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  • Obolus

    Der Begriff Obolus stammt von dem griechischen Wort¬†obol√≥s bzw. obel√≥s¬†ab, was in der Antike einen Spie√ü (vgl. Obelisk) betitelte. Dass die Bedeutung von¬†obol√≥s auch zu jener Zeit schon f√ľr kleine M√ľnzen stand, ist vermutlich drauf zur√ľck zu f√ľhren, dass M√ľnzen zu der Zeit kleine spitze Metallst√ľcke waren. In der deutschen Sprache bezeichnet der Obolus einen kleinen Betrag bzw. eine kleine Geldspende f√ľr etwas.

    Verwendet werden kann das Wort immer in einem Kontext, in dem es um einen kleinen Beitrag zu etwas geht. In der Regel handelt es sich hierbei um monetäre Mittel.

    Die „Geb√ľhrenakzeptanz immer neu“ zu begr√ľnden, geh√∂re zur „√úberlebensstrategie“ der Anstalten. Zwar ist die Rechtslage eindeutig: Den Obolus muss jeder Ger√§tebesitzer entrichten, sogar der, der ausschlie√ülich Dauerwerbesendungen schaut. Dass die GEZ potenzielle Schwarzseher per Melderegisterabgleich aufsp√ľrt und ihnen mit dem Gerichtsvollzieher droht, gilt nicht einmal innerhalb der beg√ľnstigten Anstalten als der Weisheit letzter Schluss.
    –¬†Roland Keller, Ulf J. Froitzheim (2002), Wettbewerb √ľber Geb√ľhr, brand eins 06/2002.

    „Er traut nicht einmal den Versprechungen der unbescholtenen Philosophen und m√∂chte sicherlich die beiden Kalbinnen schon im voraus haben ‚Äď ist das aber eine Riesenausgabe f√ľr mich. Aber wenn der edle Vinicius mir von dem, was er mir versprach, einen Teil des Lohns auf Abrechnung geben wollte …“

    „Nicht einen¬†Obolus, Chilon!“ sprach Petronius, „nicht einen¬†Obolus! Die Freigebigkeit des Vinicius soll deine Erwartungen √ľbertreffen, aber erst dann, wenn Lygia gefunden ist, das hei√üt, wenn du uns ihr Versteck angegeben hast.“
    –¬†Henryk Sienkiewicz (1895), Quo Vadis.

  • antizipieren

    Das Verb antizipieren¬†entstammt dem Lateinischen, wo ante¬†„vorher“ und capere¬†„nehmen“ bedeutet. Im Deutschen hat der Begriff zwei Bedeutungen. Im Allgemeinen meint er „vorwegnehmen, vorhersehen“, speziell im wirtschaftlichen Vokabular bedeutet er „eine Zahlung vor F√§lligkeit leisten“.

    Spricht man davon, dass etwas antizipiert wird, so meint man in der Regel die Vorwegnahme eines eintretenden Ereignisses oder eines Zustands. Die schließt neben dem Vorhersehen oft auch das Einstellen auf die erwartete Situation mit ein, so dass man gegebenenfalls adäquat reagieren kann.

    Er antizipierte den Pass des Mittelfeldspielers und konnte sich so im Duell mit dem Abwehrspieler einen entscheidenden Vorteil sichern.

    Bei Investitionsentscheidungen ist es auch wichtig, mögliche Risiken zu antizipieren.

  • markant

    Das Adjektiv¬†markant stammt vom franz√∂sischen¬†marquant (sich auszeichnend, hervorragend) ab. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „stark ausgepr√§gt“ bzw. beschreibt etwas als stark¬†auffallend oder zur Identifikation heranziehbar.

    Geläufige Verwendungen sind beispielsweise markante Erscheinungen, was personenbezogen ein auffallendes Erscheinungsbild beschreibt.  Menschliche Profile oder auch Sachverhalte sowie Entwicklungen können ebenfalls markant sein.

    […] 2002 Als Kind war er ein Verehrer von Mr. Spock, dem Ersten Offizier des Raumschiffs Enterprise, der mit seiner Crew in der gleichnamigen Fernsehserie durchs All flog, um neue Welten zu entdecken. Markenzeichen von Mr. Spock: markant geformte Ohren und eine ebenso markante, √ľberaus sachliche Art zu sprechen.
    Astrid Funck (2005), Die Sprachingenieure, brand eins 06/2005. 

    Auf dem Balkon qualmt schon der Grill, drinnen im Saal riecht es markant nach Wurst. Gut 50 Journalisten schreiben eifrig mit, als Balz Horber, Gesch√§ftsf√ľhrer des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF), poetische T√∂ne anschl√§gt: Die „leicht gekr√ľmmte Form“ der Cervelat lasse die Leute „ins Schw√§rmen geraten“, und dann diese „feine Oberfl√§che“ der Wursthaut. Das gelinge nur mit dem Darm aus Brasilien.
    Kai Michel (2008), Jetzt geht’s um die Wurst, brand eins 03/2008.¬†

  • subsistieren

    Das Verb subsistieren entstammt dem lateinischen Wort subsistere, was¬†soviel wie „stillstehen“ oder „standhalten“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet subsistieren im Kontext der Philosophie, dass etwas f√ľr sich und unabh√§ngig von anderem besteht. ¬†In einer veralteten bildungssprachliche Verwendung kann subsistieren auch „einen Lebensunterhalt haben“ bedeuten.

    Nur darf man den Charakter der Konkretheit dadurch nicht herabgesetzt glauben, da√ü er hier nicht an dem Einzelwesen als solchem haftet. Die Relativit√§t zwischen den Dingen hat die einzigartige Stellung: √ľber das Einzelne hinauszureichen, nur an der Mehrheit als solcher zu¬†subsistieren¬†und doch keine blo√ü begriffliche Verallgemeinerung und Abstraktion zu sein.
    –¬†Georg Simmel (1900),¬†Philosophie des Geldes.

    Heute wollte ich die neuen Untersuchungen fortsetzen, fand mich aber von meiner Phantasie so fortgerissen, daß ich den ganzen Tag nichts habe tun können. In meiner jetzigen Lage ist dies nun leider kein Wunder! Ich habe berechnet, daß ich von heute an nur noch 14 Tage hier subsistieren kann.
    РHeinrich Heine (1835), Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland.

  • tangibel

    Der Begriff tangibel findet seinen Ursprung im lateinischen Adjektiv tangibilis,¬†was „ber√ľhrbar“ bedeutet bzw. im Verb tangere, das als „ber√ľhren“ √ľbersetzt werden kann. Im ¬†Deutschen beschreibt der Begriff Dinge oder Sachverhalte, die sp√ľrbar, anfassbar oder greifbar sind. Weitere Synonyme sind „real“ oder „konkret“.

    W√§hrend das englische tangible h√§ufig gebraucht wird,¬†kommt das deutsche Pendant im t√§glichen allgemeinen Sprachgebrauch eher selten vor. Im Kontext der Betriebswissenschaften wird der Begriff f√ľr materielle, lagerbare G√ľter und greifbare Dienstleistungen verwendet. Auch bei Firmengr√ľndungen spricht man h√§ufig von tangiblen Werten, die als Sacheinlage dienen. Nicht greifbare, also immaterielle G√ľter bezeichnet man als intangibel.

    Nach Ansicht der Schweizer Forscher verkaufen sich nicht tangible Produkte besser, wenn sie das Selbstbild des Kunden positiv beeinflussen. Ein einfaches Beispiel sind hochwertige Kofferanhänger, die die Deutsche Lufthansa an die Mitglieder der Vielfliegerprogramme Senator und HON Circle ausgibt.
    Thomas Ramge (2011), Nicht gucken anfassen!, brand eins 12/2011.

    Bisweilen (im ersten Fr√ľhling, um die Sommermittagsstunde, nach langem Wachen oder Fasten oder auch ohne sichtbaren Grund) erscheinen die Menschen und Dinge und wir selbst uns wie¬†intangibel, von einer unerkl√§rlichen isolierenden Aura umgeben.
    РEgon Friedell (1965), Kulturgeschichte der Neuzeit.

  • Prosa

    Der Begriff Prosa stammt von dem¬†sp√§tmittelhochdeutschen Wort prŇćse, welches wiederum auf¬†das lateinische Wort prŇćsa¬†(oratio)¬† zur√ľckzuf√ľhren ist. Der lateinische Begriff bedeutet¬†soviel wie „schlichte Rede“, was das Gegenteil von poetischer, lyrischer oder rhythmischer Rede darstellt. Im heutigen Gebrauch bezeichnet die Prosa ebenfalls Texte, die nicht den Genres Lyrik, Drama etc. zuzuordnen sind, jedoch steht es auch f√ľr besonders einfache oder gew√∂hnliche Aussagen. Im √ľbertragenen Sinne kann es auch f√ľr n√ľchterne, einfache oder zusammenhangslose Sachverhalte verwendet werden.

    Regelm√§√üiger Sport und Wellness sind f√ľr viele die einzige M√∂glichkeit der Alltags-Prosa zu entkommen.

    Alle spannenden Geschichten gleichen einander auf bestimmte Weise. Wirklich interessant wird es, wenn die Form der spannenden Erz√§hlung nur noch als geisterhafte H√ľlle um ein langes St√ľck Prosa liegt, so wie ein ordentlicher Sonntagsanzug um eine beunruhigende, aus dem Leim gehende Vogelscheuche.
    –¬†Clemens J. Setz, Menschen im D√§mmer, Zeit Online 04.04.2012.

    Der Vortragende, einer aus der Abteilung der selbst ernannten Menschenumkrempler, kommt zum Gipfelpunkt seiner hoffnungslos optimistischen Personalentwickungs-Prosa: „Wir m√ľssen wieder das Lernen lernen!“ Alles nickt. Jedermann scheint zu wissen, was gemeint ist. Ich nicht.
    –¬†Reinhard Sprenger, Lehrst√ľck, brand eins 06/2012.

  • haptisch

    Das Adjektiv haptisch¬†hat seinen Ursprung im griechischen haptikos¬†(greifbar) und meint im deutschen Sprachgebrauch „den Tastsinn betreffend“.

    Das Wort wird immer gebraucht, um eine Erfahrung als „ertastbar“ zu beschreiben bzw. auf die ertastbaren Merkmale einer Sache hinzuweisen. Die haptische Qualit√§t oder auch die¬†Haptik¬†eines Gegenstands meint somit alle Merkmale, die mittels des Tastsinns erfasst werden k√∂nnen. Dazu geh√∂rt beispielsweise die Beschaffenheit der Oberfl√§che.

    Rein haptisch ist das Produkt hervorragend. Nichts wackelt, nichts f√ľhlt sich billig an, keine scharfen oder unregelm√§√üigen Kanten deuten auf minderwertige Verarbeitung hin.

    Moderne Smartphones und Tablet-PCs verf√ľgen heute √ľber sogenanntes „haptisches Feedback“. Um etwa einen Tastendruck zu simulieren und die glatte Oberfl√§che eines Touchscreens nat√ľrlicher wirken zu lassen, vibrieren die Ger√§te beim Dr√ľcken von grafischen Bedienelementen kurz.

    Obwohl Grass seine Fertigkeiten als bildender K√ľnstler nicht gegeneinander ausspielen will ‚Äď die Arbeit an einer Skulptur ist ihm doch das H√∂chste. ‚ÄěAlles ist Auge und Raumgef√ľhl, umgriffig, wunderbar! F√ľr literarische Spekulation ist da wohltuenderweise kein Platz.‚Äú Ganz leer der Kopf, Tee die einzige Droge, im Hintergrund geduldet das Kulturradio. ‚ÄěDie einzige Arbeit √ľbrigens, bei der ich nicht rauche. Die haptische Befriedigung ist gro√ü genug.‚Äú
    Christof Siemes (2007), Der K√ľnstler G√ľnter Grass, ZEITmagazin LEBEN, 19.12.2007 Nr. 52.

  • Thesaurus

    Der Begriff Thesaurus¬†stammt urspr√ľnglich vom griechischen Wort¬†thńďsaur√≥s ab und betitelte in der Antike Geb√§ude zur Aufbewahrung kostbarer Weihegaben, also eine Art Schatzhaus. Ebenfalls wurden besonders gro√üe W√∂rterb√ľcher als¬†Thesaurus¬†bezeichnet, insbesondere alphabetisch und systematisch geordnete Sammlung von Begriffen eines bestimmten Fachbereiches.
    Spätestens seit der Software MS-Office Word ist der Begriff Thesaurus im aktuellen Sprachgebrauch verankert und betitelt heute ein allgemeinsprachliches Wörterbuch, welches Synonyme bzw. sinn- und sachverwandte Wörter zu bestimmten Schlagwörtern enthält.

    ¬†Obwohl hier auch Allesschlucker, B√§nkels√§nger, Ohrenseifenbl√§ser und andere Akteure des Schaugesch√§ftes kurz vorgestellt werden, hat der Wiener Sachbuchautor Rudi Palla kein Kuriosit√§tenkabinett der sp√§tmittelalterlichen und neuzeitlichen Arbeitswelt eingerichtet. In seinem ‚ÄěThesaurus der untergegangenen Berufe“ wird der vorindustrielle Alltag nicht romantisiert, sondern realistisch beschrieben. Es ist ein Nacfrschlagewerk √ľber ‚ÄěVerschwundene Arbeit“ – und mit seinem Druck vom Bleisatz selbst ein gutes St√ľck einst gewohnter Handwerkerqualit√§t.
    –¬†DIE ZEIT, 7.10.1994 Nr. 41

  • kontr√§r

    Das Adjektiv kontr√§r wurde von dem franz√∂sischen Wort contraire (entgegengesetzt,¬†gegenteilig) abgeleitet, was wiederum seinen Ursprung im lateinischen contrarius bzw. contra¬† (gegen) findet. Als Fremdwort im deutschen Sprachgebrauch bedeutet es ebenfalls „entgegengesetzt“ oder „gegens√§tzlich“. Weitere Synonyme sind unter anderem¬†„gegenteilig“, „nicht vereinbar“, „verschieden“, „widerspr√ľchlich“¬†oder¬†„inkompatibel“.

    Man kann beispielsweise eine konträre Meinung haben, konträrer Auffassung sein oder auch konträre Ziele verfolgen.

    In der Rede des Vorsitzenden waren durchaus kontr√§re Inhalte zu bemerken, was die Ernsthaftigkeit und Glaubw√ľrdigkeit seiner Worte in Frage stellen lie√ü.

    Die Gesch√§ftsf√ľhrung und die externen Berater hatten offensichtlich schon bei der Planung des Projektes kontr√§re Ziele, was durchaus eine Erkl√§rung f√ľr den Misserfolg sein k√∂nnte.

    Mir ist wichtig, dass das, was in der Stadt passiert, mit meinem eigenen Zustand kompatibel ist. Oder so kontr√§r, dass es Spannung erzeugt und stimuliert. Wichtig sind vor allem die Menschen, ihre Stimmung, ihr Stil, Bewegungen, die eine ganze Generation pr√§gen. √Ąu√üere √Ąsthetik, wie in Paris, ist mir nicht so wichtig.
    Dorotheé Junkers, Was kommt? РDie Kunst, brand eins 07/2001. 

  • √§quivalent

    Das Adjektiv¬†√§quivalent stammt von dem mittellateinischen Wort aequivalens¬†ab, was auf die lateinische Kombination aus aequus (gleich) und valere (wert sein) zur√ľckzuf√ľhren ist. Im heutigen deutschen Sprachgebrauch bedeutet es „gleichwertig“. Weitere Synonyme sind¬†„angemessen“, „entsprechend“, oder „von entsprechendem/gleichem Wert“.

    Die Verwendung ist immer im Kontext von Vergleichen n√ľtzlich. Speziell in der Mathematik oder Chemie ist oft von √§quivalenten Mengen die Rede, was in diesem Sinne bedeutet, dass die beschriebenen Mengen der¬†Elemente einander umkehrbar eindeutig zugeordnet werden k√∂nnen.

    Um die Kompatibilit√§t der Studieng√§nge zu gew√§hrleisten, gibt es trotz den standardisierten Abschl√ľssen (Bachelor/ Master) noch Listen, die √§quivalente Leistungen entschl√ľsseln.

    Lohn muss äquivalent sein Рnur mit was?

    Der Betriebswirt Erich Kosiol hat 1962 das √Ąquivalenzprinzip eingef√ľhrt: Der Lohn m√ľsse mit dem Anforderungsgrad einerseits und dem Leistungsgrad andererseits zusammenh√§ngen.
    Stephan A. Jansen, Merkw√ľrdigkeiten aus den Manegen des Managements: Reize der Anreize, brand eins 04/2009.

    √Ąquivalent“ und „gleichwertig“ sind zwei √§quivalente Ausdr√ľcke.