Auf neueswort.de lernen Sie täglich ein neues Fremdwort. Entweder direkt auf der Website oder im kostenlosen Newsletter.

  • exaltiert

    Das Adjektiv exaltiert ist dem franz√∂sischen¬†exalter (begeistern) entlehnt. Im Deutschen hat es zwei Bedeutungen. Zum einen kann es „(k√ľnstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“ bedeuten, zum anderen „√ľbersteigert“ im Sinne von „extravagant, exzentrisch, verdreht“.

    Sowohl die erste als auch die zweite Bedeutungsebene eignet sich, um Personen oder das Verhalten derselben zu charakterisieren. Von welcher Bedeutung man ausgehen kann, h√§ngt vom Kontext und dem Zeithorizont ab. Ist jemand in einer bestimmten Situation exaltiert, meint man in der Regel situativ hysterisches beziehungsweise √ľbersteigert aufgeregtes Verhalten. Beschreibt man eine Person generell – also situativ unabh√§ngig – als exaltiert, zielt man tendenziell eher auf die zweite Bedeutungsebene ab und m√∂chte auf ihre exzentrische, eventuell wunderliche Art hinweisen.

    Im Sinne von „(k√ľnstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“:

    In solchen Momenten reagiert sie immer wieder anstrengend exaltiert. Von einem nat√ľrlichen und ma√üvollen Verhalten kann dann keine Rede mehr sein.

    Seine Rede sollte begeistern, doch seine exaltierte Gestik machte den Effekt der sorgsam gewählten Worte zunichte.

    Im Sinne von „√ľbersteigert“, „extravagant“, „exzentrisch“:

    Unter dem Szenevolk Hamburgs findet man so einige exaltierte Figuren.

    Bescheidenheit ist ein Zeichen der Volksnähe, der Bodenhaftung und Besonnenheit. Die exaltierte Selbstfeier bleibt dem Ausland, bleibt Madonna oder Prince vorbehalten.
    – Adam Soboczynski (2006), Kein Oscar f√ľr Bescheidenheit, Die Zeit Nr.11 vom 08.03.2007, S.62.

  • akut

    Das Adjektiv akut stammt von dem lateinischen Wort acutus ab, was soviel wie „scharf“ oder „spitz“ bedeutet. ¬†Heute wird es im Deutschen f√ľr einen Zustand oder Sachverhalt verwendet, der im Augenblick herrschend ist bzw. der brennend, unmittelbar oder vordringlich vorliegt.¬†Weitere m√∂gliche Synonyme sind „aktuell“, „dringend“ oder „momentan“.

    Im Kontext der Medizin wird als akut ein Krankheitszustand beschrieben, der unvermittelt auftritt und/oder schnell und heftig verläuft. Außerhalb der medizinischen Verwendung kann der Begriff auch im Bezug auf andere dringende oder andauernde Sachverhalte gebraucht werden.

    Die damalige Frage der Giftm√ľllentsorgung ist auch heute noch akut.

    Ein¬†akutes Beispiel¬†f√ľr das Problem der Jugendkriminalit√§t sind die √úberf√§lle in der j√ľngsten Vergangenheit durch Minderj√§hrige.

    Als 2007, vor Einf√ľhrung von Chatter, durch das Versehen eines Salesforce.com-Mitarbeiters eine Kundenliste kopiert wurde, die Kontakt- und Fimennamen enthielt, Mailadressen und Telefonnummern, gab es danach zahlreiche Phishing-Angriffe auf Sales-force.com-Kunden. Die Frage bleibt akut: Vertraue ich der eigenen IT-Abteilung oder der eines anderen Unternehmens?
    –¬†Christoph Koch, Facebook f√ľrs B√ľro, brand eins 03/2012.

  • schm√§hen

    Der Begriff schm√§hen stammt aus dem Mittelhochdeutschen von dem Wort sm√¶hen ab, ein verwandtes Wort ist ebenfalls die Schmach. Heute beschreibt es ver√§chtliches Reden oder gar „beleidigen“, „beschimpfen“ bzw. „schlechtmachen“. Auch kann schm√§hen ein Synonym f√ľr „herabsetzen“, „l√§stern“ oder „durch den Schmutz ziehen“ sein.

    Jemanden zu schm√§hen ist eine etwas objektivere und nettere Beschreibung eines der oben genannten Sachverhalte. In der Satire werden Menschen oft geschm√§ht, jedoch¬†ohne ¬†ihnen b√∂swillig Schaden zuf√ľgen zu wollen.

    Sie schmähten ihn aufgrund seiner auffallend geringen Körpermaße.

    Prominente bieten mit ihrem gelegentlich auffälligen Verhalten nicht selten eine Angriffsfläche, so dass sie in den einschlägigen Fernsehshows gerne geschmäht werden.

    Wir angeblich so fortschrittlichen Menschen teilen unser Leben mit, man muss das mal so deutlich sagen, einem Fossil aus der Kreidezeit der Informationstechnik. Man h√∂rt es ihm blo√ü nicht an, dass es kaum j√ľnger ist als Lang-, Mittel- und Kurzwelle, die jeder von uns ohne Bedenken als vorsintflutlich schm√§hen w√ľrde.
    Ulf J. Froitzheim, Das Gute ist der Feind des Besseren, brand eins 12/2011.

  • kompatibel

    Das Adjektiv kompatibel hat seinen Ursprung im lateinischen Wort compati (mitf√ľhlen). Im Deutschen wird es heute als ein Adjektiv f√ľr etwas verwendet, womit ausgedr√ľckt werden soll, dass etwas in bestimmten Eigenschaften √ľbereinstimmt. Weitere Synonyme sind „vereinbar“ oder „vertr√§glich“.

    Eine beispielhafte Verwendung findet sich in der Medizin; wenn Blutgruppen kompatibel sind, eignen Sie sich f√ľr eine Transfusion. Wenn die Schnittstellen von technischen Ger√§ten kompatibel sind, so k√∂nnen diese vernetzt werden bzw. miteinander arbeiten.

    Da gibt es noch viele, die jetzt erst anfangen, ihre PS auf die Stra√üe zu bringen. Manche wissen noch nicht recht, wie es geht. Sie brauchen Hilfe, und sie brauchen nat√ľrlich auch L√∂sungen und Partner, die mit ihrem System kompatibel sind.
    –¬†Gabriele Fischer, Christiane Sommer, Eine kleine Elite bestimmt das Ding, brand eins 06/2000

    Oft sind die Daten von Mac OS und Windows nicht miteinander kompatibel und von einem System ins andere √ľberf√ľhrbar.

    Modulare technische Systeme m√ľssen untereinander kompatibel sein und √ľber standardisierte Schnittstellen verf√ľgen, damit keine Monopole entstehen und auch dritte Firmen einen Chance haben, ihre Produkte am Markt zu platzieren.

  • ubiquit√§r

    Das Adjektiv ubiquit√§r stammt aus dem Lateinischen, wo¬†ubique¬†soviel wie „√ľberall“ bedeutet. Im deutschen Sprachgebrauch wird es als¬†„allgegenw√§rtig“ oder „√ľberall verbreitet“ verwendet.

    Ubiquit√§r kann gut verwendet werden, um eine bedingungslose Verbreitung oder Allgegenw√§rtigkeit¬†eines Sachverhaltes, eines Gegenstandes, Konventionen, Meinungen oder auch von Organismen hervorzuheben.¬†Beispielsweise spricht man in der Informationstechnologie von „ubiquit√§ren Informationen“ oder in wirtschaftlichem Kontext von „ubiquit√§ren Wirtschaftsg√ľtern“.

    In Zeiten hoher Individualisierung wird die „Kraft der starken Marken“ als K√∂nigsweg zum Kunden gesehen. Ein Pfad mit zahlreichen Fallgruben: Irrtum 1: das ubiquit√§re Branding, das hei√üt die zwanghafte Neigung, jede beliebige Kundenbeziehung zu markieren.
    –¬†Franz Liebl, Die Marken-Seuche, brand eins 05/2001.

    Ethische Grunds√§tze sind √ľberall und bedingungslos vertreten, sie sind ubiquit√§r.

    Radioaktivität ist ubiquitär in jedem Medium vorhanden, die Intensität ist jedoch in Erdnähe unkritisch. In höheren Lagen hingegen nimmt sie kontinuierlich zu.

  • Konnotation

    Der Begriff Konnotation entstammt den lateinischen W√∂rtern con (mit) und notatio (Aufzeichnung) beziehungsweise¬†connatio (mit Beschreibung). Im deutschen Sprachgebrauch ist dieses Wort im Kontext der Linguistik anzutreffen und bezeichnet hier die Nebenbedeutung eines Wortes. Synonyme f√ľr Konnotation sind demnach „Nebenbedeutung“ oder „Nebensinn“.

    Das Wort beschreibt negative wie auch positive Assoziationen zu Dingen oder Sachverhalten. Somit kann jeder eine ganz unterschiedliche Konnotation zu etwas haben.

    Mit dem Wort „Arbeit“ verbinden viele Menschen eine negative Konnotation.

    Der Winter kann situationsabhängig ganz unterschiedliche Konnotationen haben.

    Deshalb ruft ein Markenlogo nicht √ľberall die gleichen Konnotationen hervor. Eine Ratte w√§re in Deutschland nicht unbedingt verkaufsf√∂rdernd, vielleicht bei einem Kammerj√§ger. In China dagegen stellt sie ein angesehenes Tierzeichen dar.
    –¬†Karin Finkenzeller (2010), Schuss ins Gehirn, brand eins 08/2010.

  • ambivalent

    Das Adjektiv ambivalent bedeutet „zwiesp√§ltig“ oder „doppeldeutig“.

    Man bezeichnet etwas als ambivalent, wenn mehrere Deutungsebenen nebeneinander existieren. Diese k√∂nnen dabei durchaus gegens√§tzlicher Natur sein, ohne ihre jeweilige G√ľltigkeit zu verlieren.

    Ebenfalls kann man das Adjektiv substantivieren und von der Ambivalenz einer Sache sprechen.

    Der Begriff entstammt dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus ambi- (von zwei Seiten, herum) und valens (stark, mächtig).

    „Jede Minute z√§hlt“ lautet der Untertitel des Buches, das Birgitt Kollmann mit feinem Gesp√ľr f√ľr die ambivalente Stimmung des Romans ins Deutsche √ľbersetzt hat. Der leuk√§miekranke elfj√§hrige Sam und der zwei Jahre √§ltere Felix, die sich im Krankenhaus angefreundet haben, sind fest entschlossen, jede Minute ihres kurzen Lebens auszukosten.
    – Hilde Elisabeth Menzel (2009), LUCHS des Jahres 2008, Die Zeit, 15.01.2009 Nr. 04.

    In Bezug auf den letzten Punkt dr√ľckte er sich √§u√üerst ambivalent aus, so als wisse er selber gar nicht ganz genau, wo die Reise hingehen sollte.

    Bei seinem Anblick wurde sie von ambivalenten Gef√ľhlen √ľberflutet. Einerseits hasste Sie ihn f√ľr das, was aus ihm geworden war, andererseits liebte sie ihn nach wie vor innig und aufrichtig.

  • kompensieren

    Das Verb kompensieren stammt vom lateinischen compensare ab, was soviel bedeutet wie „gegeneinander abw√§gen“ oder „ausgleichen“. Im deutschen Sprachgebrauch steht das Wort ebenfalls f√ľr die Synonyme „ausgleichen“ und „aufheben“, im √ľbertragenen Sinne ist es aber auch als „verg√ľten“ oder „verrechnen“ verwendbar.

    Kompensieren verwendet man beispielsweise, wenn es um finanzielle Prozesse geht in denen etwas¬†ausgeglichen oder durch eine Gegenwirkung aufgehoben wird. Bildungssprachlich kann der Begriff aber auch verwendet werden, um einen Ausgleichsprozess jeglicher Art zu beschreiben beziehungsweise als Synonym f√ľr ¬†„aufwiegen“, „ausbalancieren“, „wettmachen“, „entsch√§digen“, oder „wiedergutmachen“.

    Soziale Vernachl√§ssigungen lassen sich nicht einfach durch Geschenke kompensieren. So kann der Leistungsdruck seitens des Jobs einen sehr viel mehr Kosten als „nur“ viel Zeit.

    Geringe Kapitalausstattung und Qualifikation lie√üen sich kompensieren: durch kompromisslosen Einsatz und famili√§re Unterst√ľtzung.
    Harald Willenbrock (2011), Wo kommen all die t√ľrkischen Gem√ľseh√§ndler her?, brand eins 05/2011.

    Sie ist ergebnisorientiert und bereit, ihre Entscheidungen auch gegen Widerstand und Kritik durchzusetzen. Ihre mangelnde Erfahrung im Einkauf kann sie durch ihre Professionalität und gute Vorbereitung kompensieren.
    Philipp-André Plogmann, Wer ist der beste Bewerber? РWas Experten raten, Harvard Business Manager 09/2011.

  • Prokrastination

    Die Prokrastination stammt vom lateinischen procrastinatio (Vertagung) ab und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Von Prokrastination im soziologischen Sinne spricht man dann, wenn eine anstehende Tätigkeit Рmeist eine unangenehme aber notwendige Aufgabe Рauf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. In Abgrenzung zum legitimen und sinnvollen Vertagen meint Prokrastination im Speziellen ein kontraproduktives und unnötiges Aufschieben, es entstehen also durch das Prokrastinieren Nachteile.

    Ein beinahe schon typisches Studentenproblem ist die Prokrastination. Hausarbeiten werden regelmäßig in den letzten zwei Tagen geschrieben und kurz vor der Klausur wird der Stoff noch schnell bis zum Umfallen gepaukt, nur um danach gleich wieder vergessen zu werden.

    Es gibt im wesentlichen zwei Grundmuster der Prokrastination. Die einen prokrastinieren, weil ihnen der Druck der letzten Minuten und das Gef√ľhl, es doch noch geschafft zu haben, zus√§tzliche Befriedigung verschaffen. Die anderen prokrastinieren, weil sie unangenehmen Aufgaben auszuweichen versuchen oder Angst haben, zu versagen.

  • Metier

    Der Begriff Metier stammt vom¬†franz√∂sischen Wort¬†m√©tier¬†ab, was f√ľr ein Gesch√§ft oder Handwerk steht, welches jemand beherrscht oder betreibt. Im Deutschen bedeutet er schlie√ülich „Beruf“, „Handwerk“ oder „Gewerbe“.

    Das Metier einer Person ist somit ihr T√§tigkeiten- oder Berufsfeld, f√ľr das sie die n√∂tigen¬†Voraussetzungen¬†erf√ľllt, in dem sie also „zu Hause“ ist. Eine formale Ausbildung ist daf√ľr nicht unbedingt n√∂tig.¬†Auch Politiker beherrschen gegebenenfalls ihr Metier, wobei sie hierf√ľr vielleicht keine zielgerichtete Ausbildung genossen haben. Der Begriff wird oft f√ľr die Beschreibung von T√§tigkeitsfeldern im k√ľnstlerischen und akademischen Bereich verwendet.

    Man sieht, dass er in der Malerei sein Metier gefunden hat. Niemals zuvor ist er so kreativ gewesen.

    Der neue Stil der Brosch√ľre ist au√üergew√∂hnlich, jedoch ist das hier auch ein ganz anderes Metier als das der √ľblichen Ausgaben.

    Wenn man nun auch dem jungen Menschen an der lustigen und frohen Unterhaltung und an den √ľblichen Vergn√ľgungen, solange sie in den Schranken des Anstand es bleiben, teilzunehmen erlaubt, so wird er doch von seinen ernsthaften Hauptgesch√§ften noch immer Zeit genug √ľbrig behalten, irgendein¬†Metier¬†zu lernen.
    – John Locke (1920),¬†Gedanken √ľber Erziehung.