• philanthropisch

    Das Adjektiv philanthropisch entstammt dem griechischen philánthrōpos und beschreibt die Menschenfreundlichkeit. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass jemand besonders menschenfreundlich handelt oder denkt. Die ursprüngliche Bedeutung erweiternd, werden heutzutage auch wohltätige und gemeinnützige Denkweisen und Sachverhalte als philanthropisch bezeichnet.

    Wenn also eine Denkweise oder eine Handlung als wohltätig oder als Projekt für die Menschen gesehen wird, so kann philanthropisch als Kompliment für die Verantwortlichen verwendet werden.

    Auch Facebook lerne dazu. Am bemerkenswertesten aber habe sich, so Eck, Microsoft gemacht – und das nicht nur, weil Bill Gates und seine Frau Melinda sich mit ihrer philanthropischen Stiftung einen guten Ruf erarbeitet hätten.
    Ulf J. Froitzheim (2011), Dallas Digital, brand eins 09/2011

    Auch der hohe Erlös der Spenden für die Kinderhilfsprojekte war ein weiteres Indiz für den rein philanthropischen Charakter der Spendengala.

    Ohne nicht auch mal die eigenen Maximen und philanthropischen Denkweisen zu ignorieren, würde es uns vielleicht schwerer fallen, Missstände in der Gesellschaft zu verstehen.

  • Chuzpe

    Die Chuzpe ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit. Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

    Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner ursprünglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abhängig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht. Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als kühn und gewitzt bewerten.

    Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, führte dann aber später seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsfähig gewesen, könne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

    Huber […] redet Klartext: „Gott empört mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willkürliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
    Jan Küveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.

  • lakonisch

    Das Adjektiv lakonisch entstammt dem griechischien lakōnikós (kurz und treffend, wortkarg) und hat im Deutschen heute noch die gleiche Bedeutung. Es bezog sich ursprünglich auf die knappe Ausdrucksweise der Spartaner, die man derzeit auch Lakedaimonier nannte.

    Das Wort lässt sich immer dann verwenden, wenn man darauf hinweisen möchte, dass etwas kurz und treffend ausgedrückt wurde. Oft, aber nicht immer, schließt das auch eine nüchterne und präzise Ausdrucksweise ein.

     Lakonisch, ohne auch nur die Stimme zu erheben, beschrieb sie den Tathergang.

    Auf die sehr offen gestellte Frage antwortete er überraschend lakonisch.

    Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, wiederum brachte es auf die lakonische Formel „der Weg ist das Ziel“.
    Katharina Schuler (2009), Islamkonferenz übt sich in Bescheidenheit, Zeit Online 25.6.2009.

    Häufig spricht man von „lakonischer Kürze“, was jedoch ein Paradebeispiel für einen Pleonasmus ist.

  • Pleonasmus

    Der Begriff Pleonasmus entstammt dem griechischen pleonasmós, was soviel wie Überfluss bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch beschreibt er rhetorische Erscheinungen, die durch mehrfach gleiche Aussagen innerhalb eines Satzes, einer Wortgruppe oder auch eines einzelnen Begriffs gekennzeichnet sind. Immer dann, wenn Sprachmittel verwendet werden, die keinerlei zusätzliche Information zu dem bisher Gesagten liefern (Redundanz), spricht man von einem Pleonasmus.

    Das Wort eignet sich vor allem, um jemanden auf den Pleonasmus in seiner Aussage aufmerksam zu machen. Nicht selten sind im Deutschen Redewendungen und Wortkombinationen mit pleonastischem Charakter, wie etwa „Fußpedal“ oder „heiße Flamme“, deren Verwendung als schlechter Sprachstil gilt.

    Pleonasmen:
    Runde Kugel, kaltes Eis, La-Ola-Welle (span. „la ola“ = die Welle), stillschweigend, schlussendlich, Einzelindividuum (Individuum = „Einzelwesen“), bunte Farben,  Pulsschlag (lat. „pulsus“ = Schlag), persönliche Anwesenheit.

    Herr Kaehlbrandt, Sie bezeichnen sich selbst als Sprachmüllsammler. Was ist Ihr jüngstes Fundstück?

    Die wichtigsten Essentials – ein sehr schöner Pleonasmus. Bisher kannte ich nur wesentliche Essentials.
    – Jens Bergmann (2000), Was Unternehmern nützt, brand eins 07/2000

  • fulminant

    Das Adjektiv fulminant geht auf den lateinischen Begriff für Blitz (fulmen) zurück. Der Begriff hat im Laufe seiner Existenz im deutschen Sprachgebrauch eine Wandlung erfahren und bedeutet heute „großartig, imposant, überwältigend“.

    Als fulminant bezeichnet man heute besonders eindrucksvolle Dinge und Ereignisse, insbesondere dann, wenn sie durch eine beachtliche und außergewöhnliche Leistung einer oder mehrerer Personen ermöglicht wurden. Tätigkeiten können ebenfalls als fulminant beschrieben werden, jedoch ist der Gebrauch in Bezug auf Substantive und substantivierte Verben weit häufiger.

    Nach dem fulminanten und viel beachteten Auftakt ließen sie nicht etwa nach, vielmehr schwangen sie sich zu bisher ungeahnten Höhen ihrer Kunst auf.

    Viel Lob bekam sie auch für den fulminanten Galaabend anlässlich des hundertsten Jahrestags des Vereins.

    Das Semester begann schwach, endete aber dafür um so fulminanter.

    Ist man Journalist und nimmt an einem JOURNALISTEN- ODER SCHRIFTSTELLERTAG teil, so donnere man eine fulminante Rede gegen den Nachdruck, den man als frechen Straßenraub bezeichnet, durch den der arme Kollege das geistige Eigentum einbüßt. Namentlich thue man dies, wenn man selbst das Verbrechen des Nachdrucks verübt. (sic)
    – Julius Stettenheim (1905), Der Moderne Knigge.

  • Paradigma

    Paradigma, vom griechischen parádeigma, bedeutet „Muster, Modell, Beispiel“. Ein Paradigma ist im alltäglichen Sprachgebrauch meist ein exemplarisches, breite Anerkennung findendes Muster. Das zugehörige Adjektiv paradigmatisch bedeutet „beispielhaft“.

    Das Wort kann verwendet werden, um auf Theorien, Maßgaben oder Denkschemata hinzuweisen, insbesondere dann, wenn diese von allgemeiner Akzeptanz oder zumindest Gültigkeit geprägt sind. Wird ein Paragidma obsolet, kann es durch ein anderes ersetzt werden. So kann beispielsweise ein Regierungswechsel, der mit einem Wechsel der politischen Ausrichtung der Regierung verbunden ist, als Paradigmenwechsel bezeichnet werden.

    Das Paradigma streng hierarchisch aufgebauter interpersoneller Beziehungen hat ausgedient.

    Der jüngste Trainerwechsel brachte auch einen abrupten Paradigmenwechsel mit sich, auf den sich die Spieler erst einstellen mussten.

    Die Versuche, die Inflation über die Geldmenge zu steuern, scheiterten daher. Makroökonomen verbannten daraufhin das Geld aus ihren Modellen – die Notenbanken sollten die Wirtschaft über die Zinsen steuern, lautete das neue Paradigma.
    Norbert Häring (2011), Die Rückkehr des Monetarismus, Zeit Online 20.12.2011.

  • monetär

    Das Adjektiv monetär findet seine etymologische Herkunft in dem lateinischen Wort für Münze (moneta) und bedeutet „finanziell, das Geld betreffend“. Es bezeichnet somit im Allgemeinen geldliche und finanzielle Werte.

    Das Wort ist im alltäglichen Sprachgebrauch sinngemäß anwendbar. Man verwendet es üblicherweise, wenn besonders in den Vordergrund gestellt werden soll, dass es sich ausschließlich um geldliche und nicht um vergleichbare Werte handelt.

    Monetäre Anreize können einen Ansporn zu mehr Leistung im beruflichen Alltag darstellen.

    Zur Stabilisierung der Region wurden fiskalische und monetäre Mittel eingesetzt.

    Monetär sind wir derzeit gut aufgestellt.

    Inzwischen ist eine neue Elite entstanden, die sich über viele Länder verteilt und auf kultureller Ebene austauscht. Für diese Menschen hat Luxus nichts mehr mit monetären und materiellen Werten zu tun – ihnen geht es um kulturelle Relevanz.
    –  Gabriele Fischer, Wolf Lotte (2006), Ehrlichkeit ist auch eine Strategie, brand eins 04/2006

  • fungieren

    Fungieren ist das weniger gebräuchliche Verb zum Substantiv „Funktion“. Es ist dem lateinischen fungi „vollziehen, vollbringen, einer Angelegenheit Genüge leisten“ entlehnt und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Wenn jemand als etwas fungiert, dann erfüllt er eine gewisse Aufgabe, dient einem gewissen Zweck oder verrichtet eine gewisse Tätigkeit. Wenn eine Sache als etwas fungiert, dann wird sie nicht selten in überraschender oder nicht offensichtlicher Weise gebraucht.

    Sie fungierte in dieser schwierigen Phase als Vermittlerin zwischen den zerstrittenen Parteien.

    Die CD-Schublade fungierte als Kaffeetassenhalter.

    Als das Wesentliche kommt hier hinzu, daß das Geld überhaupt in spezifischen »Geldgeschäften« ein ganz besonderes Wesen annimmt, d. h., wenn es nicht als Tauschmittel in bezug auf andere Objekte, sondern als zentraler Inhalt, als für jetzt nicht über sich hinausweisendes Objekt der Transaktion fungiert.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

  • evident

    Das Adjektiv evident leitet sich von dem lateinischen Adjektiv evidens ab und bedeutet soviel wie augenscheinlich. Es beschreibt etwas, das klar auf der Hand liegt.

    Ein evidenter Sachverhalt ist unmittelbar und ohne Schwierigkeit erkennbar. Das Wort lässt sich somit alltäglich für die Betonung der Offensichtlichkeit eines Sachverhalts oder eines Zustandes verwenden, insbesondere auch um deutlich zu machen, dass man weitere Diskussion für überflüssig hält.

    Dein Engagement in dem neuen Projekt ist aufgrund deines Nichterscheinens bei der Arbeit evident unzureichend.

    Irgendwann werde etwas so evident, dass sich daraus ein neuer Trend ableiten ließe.
    Schönherr K. (2011), Vorraussagen was angesagt ist, Zeit-Online 23.12.2011

    Mit dieser Geistesverfassung von froher, überschäumender Kraft ging man an die Lösung der letzten Aufgabe, die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit so evident zu machen, wie es ein mathematischer Lehrsatz war, denn alles war ja mathematisch erkennbar.
    – Paul Ernst (1935), Ein Credo.

  • polemisch

    Wenn eine Argumentation polemisch ist, dann ist sie unsachlich, aggressiv und überspitzt. Das Wort stammt von dem gleichbedeutende Adjektiv polémique aus dem Französischen ab, welches wiederum auf polemikós (kriegerisch) aus dem Griechischen zurückzuführen ist.

    Man sagt, Auseinandersetzungen und Diskussionen mit politischem, literarischem oder wissenschaftlichem Hintergrund gleiten ins Polemische ab, wenn eine persönliche und unsachliche Ebene erreicht wird. Somit lässt sich das Wort verwenden, um jemanden auf diesen Missstand seiner Argumentation aufmerksam zu machen.

    Ihre Ausführungen für die Durchsetzung ihrer Ziele der Autofreien Zone haben das Kernthema gänzlich verlassen. Ihre polemische Argumentation bringt uns nicht weiter.

    Dühring hat Helmholtz geradezu besudelt; und es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß Einstein diese Art einer polemischen Beweisführung verabscheut;
    – Alexander Moszkowski (1922), Einstein – Einblicke in seine Gedankenwelt.

    Nun, das liegt nicht in meiner Absicht. Der Anschein entstand wahrscheinlich daraus, daß ich in meiner polemisch angelegten Darstellung die unausgebildeten ärztlichen Analytiker für noch gefährlicher erklären mußte als die Laien.
    – Sigmund Freud (1926), Die Frage der Laienanalyse.

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