Auf neueswort.de lernen Sie täglich ein Fremdwort. Direkt auf der Website oder im kostenlosen Newsletter.

aggregieren

Das Verb aggregieren bedeutet „anhäufen“, „zusammenballen“, „zusammenführen“ oder „zusammentragen“. Oft spricht man etwa davon, dass Informationen oder Daten aus unterschiedlichen Quellen aggregiert werden. Häufig wird der Begriff auch als Adjektiv gebraucht, so dass man von aggregierten Daten und Informationen spricht.

Ursprung des Ausdrucks ist das lateinische aggregare (beigesellen, anhäufen).

Natürlich lassen sich die Meinungen Einzelner zu politischen Strömungen aggregieren. Doch umso mehr Einzelinteressen dabei zusammengeballt werden, desto weniger gut beschreibt das Gesamtbild am Ende das Individuum.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen eines Landes, allen voran das Bruttoinlandsprodukt, sind stets stark aggregierte Größen.

Was ist denn Kapitalismus? Eine Staatsform? Ein politisches System? Ist es nicht vielmehr die Konsequenz des Eigennutzes, die Menschen dazu motiviert, ihr Vermögen und ihre Arbeit einzusetzen? Also das aggregierte Gewinnstreben aller?
Dietrich Briese (2005), Rechnet nach, was es kostet, DIE ZEIT.

impertinent

Das Adjektiv impertinent bedeutet „unverschämt“, „vorlaut“ oder „frech“. Es kann verwendet werden, um Personen sowie deren Verhalten und Handeln zu beschreiben.

Der Begriff geht zurück auf das lateinische impertinens (nicht dazugehörig, nicht sachdienlich).

Auf die Ermahnung der Lehrerin wusste er außer einem impertinenten Grinsen nichts zu entgegnen.

Sein ständigen, impertinenten Sticheleien sind für die Kollegen schwierig zu ertragen.

Immer wieder schien in den Fragen die Unterstellung auf, sie – die Kanzlerin – sei in der Politik kaum sichtbar. Gerhard Schröder wäre bei der dritten entsprechenden Äußerung patzig geworden, hätte sich persönlich angegriffen gefühlt und den Kamm aufgestellt. Helmut Kohl hätte es impertinent genannt und es sich verbeten. Merkel nahm es gelassen, entschärfte mit Scherzen die Stimmung, blieb sachlich.
Kai Biermann (2007), Die Montessori-Kanzlerin, ZEIT online.

Hausse

Eine Hausse ist ein Aufschwung. Das Wort ist speziell auch fester Teil der Börsensprache und beschreibt den positiven Trend von Wertpapierkursen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung manifestiert sich also in Form steigender Börsenkurse. Jedoch werden auch Kursanstiege, die nicht durch einen realwirtschaftlichen Aufschwung, sonder etwa durch spekulative Geschäfte zustande gekommen sind, als Hausse bezeichnet.

Der Begriff der Hausse wurde direkt aus dem Französischen übernommen, wo hausse „Erhöhung“ bedeutet.

Die jüngste Hausse der Rohstoffpreise führte zu ein paar schönen Zahltagen auf Seiten der Spekulanten, jedoch auch zu missmutigen Gesichtern an den Tankstellen.

Oft ist es schwer zu sagen, ob eine außergewöhnliche Hausse durch die Realwirtschaft legitimiert ist oder ob sich bloß eine riesige Spekulationsblase gebildet hat.

Zuletzt sind die Kurse noch einmal rapide gestiegen, ohne dass Ölaktien diese Bewegung mit vollzogen haben. Viel spricht dafür, dass wir es mit einer sogenannten Dienstmädchenhausse zu tun haben, wie solche Phasen früher hießen. Weil es Dienstmädchen heute kaum noch gibt, könnte man auch von einer Studienratshausse sprechen. Sie tritt immer dann ein, wenn bei den sonst uninteressierten Gelegenheitsanlegern die Gier ausbricht – und sie auch noch Gewinne machen wollen.
Conrad Mattern (2008), Die Stunde der Studienräte, ZEIT online.

derivativ

Das Adjektiv „derivativ“ beschreibt Sachverhalte oder Dinge, die direkt aus anderen Zuständen abgeleitet werden können. Man spricht auch von derivativen Produkten, die Kopien anderer Produkte darstellen. Am Finanzmarkt sind beispielsweise solche Rohstoffpreise derivativ, die an andere Preisentwicklungen gekoppelt sind und sich nicht unabhängig verhalten.

Seine Stellungnahme und die „neue“ Kursrichtung lassen eindeutig auf eine derivative Verknüpfung zu den Forschungsgeldern aus der Industrie schließen.

Obendrein schmücken sich die Privatbankiers mit sogenannten Awards für Innovationen, deren Fragwürdigkeit in einem einzigen Satz gipfelt: „Das erwarten Sie.“ Sal. Oppenheim hält also für jede erdenkliche Kursentwicklung derivative Wertpapiere bereit, überlässt die Kurserwartung aber den Anlegern.
 Manfred Gburek (2008), Die denglische Krankheit, brand eins 02/2008.

originär

Originär bedeutet „ursprünglich“ im Sinne von Sachen oder eines Sachverhalten, die sich nicht aus anderen ableiten lassen. Des Weiteren kann es für „grundlegend neu“ oder „eigenständig“ verwendet werden.

Ableiten lässt sich „originär“ von dem  gleichbedeutenden lateinischen Begriff originarius.

Er hatte viele originäre innovative Vorstellungen von der Umsetzung seines neuen Projektes, doch die Paradigmen des Konzerns ließen ihm dahingehend keine freie Hand.

Auch wenn das Ergebnis meist erstaunlich einleuchtend wirke, gehe ihm gewöhnlich ein langer Denkprozess voraus. „Es geht nicht in erster Linie um Geschwindigkeit“, sagt Faltin, „sondern darum, eine originäre neue Idee zu entwickeln, ein ausgereiftes Ideenkonzept, gewissermaßen ein Ideenkunstwerk.“
– Jens Tönnesmann (2007), Der Trüffelschweinzüchter, brand eins 09/2007.

Con­nais­seur

Der Connaisseur ist ein Kenner in seinem Metier. Dies bezieht sich meist auf Nahrungsmittel. Insbesondere bei Weinen, Bieren oder Schnäpsen ist die Meinung eines Connaisseurs von besonderer Bedeutung, da er durch seinen erfahrenen Geschmackssinn ein aussagekräftiges Urteil über die Qualität eines Produktes geben kann. Hierbei kann es vorkommen, dass beispielsweise ein Normalverbraucher einen Wein für ungenießbar befindet, während ein Connaisseur ihn – die einzelnen Noten schmeckend – mit „Ausgezeichnet“ beurteilt.

Der Begriff ist dem lateinischen cognoscere (erfahren, erkennen) zu entnehmen.

Nur ein echter Connaisseur wird das Durcheinander der über 200 lokalen Brauereien in Bamberg überblicken und die edlen Tropfen auseinanderhalten, geschweige denn bewerten können.

Wolfhardt ist ausgewiesener Connaisseur, Weinkenner und beflissentlich kulturell interessiert, wie das unter akademischen Arbeitslosen fast schon üblich ist. Wer sonst hat so viel Zeit und Muße, sich den vielen Romanen, Kinofilmen, Konzerten und Veranstaltungen zu widmen, als diejenigen, deren Köpfe Kosmen der Imagination und rauschende Fantasieflüsse beherbergen?!
– Carsten Klook (2002), Die Unentschiedenen, brand eins 07/2002.

Akquise

Eine Akquise ist der Prozess einer Anschaffung oder Erwerbung. Speziell im wirtschaftlichen Kontext ist die Akquise die Gewinnung von Kunden, Aufträgen oder Geldern, analog zur ersten Bedeutung spricht man in der Wirtschaft auch bei der Übernahme eines Unternehmensbereichs oder eines Unternehmens von einer Akquise.

Akquise lässt sich aus dem Lateinischen von dem Wort acquirere (erwerben) herleiten.

Die Akquise des erfolgreichen Mittelständlers durch den Konzern hatte dramatische Folgen, da die dynamische Unternehmensstruktur der Firma verloren ging und der erwartete Erfolg ausblieb.

Ich habe mal einen Film über einen sehr schlechten Coach gemacht, man konnte ihn darin ziemlich peinlich finden. Andere Coaches haben sich beschwert, dass der Film den Berufsstand verunglimpfe. Aber dieser Coach hat den Film für seine Akquise benutzt. Solche Ambivalenzen sind interessant.
 Peter Laudenbach (2012), Sie nennen es Arbeit, brand eins 08/2012.

Conditio sine qua non

Die Phrase Conditio sine qua non beschreibt eine unabdingbare Voraussetzung bzw. eine notwendige Bedingung. Die wortwörtliche Übersetzung des Lateinischen lautet condicio (Bedingung), sine (ohne), qua (die) und non (nicht).

Im Kontext der Rechtswissenschaften meint die „Conditio sine qua non“-Formel eine kausale Ursache, die unabdingbar für ein entsprechendes Ergebnis ist, d.h. es wäre ohne die Conditio sine qua non nicht eingetreten.

Es ist jedoch auch in anderen Wissenschaften üblich, die Phrase „Conditio sine qua non“ für das Hervorheben unabdingbarer Voraussetzungen zu verwenden. Beispielsweise sind bestimmte chemische Vorgänge oft an solche Bedingungen geknüpft.

Der Bau von Flugzeugen ist eine Conditio sine qua non für Flugzeugunfälle, deswegen ist bei jedem Flugzeugunfall der Hersteller in einer Beweispflicht, um sich der direkten Verantwortung zu befreien (oder auch nicht).

Für den Vorgang der Korrosion an Metallen ist das Vorhandensein eines Elektrolyts eine Conditio sine qua non.

temporär

Das Adjektiv temporär bedeutet „von begrenzter Zeitdauer“. Es hat seinen Ursprung im lateinischen temporarius (den Umständen angepasst, zeitgemäß). Vgl. auch tempus (die Zeit).

Er befand sich temporär in einer ungünstigen finanziellen Lage.

Die Stuhllehne fungierte temporär als Wäscheständer.

Sie hofften immer noch, dass es sich dabei nur um ein temporäres Phänomen handelte.

Es konnte keine Heilung erreicht werden, sondern lediglich eine temporäre Linderung der Symptome.

Prospektion

Der Begriff Prospektion mein im Kontext der Archäologie das Auf- und Untersuchen bzw. möglicherweise Erschließen von archäologischen Stätten im Boden. In der Geologie handelt es sich bei der Prospektion um einen gleichen Vorgang, nur das hier Rohstoffe und Lagerstätten in der Erdkruste erkundet werden.

In der Kaufmannssprache werden auch Werbedrucke, bestehend aus Prospekten, Bestellkarten etc. als Prospektion bezeichnet.

Die Prospektion ist auf das lateinische Wort prospecto (in die Ferne schauen, sich umsehen) zurückzuführen.

Um neue Spenden für seine Prospektion in Afrika für die Untersuchung der Menschheitsgeschichte zu bekommen, wurden aufwändige und hochwertige Prospektionen in den Adelshäusern der londoner Gesellschaft verteilt, die es als ein Hobby sahen, ihren monetären Wohlstand in möglichst interessante und ruhmversprechende Forschungsvorhaben zu investieren.

An der Ölsuche selbst beteiligte sich Rockefeller nie. Die Prospektion neuer Quellen bestand in jenen Tagen aus teurem „trial and error“: Konzession erwerben, Bohrturm aufstellen, Bohrmeißel und Gestänge verschrauben, bohren und beten, Bohrturm wieder abbauen, neue Stelle suchen. Schwer kalkulierbar. Rockefeller spekulierte stattdessen lieber darauf, dass Öl wichtiger werden könnte.
– Sören Harms (2008), Schaf und Wolf, brand eins 12/2008.