa eines Parlaments, einer Organisation, eines B√ľndnisses, eines Staates etc.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische constituere (festsetzen, aufstellen).

    Kurz nach Ende des Krieges konstituierte sich die neue Regierung.

    Die konstituierende Versammlung war mehrere Tage mit dem Entwerfen der offiziellen Vereinssatzung beschäftigt.

    Zu viel ist noch ungeklärt: Wie steht es um die Demokratie in einem Megastaat? Was ist von einem europäischen Länderfinanzausgleich zu halten, wo doch schon der deutsche kein Erfolgsmodell ist? Wie ist es um das Selbstverständnis eines Staates bestellt, der sich unter dem Druck der Finanzmärkte konstituiert?
    Mark Schieritz (2012), Entweder ‚Äď oder?, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • Odyssee

    Eine Odyssee ist eine lange Irrfahrt, also eine abenteuerliche Reise, welche mit vielen Hindernissen verbunden ist.

    Der Ausdruck Odyssee ist auf den Epos des altgriechischen Dichters Homer zur√ľckzuf√ľhren. In diesem Epos aus dem 8. Jhd.v.Chr. erz√§hlt Homer von den abenteuerlichen Irrfahrten des Odysseus – ergo einer reinen Odyssee.

    Sich durch die Telefonschleifen des Telefonanbieters durchzuschlagen war eine Odyssee.

    Die Reise war eine echte Odyssee. Erst hing die Bahn mehrere Stunden auf den Gleisen fest, dann fiel die Heizung aus und zu guter Letzt wurde auch noch sein Portemonnaie gestohlen.

    In seinem bekanntesten Roman ‚ÄěEine Frau flieht vor einer Nachricht‚Äú (2009) begibt sich die Mutter eines Soldaten auf eine Odyssee durch Israel, in der Hoffnung, der Kunde vom Tod ihres Sohnes an der Front durch dauernde Bewegung zu entrinnen.
    Nina May, David Grossman: Der Wiedergänger, Die Zeit, 19.12.2013.

     

  • Chuzpe

    Chuzpe¬†(die) ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit. Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

    Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht.

    Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner urspr√ľnglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abh√§ngig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein.

    Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als k√ľhn und gewitzt bewerten.

    Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, f√ľhrte dann aber sp√§ter seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsf√§hig gewesen, k√∂nne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

    Huber […] redet Klartext: „Gott emp√∂rt mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willk√ľrliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
    Jan K√ľveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.