• redundant

    Der Begriff redundant hat seine Herkunft im lateinischen Wort redundare (re = zurück und unda = Welle) und bedeutet soviel wie „mehrfach vorhanden, überreichlich, wiederholt oder überzählig“. Sachverhalte oder Abläufe können redundant sein wenn diese mehrfach ausgeführt worden sind. Auch Produkte oder Daten können redundant sein wenn diese wenigstens doppelt vorhanden sind.

    Wenn Datensätze mehrfach an verschiedenen Orten vorhanden sind spricht man auch von redundanter Datenspeicherung. Prozesse sind oft nicht effizient, wenn Arbeiten doppelt ausgeführt werden. Auch hier spricht man von redundanten Prozessen.

    Auch die redundanten Sicherheitssysteme konnten den schweren Unfall in der Brennkammer nicht verhindern.

    Wenn in der sprachlichen Kommunikation redundante Informationen übertragen werden, so ist dies bei weitem nicht überflüssig, sondern sichert das korrekte Verständnis der Information.

    Eine redundante Ausführung von Sensoren und Bordcomputern ist im Flugzeugbau längst ein Standard, hierbei kann der Ausfall von einzelnen Komponenten durch parallel arbeitende Systeme kompensiert werden.

  • progressiv

    Das Adjektiv progressiv hat seine Herkunft im Lateinischen, wo progressus „Fortgang, Fortschreiten“ bedeutet. In der deutschen Sprache kann progressiv sowohl „fortschrittlich“ (im Sinne von modern) als auch „fortschreitend, sich steigernd“ meinen.

    In der ersten Wortbedeutung kann man somit Dinge und Sachverhalte beschreiben, die dem aktuellsten Stand der Dinge entsprechen, neue Ideen präsentieren, besonders modern sind, eventuell sogar mit Altem brechen, insbesondere auch im politischen oder künstlerischen Sinne.

    In der zweiten Wortbedeutung können Vorgänge als progressiv bezeichnet werden, die sich kontinuierlich und ohne nennenswerte Abweichungen in eine bestimmte Richtung entwickeln. Insbesondere im medizinischen Kontext werden so sich verschlimmernde Krankheitsverläufe charakterisiert.

    Der progressive Stil des Ensembles war nicht jedermanns Sache, brach er doch mit vielen altbewährten Elementen der Popmusik.

    Sie berief sich einerseits auf Traditionen, andererseits fanden besonders ihre progressiven Ansätze große Beachtung.

    Auch im Falle von Alzheimer kommt es meist zu einem progressiven Krankheitsverlauf, der sich mit therapeutischen Maßnahmen bestenfalls verzögern lässt.

  • manifestieren

    Der Begriff manifestieren leitet sich von dem lateinischen Verb manifestare ab, was wörtlich übersetzt soviel bedeutet wie „zeigen“ oder „deutlich machen“. Im heutigen Sprachgebrauch hat manifestieren die Bedeutung „sich oder etwas zu offenbaren“ oder „sich zu erkennen geben“ beziehungsweise „sichtbar werden“. Analog zur ursprünglichen Bedeutung kann es auch als Synonym für „deutlich machen“ oder „etwas zum Ausdruck bringen“ gebraucht werden.

    Das Wort wird im Sprachgebrauch meist angewandt wenn eine Steigerungsform der oben genannten Synonyme passend ist.

    Mit dem unvergleichbar hohen Eintrittspreis sollte die Exklusivität der Veranstaltung  manifestiert werden.

    Mit kleinen Aufklebern in Form eines Vereinslogos auf der Heckseite ihres Fahrzeuges manifestieren viele Fussballfans die Liebe zu ihrem Verein.

    Vielleicht wäre mehr Gerechtigkeit, mehr Wahrheit möglich, wo weniger Zwang zur Transparenz herrschte. Eine kommunikative Gesellschaft, die sich selbst transparent ist, ist ein Ideal der Aufklärung. Sie manifestiert sich aber heute als eine Gesellschaft totaler Kontrolle, des Verdächtigens, des Misstrauens und der Entblößung
    Oliver Link, Nur eine Maschine ist transparent, brand eins 07/2011

  • ad hoc

    Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafür“ lautet, drückt im deutschen Sprachgebrauch „dafür“ bzw. „hierfür“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im übertragenen Sinne kann damit auch ausgedrückt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unüberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym für ad hoc.

    Gemäß der Bedeutung wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv (siehe oben) ist. Die Verwendung unter der ursprünglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

    Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der Abschlüsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte Prüfungskommission kompensiert werden.

    Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing für seine Aktie machen können, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
    Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

    Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

    Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.

  • Kairos

    Der Kairos wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen und bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“. In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

    Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas besonderes und etwas seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

    Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

    Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
    – Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

  • elaboriert

    Die Herkunft für das Adjektiv elaboriert stellt der lateinische Ausdruck elaborare (etwas sorgfältig ausführen) dar. Die Bedeutung des Wortes ist im heutigen Sprachgebrauch nahezu analog, es kann also als Synonym für „sorgfältig ausgeführt“, „sorgfältig herausgebildet“ oder „hoch differenziert“ verwendet werden.

    Wenn man beispielsweise anmerken möchte, dass ein Sachverhalt oder eine Entwicklung besonders sorgfältig ausgeführt wurde respektive das Ergebnis einem maximalen Anspruch an Sorgfalt genügt, so spricht man von einem elaborierten Zustand. Im Kontext der Sprachwissenschaften spricht man auch von einem elaborierten Kode, wenn das Sprachniveau besonders ausgebildet ist.

    Der ausgeformte oder elaborierte Kode, so lesen wir in den verschiedenen Schriften des englischen Soziolinguisten Basil Bernstein und seiner Schüler, ist die Sprache der bürgerlichen Mittelschicht […], während sich die sozioökonomische Unterschicht der lohnabhängigen, handarbeitenden Bevölkerung mit den wesentlich einfacheren und dürftigeren Redestrategien des restringierten Kode begnügen muss.
    –  Harald Weinrich (1973), „Sprechen Sie elaboriert?“, Zeit-Online 26.10.1973.

    Auch die Körpersprache gehört zu einem elaborierten Kulturverständnis dazu.

    Durch eine fotorealistische Oberfläche und die intuitiv verständliche Softwarestruktur wird eine elaborierte Bedienbarkeit des Gerätes erreicht.

  • kapriziös

    Von dem französischen Wort capricieux (bzw. caprice = Laune) leitet sich das Wort kapriziös ab, was soviel wie launenhaft und eigenwillig bedeutet. Der ursprüngliche französische Begriff wurde verwendet, um besonders freche und launische Musikstücke zu beschreiben.

    Im deutschen Sprachgebrauch wird damit meistens eine launische, freche und unberechenbare Art von Personen oder Dingen beschrieben. Beispielsweise könnte man Menschen, die durch spontane, unerwartete und überraschende Einfälle positiv bzw. negativ auffallen, als kapriziös bezeichnen. Auch Produkte, die z.B. durch überraschende und unerwartete Resonanzen am Absatzmarkt auffallen, können kapriziös sein.

    Nach einer langen Zeit der Stagnation sind in den letzten Jahren so viele Fortschritte auf diesem Gebiet erreicht worden, daß die Physiker jetzt zu wissen glauben, wie sie weiter arbeiten müssen, um das kapriziöse Plasma — die Ausgangssubstanz ihrer Experimente — endlich zu bändigen.
    – Michael Globig (1971), Das kapriziöse Sonnenfeuer, Zeit-Online 18.06.1971

    Die Latino-Sängerin machte ihrem Ruf als kapriziöse Diva wieder alle Ehre und nervte die anderen Hochzeitsgäste schon beim Essen.

    Die Probleme beim Schaltgetriebe des neuen Sportwagens – Kapriziöse Technik oder falsche Bedienung?

  • d’ac­cord

    Das Adjektiv d’accord wurde direkt aus dem Französischen übernommen und bedeutet „einig, einer Meinung, einverstanden“. Die Aussprache folgt korrekterweise ebenfalls dem französischen Vorbild, vermischt sich in Deutschland aber naturgemäß häufig mit einem gewissen Akzent.

    Verwendet wird der Begriff um auszudrücken, dass man mit jemandem einer Meinung ist und beispielsweise seinen Vorschlägen zustimmt. So kann man mit einer Person d’accord sein oder – seltener und umgangssprachlicher – mit ihr d’accord gehen. Für sich stehend kann der Begriff auch als Ausruf zum Ausdruck des Einverständnisses gebraucht werden: „D’accord!“

    Da bin ich vollkommen d’accord mit Ihnen.

    In wenigstens dieser Angelegenheit musste er einfach zugeben, mit mir d’accord zu sein.

    Diesbezüglich gehen wir wohl d’accord.

  • philanthropisch

    Das Adjektiv philanthropisch entstammt dem griechischen philánthrōpos und beschreibt die Menschenfreundlichkeit. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass jemand besonders menschenfreundlich handelt oder denkt. Die ursprüngliche Bedeutung erweiternd, werden heutzutage auch wohltätige und gemeinnützige Denkweisen und Sachverhalte als philanthropisch bezeichnet.

    Wenn also eine Denkweise oder eine Handlung als wohltätig oder als Projekt für die Menschen gesehen wird, so kann philanthropisch als Kompliment für die Verantwortlichen verwendet werden.

    Auch Facebook lerne dazu. Am bemerkenswertesten aber habe sich, so Eck, Microsoft gemacht – und das nicht nur, weil Bill Gates und seine Frau Melinda sich mit ihrer philanthropischen Stiftung einen guten Ruf erarbeitet hätten.
    Ulf J. Froitzheim (2011), Dallas Digital, brand eins 09/2011

    Auch der hohe Erlös der Spenden für die Kinderhilfsprojekte war ein weiteres Indiz für den rein philanthropischen Charakter der Spendengala.

    Ohne nicht auch mal die eigenen Maximen und philanthropischen Denkweisen zu ignorieren, würde es uns vielleicht schwerer fallen, Missstände in der Gesellschaft zu verstehen.

  • Chuzpe

    Die Chuzpe ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit. Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

    Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner ursprünglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abhängig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht. Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als kühn und gewitzt bewerten.

    Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, führte dann aber später seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsfähig gewesen, könne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

    Huber […] redet Klartext: „Gott empört mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willkürliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
    Jan Küveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.

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