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  • Lapsus

    Der Lapsus ist ein Fehler, ein Ausrutscher oder eine Ungeschicklichkeit. Im Lapsus schwingt auch die Peinlichkeit mit. Die Mehrzahl lautet ebenfalls Lapsus, sie wird aber so gut wie nie verwendet. Spricht ein Psychologe von einem Lapsus, meint er einen „Freud’schen Versprecher“.

    Das lateinische Substantiv lapsus (das Gleiten, das Fallen) wurde direkt in die deutsche Sprache ĂŒbernommen.

    Ein Lapsus kostete den FC Strauchelingen die TabellenfĂŒhrungen: Beim Torschuss stolperte KapitĂ€n Hinke ĂŒber den Ball und vergab die Chance auf den Siegestreffer.

    Nach dem Galaempfang in der japanischen Botschaft bedankte sich der Leiter der amerikanischen Handelsdelegation in lupenreinem Mandarin fĂŒr den ĂŒberaus gelungenen Abend. Dieser Lapsus trĂŒbte die japanisch-amerikanischen Beziehungen fĂŒr einige Tage merklich.

  • perplex

    Das Adjektiv perplex bedeutet, in einer Situation ĂŒberrascht oder verblĂŒfft zu sein und daher nicht zu wissen, wie man reagieren soll. Synonyme zu perplex wĂ€ren beispielsweise „verwirrt“, „durcheinander“, „ĂŒberrascht“ und „sprachlos“.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen Wort perplexus, was so viel wie „wenn im Zweifel“ bedeutet, aber auch mit „verschlungen“ oder „verworren“ ĂŒbersetzt werden kann. Im Französischen findet sich der Ausdruck perplexe, welcher identisch zum deutschen Wort perplex verwendet wird.

    Nach dem ersten Blick auf die Klausurfragen wirkten viele Studenten perplex, denn sie hatten etwas völlig anderes erwartet.

    Auf die Niederlage seines Teams reagierte der Trainer völlig perplex.

    Michelle Obama sah damals ziemlich perplex aus, als ihr Melania Trump eine blaue Geschenk-Schachtel ĂŒberreichte.
    – Melania Trump – EnthĂŒllt! Das schenkte sie First Lady Michelle Obama, 01.02.2018, Gala.de

  • lavieren

    Das schwache Verb lavieren bedeutet im ĂŒbertragenen Sinne „geschickt durch etwas hindurch oder um etwas herum steuern“. Es stammt aus dem nautischen Sprachgebrauch und bezeichnete dort die Technik zum Segeln gegen den Wind mittels eines Zickzackmanövers.

    Seinen Ursprung hat das Wort im niederlÀndischen laveren (schwankend gehen) beziehungsweise im französischen lovier (kreuzen).

     Er lavierte geschickt um das Thema herum.

    Am Ende meines Lebens hatte ich das GefĂŒhl, mich trotz allem doch immer gut hindurchlaviert zu haben.

    Denn das Sinfonieorchester von Detroit, das nahezu ohne staatliche Subventionen auskommen muss, laviert am Rande der Insolvenz, seit 2008 die weltweite Finanzkrise und die Malaise der amerikanischen Autoindustrie die Stadt gleichzeitig heimsuchten.
    JĂŒrgen Kalwa (2012), Der MĂ€zen rockt, DIE ZEIT, 3.5.2012 Nr. 19.

  • Aversion

    Aversion bedeutet „Abneigung“ oder „Widerwille. Eine Aversion ist meist eine gesteigerte Form der Abneigung, bis hin zu Hass oder Feindseligkeit.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen aversio (abwenden).

    Unter ihrer Aversion gegen Brotdosen aus Kunststoff hatten auch ihre Kinder in der Schule zu leiden, die wegen der unpraktischen Holzkisten fĂŒr das Pausenbrot den Spott der anderen auf sich zogen.

    Primus versucht gar nicht erst, seine Aversion in Watte zu packen: „Sehr oft wird bei „Öko-Test“ nach belastenden Stoffen gesucht. Das ist die einzige Untersuchung, die stattfindet. Der Verbraucher, der dann liest , „Öko-Test“: gut‘, geht sicher davon aus, dass das Produkt auch in der Wirkweise untersucht wurde und nicht nur auf Schadstoffe. Werden Schadstoffe gefunden, wird das Produkt oft undifferenziert abgewertet. Gesetzliche Grenzwerte finden keine BerĂŒcksichtung. Das ist in der Methodik ziemlich dĂŒnn.“
    – Peter Laudenbach (2008), Angst essen Orientierung auf, brand eins 04/2008.

  • kulminieren

    Das Verb kulminieren bedeutet „den Höhepunkt erreichen“. In der Astronomie wird der Begriff zudem verwendet, wenn etwas den tiefsten oder höchsten Stand bezĂŒglich des Horizontes einnimmt.

    Das Verb wird relativ selten verwendet. Am hÀufigsten wird es in der Wissenschaftssprache eingesetzt.

    Das Verb leitet sich von dem französischen Wort culminer fĂŒr „den Höhepunkt erreichen“ oder „seinen höchsten Punkt haben“ ab.

    Das Doppelsternsystem kulminiert heute Nacht um 1 Uhr.

    Das Fehlen jeglichen Geschmacks kulminierte im Tragen einer glÀnzenden, pinkfarbenen Strumpfhose.

    Die Begeisterung kulminierte, als der Hauptdarsteller auf die BĂŒhne trat.

  • obskur

    Das Adjektiv obskur bedeutet „unklar“, „zweifelhaft“, „unverstĂ€ndlich“ und beschreibt Dinge, Organisationen, Personen etc. als von zweifelhafter, nicht nĂ€her bekannter Herkunft, als undurchschaubar und verdĂ€chtig.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische obscurus (dunkel, unbekannt, unklar, unverstÀndlich).

    Die obskure Sekte machte in letzter Zeit mit Selbstmordwellen unter ihren Mitgliedern Schlagzeilen.

    Ob seines obskuren Verhaltens bin ich mir nicht sicher, ob ich es mit einem Genie oder einem Wahnsinnigen zu tun habe.

    Der VerdĂ€chtige verschwand schließlich in einer obskuren Kneipe, die er erst in den frĂŒhen Morgenstunden wieder verließ.

  • hermeneutisch

    Das Adjektiv hermeneutisch bedeutet „auslegend“ oder „erklĂ€rend“. Es beschreibt damit die Art der Aufarbeitung eines Textes, einer Rede, eines MusikstĂŒcks, eines Ereignisses o.Ă€. Dementsprechend ist die Hermeneutik die Kunst der Interpretation.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische hermēneĂșein (deuten, auslegen).

    Bei seiner Kritik an dem Roman lehnte er sich hermeneutisch derart weit aus dem Fenster, dass er nicht mehr ernst genommen wurde.

    Die hermeneutische Aufarbeitung von Texten bereits toter Autoren ist stets problematisch: „Was will uns der Autor damit sagen?“ Diese Frage brachte schon so manchen SchĂŒler an den Rand der Verzweiflung.

  • gerieren

    Das Verb gerieren bedeutet „sich auffĂŒhren“ oder „auftreten“, wobei die Art des Auftretens stets ebenfalls genannt werden muss. Man spricht in der Regel davon, dass sich eine Person als etwas geriert, wenn sie sich als etwas ausgibt, das nicht der Wahrheit entspricht.

    Gerieren leitet sich aus dem lateinischen gerere (tun, fĂŒhren, tragen) ab.

    Er geriert sich als Messias des deutschen Films, kaut jedoch nur gÀngige Hollywoodklischees wieder.

    Im dritten Teil der Batman-Trilogie geriert sich der von der Geschellschaft der Schatten ausgestoßene Bane als Befreier Gothams aus den HĂ€nden der dekadenten Oberschicht.

    Wielowskis Begeisterung fĂŒr Inszenierungen zeigte sich auch im Umgang mit seinen Klienten. Bezahlung hin oder her – keiner bekam seinen Titel fĂŒr lau, alle mussten tatsĂ€chlich so etwas wie eine »Doktorarbeit« abliefern. Wielowski meckerte, Wielowski lobte, er korrigierte und ließ umschreiben. Mitunter gerierte er sich sogar als Doktorvater, obwohl er vermutlich nie einen UniversitĂ€tshörsaal von innen gesehen hat.
    Egmont R. Koch (2012), Beim TitelhÀndler, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

  • pathetisch

    Das Adjektiv pathetisch bedeutet „ĂŒbertrieben feierlich/gefĂŒhlvoll“.

    Spricht man von einer pathetischen Ausdrucksweise, so meint man, dass sich jemand allzu dramatisch oder theatralisch und unnatĂŒrlich gefĂŒhlsbetont ausdrĂŒckt. Der Begriff wird oft abwertend gebraucht. Substantiviert spricht man vom Pathos.

    Der Ursprung liegt im griechischen pathētikós (leidenschaftlich, leidend).

    Seine pathetische Ansprache rief bei einigen GĂ€nsehaut, bei anderen WĂŒrgereize hervor.

    Er antwortete mit pathetischem Zittern in der Stimme.

    Nein, sie spottet auch ĂŒber Politiker, die lieber pathetische Ansprachen halten, als Probleme zu lösen. Sie misstraut solchen Rednern.
    – Bernd Ulrich (2012), Wie lange noch?, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

  • dilettieren

    Das Verb dilettieren meint, etwas ohne Expertise oder Fachwissen zu tun. Es beschreibt also die TĂ€tigkeit von einer Person, die sich (leidenschaftlich) einer bestimmten AktivitĂ€t, einem Hobby, der Wissenschaft oder einer kĂŒnstlerischen Richtung widmet, ohne Fachmann zu sein.

    Der Ausdruck wird weiterhin verwendet, um die fachliche Qualifikation von jemandem abwertend in Frage zu stellen.

    Das zugehörige Substantiv ist Dilettant.

    Seinen Ursprung findet „dilettieren“ im lateinischen Ausdruck delectare (erfreuen, amĂŒsieren).

    Er ist Doktor der Physik, dilettiert aber in seiner knappen Freizeit als RosenzĂŒchter.

    Er ist anerkannter RosenzĂŒchter, dilettiert aber in seiner Freizeit auf dem Gebiet der theoretischen Physik.

    Ist es gut, wenn Politiker so dilettieren?

    Paul: Ich halte es mit Helmut Schmidt: Ich bin kein Politiker. Ich bin ein Mensch, der sich mit Politik beschĂ€ftigt. Politik ist eine TĂ€tigkeit, die jedem BĂŒrger zusteht. Wir wollen Fachexpertise im Sinne der BĂŒrger in die Parlamente bringen.
    Michael Schlieben (2012), „Ich bin kein Politiker“, zeit-online 04/2012.