• postfaktisch

    Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

    Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

    Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

    Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
    – Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

    Die Politikstile einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

  • devotional

    Das Adjektiv devotional bedeutet „ehrfurchtsvoll“, „achtungsvoll“, „ehrerbietig“ oder „ehrfürchtig“.

    Verwendet wird das Wort devotional, um einen ehrfürchtigen und achtsamen Umgang mit einem Gegenstand oder bei einer Tätigkeit damit auszudrücken.

    Der Begriff stammt vom lateinischen devotio, was „Gelübde“ oder „Andacht“ bedeutet und zum kirchenlateinischen devotionalia führte, mit dem ursprünglich Gegenstände zur persönlichen Andacht bezeichnet wurden. Heute wird der Begriff Devotionalien auch für Sammlerobjekte ohne kirchlichen Hintergrund verwendet.

    Er behandelt seine Sammlung sehr devotional.

    Es handelt sich hier um devotionales Brauchtum.

  • vice versa

    Die Wortverbindung vice versa bedeutet „(und) umgekehrt“ und beschreibt wechselseitige Beziehungen. Sie deutet also einen Gegenzug bzw. einen umgekehrten Wechsel an.

    Wenn direkte Wechselbeziehungen vorhanden sind, lässt sich vice versa als Überleitung verwenden, wenn im Folgenden die Gegenwirkung beschrieben werden soll. Auch kann es am Ende eines Satzes verwendet werden um auf die Wechselseitigkeit einer vorher beschriebenen Beziehung aufmerksam zu machen. Im geschriebenen Text kann für vice versa auch die Abkürzung v. v. verwendet werden.

    Der Ausdruck wurde unverändert aus dem Lateinischen übernommen.

    In einer harmonischen und konstruktiven Lehr- und Lernatmosphäre haben die Studenten das Recht, den Dozenten zu kritisieren und vice versa.

    In der klinischen Betreuung wird von den Schwestern erwartet, dass sie hart arbeiten. Vice versa muss auch die Kooperation und Mithilfe seitens der Patienten vorhanden sein.

    Unser Broker erkennt zeitnah, dass auf dem Kontostand der Ewigkeit Zeit und Geld dasselbe sind – die stürzende Börse war ein temporärer Augenblick in der Ewigkeit der Geldzeit. Oder im DM-Deutsch: Alles wird gut. Solange Zeit ist, wird Geld sein. Und vice versa. Das ist der pekuniäre Gottesbeweis, den die zeitlosen Apokalyptiker einer Deutschen Bank noch immer suchen.
    Thomas Assheuer (2000), Geldzeit-Der Mark schlägt die Stunde, Zeit Online.

  • Opak

    Das fachsprachliche Adjektiv opak bedeutet im Bereich der Physik so viel wie „undurchsichtig“, „intransparent“ oder „lichtundurchlässig“.

    In der Linguistik kann mit dem Adjektiv zudem beschrieben werden, dass Texte und Aussagen in Wortwahl, Struktur, Form und Bedeutung nicht eindeutig sind. Die Sprache ist so verworren, dass sie inhaltlich schlecht nachvollziehbar ist.

    Die alternative Schreibweise zu opak ist opaque, die Aussprache bleibt dabei gleich.

    Herzuleiten ist das Adjektiv über das lateinische opacus (beschattet).

    Die Badezimmerfenster sind mit opakem Glas ausgestattet, so dass keine Rollos notwendig sind.

    Der Schreibstil des Autors ist mir zu künstlerisch und opak.

    Zusammen erzeugen Tubes And Wires einen opaken Gruppenklang, der näher an Nirvana oder Kraftwerk liegt, am Zirpen der Elektronen und den Rückkopplungswolken des Grunge als am edlen Holz konventioneller Jazzbands.
    Stefan Hentz, Wohin der Sound uns treibt, DIE ZEIT Nº 08/2014

  • impulsiv

    Das Adjektiv impulsiv bedeutet „einer plötzlichen Eingebung folgend“ und beschreibt Personen, die dazu neigen, schnell zu handeln, ohne vorher lange nachzudenken.

    Als Synonym zu impulsiv gelten im positiven Sinne beispielsweise „spontan“, „leidenschaftlich“ oder „ausgelassen“.

    Aber der Begriff kann auch mit einer negativen Konnotation behaftet sein und bedeuten, dass die Person ihre Gefühle nicht im Griff hat. Synonyme wären hier „aufbrausend“, „unkontrolliert“ oder „hitzköpfig“.

    Über das englische impulsive und das französische impulsif gelang das ursprünglich aus dem Lateinischen stammende Wort impulsivus, welches von impellere (antreiben, veranlassen) abgeleitet ist, in den deutschen Sprachgebrauch.

    Selbst auf der Arbeit handelt er häufig impulsiv, so dass seine Emotionen seine Entscheidungen negativ beeinflussen.

    Der impulsive Auftritt des Flamenco-Tänzers beeindruckte nicht nur die weiblichen Zuschauer.

    In Djordjevic setzen die Verantwortlichen erneut auf einen Coach der serbischen Schule, der ähnlich wie Pesic auch sehr impulsiv sein kann. – ALBA und Bayern starten mit Siegen, Zeit Online, 25.9.2016

  • absent

    Das altmodische Adjektiv absent bedeutet „abwesend“, „fehlend“ oder „unterwegs“.

    Der Begriff geht auf das lateinische absens (abwesend, in der Ferne), dem Partizip I von abesse (abwesend sein, fehlen), zurück.

    Ich musste stutzen, als ich meinen Anwalt anrufen wollte, denn seine Sekretärin erklärte mir, er sei absent.

    Leser: „Ich erhalte gar kein tägliches Fremdwort mehr. Wie lange sind Sie noch absent?“
    Wir: „Tut uns schrecklich leid. Nun sind wir aber wirklich wieder da!“

    Während der Vorlesung fällt es den Studenten oft schwer, dem Dozenten zu folgen, da sie in absenten Gedanken versunken sind.

    Denn man wählte des Sonnabends nur einen Befähigten, welcher während der kommenden Woche bei Peek absent gemeldet wurde, zu seinem Vertreter.
    Hans Franck, Schüler Schartig ist verzogen, Zeit Online, 20.12.1956

  • inkludieren

    Das Verb inkludieren bedeutet „einschließen“ oder „beinhalten“ und wird in der Fachsprache oder im österreichischen Sprachgebrauch verwendet.

    In Verkaufsgesprächen oder Verträgen wird häufig die Phrase „Transportkosten sind im Preis inkludiert“ oder ähnlich verwendet. Das stellt klar, dass dem Kunden keine weiteren Kosten für die vereinbarte Leistung entstehen.

    Als weitere Synonyme gelten „implizieren“ oder „umschließen“; siehe auch: Inkluse.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Verb includere (einschließen, einsperren).

    In Hamburg ist die Überfahrt per Fähre von den Landungsbrücken zum Theater am Hafen im Ticketpreis für „Der König der Löwen“ inkludiert, so dass man nicht zur Vorstellung schwimmen muss.

    Gemäß den Bestimmungen der UEFA, die sich insbesondere aus den in den letzten Jahren verschärften Sicherheitsvorkehrungen ergeben, dürfen Reiseveranstalter keine Eintrittskarten in Pauschalreisen inkludieren.
    – Auf die Plätze!, Der Tagesspiegel, 04.01.2004

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrücklich nicht das legitime Vertagen aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tägliche Fremdwort auch manchmal ausfällt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrücken das Handtuch für sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.

  • konstatieren

    Das Verb konstatieren bedeutet „ermitteln“, „wahrnehmen“ oder „feststellen“.

    Mit Abstand am häufigsten wird konstatieren als Synonym zu „feststellen“ gebraucht. In diesem Sinne meint der Begriff also, eine Tatsache zu erkennen und in der Regel auch zu äußern, d.h. laut auszusprechen.

    In den deutschen Wortschatz wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen constater entlehnt, welches auf das lateinische constare (bekannt sein, feststehen) zurückgeht.

    Nach einem Blick auf die Quartalszahlen konstatierte er die positive Entwicklung des Unternehmens.

    Sie konstatierte, ein verschwenderischer Umgang mit Steuergeldern habe zu der politischen Vertrauenskrise beigetragen.

    Das Gericht konnte nur noch eine unzureichende Beweislage konstatieren und die Angeklagte in allen Punkten freisprechen.

  • Hasardeur

    Ein Hasardeur ist jemand, der durch verantwortungsloses bzw. fahrlässiges Handeln ein hohes Risiko eingeht.

    Der Begriff wurde mit gleicher Bedeutung aus dem Französischen übernommen. Im Französischen ist der Ausdruck hasardeur seit dem 18. Jhd. nicht mehr gebräuchlich.

    Die deutsche Aussprache folgt dem französischen Vorbild, in eingedeutschter Lautschrift also etwa „Hasardör“, mit Betonung auf der letzten Silbe.

    Er ist der reinste Hasardeur.

    Manche sehen in Friedrich deshalb einen Hasardeur, der alles riskierte und aussichtslose Schlachten bis zur bitteren Niederlage weiterführte. In Kunersdorf rieten seine Offiziere ihm, angesichts der Unübersichtlichkeit des Geländes nach den Anfangserfolgen haltzumachen. Friedrich aber wollte die feindliche Armee nicht nur schwächen, sondern vernichten – und trieb seine Soldaten ins Verderben.
    Andreas Molitor (2011), Unter dem Getöse von dreihundert Kanonen, ZEIT Geschichte.

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