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theatralisch

Das Adjektiv theatralisch bedeutet primär „das Theater betreffend“ oder „in seinem Gehabe, seinen Äußerungen, pathetisch„.

Das Adjektiv wird vor allem verwendet, um das theatralische Gebären einer Person zu beschreiben. Dies bezeichnet übertriebene, pathetische, aufgesetzte oder gekünstelt wirkende Verhaltensweisen an jemandem.
Der Begriff ist in fast jeder Verwendungsart negativ konnotiert.

Das Adjektiv stammt aus dem Lateinischen theatralis (das theatrum (Theater) betreffend).

Jedes Mal, wenn er den Raum betritt, schockiert er die konservativeren Damen und Herren mit seinem ausgesprochen theatralischen Auftreten.

Allein die Kombination aus dieser Hose und diesem Oberteil ist doch schon theatralisch!

Das gab den Fotos einen surrealen, „fast übernatürlichen“ Effekt, der „das Theatralische des Orts verstärkte“. Laval liebte das Missgeschick und hatte eine neue Obsession gefunden.
Spiegel online, Marc Pitzke, „Die Nassforscherin“, 28.07.2018

lakonisch

Das Adjektiv lakonisch bedeutet „kurz und treffend“ oder „wortkarg“.

Der Begriff lässt sich immer dann verwenden, wenn man darauf hinweisen möchte, dass etwas ohne viele Worte aber dennoch treffend ausgedrückt wurde. Oft, aber nicht immer, schließt das auch eine nüchterne und präzise Ausdrucksweise ein.

Lakonisch entstammt dem griechischen lakōnikós (kurz und treffend, wortkarg). Es bezog sich ursprünglich auf die knappe Ausdrucksweise der Spartaner, die man derzeit auch Lakedaimonier nannte.

 Lakonisch, ohne auch nur die Stimme zu erheben, beschrieb sie den Tathergang.

Auf die sehr offen gestellte Frage antwortete er überraschend lakonisch.

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, wiederum brachte es auf die lakonische Formel „der Weg ist das Ziel“.
Katharina Schuler (2009), Islamkonferenz übt sich in Bescheidenheit, Zeit Online 25.6.2009.

Häufig spricht man von „lakonischer Kürze“, was jedoch ein Paradebeispiel für einen Pleonasmus ist.

verbos

Das Adjektiv verbos bedeutet „wortreich“, „weitschweifig“. Der Begriff ist mittlerweile veraltet und wird kaum noch verwendet.

Weitere Synonyme wären „ausführlich“ und „erschöpfend“.

Der Ursprung des Begriffes liegt im lateinischen verbosus (wortreich), von verbum (Wort, Wortlaut).

Aufgrund verboser Reden von Politikern ist es für den Otto-Normal-Bürger oft schwierig, die Intention der Politik nachzuvollziehen.

Hör mir doch mal zwei Minuten zu, anstatt mich nur verbos vollzuschwafeln! Bei dir kommt man ja gar nicht zu Wort.

inhärent

Das Adjektiv inhärent bedeutet „einer Sache eigen sein, ihr innewohnen“.

Es gehört zur Bildungssprache und ist umgangssprachlich von geringer Bedeutung. Häufig findet es dagegen Verwendung in philosophischen Texten und Diskursen.

Das Adjektiv geht zurück auf das lateinische Wort inhaerens (an etwas kleben).

Die Wissenschaftlichkeit ist der Methode inhärent.

Die Gewalt ist ein Faktor, der dieser Ideologie inhärent ist.

Beispielsweise teilten sie Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen ein: Während die eine lernte, dass Interessen dem Menschen inhärent seien, erklärten sie der anderen Gruppe, dass sich Interessen entwickeln können.
Zeit online, Alexander Krex, „Mein Traumjob ist gar keiner“, 01.09.2018

apokryph

Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

Kurz vor Halloween werden in sozialen Netzwerken immer wieder apokryphe Meldungen geteilt, die vor angeblich unter die ausgegebenen Süßigkeiten gemischten Drogen warnen sollen.

Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

Transkulturation

Transkulturation (die) ist die Einflussnahme einer Kultur auf eine andere. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieser Begriff aus den Kulturwissenschaften nur selten verwendet.

Beispiele für Transkulturation sind etwa die Amerikanisierung zahlreicher Kulturräume während der letzten Jahrzehnte oder die Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens im Zuge der islamischen Expansion während des 8. bis 10. Jahrhunderts.

Der Begriff der transculturación wurde in den 1940er Jahren vom kubanischen Wissenschaftler (u.a. der Anthropologie) und Politiker Fernando Ortiz Fernández geprägt und besteht aus der lateinischen Vorsilbe trans- (durch, über, auf die andere Seite) und dem lateinischen cultura (Kultur). Das deutsche Pendant ist eine direkte Übersetzung aus dem Spanischen.

Die fortschreitende globale Vernetzung im Laufe der letzten 30 Jahre hat ganz neue Wege der Transkulturation mit sich gebracht.

Eskapismus

Das Substantiv Eskapismus bezeichnet die „Realitätsflucht in eine Scheinwelt oder -wirklichkeit“, sowie allgemeiner die „Sucht nach Vergnügen und Zerstreuung“.

In den letzten Jahren hat der Begriff vor allem im medienwissenschaftlichen und medienpsychologischen Kontext an Bedeutung gewonnen.

Die Herkunft des Wortes liegt in der englischen Entsprechung escapism, die wiederum dem lateinischen Verb excapere (entkommen) entstammt.

Der Politiker kritisierte den zunehmenden Hang der Jugend zum Eskapismus. Ein großer Teil des Lebens junger Menschen spiele sich in Online-Spielen, dem Internet und Fernsehserien ab.

Eskapismus war gestern, heute holt uns die Realität auch im Superhelden-Kino ein: Iron Man macht ein Sabbatical und Batman hat eine unipolare Störung.
– Christina Rietz (2013), Held, gönn dir mal ’ne Pause. Zeit Online.

Diaspora

Eine Diaspora ist eine ethnische oder konfessionelle Gruppe, deren Mitglieder über weite Teile der Welt verstreut sind und somit in zahlreichen fremden Kulturräumen eine religiöse oder ethnische Minderheit darstellen. Weiterhin kann das begrenzte Gebiet in einem Land, in dem sich die Mitglieder einer solchen Minderheit aufhalten, als Diaspora bezeichnet werden.

Beispiele für dieses Phänomen gibt es zahlreiche. So bilden etwa außerhalb Israels lebende Juden die jüdische Diaspora oder die über die ganze Welt verteilten Menschen chinesischer Abstammung die chinesische Diaspora.

Der Begriff wurde direkt aus dem griechischen diaspora (Verstreutheit) übernommen und kommt bereits etwa 200 v. Chr. in der Septuaginta vor, der ältesten vollständigen Übersetzung der Tora in die altgriechische Gemeinsprache. Zunächst bezeichnete er jüdische Siedlungen im Exil und wird seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen auch in der oben beschriebenen, weiter gefassten Bedeutung gebraucht.

salomonisch

Das Adjektiv salomonisch bedeutet „weise“ und beschreibt etwa besonders kluge, umsichtige und durchdachte Lösungen, Urteile etc.

Der Begriff leitet sich aus dem Namen des biblischen Königs Salomo ab, dem damaligen Herrscher über Israel. Beispielhaft für seine göttliche Weisheit gilt folgende Geschichte:

Zwei Frauen in Begleitung eines Kindes traten vor den König Salomo und behaupteten jeweils, es sei das eigene. Salomo befahl daraufhin, das Kind zu zerschneiden und jeder Frau eine Hälfte zu geben, was die Zustimmung der einen Frau fand, die der anderen das Kind nicht gönnen wollte. Die andere bat jedoch, das Kind am Leben zu lassen und es der ersten Frau zu geben. Der König befand, die wahre Mutter müsse diejenige sein, der am Leben des Kindes mehr lag als am eigenen Gewinn.

Er hat den salomonischen Weg gewählt und einen Vorteil für alle Vertragspartner herausgeholt.

Ihre salomonische Antwort lautete: Beide haben Recht, auf ihre jeweils eigene Weise.

ostentativ

Das Adjektiv ostentativ bedeutet „in herausfordernder oder in provozierender Weise“.

Es gehört zur Bildungssprache und ist im Alltag oder in der Umgangssprache entsprechend selten zu hören. In der Schriftsprache findet es weit mehr Verwendung, vor allem in Nachrichten und Berichten zu politischen Themen.

Das Adjektiv geht zurück auf das lateinische Verb ostentare, was soviel bedeutet wie „darbieten“ oder „prahlend zeigen oder herausstellen“.

Er wendete sich ostentativ ab, um sein fehlendes Einverständnis deutlich zu machen.

Nach den letzten verlorenen Wahlen hat die Parteispitze auf allen Pressekonferenzen ostentativ Geschlossenheit und Einigkeit demonstriert.

Als sie ihn wegen der unbezahlten Rechnungen zur Rede stellte, schwieg er ostentativ.