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delektieren

Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
– Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.

apo­dik­tisch

Das Adjektiv apodiktisch hat zwei Bedeutungen.

Bildungssprachlich bedeutete es (eher abwertend) „keinen Widerspruch zulassend“ und beschreibt die Art, in der etwas vorgetragen wird.

In der Philosophie beschreibt es Aussagen oder Argumente als „unwiderlegbar“ oder „unumstößlich“.

Die Herkunft des Begriffs liegt im spätlateinischen apodicticus und geht zurück auf das gleichbedeutende griechische apodeiktikos.

Mit apodiktischem Nachdruck warnte er vor der Einführung der gemeinsamen europäischen Währung.

Wir schaffen das schon, erklärte sie apodiktisch.

Eine apodiktische Aussage ist zwingend wahr und kann nicht falsifiziert werden. Ihre Richtigkeit ist evident und unumstößlich.

Aber so allgemein hat selbst Hume den Empirismus nicht gemacht, um auch die Mathematik darin einzuschließen. Er hielt ihre Sätze für analytisch, und, wenn das seine Richtigkeit hätte, würden sie in der Tat auch apodiktisch sein, gleichwohl aber daraus kein Schluß auf ein Vermögen der Vernunft, auch in der Philosophie apodiktische Urteile, nämlich solche, die synthetisch wären, (wie der Satz der Kausalität,) zu fällen, gezogen werden können.
– Immanuel Kant (1788), Kritik der praktischen Vernunft.

kolportieren

Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

Das Fremdwortes gelangte über das französische Kolportage (Hausierhandel) ins Deutsche. Vertrieben wurde bei diesem Hausiererhandel mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur. Der Ursprung des Begriffs findet sich schließlich im lateinischen comportare (zusammentragen, liefern, tragen, bringen).

Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

Avantgarde

Avantgarde (die) bezeichnet eine Gruppe von Vorreitern auf einem Gebiet (meist der Politik oder der Kunst), die mit neuen Ideen grundlegende und oft langfristige Änderungen anstoßen. Dabei ist nicht nur die Neuartigkeit von zentraler Bedeutung, sondern auch die Abgrenzung zum Status quo durch Radikalität und bewusste Provokation.

Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen Militärjargon. Dort bezeichnet die avant-garde die Vorhut einer Truppe, deren Aufgabe das Ausspähen oder Hinhalten des Gegners ist, so dass die übrigen Truppenteile Zeit haben, sich taktisch aufzustellen und kampfbereit zu machen.

Die drei Künstler bilden die selbsterklärte Avantgarde der elektronischen Tanzmusik. Eine wachsende Anzahl begeisterter Fans und mehr und mehr Nachahmer geben ihnen Recht.

Heutige Hipster leben zumeist in westlichen Großstädten, ihr Leben verbringen sie im permanenten Updateprozess als eine Art Avantgarde des Konsums.
– David Hugendick (2013), Ironiker, der Lenz ist da, ZEIT ONLINE.

Trope

Eine Trope ist in der Rhetorik ein bildlicher Ausdruck oder ein Wort, welches nicht im eigentlichen, sondern im übertragenen Sinne gebraucht wird, wie zum Beispiel Metaphern, Ironie oder Metonymie.

Dementsprechend gelten „Bild“, „Übertragung“ oder „Verbildlichung“ je nach Kontext als Synonyme für Trope.

Trope ist abgeleitet vom griechischen tropḗ (Hinwendung, Richtung), zu trépein (wenden).

Neben der griechischen Form wird im deutschen Sprachgebrauch auch die lateinische Variante Tropus (Redefigur) verwendet.

Die Verwendung von Tropen im Dialog mit Nichtmuttersprachlern kann häufig zu Missverständnissen führen.

Sie schmückte ihre Rede mit Tropen aus, um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu gewinnen und eine Verbildlichung des Gesagten zu erzeugen.

Die Armen der Ärmsten, die er befreien wollte, hatten nie von einem Che gehört. Sie verstanden nicht einmal die Sprache des stolzen, weißen Argentiniers. Er sprach Spanisch, hier sprachen sie nur Quechua. Was für ein Missverständnis, was für eine traurige Trope der Geschichte.
Wolfgang Büscher, Ein Gringo sucht den Mythos Che, Die Zeit Nº 42/2005

Anachronismus

Ein Anachronismus (der) ist etwas nicht Zeitgemäßes, also (vom Fortschritt) Überholtes oder falsch zeitlich Eingeordnetes.

Überholt kann etwa eine veraltete Meinung oder Einrichtung, ein veraltetes Gerät oder Verfahren etc. sein.

Falsch zeitlich eingeordnet können in erster Linie Requisiten in Filmen, Theaterstücken etc. sein, die im entsprechenden Zeitkontext eigentlich nicht vorkommen dürften, beispielsweise MP3-Player in einem Film über den zweiten Weltkrieg.

Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende griechische anachronismos. Vgl. auch Chronos, das griechische Wort für den Fluss der Zeit, in Abgrenzung zum Kairos, dem herausstechenden, besonders wichtigen Zeitpunkt.

Der Film über den Aufstieg der Mafia in den Vereinigten Staaten bietet einiges an schauspielerischer Qualität. Viel zu moderne Autos, Musik, die es eigentlich erst in den 90er Jahren hätte geben dürfen, und eine Vielzahl weiterer Anachronismen lassen das Geschehen aber wenig glaubhaft wirken.

Das Amt ist ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als diese Aufgaben noch nicht vom Computer erledigt werden konnten.

Hasardeur

Ein Hasardeur ist jemand, der durch verantwortungsloses bzw. fahrlässiges Handeln ein hohes Risiko eingeht.

Die deutsche Aussprache folgt dem französischen Vorbild, in eingedeutschter Lautschrift also etwa „Hasardör“, mit Betonung auf der letzten Silbe.

Der Begriff wurde mit gleicher Bedeutung aus dem Französischen übernommen. Im Französischen ist der Ausdruck hasardeur seit dem 18. Jhd. nicht mehr gebräuchlich.

Er ist der reinste Hasardeur.

Manche sehen in Friedrich deshalb einen Hasardeur, der alles riskierte und aussichtslose Schlachten bis zur bitteren Niederlage weiterführte. In Kunersdorf rieten seine Offiziere ihm, angesichts der Unübersichtlichkeit des Geländes nach den Anfangserfolgen haltzumachen. Friedrich aber wollte die feindliche Armee nicht nur schwächen, sondern vernichten – und trieb seine Soldaten ins Verderben.
Andreas Molitor (2011), Unter dem Getöse von dreihundert Kanonen, ZEIT Geschichte.

forcieren

Das Verb forcieren bedeutet „(mit Gewalt) beschleunigen bzw. erzwingen“ oder „steigern“.

Der Begriff wird in unterschiedlichsten, meist planungstechnischen, Kontexten genutzt. Meist bedeutet er, dass Zwang ausgeübt oder große Anstrengung unternommen wird, um etwas zu erreichen.

Etwas zu forcieren heißt auch, etwas verstärkt zu beschleunigen.

Das Verb stammt aus dem Französischen forcer (sprengen, gewaltsam öffnen oder zwingen) ab. Dieses stammt wiederum vom lateinischen Adjektiv fortis, -e (stark, dauerhaft, tüchtig, gesund, kraftvoll, rüstig, mutvoll, mutig, tapfer) ab.

Weiterhin sind bestimmte Ziele im Rahmen der oppositionellen Arbeit zu forcieren.

Sein Lebenswerk besteht darin, die Errichtung eines gemeinnützigen Vereins zu forcieren.

Sie wissen, was Fortschritt in ihrer jeweiligen Branche bedeutet. Sie forcieren Innovationen im eigenen Haus, ringen um Entwicklung, beobachten Markt und Wettbewerb, messen einander und tauschen sich aus.
brand eins, Dr. Friedrich Schwandt, „Gut, besser, Innovator“, Jul. 2017

Zenit

Das bildungssprachliche Substantiv Zenit bezeichnet in der Astronomie den gedachten, höchsten Punkt des Himmelsgewölbes senkrecht zum Standort des Beobachters bzw. über einem bestimmten Bezugspunkt auf der Erde. In diesem Sinne gilt der Zenit als Scheitelpunkt.

Antonym zu Zenit ist der „Nadir“, also der Fußpunkt gegenüber dem Zenit.

Des Weiteren wird das Substantiv in der Bildungssprache gebraucht, um den [Zeit]punkt der höchsten Entfaltung oder Wirkung – mit anderen Worten also einen Höhepunkt – zu beschreiben. In diesem Sinne sind „Krönung“, „Maximum“, „Optimum“, „Finale“ oder „Klimax“ Synonyme zu Zenit.

Das Substantiv wurde im 16. Jahrhundert vom italienischen zenit (höchster Punkt, Höhepunkt) entlehnt, welches auf das arabisch samt ar-ra’s (Richtung des Kopfes, Scheitelpunkt) zurückgeht.

Heute Nacht um 2:30 Uhr wird der Stern im Zenit stehen.

Viele Kinder-Stars aus Hollywood haben schon vor ihrem Teenager-Dasein den Zenit ihres Ruhmes erreicht. Meist folgen darauf nur noch Skandale und Abstürze um Alkohol, Drogen und Sex.

Im Zenit der Euro-Krise wich die Notenbank zweimal von ihrem Rhythmus ab: Im Dezember 2011 und im Februar 2012 versorgte sie die Banken mit jeweils rund 500 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von etwa einem Prozent für drei Jahre.
Marcus Pfeil, Die Grenzer, Brandeins, 03/2013

Kontingent

Das Substantiv Kontingent bedeutet „anteilmäßig zu erbringende oder zu erwartende Leistung, Menge oder Anzahl“.

Synonyme sind Anteil, Dosis, Menge oder Portion, aber auch Truppenstärke.

Es geht zurück auf das französische Wort contingent und das lateinische contingens, welche beide gleichbedeutend sind.

Wir haben nur ein begrenztes Kontingent an Lebensmitteln zur Verfügung.

Das Kontingent wurde ausgeschöpft.

Was aber, fragt Krause, wenn ein Kind der 1001. Antragsteller ist – und damit nicht mehr unter das Kontingent fällt? „In diesem Fall verstieße die Kontingentierung gegen die UN-Kinderrechtskonvention.“
Zeit online, Sascha Lübbe, „Das Warten hat kein Ende“, 10.10.2018