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subsistieren

Das Verb subsistieren entstammt dem lateinischen Wort subsistere, was soviel wie „stillstehen“ oder „standhalten“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet subsistieren im Kontext der Philosophie, dass etwas für sich und unabhängig von anderem besteht.  In einer veralteten bildungssprachliche Verwendung kann subsistieren auch „einen Lebensunterhalt haben“ bedeuten.

Nur darf man den Charakter der Konkretheit dadurch nicht herabgesetzt glauben, daß er hier nicht an dem Einzelwesen als solchem haftet. Die Relativität zwischen den Dingen hat die einzigartige Stellung: über das Einzelne hinauszureichen, nur an der Mehrheit als solcher zu subsistieren und doch keine bloß begriffliche Verallgemeinerung und Abstraktion zu sein.
– Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

Heute wollte ich die neuen Untersuchungen fortsetzen, fand mich aber von meiner Phantasie so fortgerissen, daß ich den ganzen Tag nichts habe tun können. In meiner jetzigen Lage ist dies nun leider kein Wunder! Ich habe berechnet, daß ich von heute an nur noch 14 Tage hier subsistieren kann.
– Heinrich Heine (1835), Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland.

Prosa

Der Begriff Prosa stammt von dem spätmittelhochdeutschen Wort prōse, welches wiederum auf das lateinische Wort prōsa (oratio)  zurückzuführen ist. Der lateinische Begriff bedeutet soviel wie „schlichte Rede“, was das Gegenteil von poetischer, lyrischer oder rhythmischer Rede darstellt. Im heutigen Gebrauch bezeichnet die Prosa ebenfalls Texte, die nicht den Genres Lyrik, Drama etc. zuzuordnen sind, jedoch steht es auch für besonders einfache oder gewöhnliche Aussagen. Im übertragenen Sinne kann es auch für nüchterne, einfache oder zusammenhangslose Sachverhalte verwendet werden.

Aussprache

Hörbeispiel: Aussprache anhören
Lautschrift (IPA): [ˈpʁoːza]

Verwendungsbeispiele

Regelmäßiger Sport und Wellness sind für viele die einzige Möglichkeit der Alltags-Prosa zu entkommen.

Alle spannenden Geschichten gleichen einander auf bestimmte Weise. Wirklich interessant wird es, wenn die Form der spannenden Erzählung nur noch als geisterhafte Hülle um ein langes Stück Prosa liegt, so wie ein ordentlicher Sonntagsanzug um eine beunruhigende, aus dem Leim gehende Vogelscheuche.
– Clemens J. Setz, Menschen im Dämmer, Zeit Online 04.04.2012.

Der Vortragende, einer aus der Abteilung der selbst ernannten Menschenumkrempler, kommt zum Gipfelpunkt seiner hoffnungslos optimistischen Personalentwickungs-Prosa: „Wir müssen wieder das Lernen lernen!“ Alles nickt. Jedermann scheint zu wissen, was gemeint ist. Ich nicht.
– Reinhard Sprenger, Lehrstück, brand eins 06/2012.

haptisch

Das Adjektiv haptisch hat seinen Ursprung im griechischen haptikos (greifbar) und meint im deutschen Sprachgebrauch „den Tastsinn betreffend“.

Das Wort wird immer gebraucht, um eine Erfahrung als „ertastbar“ zu beschreiben bzw. auf die ertastbaren Merkmale einer Sache hinzuweisen. Die haptische Qualität oder auch die Haptik eines Gegenstands meint somit alle Merkmale, die mittels des Tastsinns erfasst werden können. Dazu gehört beispielsweise die Beschaffenheit der Oberfläche.

Rein haptisch ist das Produkt hervorragend. Nichts wackelt, nichts fühlt sich billig an, keine scharfen oder unregelmäßigen Kanten deuten auf minderwertige Verarbeitung hin.

Moderne Smartphones und Tablet-PCs verfügen heute über sogenanntes „haptisches Feedback“. Um etwa einen Tastendruck zu simulieren und die glatte Oberfläche eines Touchscreens natürlicher wirken zu lassen, vibrieren die Geräte beim Drücken von grafischen Bedienelementen kurz.

Obwohl Grass seine Fertigkeiten als bildender Künstler nicht gegeneinander ausspielen will – die Arbeit an einer Skulptur ist ihm doch das Höchste. „Alles ist Auge und Raumgefühl, umgriffig, wunderbar! Für literarische Spekulation ist da wohltuenderweise kein Platz.“ Ganz leer der Kopf, Tee die einzige Droge, im Hintergrund geduldet das Kulturradio. „Die einzige Arbeit übrigens, bei der ich nicht rauche. Die haptische Befriedigung ist groß genug.“
Christof Siemes (2007), Der Künstler Günter Grass, ZEITmagazin LEBEN, 19.12.2007 Nr. 52.

Thesaurus

Der Begriff Thesaurus stammt ursprünglich vom griechischen Wort thēsaurós ab und betitelte in der Antike Gebäude zur Aufbewahrung kostbarer Weihegaben, also eine Art Schatzhaus. Ebenfalls wurden besonders große Wörterbücher als Thesaurus bezeichnet, insbesondere alphabetisch und systematisch geordnete Sammlung von Begriffen eines bestimmten Fachbereiches.
Spätestens seit der Software MS-Office Word ist der Begriff Thesaurus im aktuellen Sprachgebrauch verankert und betitelt heute ein allgemeinsprachliches Wörterbuch, welches Synonyme bzw. sinn- und sachverwandte Wörter zu bestimmten Schlagwörtern enthält.

 Obwohl hier auch Allesschlucker, Bänkelsänger, Ohrenseifenbläser und andere Akteure des Schaugeschäftes kurz vorgestellt werden, hat der Wiener Sachbuchautor Rudi Palla kein Kuriositätenkabinett der spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Arbeitswelt eingerichtet. In seinem „Thesaurus der untergegangenen Berufe“ wird der vorindustrielle Alltag nicht romantisiert, sondern realistisch beschrieben. Es ist ein Nacfrschlagewerk über „Verschwundene Arbeit“ – und mit seinem Druck vom Bleisatz selbst ein gutes Stück einst gewohnter Handwerkerqualität.
– DIE ZEIT, 7.10.1994 Nr. 41

konträr

Das Adjektiv konträr wurde von dem französischen Wort contraire (entgegengesetzt, gegenteilig) abgeleitet, was wiederum seinen Ursprung im lateinischen contrarius bzw. contra  (gegen) findet. Als Fremdwort im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es ebenfalls „entgegengesetzt“ oder „gegensätzlich“. Weitere Synonyme sind unter anderem „gegenteilig“, „nicht vereinbar“, „verschieden“, „widersprüchlich“ oder „inkompatibel“.

Man kann beispielsweise eine konträre Meinung haben, konträrer Auffassung sein oder auch konträre Ziele verfolgen.

In der Rede des Vorsitzenden waren durchaus konträre Inhalte zu bemerken, was die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit seiner Worte in Frage stellen ließ.

Die Geschäftsführung und die externen Berater hatten offensichtlich schon bei der Planung des Projektes konträre Ziele, was durchaus eine Erklärung für den Misserfolg sein könnte.

Mir ist wichtig, dass das, was in der Stadt passiert, mit meinem eigenen Zustand kompatibel ist. Oder so konträr, dass es Spannung erzeugt und stimuliert. Wichtig sind vor allem die Menschen, ihre Stimmung, ihr Stil, Bewegungen, die eine ganze Generation prägen. Äußere Ästhetik, wie in Paris, ist mir nicht so wichtig.
– Dorotheé Junkers, Was kommt? – Die Kunst, brand eins 07/2001. 

äquivalent

Das Adjektiv äquivalent stammt von dem mittellateinischen Wort aequivalens ab, was auf die lateinische Kombination aus aequus (gleich) und valere (wert sein) zurückzuführen ist. Im heutigen deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „gleichwertig“. Weitere Synonyme sind „angemessen“, „entsprechend“, oder „von entsprechendem/gleichem Wert“.

Die Verwendung ist immer im Kontext von Vergleichen nützlich. Speziell in der Mathematik oder Chemie ist oft von äquivalenten Mengen die Rede, was in diesem Sinne bedeutet, dass die beschriebenen Mengen der Elemente einander umkehrbar eindeutig zugeordnet werden können.

Um die Kompatibilität der Studiengänge zu gewährleisten, gibt es trotz den standardisierten Abschlüssen (Bachelor/ Master) noch Listen, die äquivalente Leistungen entschlüsseln.

Lohn muss äquivalent sein – nur mit was?

Der Betriebswirt Erich Kosiol hat 1962 das Äquivalenzprinzip eingeführt: Der Lohn müsse mit dem Anforderungsgrad einerseits und dem Leistungsgrad andererseits zusammenhängen.
– Stephan A. Jansen, Merkwürdigkeiten aus den Manegen des Managements: Reize der Anreize, brand eins 04/2009.

Äquivalent“ und „gleichwertig“ sind zwei äquivalente Ausdrücke.

akut

Das Adjektiv akut stammt von dem lateinischen Wort acutus ab, was soviel wie „scharf“ oder „spitz“ bedeutet.  Heute wird es im Deutschen für einen Zustand oder Sachverhalt verwendet, der im Augenblick herrschend ist bzw. der brennend, unmittelbar oder vordringlich vorliegt. Weitere mögliche Synonyme sind „aktuell“, „dringend“ oder „momentan“.

Im Kontext der Medizin wird als akut ein Krankheitszustand beschrieben, der unvermittelt auftritt und/oder schnell und heftig verläuft. Außerhalb der medizinischen Verwendung kann der Begriff auch im Bezug auf andere dringende oder andauernde Sachverhalte gebraucht werden.

Die damalige Frage der Giftmüllentsorgung ist auch heute noch akut.

Ein akutes Beispiel für das Problem der Jugendkriminalität sind die Überfälle in der jüngsten Vergangenheit durch Minderjährige.

Als 2007, vor Einführung von Chatter, durch das Versehen eines Salesforce.com-Mitarbeiters eine Kundenliste kopiert wurde, die Kontakt- und Fimennamen enthielt, Mailadressen und Telefonnummern, gab es danach zahlreiche Phishing-Angriffe auf Sales-force.com-Kunden. Die Frage bleibt akut: Vertraue ich der eigenen IT-Abteilung oder der eines anderen Unternehmens?
– Christoph Koch, Facebook fürs Büro, brand eins 03/2012.

schmähen

Der Begriff schmähen stammt aus dem Mittelhochdeutschen von dem Wort smæhen ab, ein verwandtes Wort ist ebenfalls die Schmach. Heute beschreibt es verächtliches Reden oder gar „beleidigen“, „beschimpfen“ bzw. „schlechtmachen“. Auch kann schmähen ein Synonym für „herabsetzen“, „lästern“ oder „durch den Schmutz ziehen“ sein.

Jemanden zu schmähen ist eine etwas objektivere und nettere Beschreibung eines der oben genannten Sachverhalte. In der Satire werden Menschen oft geschmäht, jedoch ohne  ihnen böswillig Schaden zufügen zu wollen.

Sie schmähten ihn aufgrund seiner auffallend geringen Körpermaße.

Prominente bieten mit ihrem gelegentlich auffälligen Verhalten nicht selten eine Angriffsfläche, so dass sie in den einschlägigen Fernsehshows gerne geschmäht werden.

Wir angeblich so fortschrittlichen Menschen teilen unser Leben mit, man muss das mal so deutlich sagen, einem Fossil aus der Kreidezeit der Informationstechnik. Man hört es ihm bloß nicht an, dass es kaum jünger ist als Lang-, Mittel- und Kurzwelle, die jeder von uns ohne Bedenken als vorsintflutlich schmähen würde.
– Ulf J. Froitzheim, Das Gute ist der Feind des Besseren, brand eins 12/2011.

kompatibel

Bedeutung

Das Adjektiv kompatibel hat seinen Ursprung im lateinischen Wort compati (mitfühlen). Im Deutschen wird es heute als ein Adjektiv für etwas verwendet, womit ausgedrückt werden soll, dass etwas in bestimmten Eigenschaften übereinstimmt. Weitere Synonyme sind „vereinbar“ oder „verträglich“.

Eine beispielhafte Verwendung findet sich in der Medizin; wenn Blutgruppen kompatibel sind, eignen Sie sich für eine Transfusion. Wenn die Schnittstellen von technischen Geräten kompatibel sind, so können diese vernetzt werden bzw. miteinander arbeiten.

Aussprache

Hörbeispiel: Aussprache anhören
Lautschrift (IPA): [kɔmpaˈtiːbl̩]

Verwendungsbeispiele

Da gibt es noch viele, die jetzt erst anfangen, ihre PS auf die Straße zu bringen. Manche wissen noch nicht recht, wie es geht. Sie brauchen Hilfe, und sie brauchen natürlich auch Lösungen und Partner, die mit ihrem System kompatibel sind.
– Gabriele Fischer, Christiane Sommer, Eine kleine Elite bestimmt das Ding, brand eins 06/2000

Oft sind die Daten von Mac OS und Windows nicht miteinander kompatibel und von einem System ins andere überführbar.

Modulare technische Systeme müssen untereinander kompatibel sein und über standardisierte Schnittstellen verfügen, damit keine Monopole entstehen und auch dritte Firmen einen Chance haben, ihre Produkte am Markt zu platzieren.

Grammatik und Flexion

Steigerung

Positiv Komparativ Superlativ
kompatibel kompatibeler am kompatibelsten

Starke Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin kompatibeler kompatibelen kompatibelem kompatibelen
Femininum kompatibele kompatibeler kompatibeler kompatibele
Neutrum kompatibeles kompatibelen kompatibelem kompatibeles
Plural kompatibele kompatibeler kompatibelen kompatibele

Schwache Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin der kompatibele des kompatibelen dem kompatibelen den kompatibelen
Femininum die kompatibele der kompatibelen der kompatibelen die kompatibele
Neutrum das kompatibele des kompatibelen dem kompatibelen das kompatibele
Plural die kompatibelen der kompatibelen den kompatibelen die kompatibelen

Gemischte Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin kein kompatibeler keines kompatibelen keinem kompatibelen keinen kompatibelen
Femininum keine kompatibele keiner kompatibelen keiner kompatibelen keine kompatibele
Neutrum kein kompatibeles keines kompatibelen keinem kompatibelen kein kompatibeles
Plural keine kompatibelen keiner kompatibelen keinen kompatibelen keine kompatibelen

Konnotation

Der Begriff Konnotation entstammt den lateinischen Wörtern con (mit) und notatio (Aufzeichnung) beziehungsweise connatio (mit Beschreibung). Im deutschen Sprachgebrauch ist dieses Wort im Kontext der Linguistik anzutreffen und bezeichnet hier die Nebenbedeutung eines Wortes. Synonyme für Konnotation sind demnach „Nebenbedeutung“ oder „Nebensinn“.

Das Wort beschreibt negative wie auch positive Assoziationen zu Dingen oder Sachverhalten. Somit kann jeder eine ganz unterschiedliche Konnotation zu etwas haben.

Mit dem Wort „Arbeit“ verbinden viele Menschen eine negative Konnotation.

Der Winter kann situationsabhängig ganz unterschiedliche Konnotationen haben.

Deshalb ruft ein Markenlogo nicht überall die gleichen Konnotationen hervor. Eine Ratte wäre in Deutschland nicht unbedingt verkaufsfördernd, vielleicht bei einem Kammerjäger. In China dagegen stellt sie ein angesehenes Tierzeichen dar.
– Karin Finkenzeller (2010), Schuss ins Gehirn, brand eins 08/2010.