• Paradigma

    Paradigma, vom griechischen parádeigma, bedeutet „Muster, Modell, Beispiel“. Ein Paradigma ist im alltäglichen Sprachgebrauch meist ein exemplarisches, breite Anerkennung findendes Muster. Das zugehörige Adjektiv paradigmatisch bedeutet „beispielhaft“.

    Das Wort kann verwendet werden, um auf Theorien, Maßgaben oder Denkschemata hinzuweisen, insbesondere dann, wenn diese von allgemeiner Akzeptanz oder zumindest Gültigkeit geprägt sind. Wird ein Paragidma obsolet, kann es durch ein anderes ersetzt werden. So kann beispielsweise ein Regierungswechsel, der mit einem Wechsel der politischen Ausrichtung der Regierung verbunden ist, als Paradigmenwechsel bezeichnet werden.

    Das Paradigma streng hierarchisch aufgebauter interpersoneller Beziehungen hat ausgedient.

    Der jüngste Trainerwechsel brachte auch einen abrupten Paradigmenwechsel mit sich, auf den sich die Spieler erst einstellen mussten.

    Die Versuche, die Inflation über die Geldmenge zu steuern, scheiterten daher. Makroökonomen verbannten daraufhin das Geld aus ihren Modellen – die Notenbanken sollten die Wirtschaft über die Zinsen steuern, lautete das neue Paradigma.
    Norbert Häring (2011), Die Rückkehr des Monetarismus, Zeit Online 20.12.2011.

  • monetär

    Das Adjektiv monetär findet seine etymologische Herkunft in dem lateinischen Wort für Münze (moneta) und bedeutet „finanziell, das Geld betreffend“. Es bezeichnet somit im Allgemeinen geldliche und finanzielle Werte.

    Das Wort ist im alltäglichen Sprachgebrauch sinngemäß anwendbar. Man verwendet es üblicherweise, wenn besonders in den Vordergrund gestellt werden soll, dass es sich ausschließlich um geldliche und nicht um vergleichbare Werte handelt.

    Monetäre Anreize können einen Ansporn zu mehr Leistung im beruflichen Alltag darstellen.

    Zur Stabilisierung der Region wurden fiskalische und monetäre Mittel eingesetzt.

    Monetär sind wir derzeit gut aufgestellt.

    Inzwischen ist eine neue Elite entstanden, die sich über viele Länder verteilt und auf kultureller Ebene austauscht. Für diese Menschen hat Luxus nichts mehr mit monetären und materiellen Werten zu tun – ihnen geht es um kulturelle Relevanz.
    –  Gabriele Fischer, Wolf Lotte (2006), Ehrlichkeit ist auch eine Strategie, brand eins 04/2006

  • fungieren

    Fungieren ist das weniger gebräuchliche Verb zum Substantiv „Funktion“. Es ist dem lateinischen fungi „vollziehen, vollbringen, einer Angelegenheit Genüge leisten“ entlehnt und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Wenn jemand als etwas fungiert, dann erfüllt er eine gewisse Aufgabe, dient einem gewissen Zweck oder verrichtet eine gewisse Tätigkeit. Wenn eine Sache als etwas fungiert, dann wird sie nicht selten in überraschender oder nicht offensichtlicher Weise gebraucht.

    Sie fungierte in dieser schwierigen Phase als Vermittlerin zwischen den zerstrittenen Parteien.

    Die CD-Schublade fungierte als Kaffeetassenhalter.

    Als das Wesentliche kommt hier hinzu, daß das Geld überhaupt in spezifischen »Geldgeschäften« ein ganz besonderes Wesen annimmt, d. h., wenn es nicht als Tauschmittel in bezug auf andere Objekte, sondern als zentraler Inhalt, als für jetzt nicht über sich hinausweisendes Objekt der Transaktion fungiert.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

  • evident

    Das Adjektiv evident leitet sich von dem lateinischen Adjektiv evidens ab und bedeutet soviel wie augenscheinlich. Es beschreibt etwas, das klar auf der Hand liegt.

    Ein evidenter Sachverhalt ist unmittelbar und ohne Schwierigkeit erkennbar. Das Wort lässt sich somit alltäglich für die Betonung der Offensichtlichkeit eines Sachverhalts oder eines Zustandes verwenden, insbesondere auch um deutlich zu machen, dass man weitere Diskussion für überflüssig hält.

    Dein Engagement in dem neuen Projekt ist aufgrund deines Nichterscheinens bei der Arbeit evident unzureichend.

    Irgendwann werde etwas so evident, dass sich daraus ein neuer Trend ableiten ließe.
    Schönherr K. (2011), Vorraussagen was angesagt ist, Zeit-Online 23.12.2011

    Mit dieser Geistesverfassung von froher, überschäumender Kraft ging man an die Lösung der letzten Aufgabe, die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit so evident zu machen, wie es ein mathematischer Lehrsatz war, denn alles war ja mathematisch erkennbar.
    – Paul Ernst (1935), Ein Credo.

  • polemisch

    Wenn eine Argumentation polemisch ist, dann ist sie unsachlich, aggressiv und überspitzt. Das Wort stammt von dem gleichbedeutende Adjektiv polémique aus dem Französischen ab, welches wiederum auf polemikós (kriegerisch) aus dem Griechischen zurückzuführen ist.

    Man sagt, Auseinandersetzungen und Diskussionen mit politischem, literarischem oder wissenschaftlichem Hintergrund gleiten ins Polemische ab, wenn eine persönliche und unsachliche Ebene erreicht wird. Somit lässt sich das Wort verwenden, um jemanden auf diesen Missstand seiner Argumentation aufmerksam zu machen.

    Ihre Ausführungen für die Durchsetzung ihrer Ziele der Autofreien Zone haben das Kernthema gänzlich verlassen. Ihre polemische Argumentation bringt uns nicht weiter.

    Dühring hat Helmholtz geradezu besudelt; und es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß Einstein diese Art einer polemischen Beweisführung verabscheut;
    – Alexander Moszkowski (1922), Einstein – Einblicke in seine Gedankenwelt.

    Nun, das liegt nicht in meiner Absicht. Der Anschein entstand wahrscheinlich daraus, daß ich in meiner polemisch angelegten Darstellung die unausgebildeten ärztlichen Analytiker für noch gefährlicher erklären mußte als die Laien.
    – Sigmund Freud (1926), Die Frage der Laienanalyse.

  • kontradiktorisch

    Das Adjektiv kontradiktorisch leitet sich aus den beiden lateinischen Begriffen contra (gegen) und dicere (sprechen, sagen) ab. In der deutschen Sprache kann es in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden und bedeutet meist ’sich widersprechend‘.

    In der Logik kann die Beziehung zwischen zwei Aussagen kontradiktorisch sein. Das ist dann der Fall, wenn sowohl von der Wahrheit der einen Aussage auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann als auch von der Falschheit der einen Aussage auf die Wahrheit der anderen. Beide Aussagen können also nicht gleichzeitig falsch sein, eine von beiden ist immer wahr:

    Tief in der Nacht stand die Sonne am Himmel. (kontradiktorische Aussage)

    Alle F sind P aber einige F sind nicht P. (kontradiktorische Aussage)

    Der Begriff kontradiktorisch wird oft mit dem Begriff konträr verwechselt. Konträr ist eine Beziehung zweier Aussagen, wenn von der Wahrheit der einen auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann, aber auch beide falsch sein können:

    Es ist Wochenende und es ist Mittwoch. (konträre Aussage)

    In der Rechtswissenschaft sind kontradiktorische Verfahren solche, bei denen sich zwei streitende Parteien gegenüber stehen und ermittelt werden muss, welche der beiden im Recht ist, also vor allem bei Zivilprozessen. Auch bei diesen ist es ja so, dass lediglich eine der beiden Parteien Recht bekommen kann, woraus sofort folgt, dass die andere im Unrecht ist.

  • obsolet

    Das steigerbare Adjektiv obsolet entstammt dem lateinischen Begriff obsoletus, was so viel wie „abgenutzt“ bedeutet.

    So bezeichnet man im Deutschen Dinge, Ideen, Anschauungen und ähnliches als obsolet, wenn sie überholt und veraltet sind. Obsolet ist also alles, was durch neues ersetzt und damit überflüssig geworden ist. Statt eine Sache als obsolet zu benennen, kann man auch von ihrer Obsoleszenz sprechen.

    Die Erfindung digitaler Speichermedien hat herkömmliche Fotokameras obsolet werden lassen. Ihrer technischen Obsoleszenz zum Trotz erfreuen sie sich aber bei Enthusiasten nach wie vor großer Beliebtheit.

    Die Zeit verlangt Wahrheit, die ganze Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Es muß noch dahin kommen, daß keiner dem andern eine Ohrfeige übelnehmen darf, wofern letztere nur aus einer teuren Überzeugung entsprang. Kein Briefgeheimnis, kein Hausgeheimnis! Alle diese obsoleten Begriffe müssen fallen! Alles muß öffentlich sein!
    – Karl Immermann (1977), Münchhausen.

  • spartanisch

    Das Wort spartanisch stammt aus der Antike und beschreibt die sprichwörtliche Härte und Einfachheit der Spartaner. Es leitet sich direkt aus dem altgriechischen Namen der Stadt Sparta ab. Wortwörtlich steht es für schlicht, einfach oder bescheiden.

    Verwenden lässt sich dieses Adjektiv alltäglich für die Beschreibung einfach gestalteter Sachverhalte. Wo die Bescheidenheit oder das Einfache als Stilmittel benutzt wird und die Bemerkung respektvoll untermalt werden soll, findet das Wort Anwendung.

    Die Website hat etwas Spartanisches, der Benutzer wird nicht mit überflüssiger Werbung und unnützer Information überhäuft.

    Der 59-Jährige sitzt an einem alten Holztisch in der Mitte eines schmalen, spartanisch eingerichteten Konferenzraums. Um den Tisch herum sechs harte Stühle. An der Wand Schränke, die an Spinde in Kasernen erinnern.
    Karin Finkenzeller (2011), Kriegsspiele, brand eins 09/2011

  • eloquent

    Das Wort eloquent findet seine Herkunft in dem lateinischen Adjektiv eloquens (beredt), beziehungsweise in dem Verb eloqui (aussprechen, herraussagen). Es bezeichnet die Fähigkeit, von einer Sprache Gebrauch machen zu können; also sie zu verstehen, sich in ihr auszudrücken und um ihre Interpretation zu wissen. Dies gilt für die Muttersprache wie auch für erworbene Fremdsprachen.

    Im alltäglichen Sprachgebrauch findet das Wort eloquent Anwendung, wenn man zur Geltung bringen möchte, dass jemand besonders sprachgewandt ist, sich also sehr gewählt und elegant ausdrücken kann.

    Um im Verkauf  Erfolg zu haben, muss man eloquent und intelligent sein.

    Domnick erzählte der Gruppe von den Schlägen, die er als Kind zu Hause habe einstecken müssen, von seinem schweren Autounfall, bei dem er vor 23 Jahren beinahe gestorben sei, und gestand, dass er, der so forsch und eloquent wirkt, in Vorstellungsgesprächen keinen Ton herausbekomme.
    – Johannes Pennekamp (2011), Die Berufsoptimistin, brand eins 08/2011.

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