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Chauvinismus

Das eingedeutschte Substantiv Chauvinismus meint im Deutschen vor allem die grundsätzliche Einstellung von Männern, die aufgrund eines übertriebenen Selbstwertgefühls Frauen als minderwertig einstufen und dies auch in Worten und Taten zeigen.

Das Wort ist französischen Ursprungs. Dort ist der Begriff chauvinisme nach einer literarischen Figur entstanden, die übertrieben patriotisch gezeichnet ist. Entsprechend wird er auch für einen übertriebenen Patriotismus oder Nationalismus verwendet.

Sein Chauvinismus ist wirklich peinlich. Wenn er wüsste, wie lächerlich er sich damit macht!

Bisher dachte ich, Chauvinismus gebe es nur bei Männern. Nun habe ich gelernt, dass man diesen Begriff heute auch in soziologischen Zusammenhängen benutzt, etwa, wenn die eigene Sprache oder die eigene soziale Zugehörigkeit als anderen überlegen empfunden und verteidigt wird.

abstrakt

Das Adjektiv abstrakt wird immer dann verwendet, wenn etwas nicht Gegenständliches bezeichnet werden soll. Es bedeutet „begrifflich, theoretisch“ oder „gedacht“. Von abstrakter Kunst spricht man etwa, wenn nicht der Gegenstand das Motiv der Darstellung ist, sondern sein gedanklicher Gehalt.

Das Wort stammt aus dem Lateinischen und ist aus dem Partizip von abstrahere abgeleitet. Das Verb wiederum ist in dem Fremdwort abstrahieren enthalten, was bedeutet, „die wesentlichen Züge von etwas Konkretem ableiten“.

Diesen Text verstehe ich nicht. Er ist mir zu abstrakt.

Die abstrakte Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts wird oft als gegenstandslose Kunst bezeichnet.

Die Demokratie darf nicht mehr nur abstrakte Losung sein. Sie muss zur politischen Kultur werden, die von den Parteien verinnerlicht wird – als Mechanismus des politischen Wettbewerbs ebenso wie als Instrument des Machtwechsels.
Fathi Ayadi (2012), Eine Revolution auf dem Weg des demokratischen Wandels, ZEIT online.

kondolieren

Das schwache Verb kondolieren bedeutet, jemandem Beileid oder Mitgefühl auszusprechen, speziell den Angehörigen eines Verstorbenen. Dabei beschreibt der Ausdruck die Tätigkeit an sich, d.h. man spricht davon, dass jemand kondoliert. Die Verwendung in Floskeln wie „ich kondoliere ganz herzlich“ ist dagegen nicht möglich.

Ursprung ist das lateinische condolere (Mitgefühl haben).

Seine Familie kondolierte mit Karte und Blumenstrauß.

Jeder, der Rang und Namen hat, eilt nun zum Jungfernstieg, um der Witwe und den Kindern, den Prinzessinnen Thyra und Dagmar und Prinz Gustav, zu kondolieren.
Susanne Wiborg (2012), Graf Kronberg geht spazieren, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

entopisch

Personen, Haltungen oder Sachverhalte können entopisch sein, d.h. sie sind ortsgebunden oder auch einheimisch.  Gerade Haltungen oder persönliche Einstellungen werden als entopisch bezeichnet, wenn sie als eingesessen bewertet werden können.

Der Begriff entstammt dem griechischen éntopos welches sich aus en (innerhalb) und tópos (Ort, Stelle) zusammensetzt.

Seine entopische Unternehmenskultur und der Widerstand diese dynamisch zu ändern bzw. auf die neuzeitlichen Entwicklungen einzugehen, brachte das Unternehmen an den Rande des Ruins.

Die Ausprägung des Konsumverhaltens ist oft ein entopisches Phänomen. So hat „Sparen“ in Baden Würtemberg einen ganz anderes Stellenwert als in Berlin.

lamentieren

Das schwache Verb lamentieren bedeutet „jammern“, „(weh)klagen“. Der Begriff stammt aus der Fachsprache der Musik, in der das italienische lamento (Gejammer) seit dem 17. Jahrhundert den Klagegesang in der Oper beschreibt. Bald darauf wurde lamentieren in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen, hat jedoch immer noch einen besonders dramatischen Beiklang.

Dieser Tage wird quer durch die Medien über den „unsäglichen Bubble Tea“ lamentiert. Dass das taiwanesische Getränk nicht ungesünder als Coca Cola oder viele der neuen „Kaffeespezialitäten“ (White Double-Choc Mocca Frappucino etc.) ist, wird dabei gerne aus den Augen verloren.

Sie lamentiert viel und gerne, doch wenn es um konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsabläufe geht, stellt sie sich hinten an.

Die Deutschen lamentieren gern. Über das Wetter, die Bundesregierung, das Steuersystem. Vor allem aber lamentieren sie gerne über das ewige eigene Lamentieren.
Sandra Zistl (2011), Filmkritik „Resturlaub“: Vom Provinz-Proleten zum Latin Lover, FOCUS Online.

ex­t­rin­sisch

Das Adjektiv extrinsisch entstammt dem lateinischen extrinsecus (von außen) und beschreibt Verhaltensweisen oder Haltungen, die von außen beeinflusst oder gesteuert werden. Bezogen auf die Motivation spricht man etwa von extrinsischen Faktoren, also (An-)Reizen aus der Umwelt, die das Verhalten einer Person beeinflussen.

Nachdem er von sich aus nicht kooperieren wollte, setzten die Übeltäter auf harte extrinsische Maßnahmen und versuchten nun unter Androhung von Gewalt und dem Vorführen eklatanter Folterwerkzeuge die Pinnummer zu erfahren.

Lange bauten Motivationsmethoden auf extrinsische Motive. Dahinter steht die Theorie, dass Menschen etwas täten, weil sie eine Belohnung erwarteten – in Form von Geld, Karriere oder eben Anerkennung. Wahre Motivation, sagt dagegen etwa der Autor Daniel H. Pink, beruhe jedoch auf intrinsischen Motiven, also auf der Befriedigung durch die Tätigkeit selbst.
Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins brand eins 05/2012.

aggregieren

Das Verb aggregieren bedeutet „anhäufen“, „zusammenballen“, „zusammenführen“ oder „zusammentragen“. Oft spricht man etwa davon, dass Informationen oder Daten aus unterschiedlichen Quellen aggregiert werden. Häufig wird der Begriff auch als Adjektiv gebraucht, so dass man von aggregierten Daten und Informationen spricht.

Ursprung des Ausdrucks ist das lateinische aggregare (beigesellen, anhäufen).

Natürlich lassen sich die Meinungen Einzelner zu politischen Strömungen aggregieren. Doch umso mehr Einzelinteressen dabei zusammengeballt werden, desto weniger gut beschreibt das Gesamtbild am Ende das Individuum.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen eines Landes, allen voran das Bruttoinlandsprodukt, sind stets stark aggregierte Größen.

Was ist denn Kapitalismus? Eine Staatsform? Ein politisches System? Ist es nicht vielmehr die Konsequenz des Eigennutzes, die Menschen dazu motiviert, ihr Vermögen und ihre Arbeit einzusetzen? Also das aggregierte Gewinnstreben aller?
Dietrich Briese (2005), Rechnet nach, was es kostet, DIE ZEIT.

impertinent

Das Adjektiv impertinent bedeutet „unverschämt“, „vorlaut“ oder „frech“. Es kann verwendet werden, um Personen sowie deren Verhalten und Handeln zu beschreiben.

Der Begriff geht zurück auf das lateinische impertinens (nicht dazugehörig, nicht sachdienlich).

Auf die Ermahnung der Lehrerin wusste er außer einem impertinenten Grinsen nichts zu entgegnen.

Sein ständigen, impertinenten Sticheleien sind für die Kollegen schwierig zu ertragen.

Immer wieder schien in den Fragen die Unterstellung auf, sie – die Kanzlerin – sei in der Politik kaum sichtbar. Gerhard Schröder wäre bei der dritten entsprechenden Äußerung patzig geworden, hätte sich persönlich angegriffen gefühlt und den Kamm aufgestellt. Helmut Kohl hätte es impertinent genannt und es sich verbeten. Merkel nahm es gelassen, entschärfte mit Scherzen die Stimmung, blieb sachlich.
Kai Biermann (2007), Die Montessori-Kanzlerin, ZEIT online.

Hausse

Eine Hausse ist ein Aufschwung. Das Wort ist speziell auch fester Teil der Börsensprache und beschreibt den positiven Trend von Wertpapierkursen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung manifestiert sich also in Form steigender Börsenkurse. Jedoch werden auch Kursanstiege, die nicht durch einen realwirtschaftlichen Aufschwung, sonder etwa durch spekulative Geschäfte zustande gekommen sind, als Hausse bezeichnet.

Der Begriff der Hausse wurde direkt aus dem Französischen übernommen, wo hausse „Erhöhung“ bedeutet.

Die jüngste Hausse der Rohstoffpreise führte zu ein paar schönen Zahltagen auf Seiten der Spekulanten, jedoch auch zu missmutigen Gesichtern an den Tankstellen.

Oft ist es schwer zu sagen, ob eine außergewöhnliche Hausse durch die Realwirtschaft legitimiert ist oder ob sich bloß eine riesige Spekulationsblase gebildet hat.

Zuletzt sind die Kurse noch einmal rapide gestiegen, ohne dass Ölaktien diese Bewegung mit vollzogen haben. Viel spricht dafür, dass wir es mit einer sogenannten Dienstmädchenhausse zu tun haben, wie solche Phasen früher hießen. Weil es Dienstmädchen heute kaum noch gibt, könnte man auch von einer Studienratshausse sprechen. Sie tritt immer dann ein, wenn bei den sonst uninteressierten Gelegenheitsanlegern die Gier ausbricht – und sie auch noch Gewinne machen wollen.
Conrad Mattern (2008), Die Stunde der Studienräte, ZEIT online.

derivativ

Das Adjektiv „derivativ“ beschreibt Sachverhalte oder Dinge, die direkt aus anderen Zuständen abgeleitet werden können. Man spricht auch von derivativen Produkten, die Kopien anderer Produkte darstellen. Am Finanzmarkt sind beispielsweise solche Rohstoffpreise derivativ, die an andere Preisentwicklungen gekoppelt sind und sich nicht unabhängig verhalten.

Seine Stellungnahme und die „neue“ Kursrichtung lassen eindeutig auf eine derivative Verknüpfung zu den Forschungsgeldern aus der Industrie schließen.

Obendrein schmücken sich die Privatbankiers mit sogenannten Awards für Innovationen, deren Fragwürdigkeit in einem einzigen Satz gipfelt: „Das erwarten Sie.“ Sal. Oppenheim hält also für jede erdenkliche Kursentwicklung derivative Wertpapiere bereit, überlässt die Kurserwartung aber den Anlegern.
 Manfred Gburek (2008), Die denglische Krankheit, brand eins 02/2008.