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Conditio sine qua non

Die Phrase Conditio sine qua non beschreibt eine unabdingbare Voraussetzung bzw. eine notwendige Bedingung. Die wortwörtliche Übersetzung des Lateinischen lautet condicio (Bedingung), sine (ohne), qua (die) und non (nicht).

Im Kontext der Rechtswissenschaften meint die „Conditio sine qua non“-Formel eine kausale Ursache, die unabdingbar für ein entsprechendes Ergebnis ist, d.h. es wäre ohne die Conditio sine qua non nicht eingetreten.

Es ist jedoch auch in anderen Wissenschaften üblich, die Phrase „Conditio sine qua non“ für das Hervorheben unabdingbarer Voraussetzungen zu verwenden. Beispielsweise sind bestimmte chemische Vorgänge oft an solche Bedingungen geknüpft.

Der Bau von Flugzeugen ist eine Conditio sine qua non für Flugzeugunfälle, deswegen ist bei jedem Flugzeugunfall der Hersteller in einer Beweispflicht, um sich der direkten Verantwortung zu befreien (oder auch nicht).

Für den Vorgang der Korrosion an Metallen ist das Vorhandensein eines Elektrolyts eine Conditio sine qua non.

temporär

Das Adjektiv temporär bedeutet „von begrenzter Zeitdauer“. Es hat seinen Ursprung im lateinischen temporarius (den Umständen angepasst, zeitgemäß). Vgl. auch tempus (die Zeit).

Er befand sich temporär in einer ungünstigen finanziellen Lage.

Die Stuhllehne fungierte temporär als Wäscheständer.

Sie hofften immer noch, dass es sich dabei nur um ein temporäres Phänomen handelte.

Es konnte keine Heilung erreicht werden, sondern lediglich eine temporäre Linderung der Symptome.

Prospektion

Der Begriff Prospektion mein im Kontext der Archäologie das Auf- und Untersuchen bzw. möglicherweise Erschließen von archäologischen Stätten im Boden. In der Geologie handelt es sich bei der Prospektion um einen gleichen Vorgang, nur das hier Rohstoffe und Lagerstätten in der Erdkruste erkundet werden.

In der Kaufmannssprache werden auch Werbedrucke, bestehend aus Prospekten, Bestellkarten etc. als Prospektion bezeichnet.

Die Prospektion ist auf das lateinische Wort prospecto (in die Ferne schauen, sich umsehen) zurückzuführen.

Um neue Spenden für seine Prospektion in Afrika für die Untersuchung der Menschheitsgeschichte zu bekommen, wurden aufwändige und hochwertige Prospektionen in den Adelshäusern der londoner Gesellschaft verteilt, die es als ein Hobby sahen, ihren monetären Wohlstand in möglichst interessante und ruhmversprechende Forschungsvorhaben zu investieren.

An der Ölsuche selbst beteiligte sich Rockefeller nie. Die Prospektion neuer Quellen bestand in jenen Tagen aus teurem „trial and error“: Konzession erwerben, Bohrturm aufstellen, Bohrmeißel und Gestänge verschrauben, bohren und beten, Bohrturm wieder abbauen, neue Stelle suchen. Schwer kalkulierbar. Rockefeller spekulierte stattdessen lieber darauf, dass Öl wichtiger werden könnte.
– Sören Harms (2008), Schaf und Wolf, brand eins 12/2008.

Ressort

Das Ressort beschreibt einen Zuständigkeitsbereich, der durch eine Person oder von einem Team in einer Institution betreut wird. Es kann auch als Aufgabenbereich, Arbeitsfeld, Sachgebiet oder im übertragenen Sinne als Metier verstanden werden.

Der Begriff „Ressort“ entstammt dem französischen ressortir (hervorgehen, zugehören).

Dem Ressort „Wirtschaft“ der großen Tageszeitungen sind durch die enorme weltweite Vernetzung und durch die Erhöhung der Kommunikationsgeschwindigkeit wesentlich bedeutendere und aktuellere Informationen zu entnehmen, als noch vor 30 Jahren.

Nach jahrelanger Arbeit als Assistent des CEO übernahm er dessen Ressort und stand nun selbst an der Stelle des Geschäftsleiters.

Debatte

Eine Debatte ist ein Meinungsstreit, also ein Streitgespräch, in dem unterschiedliche Standpunkte vertreten werden. Spezielle Verwendung findet das Wort im politischen Kontext, wo mit einer Debatte die parlamentarische Erörterung eines Themas gemeint ist.

Entlehnt wurde das Wort im 17. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden französischen débat.

Sie lieferten sich eine hitzige Debatte, bei der sie auch gelegentlich ins Polemische abglitten.

Trotz langwieriger Debatte schien eine zufriedenstellende Lösung nicht in Reichweite.

Schließlich schaltete sich die Kanzlerin persönlich in die Debatte ein.

Expertise

Das Substantiv Expertise ist aus dem Französischen übernommen worden und ein Synonym für das Gutachten eines Experten. Im übertragenen Sinne versteht man unter Expertise auch allgemein Expertenwissen oder eine Bewertung oder Kritik durch einen Experten.

Bevor durch das Gremium eine fundierte Entscheidung getroffen werden kann, sollte zunächst eine stichhaltige Expertise vorgelegt werden, um den Rechtswissenschaftlern unter den Entscheidungsträgern die Thematik der generellen Komplexität der Entwicklung einer Zeitmaschine näherzubringen.

„Mit dem Autoritätsverlust fällt nun aber eine wesentliche Funktion von Beratung weg, die einen erheblichen Anteil des Umsatzes ausmachte: die Legitimationsfunktion“, schrieb der Berater Rudolf Wimmer 2003. Die Expertise erodiert -und das ist nicht nur eine Begleiterscheinung der Demokratisierung des Wissens durch die Digitalisierung: Es zeigt sich eine grundsätzlichere und systematischere Entzauberung, die auch die Wissenschaft betrifft, die Beratung in der Regel legitimiert.
 Stephan A. Jansen, (2012), Merkwürdigkeiten aus den Manegen des Managements: Das Dilemma der Berater, brand eins 02/2012

in­di­zie­ren

Das Verb indizieren entstammt dem lateinischen Begriff indicare (anzeigen) und wird heute verwendet, um auszudrücken, dass ein Sachverhalt oder ein Gegenstand etwas erkennen lässt bzw. auf etwas hinweist. Naheliegend ist die Brücke zu dem Wort „Indiz“, welches etwas bestimmtes indiziert, also erkennen lässt.

Im Kontext der Medizin wird von indizieren gesprochen, wenn Merkmale einer Krankheit auf eine Heilmethode hinweisen um die Krankheit zu bekämpfen.

Eine weitere aktuelle Bedeutung von indizieren ist der Vorgang, jugendgefährdende Medien dem Index der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ zuzuordnen, die dann im Sinne des Jugendschutzes den Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden sollen.

Der diskontinuierliche Sommer, wenn man überhaupt von einem Sommer sprechen kann,  indiziert eindeutig, dass sich unser Klima verändert.

Und natürlich gibt es in der Provinz immer Sozialpädagogen oder Feministinnen, die das oder irgendwas furchtbar finden und verbieten lassen wollen, weil alles egal ist, solange nur alles ruhig ist. Die Verdrängungsmaschine läuft auch bereits: Zurzeit bearbeitet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften drei Anträge auf Indizierung mehrerer CDs von Aggro Berlin.
– Peter Lau (2004), Der Stolz der Verlierer, brand eins 06/2004.

Ka­no­ni­sa­ti­ons­kon­gre­ga­ti­on

Das wichtige Wort Kanonisationskongregation bezeichnet die katholische Institution, die mit der Prüfung der Anträge auf Selig- und Heiligsprechung (auch: Kanonisation, Kanonisierung) von Personen betraut ist. Wird eine Person von der Kanonisationskongregation für ausreichend bedeutend befunden (also wenn sie etwa ein Märtyrer ist oder sich an ihr ein Wunder zugetragen hat), wird der Antrag im Anschluss vom Advocatus Diaboli angefochten, der gegen eine Selig- oder Heiligsprechung argumentieren soll. Ihm gegenüber argumentiert der Advocatus Dei für eine Selig- bzw. Heiligsprechung.

Schließlich wird eine Seligsprechung vom Präfekten der Kanonisationskongregation selbst durchgeführt und eine Heiligsprechung vom amtierenden Papst. Am wichtigsten ist dabei der Eintrag ins Martyrologium.

Die Ordensgemeinschaft reichte den Antrag bei der Kanonisationskongregation ein und hatte große Hoffnung, dass ihr kürzlich verstorbenes Mitglied heilig gesprochen werden würde.

ad acta

Die Redewendung ad acta bedeutet sinngemäß, dass etwas abgelegt (zu den Akten gelegt) wird. Diese Redewendung wird immer dann verwendet, wenn etwa eine besonders lästige Angelegenheit als erledigt betrachtet werden kann.

Die Redewendung setzt sich aus den lateinischen Wörter ad (zu, nach) und acta (Handlung, Protokoll, Akte) zusammen.

Beide Nachbarn hatten im Laufe der Zeit immer wieder durch massive Angriffe mit toxischen Flüssigkeiten auf die Flora im Garten des jeweilig anderen ihren Nachbarschaftsstreit untermauert. Als jedoch bekannt wurde, dass eine Autobahn 200m weiter südlich ihrer Grundstücke geplant ist legten sie ihren Kleinkrieg ad acta und kämpften nun gemeinsam gegen das Autobahnprojekt.

„Aber dann habe ich gemerkt, dass ich nicht weit komme, wenn ich das neben dem Studium als Hobbyprojekt betreibe“, erinnert sich Pohl, „mit Leuten, die nur so lange mitmachen, wie es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Frustriert legte er das Vorhaben ad acta. Und er fasste einen Entschluss: „Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann richtig.“
Andreas Molitor (2011), Vergesst Sezuan – schaut nach Horb!, brand eins 03/2011.

Zeche

Der geläufige Begriff Zeche wird häufig in der Gastronomie umgangssprachlich als Bezeichnung für die Rechnung für konsumierte Speisen und Getränke verwendet. Eher unbekannt ist hingegen die Bezeichnung aus dem Kontext des Bergbaus einer Grube oder Mine als Zeche. Im Ruhrgebiet (Steinkohlebergwerke) ist die Zeche auch heute noch ein gängiges Synonym für ein Bergwerk.

Die nähere Herkunft des Wortes ist unbekannt, jedoch tauchte der Begriff zuerst im Umfeld des Bergbaus auf.

Ein mittlerweile nicht unüblicher Volkssport in Berlin ist es, in einem Restaurant zu essen, um dann in einen unbeobachteten Moment zu türmen und die Zeche zu prellen.

Die ganze Nacht hat es gegossen, und kurz vor elf, am Sammelpunkt der Kundgebung gegen die Stilllegung der Zeche Tower, schüttet es immer noch. Als ob alle Schleusen im Himmel geöffnet worden wären, um das hoffnungslose Land zu ersäufen und den Förderturm der letzten Zeche in Süd-Wales für immer im Morast versinken zu lassen.
–  Andreas Molitor (2009), Tyrones Traum, brand eins 02/2009.