• konträr

    Das Adjektiv konträr wurde von dem französischen Wort contraire (entgegengesetzt, gegenteilig) abgeleitet, was wiederum seinen Ursprung im lateinischen contrarius bzw. contra  (gegen) findet. Als Fremdwort im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es ebenfalls „entgegengesetzt“ oder „gegensätzlich“. Weitere Synonyme sind unter anderem „gegenteilig“, „nicht vereinbar“, „verschieden“, „widersprüchlich“ oder „inkompatibel“.

    Man kann beispielsweise eine konträre Meinung haben, konträrer Auffassung sein oder auch konträre Ziele verfolgen.

    In der Rede des Vorsitzenden waren durchaus konträre Inhalte zu bemerken, was die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit seiner Worte in Frage stellen ließ.

    Die Geschäftsführung und die externen Berater hatten offensichtlich schon bei der Planung des Projektes konträre Ziele, was durchaus eine Erklärung für den Misserfolg sein könnte.

    Mir ist wichtig, dass das, was in der Stadt passiert, mit meinem eigenen Zustand kompatibel ist. Oder so konträr, dass es Spannung erzeugt und stimuliert. Wichtig sind vor allem die Menschen, ihre Stimmung, ihr Stil, Bewegungen, die eine ganze Generation prägen. Äußere Ästhetik, wie in Paris, ist mir nicht so wichtig.
    Dorotheé Junkers, Was kommt? – Die Kunst, brand eins 07/2001. 

  • Oxymoron

    Der Begriff Oxymoron ist auf das griechische Wort oxýmōron zurückzuführen, welches sich aus oxys (scharf[sinnig]) und moros (dumm, stumpf, träge) zusammensetzt. Ein Oxymoron ist eine Begrifflichkeit oder eine rhetorische Figur, die sich aus zwei gegensätzlichen oder widersprechenden Begriffen zusammensetzt. Der Widerspruch kann hierbei in einem Begriff auftauchen, jedoch auch in einer Wortgruppe oder in einem Satz. Gemäß der griechischen Übersetzung bildet das Wort an sich schon einen Widerspruch (scharf-stumpf).

    Ein Oxymoron wird immer bewusst als ein Stilmittel eingesetzt um ggf. provokativ oder mahnend auf einen Missstand hinzuweisen, der in einem Widerspruch endet oder sich bereits in einem befindet. Ein Oxymoron kann im weitläufigen Kontext auch als kontradiktorisch verstanden werden.

    Bekannte Oxymora sind: bittersüß, eile mit Weile, Hassliebe, Minuswachstum oder Regelausnahme.

    Meine Hoffnung ist nur Zerstörung, und mir wird lange nicht genug zerstört, gedrückt, gequetscht, gepeitscht usw. Die Deutschen können nun einmal nur mit dreifach sublimiertem Höllenstein zur Vernunft gebeizt werden. Schreiben Sie noch ein zehnfaches Oxymoron, mich bekehren Sie nicht. Was am blutigsten eingreift, ist am wohltätigsten.
    – Johann Gottfried Seume (1949), Freiheit und Recht.

  • äquivalent

    Das Adjektiv äquivalent stammt von dem mittellateinischen Wort aequivalens ab, was auf die lateinische Kombination aus aequus (gleich) und valere (wert sein) zurückzuführen ist. Im heutigen deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „gleichwertig“. Weitere Synonyme sind „angemessen“, „entsprechend“, oder „von entsprechendem/gleichem Wert“.

    Die Verwendung ist immer im Kontext von Vergleichen nützlich. Speziell in der Mathematik oder Chemie ist oft von äquivalenten Mengen die Rede, was in diesem Sinne bedeutet, dass die beschriebenen Mengen der Elemente einander umkehrbar eindeutig zugeordnet werden können.

    Um die Kompatibilität der Studiengänge zu gewährleisten, gibt es trotz den standardisierten Abschlüssen (Bachelor/ Master) noch Listen, die äquivalente Leistungen entschlüsseln.

    Lohn muss äquivalent sein – nur mit was?

    Der Betriebswirt Erich Kosiol hat 1962 das Äquivalenzprinzip eingeführt: Der Lohn müsse mit dem Anforderungsgrad einerseits und dem Leistungsgrad andererseits zusammenhängen.
    Stephan A. Jansen, Merkwürdigkeiten aus den Manegen des Managements: Reize der Anreize, brand eins 04/2009.

    Äquivalent“ und „gleichwertig“ sind zwei äquivalente Ausdrücke.

  • exaltiert

    Das Adjektiv exaltiert ist dem französischen exalter (begeistern) entlehnt. Im Deutschen hat es zwei Bedeutungen. Zum einen kann es „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“ bedeuten, zum anderen „übersteigert“ im Sinne von „extravagant, exzentrisch, verdreht“.

    Sowohl die erste als auch die zweite Bedeutungsebene eignet sich, um Personen oder das Verhalten derselben zu charakterisieren. Von welcher Bedeutung man ausgehen kann, hängt vom Kontext und dem Zeithorizont ab. Ist jemand in einer bestimmten Situation exaltiert, meint man in der Regel situativ hysterisches beziehungsweise übersteigert aufgeregtes Verhalten. Beschreibt man eine Person generell – also situativ unabhängig – als exaltiert, zielt man tendenziell eher auf die zweite Bedeutungsebene ab und möchte auf ihre exzentrische, eventuell wunderliche Art hinweisen.

    Im Sinne von „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“:

    In solchen Momenten reagiert sie immer wieder anstrengend exaltiert. Von einem natürlichen und maßvollen Verhalten kann dann keine Rede mehr sein.

    Seine Rede sollte begeistern, doch seine exaltierte Gestik machte den Effekt der sorgsam gewählten Worte zunichte.

    Im Sinne von „übersteigert“, „extravagant“, „exzentrisch“:

    Unter dem Szenevolk Hamburgs findet man so einige exaltierte Figuren.

    Bescheidenheit ist ein Zeichen der Volksnähe, der Bodenhaftung und Besonnenheit. Die exaltierte Selbstfeier bleibt dem Ausland, bleibt Madonna oder Prince vorbehalten.
    – Adam Soboczynski (2006), Kein Oscar für Bescheidenheit, Die Zeit Nr.11 vom 08.03.2007, S.62.

  • akut

    Das Adjektiv akut stammt von dem lateinischen Wort acutus ab, was soviel wie „scharf“ oder „spitz“ bedeutet.  Heute wird es im Deutschen für einen Zustand oder Sachverhalt verwendet, der im Augenblick herrschend ist bzw. der brennend, unmittelbar oder vordringlich vorliegt. Weitere mögliche Synonyme sind „aktuell“, „dringend“ oder „momentan“.

    Im Kontext der Medizin wird als akut ein Krankheitszustand beschrieben, der unvermittelt auftritt und/oder schnell und heftig verläuft. Außerhalb der medizinischen Verwendung kann der Begriff auch im Bezug auf andere dringende oder andauernde Sachverhalte gebraucht werden.

    Die damalige Frage der Giftmüllentsorgung ist auch heute noch akut.

    Ein akutes Beispiel für das Problem der Jugendkriminalität sind die Überfälle in der jüngsten Vergangenheit durch Minderjährige.

    Als 2007, vor Einführung von Chatter, durch das Versehen eines Salesforce.com-Mitarbeiters eine Kundenliste kopiert wurde, die Kontakt- und Fimennamen enthielt, Mailadressen und Telefonnummern, gab es danach zahlreiche Phishing-Angriffe auf Sales-force.com-Kunden. Die Frage bleibt akut: Vertraue ich der eigenen IT-Abteilung oder der eines anderen Unternehmens?
    – Christoph Koch, Facebook fürs Büro, brand eins 03/2012.

  • schmähen

    Der Begriff schmähen stammt aus dem Mittelhochdeutschen von dem Wort smæhen ab, ein verwandtes Wort ist ebenfalls die Schmach. Heute beschreibt es verächtliches Reden oder gar „beleidigen“, „beschimpfen“ bzw. „schlechtmachen“. Auch kann schmähen ein Synonym für „herabsetzen“, „lästern“ oder „durch den Schmutz ziehen“ sein.

    Jemanden zu schmähen ist eine etwas objektivere und nettere Beschreibung eines der oben genannten Sachverhalte. In der Satire werden Menschen oft geschmäht, jedoch ohne  ihnen böswillig Schaden zufügen zu wollen.

    Sie schmähten ihn aufgrund seiner auffallend geringen Körpermaße.

    Prominente bieten mit ihrem gelegentlich auffälligen Verhalten nicht selten eine Angriffsfläche, so dass sie in den einschlägigen Fernsehshows gerne geschmäht werden.

    Wir angeblich so fortschrittlichen Menschen teilen unser Leben mit, man muss das mal so deutlich sagen, einem Fossil aus der Kreidezeit der Informationstechnik. Man hört es ihm bloß nicht an, dass es kaum jünger ist als Lang-, Mittel- und Kurzwelle, die jeder von uns ohne Bedenken als vorsintflutlich schmähen würde.
    Ulf J. Froitzheim, Das Gute ist der Feind des Besseren, brand eins 12/2011.

  • kompatibel

    Das Adjektiv kompatibel hat seinen Ursprung im lateinischen Wort compati (mitfühlen). Im Deutschen wird es heute als ein Adjektiv für etwas verwendet, womit ausgedrückt werden soll, dass etwas in bestimmten Eigenschaften übereinstimmt. Weitere Synonyme sind „vereinbar“ oder „verträglich“.

    Eine beispielhafte Verwendung findet sich in der Medizin; wenn Blutgruppen kompatibel sind, eignen Sie sich für eine Transfusion. Wenn die Schnittstellen von technischen Geräten kompatibel sind, so können diese vernetzt werden bzw. miteinander arbeiten.

    Da gibt es noch viele, die jetzt erst anfangen, ihre PS auf die Straße zu bringen. Manche wissen noch nicht recht, wie es geht. Sie brauchen Hilfe, und sie brauchen natürlich auch Lösungen und Partner, die mit ihrem System kompatibel sind.
    – Gabriele Fischer, Christiane Sommer, Eine kleine Elite bestimmt das Ding, brand eins 06/2000

    Oft sind die Daten von Mac OS und Windows nicht miteinander kompatibel und von einem System ins andere überführbar.

    Modulare technische Systeme müssen untereinander kompatibel sein und über standardisierte Schnittstellen verfügen, damit keine Monopole entstehen und auch dritte Firmen einen Chance haben, ihre Produkte am Markt zu platzieren.

  • ubiquitär

    Das Adjektiv ubiquitär stammt aus dem Lateinischen, wo ubique soviel wie „überall“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch wird es als „allgegenwärtig“ oder „überall verbreitet“ verwendet.

    Ubiquitär kann gut verwendet werden, um eine bedingungslose Verbreitung oder Allgegenwärtigkeit eines Sachverhaltes, eines Gegenstandes, Konventionen, Meinungen oder auch von Organismen hervorzuheben. Beispielsweise spricht man in der Informationstechnologie von „ubiquitären Informationen“ oder in wirtschaftlichem Kontext von „ubiquitären Wirtschaftsgütern“.

    In Zeiten hoher Individualisierung wird die „Kraft der starken Marken“ als Königsweg zum Kunden gesehen. Ein Pfad mit zahlreichen Fallgruben: Irrtum 1: das ubiquitäre Branding, das heißt die zwanghafte Neigung, jede beliebige Kundenbeziehung zu markieren.
    – Franz Liebl, Die Marken-Seuche, brand eins 05/2001.

    Ethische Grundsätze sind überall und bedingungslos vertreten, sie sind ubiquitär.

    Radioaktivität ist ubiquitär in jedem Medium vorhanden, die Intensität ist jedoch in Erdnähe unkritisch. In höheren Lagen hingegen nimmt sie kontinuierlich zu.

  • Konnotation

    Der Begriff Konnotation entstammt den lateinischen Wörtern con (mit) und notatio (Aufzeichnung) beziehungsweise connatio (mit Beschreibung). Im deutschen Sprachgebrauch ist dieses Wort im Kontext der Linguistik anzutreffen und bezeichnet hier die Nebenbedeutung eines Wortes. Synonyme für Konnotation sind demnach „Nebenbedeutung“ oder „Nebensinn“.

    Das Wort beschreibt negative wie auch positive Assoziationen zu Dingen oder Sachverhalten. Somit kann jeder eine ganz unterschiedliche Konnotation zu etwas haben.

    Mit dem Wort „Arbeit“ verbinden viele Menschen eine negative Konnotation.

    Der Winter kann situationsabhängig ganz unterschiedliche Konnotationen haben.

    Deshalb ruft ein Markenlogo nicht überall die gleichen Konnotationen hervor. Eine Ratte wäre in Deutschland nicht unbedingt verkaufsfördernd, vielleicht bei einem Kammerjäger. In China dagegen stellt sie ein angesehenes Tierzeichen dar.
    – Karin Finkenzeller (2010), Schuss ins Gehirn, brand eins 08/2010.

  • ambivalent

    Das Adjektiv ambivalent bedeutet „zwiespältig“ oder „doppeldeutig“.

    Man bezeichnet etwas als ambivalent, wenn mehrere Deutungsebenen nebeneinander existieren. Diese können dabei durchaus gegensätzlicher Natur sein, ohne ihre jeweilige Gültigkeit zu verlieren.

    Ebenfalls kann man das Adjektiv substantivieren und von der Ambivalenz einer Sache sprechen.

    Der Begriff entstammt dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus ambi- (von zwei Seiten, herum) und valens (stark, mächtig).

    „Jede Minute zählt“ lautet der Untertitel des Buches, das Birgitt Kollmann mit feinem Gespür für die ambivalente Stimmung des Romans ins Deutsche übersetzt hat. Der leukämiekranke elfjährige Sam und der zwei Jahre ältere Felix, die sich im Krankenhaus angefreundet haben, sind fest entschlossen, jede Minute ihres kurzen Lebens auszukosten.
    – Hilde Elisabeth Menzel (2009), LUCHS des Jahres 2008, Die Zeit, 15.01.2009 Nr. 04.

    In Bezug auf den letzten Punkt drückte er sich äußerst ambivalent aus, so als wisse er selber gar nicht ganz genau, wo die Reise hingehen sollte.

    Bei seinem Anblick wurde sie von ambivalenten Gefühlen überflutet. Einerseits hasste Sie ihn für das, was aus ihm geworden war, andererseits liebte sie ihn nach wie vor innig und aufrichtig.

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