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  • fungieren

    Fungieren ist das weniger gebrĂ€uchliche Verb zum Substantiv „Funktion“. Es ist dem lateinischen fungi „vollziehen, vollbringen, einer Angelegenheit GenĂŒge leisten“ entlehnt und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Wenn jemand als etwas fungiert, dann erfĂŒllt er eine gewisse Aufgabe, dient einem gewissen Zweck oder verrichtet eine gewisse TĂ€tigkeit. Wenn eine Sache als etwas fungiert, dann wird sie nicht selten in ĂŒberraschender oder nicht offensichtlicher Weise gebraucht.

    Sie fungierte in dieser schwierigen Phase als Vermittlerin zwischen den zerstrittenen Parteien.

    Die CD-Schublade fungierte als Kaffeetassenhalter.

    Als das Wesentliche kommt hier hinzu, daß das Geld ĂŒberhaupt in spezifischen »GeldgeschĂ€ften« ein ganz besonderes Wesen annimmt, d. h., wenn es nicht als Tauschmittel in bezug auf andere Objekte, sondern als zentraler Inhalt, als fĂŒr jetzt nicht ĂŒber sich hinausweisendes Objekt der Transaktion fungiert.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

  • in flagranti

    Der Ausdruck in flagranti bedeutet „auf frischer Tat“, „bei der Tat“.

    Das lateinische in (crimine) flagranti bedeutet soviel wie „wĂ€hrend des heißen (Verbrechens)“ (vgl. flagrantia = die Glut). Heiß ist ein Verbrechen natĂŒrlich dann, wenn es aktuell stattfindet oder gerade stattgefunden hat. Ertappt man also jemanden in flagranti, so erwischt man ihn konkret beim Begehen einer Missetat.

    Sie erwischte ihren Gatten mit der KĂŒchenhilfe in flagranti im GartenhĂ€uschen.

    Dieses Talent zeigten die BÀnkler schon bald nach dem Ersten Weltkrieg, als sie den französischen Nachbarn anboten, ihr Geld am Fiskus vorbei in der Schweiz anzulegen. Der französischen Polizei gelang es 1932 gar, die Chefs der Basler Handelsbank in flagranti zu erwischen, als diese in Paris Geld entgegennahmen. Drei Jahre spÀter legte die Schweiz daher gesetzlich fest, dass ein Offizialdelikt begeht, wer Kundendaten preisgibt. Dies war die Geburtsstunde des Schweizer Bankgeheimnisses.
    Dirk Böttcher und Lukas Kistler, SchwyzerdĂŒtsch – Deutsch, brand eins 10/2009.

  • Paradigma

    Ein Paradigma (das) ist im alltĂ€glichen Sprachgebrauch meist ein exemplarisches, breite Anerkennung findendes Muster. Das zugehörige Adjektiv paradigmatisch bedeutet „beispielhaft“.

    Das Wort kann verwendet werden, um auf Theorien, Maßgaben oder Denkschemata hinzuweisen, insbesondere dann, wenn diese von allgemeiner Akzeptanz oder zumindest GĂŒltigkeit geprĂ€gt sind.

    Wird ein Paradigma obsolet, kann es durch ein anderes ersetzt werden. So kann beispielsweise ein Regierungswechsel, der mit einem Wechsel der politischen Ausrichtung der Regierung verbunden ist, als Paradigmenwechsel bezeichnet werden.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im griechischen parådeigma (Muster, Modell, Beispiel).

    Das Paradigma streng hierarchisch aufgebauter interpersoneller Beziehungen hat ausgedient.

    Der Austausch des Trainers brachte einen abrupten Paradigmenwechsel mit sich, auf den sich die Spieler erst einstellen mussten.

    Die Versuche, die Inflation ĂŒber die Geldmenge zu steuern, scheiterten daher. Makroökonomen verbannten daraufhin das Geld aus ihren Modellen – die Notenbanken sollten die Wirtschaft ĂŒber die Zinsen steuern, lautete das neue Paradigma.
    Norbert HĂ€ring (2011), Die RĂŒckkehr des Monetarismus, Zeit Online 20.12.2011.

  • Eloquenz

    Das Substantiv Eloquenz (die) bedeutet „Redegewandtheit” oder auch „Sprachfertigkeit”.

    Als Eloquenz bezeichnet man die FĂ€higkeit, sich einer bestimmten Sprache zu bedienen, also sie zu verstehen und interpretieren zu können. Eloquenz geht ĂŒber die Grundlagen der Kommunikation in einer Sprache hinaus und beinhaltet den sicheren Umgang auch mit komplexen Stilmitteln und der Grammatik dieser Sprache.

    Die Herkunft des Begriffs ist das lateinische Wort eloquentia „Beredsamkeit” und das ebenfalls lateinische eloqui „ausdrĂŒcken”, „aussprechen”.

    Seine in der Schule erworbene Eloquenz ist wirklich beeindruckend fĂŒr ein Kind seines Alters.

    Um als Journalistin oder Journalist tĂ€tig zu sein, sollte man ein gewisses Maß an Eloquenz besitzen.

  • Interna

    Der Begriff Interna bedeutet „Dinge, die die inneren Angelegenheiten betreffen“ oder „Dinge, die nur bestimmten Personen zugĂ€nglich sind“.

    In den meisten FĂ€llen werden mit Interna im deutschen Sprachraum Informationen bezeichnet, die nicht fĂŒr die Öffentlichkeit bestimmt sind. Synonyme fĂŒr Interna können zum Beispiel vertrauliche Daten oder geheime Unterlagen sein.

    Interna ist die Mehrzahl von Internum, wobei im Deutschen auch dann der Begriff Interna gebraucht wird, wenn keine Mehrzahl vorliegt.

    Das Wort leitet sich vom Lateinischen internus ab, was „im Inneren“ bedeutet.

    Erst als ein Insider der Presse schockierende Interna  zuspielte, erfuhr die Öffentlichkeit von den arbeitnehmerfeindlichen ZustĂ€nden im Unternehmen.

    Auslöser fĂŒr den Druck auf Strobl waren dessen Äußerungen zum Sicherheitskonzept fĂŒr Sigmaringen, die manche als Ausplaudern von Interna verstehen.
    Unter Druck: Strobl startet die Gegenoffensive – Kara Ballarin, schwaebische.de, 02.04.2018

     

  • Metanoia

    Das Substantiv Metanoia beschreibt allgemein eine „Änderung der eigenen Auffassung zu bestimmten Dingen“.

    Der Begriff wird hĂ€ufig in einem religiösen Kontext verwendet. So bedeutet Metanoia in diesem Zusammenhang auch „Buße“. Die Buße spielt unter anderem in den verschiedenen Strömungen des Christentums, im Judentum, im Islam und auch im Buddhismus eine Rolle. In den orthodoxen Kirchen steht der Begriff Metanoia fĂŒr die Kniebeugung und Verneigung bis zum Boden.

    In philosophischen ZusammenhĂ€ngen wird der Begriff fĂŒr die grundlegende Änderung der eigenen Lebenseinstellung verwendet. Im alltĂ€glichen Sprachgebrauch wird das Wort im deutschen Sprachraum nicht verwendet.

    Das Wort Metanoia stammt aus dem Griechischen. Metanoia (ÎŒÎ”Ï„ÎŹÎœÎżÎčα) kann mit Reue oder SinnesĂ€nderung ĂŒbersetzt werden.

    Er war auf den ersten Blick ĂŒberhaupt nicht wieder zu erkennen und wirkte wie ausgewechselt. Spielte er das nur vor, oder hatte er tatsĂ€chlich seine persönliche Metanoia erlebt?

  • attestieren

    Das Verb attestieren bedeutet „bestĂ€tigen“ oder „bescheinigen“ oder auch „etwas zugestehen“. Das dazugehörige Substantiv lautet Attest, welches im deutschen Sprachraum fĂŒr eine medizinische Bescheinigung oder ein Gesundheitszeugnis steht.

    Der Ursprung beider Wörter liegt im gleichbedeutenden lateinischen Verb attestor.

    Wie auch immer man zu dieser Kunstepoche stehen mag, mangelnden Experimentierwillen kann man ihr nicht attestieren.

    Von den Ferndiagnosen seiner Berufskollegen, die dem PrÀsidenten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestieren, hÀlt er nichts.
    Dieser Psychiater gibt Amerika eine gnadenlose Diagnose, Birgit Schmid, nzz.ch, 07.04.2018

  • Kleptokratie

    Der Begriff Kleptokratie (die) bezeichnet einen Staat oder eine Herrschaftsform. Maßgeblich fĂŒr die Bezeichnung als Kleptokratie ist hierbei, dass Regierungen oder andere Herrscher eine unbegrenzte oder starke VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber BesitztĂŒmer und WertgegenstĂ€nde in ihrem Herrschaftsbereich haben. Die rechtsstaatliche Ordnung ist in einer Kleptokratie nicht vorhanden.

    Als Kleptokratien wurden zum Beispiel die Sowjetunion und das Russland der frĂŒhen neunziger Jahre bezeichnet. Auch Regime in Afrika, darunter in Nigeria oder Zaire, in Asien, zum Beispiel auf den Philippinen, und in allen anderen Erdteilen wurden bereits als Kleptokratien bezeichnet. Der Ausdruck Kleptokratie beinhaltet in sich selbst bereits eine starke Wertung und kann nicht neutral verwendet werden. Dieser Umstand erklĂ€rt sich aus der Herkunft des Begriffs.

    Das Wort Kleptokratie setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern ÎșλέπτΔÎčÎœ (klĂ©ptein), was  „stehlen“ bedeutet, und ÎșÏÎ±Ï„ÎŻÎ± (kratĂ­a), was „Staat“ oder „Herrschaft“ bedeutet, zusammen. Kleptokratie bedeutet also so viel wie „Herrschaft der Diebe“.

    In diesen Tagen starten die regierenden nationalistisch-wendekommunistischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen nun einen neuen Anlauf, die Kleptokratie zu legalisieren – und gehen dabei viel strategischer vor.
    Kleptokraten in RumĂ€nien – Mach dir die Taschen voll – Keno Verseck, spiegel.de, 08.04.2018

  • Bakschisch

    Der Begriff Bakschisch kann fĂŒr Trinkgeld, eine Spende oder ein kleines Geschenk stehen. Er wird auch als Synonym fĂŒr Schmiergeld verwendet. Das in der deutschen Sprache genutzte Wort Bakschisch geht auf das persische Wort ïș‘‎ïșšâ€Žïșžâ€Žï»Žâ€ŽŰŽ (Baáž«ĆĄiĆĄ) zurĂŒck, was ĂŒbersetzt Geschenk bedeutet.

    In vielen arabischen und orientalischen LĂ€ndern steht Bakschisch fĂŒr ein Trinkgeld oder eine andere kleine Hilfe. DarĂŒber hinaus findet der Begriff auch im deutschen Sprachraum eine immer grĂ¶ĂŸere Verbreitung. Hier wird der Ausdruck hĂ€ufig  – bezogen auf Bestechungen oder Schmiergeldzahlungen – auf ironische oder sarkastische Weise verwendet. Auch im arabischen und orientalischen Raum wird der Begriff im Zusammenhang mit Korruption verwendet.

    Das Bakschisch hat ganz sicher dabei geholfen, die Abfertigung an der Grenze zu beschleunigen.

    Wer in Ägypten, Marokko oder Tunesien allzu sparsam mit dem „Bakschisch“, also der „Gabe“, umgeht, gilt als geizig und arrogant.

    So viel Trinkgeld sollten Sie im Ausland geben, t-online.de, 08.04.2018

  • ad infinitum

    Ad infinitum ist eine lateinische Phrase, die ĂŒbersetzt „bis ins Unendliche“ oder „unbegrenzt“ bedeutet. Infinitum bedeutet dabei Unendlichkeit, ad lĂ€sst sich in diesem Zusammenhang als „zu“ oder „nach“ ĂŒbersetzen.

    Verwendung findet der Ausdruck ad infinitum vor allem in der Wissenschaftssprache, zum Beispiel im Bereich der Mathematik. Allerdings wird er auch verwendet, um sehr langwierige oder komplexe Prozesse und Strukturen zu beschreiben, auch wenn der Begriff Unendlichkeit dabei streng genommen nicht korrekt ist.

    Wir haben’s jetzt ad infinitum diskutiert und sollten langsam mal zur Entscheidung kommen.

    Perfekt ist die EU nicht. Sie wird es auch nie sein. Sie bleibt work in progress ad infinitum – aber so viel Fortschritt mĂŒssen andere erst mal hinbekommen.
    Europas Waffe ist die Idee – Ulrich Ladurner, zeit.de, 07.04.2018