• Fait accompli

    Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht ändern oder rückgängig machen lässt.

    Die Redewendung wurde unverändert aus dem Französischen übernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

    Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli präsentiert.

    Bei seinem verspäteten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Fait accompli zu fügen.

  • kontemplativ

    Das Adjektiv kontemplativ bedeutet „beschaulich“, „untätig“ oder „besinnlich“.

    Eine kontemplative Stimmung ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit geistigen Inhalten.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen contemplativus (beschaulich, betrachtend, theoretisch).

    Er ist eher kontemplativer Natur, kein extrovertierter Draufgänger, sondern in sich gekehrt und oft in Gedanken versunken.

    Für die einen ist der eigene Geburtstag stets von ausgelassenem Feiern begleitet, für die anderen ein Anlass zu kontemplativem Rückzug.

    Ein kurzer Besuch im Karstadt-Kaufhaus in Hamburgs Innenstadt macht sicher. In den oberen Etagen herrscht, wenige Tage nach Ende des Winterschlussverkaufs, eine kontemplative Stimmung. Einige wenige Kunden stehen lustlos zwischen den Angeboten herum.
    Wolf Lotter (2003), Wert-Arbeit, brand eins 02/2003.

  • distinguiert

    Das Adjektiv distinguiert beschreibt etwas, was sich vornehm von anderem unterscheidet, teils geradezu edel oder sogar aristokratisch wirkt.

    Oft wird der Begriff benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich durch ihr betont gewähltes Auftreten bzw. entsprechende  Taten oder ein entsprechendes Erscheinungsbild von anderen abheben. Ebenfalls können Taten als solche, Merkmale oder Orte als distinguiert bezeichnet werden.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische distinguere (unterscheiden, auszeichnen) bzw. das analog zur deutschen Bedeutung gebrauchte französische distinguer.

    Sein distinguiertes Auftreten hinterließ einen bleibenden Eindruck.

    Sie hüstelte distinguiert.

    Blanche de Sivry, eine große, fette Blondine, deren hübsches Gesicht dick mit Schminke belegt war, kam in Gesellschaft eines schmächtigen, mit großer Sorgfalt gekleideten Mannes von sehr distinguiertem Aussehen.
    – Émile François Zola (1880), „Nana“.

  • fakultativ

    Das Adjektiv fakultativ bedeutet „dem eigenen Ermessen überlassen“ oder „freiwillig“. Etwas kann als fakultativ bezeichnet werden, wenn es nicht verbindlich oder nicht unbedingt erforderlich ist.

    Der Begriff wurde aus dem Französischen entlehnt und hat seinen Ursprung im lateinischen facultas (Möglichkeit). Das entsprechende Gegenwort ist obligatorisch.

    Dein Erscheinen heute Abend ist zwar fakultativ, aber in jedem Falle wünschenswert.

    Das Ganze ist eine eher fakultative Veranstaltung, die man nur besuchen sollte, wenn man tatsächlichen Nutzen aus den angebotenen Vorträgen ziehen kann.

    Ferner: Darf der klassische Religionsunterricht durch eine Art multikulturellen Modells ersetzt werden – nämlich Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde (LER)? Und wenn ja: fakultativ oder obligatorisch?
    Marion Graefin Doenhoff (1996), Erziehung zur Kultur, DIE ZEIT, 13/1996.

  • konspirativ

    Konspirativ bedeutet so viel wie „geheim“, „illegal“ oder „verschwörerisch“.

    In diesem Sinne kann es benutzt werden, um auszudrücken, dass etwas einer Verschwörung oder einem Komplott dient, wie zum Beispiel eine Tätigkeit oder Zusammenarbeit.

    Konspirativ ist abgeleitet vom Substantiv „Konspiration“, welches dem lateinischen conspiratio (Komplott, Verschwörung, Übereinstimmung) entspricht.

    Die Verfechter der Regierung trafen sich zu konspirativen Treffen, um Pläne zu schmieden, welche zum Fall des Diktators führen sollten.

    Der Geheimbund trifft sich in einer konspirativen Wohnung, von der selbst aus den eigenen Reihen nur wenige Mitglieder wissen.

    Dass nun, einen Monat später, die Korruptionsvorwürfe gegen wichtige Unterstützer Erdoğans bekannt werden, ist deshalb wohl kaum Zufall, sondern nur die nächste, beabsichtigte Eskalation. Dafür spricht auch, dass die Details der Ermittlungen sehr schnell in der Gülen-nahen Presse landeten: Die genauen Summen, der vermeintliche Ablauf der konspirativen Treffen und Bestechungen.
    Lenz Jacobsen, Türkei: Mehr Wucht als die Gezi-Proteste, Die Zeit, 21.12.2013.

     

  • Aficionado

    Ein Aficionado ist ein begeisterter Liebhaber bzw. ein Enthusiast. Der Begriff wird oft in Bezug auf Dinge lateinamerikanischen oder spanischen Ursprungs verwendet, wie Tequila, Stierkampf oder insbesondere Zigarren. Er kann jedoch auch mit anderem Bezug gebraucht werden.

    Das Wort wurde aus dem Spanischen übernommen, wo es die gleiche Bedeutung trägt. Im Duden taucht es erst seit 2009 auf.

    Seinem Ruf als Zigarrenaficionado alle Ehre machend, hat er vor Kurzem eine beträchtliche Summe in einen neuen Humidor investiert.

    Fußball ist seit jeher seine große Leidenschaft. Als brennender Aficionado verpasst er kein Bundesligaspiel.

    Klugscheißer gibt es fast so viele wie schlechte Flaschen am Markt. Die Komplexität des Weintrinkens bringt es mit sich, dass mancher Aficionado glaubt, sich als Kenner der Lagen, Geschmacksträger und Ausbauverfahren präsentieren zu können, ohne entlarvt zu werden.
    Willmann (2004), Erforscht & Getrunken, DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17.

  • Quintessenz

    Die Quintessenz ist „das Wesentliche, Wichtigste“ oder der „Kerngedanke“, d.h. der zentrale Gedanke einer Diskussion, Überlegung etc.

    Der Begriff hat seinen Weg über das lateinische quinta essentia (das fünfte Seiende) ins Deutsche gefunden, das bei der Übersetzung der Lehren Aristoteles‘ entstanden ist. Im philosophischen Kontext meint die quinta essentia das ursprüngliche Element, den Äther, aus dem alle anderen Elemente entstanden seien.

    Ich habe deinen Vortrag nur zur Hälfte gehört. Kannst du mir noch einmal kurz die Quintessenz zusammenfassen?

    Die Quintessenz der vorangegangenen Überlegungen lässt sich eigentlich in einem Satz zusammenfassen: […].

    In der Quintessenz läuft das Buch auf eine neue Variante der Kollektivschuld-These hinaus. 95 Prozent der Deutschen, heißt es wiederholt, hätten direkt oder indirekt vom Massenraubmord profitiert.
    – Volker Ullrich (2005), Hitlers zufriedene Räuber, DIE ZEIT 10.03.2005 Nr.11.

  • Ambivalenz

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Ambivalenz eine Zwiespältigkeit oder Doppeldeutigkeit.

    In der Psychologie und der Psychiatrie versteht man unter Ambivalenz das Vorherrschen von inneren Spannungen, die durch das Nebeneinanderbestehen von gegensätzlichen Wünschen, Gefühlen und Vorstellungen hervorgerufen werden.

    Das Gegenwort zu Ambivalenz ist Eindeutigkeit.

    Ambivalenz stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern ambo (beidseitig) und Valenz (Wertigkeit).

    Die vorherrschende Ambivalenz in seinen Aussagen ist zum Verrücktwerden.

    Das Krankheitsbild ist geprägt durch emotionale Ambivalenz.

    Ein Arzt ist eine fesselnde, imponierende und manchmal auch verstörende Gestalt. Kinder erleben es vermutlich besonders stark, diese Ambivalenz aus Aura und Autorität, aus Heil und Schmerzen bringend.
    Christian Weymayr, Sag mal aaaaaaah!, brandeins, 01/2013

  • profan

    Das Adjektiv profan bedeutet „weltlich“, „alltäglich“ oder „gewöhnlich“, in Abgrenzung zum Göttlichen bzw. Gott Dienenden.

    Heute können nicht nur weltliche (d.h. nicht kirchliche) Dinge als profan bezeichnet werden, sondern allgemein auch alles Durchschnittliche, alles was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist.

    Der Begriff stammt vom lateinischen profanus (ungeheiligt, gewöhnlich) ab. Ein fanum ist ein Tempel oder ein anderer heiliger Ort, die Vorsilbe pro- bedeutet „anstelle von“ oder „vor“. Profanus meinte also wörtlich „außerhalb des Tempels“ oder „vor dem Tempel“.

    Der Wunderheiler materialisierte sich nicht plötzlich – wie erhofft – in einer dichten Nebelwolke inmitten des Raumes, sondern kam ganz profan mit dem Opel Corsa daher.

    Unserer Bekannten schwant, dass sie mit Kreuzfahrtroutiniers unterwegs ist. Und dass sie die Klopapierrolle in ihrer Handtasche, gedacht als Luftschlange beim großen Abschied, einem profaneren Zweck zuführen muss.
    Karin Ceballos Betancur (2009), »Früher war mehr Messing«, DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26.

    Er sagte das wichtige Treffen ab, um sich stattdessen profaneren Dingen zuzuwenden. Das Bad putzte sich schließlich nicht von allein.

  • Credo

    Ein Credo ist ein Glaubensbekenntnis oder ein Leitsatz.

    Übernommen wurde es – substantiviert – vom lateinischen credo (ich glaube, zu credere = glauben), dem ersten Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis:

    Credo in Deum,
    Patrem omnipotentem,
    Creatorem caeli et terrae.

    In der ursprünglichen Bedeutung ist religiöses Glauben gemeint, während ein Credo heute auch in anderem Kontext für einen Leitsatz oder eine Parole stehen kann, wie die folgenden Beispiele zeigen.

    Sein Credo lautet offenbar: „Viel hilft viel“.

    Mit dem Credo, in jeder Situation das entscheidende Bisschen besser zu sein als die Konkurrenz, schafften sie es, Marktführer zu werden.

    Das Credo des Präsidenten, sich von Almosen unabhängig zu machen, steht in krassem Gegensatz zur immensen Entwicklungshilfe, die in sein Land fließt.
    Grill, Jeska (2009), Der Antreiber, DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05.

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