• Fatalismus

    Fatalismus (der) bezeichnet ein Weltbild, bei dem alle Geschehnisse dem Schicksal zugeordnet werden, dem man machtlos gegenübersteht.

    Zudem werden unter Fatalismus auch gottergebene („fatalistische“) Einstellungen, Ideen oder Äußerungen verstanden.

    Das Gegenwort zu Fatalismus ist „Voluntarismus“, eine philosophische Lehre, die den Willen als Grundprinzip des Seins ansieht.

    Das Substantiv ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Es handelt sich um eine Ableitung von dem lateinischen Substantiv fatum (der Götterspruch, die Weissagung, das Schicksal).

    Als Anhänger des Fatalismus nimmt er alle Schicksalsschläge ohne Wiederwillen hin.

    Sie stellt den Fatalismus als eine Form von Bequemlichkeit dar. Gegebenheiten werden dem Zufall überlassen, um ein aktives Handeln umgehen zu können.

    Meine beiden Großväter hatten nicht viele Gemeinsamkeiten, bis auf eine kleine Holztafel auf der Fensterbank: „Rauchst‘, stirbst‘. Rauchst‘ net, stirbst a'“, stand darauf. In Holz geschnitzter Ausdruck eines Fatalismus, der einer Generation angemessen war, die auf Trümmern saß und gerade den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte.
    Gabriele Fischer, Leben oder leben lassen, Brandeins, 06/2006

  • vice versa

    Die Wortverbindung vice versa bedeutet „(und) umgekehrt“ und beschreibt wechselseitige Beziehungen. Sie deutet also einen Gegenzug bzw. einen umgekehrten Wechsel an.

    Wenn direkte Wechselbeziehungen vorhanden sind, lässt sich vice versa als Überleitung verwenden, wenn im Folgenden die Gegenwirkung beschrieben werden soll. Auch kann es am Ende eines Satzes verwendet werden um auf die Wechselseitigkeit einer vorher beschriebenen Beziehung aufmerksam zu machen. Im geschriebenen Text kann für vice versa auch die Abkürzung v. v. verwendet werden.

    Der Ausdruck wurde unverändert aus dem Lateinischen übernommen.

    In einer harmonischen und konstruktiven Lehr- und Lernatmosphäre haben die Studenten das Recht, den Dozenten zu kritisieren und vice versa.

    In der klinischen Betreuung wird von den Schwestern erwartet, dass sie hart arbeiten. Vice versa muss auch die Kooperation und Mithilfe seitens der Patienten vorhanden sein.

    Unser Broker erkennt zeitnah, dass auf dem Kontostand der Ewigkeit Zeit und Geld dasselbe sind – die stürzende Börse war ein temporärer Augenblick in der Ewigkeit der Geldzeit. Oder im DM-Deutsch: Alles wird gut. Solange Zeit ist, wird Geld sein. Und vice versa. Das ist der pekuniäre Gottesbeweis, den die zeitlosen Apokalyptiker einer Deutschen Bank noch immer suchen.
    Thomas Assheuer (2000), Geldzeit-Der Mark schlägt die Stunde, Zeit Online.

  • Grandeur

    Das bildungssprachliche Substantiv Grandeur bedeutet „Großartigkeit“ oder „Größe“.

    Weitere Synonyme sind beispielsweise „Erhabenheit“ oder „Glorie“.

    Bei Grandeur handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Französischen. Zurückzuführen ist der Ausdruck auf das lateinische grandis (groß).

    Mit königsgleicher Grandeur gleitet sie anmutig über den roten Teppich, um die Auszeichnung entgegenzunehmen.

    Das alte Gutshaus des ansonsten verwahrlosten und verlassenen Dorfes ist zum Symbol einstiger Grandeur geworden.

    Die beiden Ausstellungen in Bonn und Köln zeigen dagegen, dass der Bund, wenn er in der pluralen Gesellschaft Kultur fördert, nicht mit inhaltlichen Setzungen auftrumpfen muss. Stattdessen sorgt er am besten für eine Polyzentrik der Blicke. Das ist aufwändig, langsam, redundant wie die Demokratie. Es kränkt die Bildungsbürger, die nach nationaler Grandeur lechzen oder nach verbindlichen Werten, alle, die nur eine Art von Kunst gelten lassen wollen.
    Thomas E. Schmidt, „Einwandern, Schätze suchen“, DIE ZEIT Nº 41/2005

  • Quisquilie

    Das bildungssprachliche Substantiv Quisquilie (Plural: Quisquilien) bezeichnet eine Angelegenheit oder Sache, der man keinen Wert oder keine Bedeutung beimisst.

    Bei „Bagatelle“, „Belanglosigkeit“, „Kleinigkeit“ oder „Lappalie“ handelt es sich um Synonyme zu Quisquilie.

    Das Substantiv ist hergeleitet vom lateinischen quisquilia (Belanglosigkeit, Unbedeutendes).

    Bei dem Workshop steht hauptsächlich die Arbeitsphase und Teambildung im Vordergrund. Die Präsentation der Endergebnisse gilt eher als Quisquilie.

    Viele der nun zu treffenden Entscheidungen sind keineswegs Quisquilien, sondern zukunftsweisend für das gesamte Unternehmen.

    Dass in Russland „lupenreine Demokraten“ das Regierungsschiff steuerten, glaubt hierzulande außer einem Altkanzler wohl längst niemand mehr. Dass aber das russische Parlament eine Geste von unverkennbar imperialem Gehabe gegen seinen Nachbarstaat beschließt, muss zu denken geben. Mit 370 Ja- bei nur 56 Neinstimmen hat die Duma jetzt eine Erklärung angenommen, mit der die Interpretation der fürchterlichen Hungersnot in der Ukraine 1932/33 als Genozid zurück gewiesen wird. Was auf den ersten Blick wie eine geschichtspolitische Quisquilie wirken mag, ist in Wirklichkeit elementar.
    Sven Felix Kellerhoff, Gedemütigte Ukraine, Die Welt, 04.04.2008

  • Paraphilie

    Das Substantiv Paraphilie bezeichnet in der Psychologie eine Störung der Sexualpräferenz.

    Diese Störung ist mit dranghaften, sexuellen Bedürfnissen oder Fantasien verbunden, die von der Gesellschaft als nicht normal angesehen werden. Dabei kann es sich um Schmerz, Demütigung, die Liebe zu Objekten oder auch nicht einverständnisfähigen Personen, wie Kindern, handeln.

    Paraphilie findet seinen Ursprung im Griechischen und ist zusammengesetzt aus dem Präfix para– (abseits, neben) und dem Wort philía (Liebe, Freundschaft).

    Fetischismus, Exhibitionismus, Pädophilie und Voyeurismus gelten als Abweichungen von der gesellschaftlichen Norm und sind somit, laut WHO, den Paraphilien zuzuordnen.

    Manche Männer lieben Autos so sehr, dass sie Sex mit ihnen haben, wie z.B. der Brite Chris Donald. Laut Experten wurde dessen Paraphilie durch ein Ereignis in der Kindheit ausgelöst: Schuld an dem Auto-Fetisch soll Kitt, das sprechende Auto aus der Kult-Serie „Knight Rider“, sein.
    Violetta Simon, Von Boxenstoppern und Flirtmaschinen, Sueddeutsche.de, 17.05.2010

    Koethi Zan war eine hochanständige Medienanwältin, ausgebildet in Yale, tätig für Funk und Fernsehen, zuletzt für MTV. Daran lag es wohl eher nicht, dass sie die dunkle Seite der menschlichen Seele, der menschlichen Sexualität immer stärker zu interessieren begann. Sie sammelte Geschichten von Psychopathen, Berichte über Paraphilie, über Kellerkinder, Folteropfer.
    Elmar Krekeler, Hannibal wird gejagt, Die Welt, 17.05.2013

  • Stigmatisierung

    Das bildungssprachliche Substantiv Stigmatisierung ist dem Bereich der Soziologie zuzuordnen.

    Es beschreibt einen Prozess, bei dem Menschen andere Individuen oder Gruppen in eine bestimmte (negative bewertete) Kategorie einordnen. Dies geschieht durch Zuschreiben von diskreditierbaren Merkmalen und Eigenschaften oder durch Herabwürdigen bereits vorhandener (sichtbarer) Merkmale und Eigenschaften.

    Stigmatisierung ist aus dem Altgriechischen über das Substantiv Stigma (Stich, Wundmal) herzuleiten.

    Die Stigmatisierung von Religionsbündnissen nimmt in der heutigen Welt immer mehr zu und stellt so oftmals ein gesellschaftlich-relevantes Diskussionsthema dar.

    Arbeitslose Personen werden häufig über einen Kamm geschert. Im Rahmen der Stigmatisierung werden ihnen Attribute wie “Faulheit” oder “Ausnutzung des Staates” zugeschrieben.

    Ansonsten sieht das Gerät mit seinem 4,5 Zoll großen Display weniger klobig aus als man von einem Senioren-Handy befürchten könnte, auch wenn es alleine aufgrund des verstärkten Rahmens durchaus robust wirkt. „Stigmatisierung ist für viele ältere Menschen ein Problem. Nicht jeder fühlt sich wohl damit, mit einem Uralt-Handy im Café zu sitzen“, sagt Pupeter.
    Eike Kühl, Auch Opa verdient ein smartes Handy, Zeit Online, 02.03.2015

  • Revision

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Revision das Revidieren, Überprüfen oder Abändern von Gegenständen, Zuständen oder Prozessen.

    Im Bereich der Technik ist der Ausdruck synonym zu „Inspektion“, „Überprüfung“ oder „Kontrolle“.

    Im Druckwesens bezeichnet eine Revision das Durchsehen und Prüfen eines Abzugs auf die ordnungsgemäße Ausführung der Korrekturen hin. Synonyme: „Korrektur“, „Richtigstellung“, „Modifikation“, „Überarbeitung“.

    In der Rechtssprache meint eine Revision (Revision einlegen) ein Rechtsmittel gegen ein einzulegendes Urteil bezeichnet, mit dem geprüft wird, ob es zu fehlerhaften Anwendungen von Gesetzen oder andere Verfahrensmängel bei der Urteilsfällung kam.

    Der Begriff ist auf das mittellateinische revisio (prüfende Wiederdurchsicht), zu lateinisch revidere (wieder[an]sehen) zurückzuführen.

    Die jährliche Revision des PKW wird in der Vertragswerkstatt durchgeführt.

    Der Vertrag muss zunächst bei beiden Parteien in Revision gehen, nach der Feinabstimmung kann dann die Unterzeichnung erfolgen.

    Die Rabattmeilen-Guthaben der 20 Millionen Miles-&-More-Kartenbesitzer hätten nach alter Rechnung rund 2,2 Millionen Business-Flüge von Deutschland in die Neue Welt möglich gemacht, nach der Revision waren es nur noch rund 1,9 Millionen. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezifferte den rein rechnerischen Meilenverlust zwischen der alten und der neuen Regelung auf 960 Millionen Euro, mehr als der operative Gewinn der Lufthansa im Jahr 2010 ausgemacht hatte. Die Kölner Richter gaben Eggendorfer in erster Instanz recht.
    Wolf Lotter, Beziehungen für Anfänger, Brandeins, 05/2012

  • quod erat demonstrandum

    Die bildungssprachliche Phrase quod erat demonstrandum bedeutet ins Deutsche übersetzt „was zu beweisen war“.

    Traditionell wird quod erat demonstrandum als Abschluss für Beweise in der Mathematik oder anderen Naturwissenschaften genutzt.

    Die gängige Kurzform des Ausdrucks ist q.e.d.

    Die Floskel wurde aus dem Lateinischen übernommen und ist auf das Verb demonstrare (demonstrieren) zurückzuführen. Sie wird dem griechischen Mathematiker Euklid (300 v.Chr.) zugeschrieben, der seine Beweise stets mit „hóper édei déixai“, dem griechischen Äquivalent zu quod erat demonstrandum, abschloss.

    Daher handelt es sich bei „hóper édei déixai“ auch um ein Synonym des Ausdrucks.

    Nach Herleitung der Formel schloss der Dozent die Veranstaltung mit den Worten quod erat demonstrandum.

    Unter dem Motto „quod erat demonstrandum“ veranstaltet sie Kochkurse und beweist immer wieder aufs Neue, dass man auch mit sehr schmalem Budget ein frisches, gesundes und raffiniertes Menü zaubern kann.

    Wenn man den Bleistift auf den Tisch legt, ein Lineal quer darüberlegt und auf das Ende des Lineals einen Radiergummi: In welcher Position müssen Lineal und Bleistift zueinander sein, damit sich ein Kräftegleichgewicht einstellt und das Lineal nicht kippt? Zu berücksichtigen sind Länge des Lineals, Masse des Radiergummis sowie das Drehmoment. Die beiden rechneten, am Küchentisch sitzend, um die Wette. Lengerer war schneller. Ein Ingenieur also, schloss der Onkel daraus. Quod erat demonstrandum.
    Andreas Unger, Gestatten: Bachelor, Die Zeit N°20/2010

  • Novität

    Das Substantiv Novität (die) bezeichnet etwas neues oder neuartiges.

    Vor allem in der Literatur, Kunst, Mode und Werbung wird der Begriff als Ausdruck für eine Neuheit gebraucht. Darüber hinaus kann Novität auch eine Neuigkeit bezeichnen.

    Synonyme zu Novität sind zum Beispiel das bildungssprachliche „Novum“ oder das französische „Nouveauté“.

    Der Begriff ist zurückzuführen auf das lateinische novitas (Neuheit), zu novus (neu).

    Nach der Modenschau war die Enttäuschung über die Kollektion groß. Es mangelte an Novitäten und schien, als seien alte Entwürfe repliziert und mit Hilfe weniger Handgriffe verändert worden.

    Das Produkt wird als zukunftsweisende Novität angepriesen.

    Sie kupfern Ideen auch nicht einfach ab, sondern transponieren Ansätze aus fremden Branchen und Produktgattungen in ihre eigene, setzen Altbewährtes neu zusammen, lassen sich zu Novitäten etwas Günstigeres oder Besseres und häufig sogar beides zugleich einfallen. Mit billigen Fälschungen hat die hohe Kunst des Kopierens denn auch so wenig gemein wie eine kreative Warhol-Collage mit einem Computer-Farbausdruck desselben Kunstwerks.
    Harald Willenbrook, Warum ist es besser, Zweiter zu sein?, Brandeins, 01/2011

  • Devianz

    Das Substantiv Devianz (die) bezeichnet in der Soziologie ein (von einer Norm) abweichendes Verhalten, das gesellschaftlichen Regeln oder Erwartungen widerspricht.

    Unterschieden wird bei der Devianz in eine primäre und eine sekundäre Form.

    Bei der primären Devianz handelt es sich um ein einmaliges Überschreiten der vorhandenen gesellschaftlichen Normen und Werte, ohne längerfristige Folgen für das Individuum und sein gesellschaftliches Ansehen.

    Die sekundäre Devianz beschreibt, dass sich das deviante Verhalten zum beherrschenden Lebensstil entwickelt und so den Einzelnen oder die Gruppe vom Rest der Gesellschaft abgrenzt. Auch bei Eigenschaften und Merkmale, wie zum Beispiel Krankheit, Behinderung und Hautfarbe, kann in diesem Fall von Devianzen gesprochen werden.

    In der Statistik bezeichnet Devianz darüber hinaus ein Maß für die Fitqualität eines Modells für einen gegebenen Datensatz.

    Der Begriff ist auf das französische dévier (abweichen) zurückzuführen.

    Bei der Pädophilie handelt es sich um sexuelle Devianz.

    Im Kleinen werden Männer bis heute zum Kalkül genötigt, wie schlecht ein Mann sein muss, um ein guter Mann zu sein. Wie viel Devianz muss er aufbringen, damit er als echter Kerl gilt?
    Christoph Kucklick, Das verteufelte Geschlecht, Die Zeit Nº 16/2012

    Es ist aber ein verbreiteter Fehlschluss, in Diagnose und Therapie einen lebensverlängernden Fortschritt zu sehen. Mit unsichtbaren, unerkannten Devianzen kann man ein langes, unbeschwertes Leben führen, erst die erkannte und sichtbar gemachte Krankheit wird zum Problem.
    Finis, Das Letzte, Zeit Online, 30.08.2006

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