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Affekt

Das Substantiv Affekt steht für eine „heftige seelische Erregung“, die ausdrückende, motivierende und körperliche Erscheinungsformen umfasst. Im Plural wird der Begriff auch als Synonym für „Leidenschaft“ verwendet.

Besondere Beachtung erfährt er in der Psychologie und der Medizin, im Alltag begegnet er vor allem im juristischen Kontext.

Seinen Ursprung hat der Begriff im lateinischen Verb afficere, was „in eine Stimmung versetzen“ bedeutet.

Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass es sich um eine Tat aus dem Affekt heraus handelte.

Im Affekt errötete er und senkte beschämt den Kopf, als der Lehrer ihn beim Abschreiben erwischte.

akribisch

Das Adjektiv akribisch bedeutet „äußerst sorgfältig“ oder „mit hoher Genauigkeit“ und wird verwendet, um Tätigkeiten zu beschreiben.

Der Ursprung des Begriffs findet sich im grieschischen akríbeia (Sorgfalt).

Dem Verfassen meiner Doktorarbeit ist eine akribische Recherche vorausgegangen.

Die Buchhaltung hat die Zahlen akribisch überprüft.

Wir müssen die einzelnen Schritte akribisch dokumentieren.

notorisch

Das Adjektiv notorisch gehört zur Bildungssprache und hat eine Bedeutungsverschiebung erfahren. Wurde notorisch in früheren Zeiten wertneutral im Sinne von „allseits bekannt“ oder „offenkundig“ verwendet, so wird es heute meist abwertend gebraucht und stellt negative Eigenschaften heraus.

Das Adjektiv notorisch leitet sich über den Umweg des spätlateinischen notorius („anzeigend, kundtuend“) vom lateinischen notus („bekannt“) ab.

Du solltest nicht glauben, was er sagt. Er ist ein notorischer Lügner.

Ihre notorische Besserwisserei stört jede Unterhaltung.

Nimm lieber den Bus in die Stadt. Die Straßen sind notorisch verstopft.

validieren

Das schwache Verb validieren bedeutet, „den Wert von etwas feststellen“. Dies kann sowohl ein materieller als auch ein immaterieller Wert sein, wie Zuverlässigkeit oder Wichtigkeit. Das Wort ist in bestimmten Fachbereichen (Management, Informatik, u.a.) weit verbreitet, in der Alltags- oder Umgangssprache kommt es dagegen nur selten vor.

Das Verb ist aus dem gleichbedeutenden französischen Verb valider entstanden. Beiden liegt das lateinische Verb valere zugrunde, was soviel bedeutet wie „Wert sein, einen Wert haben“.

Wir möchten gerne unseren Webauftritt validieren. An wen können wir uns mit der Bitte um ein entsprechendes Angebot wenden?

Die Firma, in der mein Mann arbeitet, validiert verschiedene Methoden zum Nachweis giftiger Substanzen in Lebensmitteln.

mokieren

Das schwache Verb mokieren ist reflexiv und bedeutet, „sich über jemanden lustig machen, über jemanden spotten“ oder „sich über jemanden in abfälliger Weise äußern“. Mokieren gehört eher der gehobenen Sprache an und wird meistens im Schriftdeutschen verwendet, etwa in Zeitungsartikeln oder in den Nachrichten.

Das Verb kommt aus dem Französischen; dort hat das Verb se moquer dieselbe Bedeutung.

Mein Mann hat sich gestern wiederholt über mein Essen mokiert. Offenbar habe ich seinen Geschmack nicht getroffen.

In diesem Leserbrief mokiert sich der Schreiber über den neuen Stadtrat und die von ihm vorgestellten Konzepte zur Sanierung des Marktplatzes.

Chauvinismus

Das eingedeutschte Substantiv Chauvinismus meint im Deutschen vor allem die grundsätzliche Einstellung von Männern, die aufgrund eines übertriebenen Selbstwertgefühls Frauen als minderwertig einstufen und dies auch in Worten und Taten zeigen.

Das Wort ist französischen Ursprungs. Dort ist der Begriff chauvinisme nach einer literarischen Figur entstanden, die übertrieben patriotisch gezeichnet ist. Entsprechend wird er auch für einen übertriebenen Patriotismus oder Nationalismus verwendet.

Sein Chauvinismus ist wirklich peinlich. Wenn er wüsste, wie lächerlich er sich damit macht!

Bisher dachte ich, Chauvinismus gebe es nur bei Männern. Nun habe ich gelernt, dass man diesen Begriff heute auch in soziologischen Zusammenhängen benutzt, etwa, wenn die eigene Sprache oder die eigene soziale Zugehörigkeit als anderen überlegen empfunden und verteidigt wird.

abstrakt

Das Adjektiv abstrakt wird immer dann verwendet, wenn etwas nicht Gegenständliches bezeichnet werden soll. Es bedeutet „begrifflich, theoretisch“ oder „gedacht“. Von abstrakter Kunst spricht man etwa, wenn nicht der Gegenstand das Motiv der Darstellung ist, sondern sein gedanklicher Gehalt.

Das Wort stammt aus dem Lateinischen und ist aus dem Partizip von abstrahere abgeleitet. Das Verb wiederum ist in dem Fremdwort abstrahieren enthalten, was bedeutet, „die wesentlichen Züge von etwas Konkretem ableiten“.

Diesen Text verstehe ich nicht. Er ist mir zu abstrakt.

Die abstrakte Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts wird oft als gegenstandslose Kunst bezeichnet.

Die Demokratie darf nicht mehr nur abstrakte Losung sein. Sie muss zur politischen Kultur werden, die von den Parteien verinnerlicht wird – als Mechanismus des politischen Wettbewerbs ebenso wie als Instrument des Machtwechsels.
Fathi Ayadi (2012), Eine Revolution auf dem Weg des demokratischen Wandels, ZEIT online.

kondolieren

Das schwache Verb kondolieren bedeutet, jemandem Beileid oder Mitgefühl auszusprechen, speziell den Angehörigen eines Verstorbenen. Dabei beschreibt der Ausdruck die Tätigkeit an sich, d.h. man spricht davon, dass jemand kondoliert. Die Verwendung in Floskeln wie „ich kondoliere ganz herzlich“ ist dagegen nicht möglich.

Ursprung ist das lateinische condolere (Mitgefühl haben).

Seine Familie kondolierte mit Karte und Blumenstrauß.

Jeder, der Rang und Namen hat, eilt nun zum Jungfernstieg, um der Witwe und den Kindern, den Prinzessinnen Thyra und Dagmar und Prinz Gustav, zu kondolieren.
Susanne Wiborg (2012), Graf Kronberg geht spazieren, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

entopisch

Personen, Haltungen oder Sachverhalte können entopisch sein, d.h. sie sind ortsgebunden oder auch einheimisch.  Gerade Haltungen oder persönliche Einstellungen werden als entopisch bezeichnet, wenn sie als eingesessen bewertet werden können.

Der Begriff entstammt dem griechischen éntopos welches sich aus en (innerhalb) und tópos (Ort, Stelle) zusammensetzt.

Seine entopische Unternehmenskultur und der Widerstand diese dynamisch zu ändern bzw. auf die neuzeitlichen Entwicklungen einzugehen, brachte das Unternehmen an den Rande des Ruins.

Die Ausprägung des Konsumverhaltens ist oft ein entopisches Phänomen. So hat „Sparen“ in Baden Würtemberg einen ganz anderes Stellenwert als in Berlin.

lamentieren

Das schwache Verb lamentieren bedeutet „jammern“, „(weh)klagen“. Der Begriff stammt aus der Fachsprache der Musik, in der das italienische lamento (Gejammer) seit dem 17. Jahrhundert den Klagegesang in der Oper beschreibt. Bald darauf wurde lamentieren in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen, hat jedoch immer noch einen besonders dramatischen Beiklang.

Dieser Tage wird quer durch die Medien über den „unsäglichen Bubble Tea“ lamentiert. Dass das taiwanesische Getränk nicht ungesünder als Coca Cola oder viele der neuen „Kaffeespezialitäten“ (White Double-Choc Mocca Frappucino etc.) ist, wird dabei gerne aus den Augen verloren.

Sie lamentiert viel und gerne, doch wenn es um konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsabläufe geht, stellt sie sich hinten an.

Die Deutschen lamentieren gern. Über das Wetter, die Bundesregierung, das Steuersystem. Vor allem aber lamentieren sie gerne über das ewige eigene Lamentieren.
Sandra Zistl (2011), Filmkritik „Resturlaub“: Vom Provinz-Proleten zum Latin Lover, FOCUS Online.