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  • immanent

    Das Adjektiv immanent bedeutet „innewohnend“ oder „in etwas enthalten“.

    Im Kontext der Philosophie bedeutet immanent, in den Grenzen möglicher Erfahrungen inne zu halten oder bei einem Standpunkt zu bleiben.

    Im heutigen Sprachgebrauch kann immanent fĂŒr folgende Synonyme verwendet werden: eingeschlossen, enthalten, inbegriffen, implizit oder inhĂ€rent.

    Der Begriff leitet sich vom lateinischen immanens bzw. immanere (bei etwas bleiben, anhaften) ab.

    Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind zu erlernende FĂ€higkeiten, die einem Studium schon immer immanent waren.

    Die Interpretation sollte rein textimmanent sein, hierbei fokussiert man zunÀchst nur den Inhalt und die sprachliche Gestaltung des Textes.

    Um ihre Zukunft und die ihrer Studenten macht sich das Paar keine Sorgen. „Aus Sicht eines Politikers ist Förderung ein politisches Steuerungsinstrument“, sagt er. „Auf dieses Instrument werden Politiker nie verzichten wollen. Es ist systemimmanent.“
    – Thomas Ramge (2011), Europa aktiv nutzen, brand eins 04/2011.

  • negieren

    Das Verb negieren bedeutet „abstreiten“, „leugnen“ oder „als nicht existent betrachten“.

    Ferner kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass einer Sache ablehnend gegenĂŒbergestanden wird. In der Sprachwissenschaft wird das Verb als Synonym fĂŒr verneinen eingesetzt.

    Der Begriff gehört zu den Fremdwörtern, welche verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hĂ€ufig verwendet werden. Dies trifft vor allem auf die Schriftsprache zu.

    Negieren leitet sich von dem lateinischen Verb negare ab, was „verneinen“, „abstreiten“ und „leugnen“ bedeutet.

    Angeklagte negieren vor Gericht hÀufig ihre Schuld.

    Jemand, der Atheist ist, negiert die Existenz von Gott.

    Ich negiere, dass ich jemals solche Gedanken hatte.

  • Allegorie

    Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

    Beispiele fĂŒr Allegorien:

    • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand fĂŒr Gerechtigkeit.
    • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht fĂŒr den Tod.

    In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, alsoÂ ĂŒber ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen grĂ¶ĂŸeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

    Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

    Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

    Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung fĂŒr den Tod fungiert.

    Gemeint sind die rĂ€tselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in FußgĂ€ngerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den BĂŒrgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und FatalitĂ€ten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
    Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT NÂș 46/2014

    Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des UnterhaltungsgeschĂ€fts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und MentalitĂ€t einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der AbgrĂŒnde des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmĂ€nnischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
    Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

  • postulieren

    Das Verb postulieren bedeutet (1) „fordern“, „unbedingt verlangen“ oder (2) „etwas behaupten“, „als gegeben hinstellen“.

    Speziell in der Philosophie meint postulieren weiterhin, etwas ohne Beweise vorlÀufig als wahr anzunehmen.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen postulare resp. poscere (fordern, verlangen) ab.

    Die deutsche Rechtsprechung postuliert ein Recht auf Bildung.

    In der Erziehung meiner Kinder postuliere ich ihren unbedingten Gehorsam.

    Eine komplette Abendgarderobe fĂŒr eine Frau, hat die Direktorin Breege O’Donoghue einmal postuliert, dĂŒrfe bei Primark nicht mehr als 50 Euro kosten, und zwar „fĂŒr alles, was man sieht, und alles, was man nicht sieht“.
    – Harald Willenbrock (2012), Schnell, schön und schlank, brand eins 01/2012.

  • kapriziös

    Das Adjektiv kapriziös bedeutet „launenhaft“ oder „eigenwillig“.

    Im deutschen Sprachgebrauch wird damit meistens eine launische, freche und unberechenbare Art von Personen oder Dingen beschrieben. Beispielsweise könnte man Menschen, die durch spontane, unerwartete und ĂŒberraschende EinfĂ€lle positiv bzw. negativ auffallen, als kapriziös bezeichnen. Auch Produkte, die z.B. durch ĂŒberraschende und unerwartete Resonanzen am Absatzmarkt auffallen, können kapriziös sein.

    Der Begriff ist aus dem französischen Wort capricieux (bzw. caprice = Laune) abgeleitet. Der französische Begriff wurde verwendet, um besonders freche und launische MusikstĂŒcke zu beschreiben.

    Nach einer langen Zeit der Stagnation sind in den letzten Jahren so viele Fortschritte auf diesem Gebiet erreicht worden, daß die Physiker jetzt zu wissen glauben, wie sie weiter arbeiten mĂŒssen, um das kapriziöse Plasma — die Ausgangssubstanz ihrer Experimente — endlich zu bĂ€ndigen.
    – Michael Globig (1971), Das kapriziöse Sonnenfeuer, Zeit-Online 18.06.1971

    Die Latino-SÀngerin machte ihrem Ruf als kapriziöse Diva wieder alle Ehre und nervte die anderen HochzeitsgÀste schon beim Essen.

    Die Probleme beim Schaltgetriebe des neuen Sportwagens – Kapriziöse Technik oder falsche Bedienung?

  • Surrogat

    Ein Surrogat ist ein – meist unzureichender – Ersatz fĂŒr etwas. So ist beispielsweise das Fernsehen ein Surrogat fĂŒr die Wirklichkeit oder AnalogkĂ€se ein Surrogat fĂŒr echten KĂ€se.

    Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen surrogare. Dieser Begriff aus der Politik beschreibt das Ernennen oder WĂ€hlen eines Amtsnachfolgers als Ersatz fĂŒr den bisherigen Inhaber des Amtes.

    Auf der tiefgekĂŒhlten Pizza ist mittlerweile kein echter KĂ€se mehr und auch keine echte Salami. Insofern steht die Fertigpizza stellvertretend als Symbol fĂŒr unser von Surrogaten verseuchtes, geradezu kĂŒnstliches Leben.

    Die gefĂŒhrte Wanderung durch den Amazonas ließ tatsĂ€chlich Abenteuerstimmung aufkommen. Dass sie lediglich ein Surrogat fĂŒr eine echte, von wirklichen Gefahren begleitete Expedition war, störte die wenigsten Mitglieder der kleinen Reisgruppe.

  • AmbiguitĂ€t

    Das Substantiv AmbiguitĂ€t drĂŒckt immer die „Mehr-“ oder „Doppeldeutigkeit“ einer Aussage, eines Sachverhaltes, Werkes oder Zeichens aus.

    Anwendung findet es vor allem im literatur-, musik- oder kunstwissenschaftlichen Bereich, wenn es um die AmbiguitÀt von Werken geht. Auch im sozialen oder juristischen Kontext wird der Begriff verwendet.

    Der Begriff geht zurĂŒck auf das lateinische Adjektiv ambiguus fĂŒr „doppel-“ oder „uneindeutig“.

    Aufgrund der AmbiguitÀt des Werkes entwickelten die Kritiker völlig verschiedene Deutungsweisen, wie vom Autor zweifellos beabsichtigt.

    Das Vexierbild zeichnete sich durch seine clevere AmbiguitÀt aus, die nicht jedem auf dem ersten Blick deutlich wurde, dann aber umso mehr faszinierte.

    Die AmbiguitĂ€t des Falls machte es fĂŒr die Geschworenen schwierig, eine Entscheidung darĂŒber zu fĂ€llen, wer der Schuldige sei.

  • kontradiktorisch

    Das Adjektiv kontradiktorisch leitet sich aus den beiden lateinischen Begriffen contra (gegen) und dicere (sprechen, sagen) ab. In der deutschen Sprache kann es in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden und bedeutet meist ’sich widersprechend‘.

    In der Logik kann die Beziehung zwischen zwei Aussagen kontradiktorisch sein. Das ist dann der Fall, wenn sowohl von der Wahrheit der einen Aussage auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann als auch von der Falschheit der einen Aussage auf die Wahrheit der anderen. Beide Aussagen können also nicht gleichzeitig falsch sein, eine von beiden ist immer wahr:

    Tief in der Nacht stand die Sonne am Himmel. (kontradiktorische Aussage)

    Alle F sind P aber einige F sind nicht P. (kontradiktorische Aussage)

    Der Begriff kontradiktorisch wird oft mit dem Begriff kontrÀr verwechselt. KontrÀr ist eine Beziehung zweier Aussagen, wenn von der Wahrheit der einen auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann, aber auch beide falsch sein können:

    Es ist Wochenende und es ist Mittwoch. (kontrÀre Aussage)

    In der Rechtswissenschaft sind kontradiktorische Verfahren solche, bei denen sich zwei streitende Parteien gegenĂŒber stehen und ermittelt werden muss, welche der beiden im Recht ist, also vor allem bei Zivilprozessen. Auch bei diesen ist es ja so, dass lediglich eine der beiden Parteien Recht bekommen kann, woraus sofort folgt, dass die andere im Unrecht ist.

  • dezidiert

    Das Adjektiv dezidiert bedeutet „entschieden“, „bestimmt“, „energisch“.

    Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

    Weitere Synonyme fĂŒr dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverstĂ€ndlich.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen Verb decidere (eigentlich, abschneiden).

    Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von MissverstĂ€ndnissen und Unklarheiten – ein fĂŒr allemal beendet werden konnte.

    Er besaß fĂŒr eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natĂŒrliche Klugheit, Wohlwollen, ErzĂ€hler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
    – Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

    Stefan Schaltegger, der Professor fĂŒr Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verĂ€ndert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der GeschĂ€ftsleitung dezidiert fĂŒr das Thema verantwortlich ist.“
    Thomas Ramge (2010), Die WohlfĂŒhl-Utopie, brand eins 05/2010 

  • Oxymoron

    Ein Oxymoron ist eine Begrifflichkeit oder eine rhetorische Figur, die sich aus zwei gegensÀtzlichen oder widersprechenden Begriffen zusammensetzt. Der Widerspruch kann hierbei in einem Begriff auftauchen, jedoch auch in einer Wortgruppe oder in einem Satz.

    Oxymora werden gelegentlich bewusst als Stilmittel eingesetzt um ggf. provokativ oder mahnend auf einen Missstand hinzuweisen, der in einem Widerspruch endet oder sich bereits in einem befindet. Ein Oxymoron kann im weitlÀufigen Kontext auch als kontradiktorisch verstanden werden.

    Der Begriff ist auf das griechische Wort oxĂœmƍron zurĂŒckzufĂŒhren, welches sich aus oxys (scharf[sinnig]) und moros (dumm, stumpf, trĂ€ge) zusammensetzt. GemĂ€ĂŸ der griechischen Übersetzung bildet das Wort an sich schon einen Widerspruch (scharf-stumpf).

    Bekannte Oxymora sind: bittersĂŒĂŸ, eile mit Weile, Hassliebe, Minuswachstum oder Regelausnahme.

    Meine Hoffnung ist nur Zerstörung, und mir wird lange nicht genug zerstört, gedrĂŒckt, gequetscht, gepeitscht usw. Die Deutschen können nun einmal nur mit dreifach sublimiertem Höllenstein zur Vernunft gebeizt werden. Schreiben Sie noch ein zehnfaches Oxymoron, mich bekehren Sie nicht. Was am blutigsten eingreift, ist am wohltĂ€tigsten.
    – Johann Gottfried Seume (1808), Freiheit und Recht.