• Kairos

    Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

    In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

    Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

    Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

    Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

    Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
    – Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

  • de facto

    Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

    Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

    Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

    Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

    Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

    Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
    Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

    Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
    Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

  • delektieren

    Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

    Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

    Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

    Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

    Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
    – Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.

  • konterkarieren

    Das Verb konterkarieren bedeutet „hintertreiben“ oder „durchkreuzen“.

    Pläne und andere Sachverhalte, vorrangig solche, die in irgendeiner Form zielführend sind, können konterkariert werden, d.h. sie werden unmöglich gemacht oder erschwert. Ihnen wird also – absichtlich, mitunter auch unabsichtlich oder sogar ungewollt – entgegengewirkt.

    Konterkarieren hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden französischen contrecarrer.

    Mit seinem Schweigen zu den Vorwürfen konterkarierte er die auf Transparenz und Ehrlichkeit setzende Kommunikationskultur, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hatte.

    Korruption konterkariert den fairen Wettbewerb am Markt.

    Mit seinen Aussagen konterkarierte er ungewollt die bisherigen politischen Bemühungen seiner Partei.

    Das vernünftige Ansinnen der Chinesen, ihre Devisenreserven im Ausland zu investieren, konterkariert Berlin mit protektionistischen Gesetzesvorhaben.
    Georg Blume (2007), Asien muss noch viel reicher werden, DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01.

  • kohärent

    Das Adjektiv kohärent bedeutet „zusammenhängend“, oft im Sinne von „logisch, schlüssig“.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische cohaerere (zusammenhängen).

    Klar ist, dass es einen umfassenden Wandel hin zu neuen Energien geben muss. Doch im Hauruckverfahren alte Kraftwerke abzuschalten macht noch keine kohärente Energiepolitik.

    Wir brauchen einen kohärenten Plan für das Projekt. Der erste Schritt ist zwar sehr wichtig, doch auch die darauf folgenden müssen wohl überlegt sein.

    Im Tai Ji aber ist der ganze Körper das Gehirn. Wenn sich Herz und Geist im Zentrum des Körpers befinden, wird sich der Körper anmutig, kohärent und effektiv bewegen. Erfolg entsteht, wenn alles verbunden ist, wenn jeder Teil dieselben Werte verfolgt.
    Ralf Grauel (2003), Der Tanzlehrer, brand eins 09/2003.

  • Kommission

    Das Substantiv Kommission (die) ist die Bezeichnung für einen „Ausschuss“ oder ein „Gremium“. Meist wird der Begriff verwendet, um eine Gruppe von Fachleuten zu beschreiben, die ausgewählt wurden, um ein Problem zu besprechen und zu bearbeiten.

    Eine andere Bedeutung hat der Begriff in der Kaufmannssprache. Bei einem Verkauf auf Kommission bzw. einem Kommissionsgeschäft wird ein Zwischenhändler mit der Abwicklung des Geschäfts beauftragt, während der eigentliche Verkäufer im Hintergrund bleibt. Der eigentliche Verkäufer erhält den Verkaufspreis abzüglich einer Gebühr erst dann, wenn der Verkauf abgeschlossen ist.

    Das Wort stammt aus dem mittellateinischen commissio „Auftrag“, „Vorladung“ und dem lateinischen commissio „Vereinigung“ oder „Verbindung“.

    Um die aktuelle Tierschutzsituation in Deutschland zu besprechen, wurde eine Kommission gebildet, der bereits erste Erkenntnisse vorliegen.

    Die Buchhandlung hat meine alten Bücher in Kommission genommen. Die Bücher werden in meinem Auftrag verkauft, die Verkaufserlöse werden mir am Ende des Jahres überwiesen.  Natürlich behält die Bücherei eine Gebühr für ihren Aufwand ein. Nicht verkaufte Bücher muss ich anschließend zurücknehmen.

  • approximativ

    Das Adjektiv approximativ bedeutet „ungefähr“. Es beschreibt also Aussagen zu Werten, Preisen, Beträgen etc. als angenähert und somit nicht ganz exakt.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen approximare (sich nähern).

    Wirtschaftliche Vorhersagen haben stets approximativen Charakter. Es spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle, die in den Modellen nicht berücksichtigt werden können.

    Er hatte die Aufgabe nur approximativ gelöst und bekam dafür Punktabzüge.

  • Delinquent

    Ein Delinquent ist ein Straftäter oder  auch ein Übeltäter im weiteren Sinne. Es muss also nicht zwingend eine strafrechtlich verfolgbare Tat vorliegen. So werden etwa neben strafunmündigen Kindern und Jugendlichen auch Personen als Delinquenten bezeichnet, die lediglich Ordnungswidrigkeiten begangen haben.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische delinquere (eine Verfehlung begehen).

    Der Delinquent hüllt sich zu den Vorwürfen bisher in Schweigen.

    Die Obrigkeit zu betrügen ist keine Sünde, sondern eher eine Tugend, die von „vivenza criolla“, von Bauernschläue und Pfiffigkeit zeugt. „Sie haben mich wegen Diebstahls geschnappt -aber nicht wegen Blödheit“, brüstet sich der Delinquent.
    – Carl D. Goerdeler (2002), Argentinien – oder die Kultur der Vergeudung, brand eins 01/2002.

  • Eloquenz

    Das Substantiv Eloquenz (die) bedeutet „Redegewandtheit” oder auch „Sprachfertigkeit”.

    Als Eloquenz bezeichnet man die Fähigkeit, sich einer bestimmten Sprache zu bedienen, also sie zu verstehen und interpretieren zu können. Eloquenz geht über die Grundlagen der Kommunikation in einer Sprache hinaus und beinhaltet den sicheren Umgang auch mit komplexen Stilmitteln und der Grammatik dieser Sprache.

    Die Herkunft des Begriffs ist das lateinische Wort eloquentia „Beredsamkeit” und das ebenfalls lateinische eloqui „ausdrücken”, „aussprechen”.

    Seine in der Schule erworbene Eloquenz ist wirklich beeindruckend für ein Kind seines Alters.

    Um als Journalistin oder Journalist tätig zu sein, sollte man ein gewisses Maß an Eloquenz besitzen.

  • Diaspora

    Eine Diaspora ist eine ethnische oder konfessionelle Gruppe, deren Mitglieder über weite Teile der Welt verstreut sind und somit in zahlreichen fremden Kulturräumen eine religiöse oder ethnische Minderheit darstellen. Weiterhin kann das begrenzte Gebiet in einem Land, in dem sich die Mitglieder einer solchen Minderheit aufhalten, als Diaspora bezeichnet werden.

    Beispiele für dieses Phänomen gibt es zahlreiche. So bilden etwa außerhalb Israels lebende Juden die jüdische Diaspora oder die über die ganze Welt verteilten Menschen chinesischer Abstammung die chinesische Diaspora.

    Der Begriff wurde direkt aus dem griechischen diaspora (Verstreutheit) übernommen und kommt bereits etwa 200 v. Chr. in der Septuaginta vor, der ältesten vollständigen Übersetzung der Tora in die altgriechische Gemeinsprache. Zunächst bezeichnete er jüdische Siedlungen im Exil und wird seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen auch in der oben beschriebenen, weiter gefassten Bedeutung gebraucht.

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