• in­di­zie­ren

    Das Verb indizieren entstammt dem lateinischen Begriff indicare (anzeigen) und wird heute verwendet, um auszudrücken, dass ein Sachverhalt oder ein Gegenstand etwas erkennen lässt bzw. auf etwas hinweist. Naheliegend ist die Brücke zu dem Wort „Indiz“, welches etwas bestimmtes indiziert, also erkennen lässt.

    Im Kontext der Medizin wird von indizieren gesprochen, wenn Merkmale einer Krankheit auf eine Heilmethode hinweisen um die Krankheit zu bekämpfen.

    Eine weitere aktuelle Bedeutung von indizieren ist der Vorgang, jugendgefährdende Medien dem Index der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ zuzuordnen, die dann im Sinne des Jugendschutzes den Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden sollen.

    Der diskontinuierliche Sommer, wenn man überhaupt von einem Sommer sprechen kann,  indiziert eindeutig, dass sich unser Klima verändert.

    Und natürlich gibt es in der Provinz immer Sozialpädagogen oder Feministinnen, die das oder irgendwas furchtbar finden und verbieten lassen wollen, weil alles egal ist, solange nur alles ruhig ist. Die Verdrängungsmaschine läuft auch bereits: Zurzeit bearbeitet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften drei Anträge auf Indizierung mehrerer CDs von Aggro Berlin.
    – Peter Lau (2004), Der Stolz der Verlierer, brand eins 06/2004.

  • ero­die­ren

    Das Verb erodieren bedeutet „abtragen (von Boden)“, etwa durch fließendes Wasser oder Wind. Im übertragenen Sinne kann erodieren auch bedeuten, dass etwas generell geschmälert wird oder ein Trend im Begriff ist, abzuklingen.

    Seinen Ursprung findet erodieren im lateinischen Wort erodere (weg- oder ausnagen).

    Der Massenmarkt erodiert in vielen Branchen, denn die großen Firmen tun sich schwer, einen flexiblen, individuellen Markt zu bedienen. So können insbesondere im Modebereich kleine Marken bei den Individualisten punkten.

    Diese Verfügbarkeit hat das Geschäft mit Musik nachhaltig erodieren lassen. Die digitale Revolution hat die Branche kalt erwischt, und sie hat viel zu spät geantwortet. Mit Apples iTunes musste erst ein Branchenfremder kommen, um den in Schockstarre verharrenden Musik-Majors zu zeigen, wie eine digitale Verkaufsplattform aussehen kann.
     Christoph Twickel (2009), Ex und Pop, brand eins 06/2009.

  • Ka­no­ni­sa­ti­ons­kon­gre­ga­ti­on

    Das wichtige Wort Kanonisationskongregation bezeichnet die katholische Institution, die mit der Prüfung der Anträge auf Selig- und Heiligsprechung (auch: Kanonisation, Kanonisierung) von Personen betraut ist. Wird eine Person von der Kanonisationskongregation für ausreichend bedeutend befunden (also wenn sie etwa ein Märtyrer ist oder sich an ihr ein Wunder zugetragen hat), wird der Antrag im Anschluss vom Advocatus Diaboli angefochten, der gegen eine Selig- oder Heiligsprechung argumentieren soll. Ihm gegenüber argumentiert der Advocatus Dei für eine Selig- bzw. Heiligsprechung.

    Schließlich wird eine Seligsprechung vom Präfekten der Kanonisationskongregation selbst durchgeführt und eine Heiligsprechung vom amtierenden Papst. Am wichtigsten ist dabei der Eintrag ins Martyrologium.

    Die Ordensgemeinschaft reichte den Antrag bei der Kanonisationskongregation ein und hatte große Hoffnung, dass ihr kürzlich verstorbenes Mitglied heilig gesprochen werden würde.

  • ad acta

    Die Redewendung ad acta bedeutet sinngemäß, dass etwas abgelegt (zu den Akten gelegt) wird. Diese Redewendung wird immer dann verwendet, wenn etwa eine besonders lästige Angelegenheit als erledigt betrachtet werden kann.

    Die Redewendung setzt sich aus den lateinischen Wörter ad (zu, nach) und acta (Handlung, Protokoll, Akte) zusammen.

    Beide Nachbarn hatten im Laufe der Zeit immer wieder durch massive Angriffe mit toxischen Flüssigkeiten auf die Flora im Garten des jeweilig anderen ihren Nachbarschaftsstreit untermauert. Als jedoch bekannt wurde, dass eine Autobahn 200m weiter südlich ihrer Grundstücke geplant ist legten sie ihren Kleinkrieg ad acta und kämpften nun gemeinsam gegen das Autobahnprojekt.

    „Aber dann habe ich gemerkt, dass ich nicht weit komme, wenn ich das neben dem Studium als Hobbyprojekt betreibe“, erinnert sich Pohl, „mit Leuten, die nur so lange mitmachen, wie es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Frustriert legte er das Vorhaben ad acta. Und er fasste einen Entschluss: „Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann richtig.“
    Andreas Molitor (2011), Vergesst Sezuan – schaut nach Horb!, brand eins 03/2011.

  • Zeche

    Der geläufige Begriff Zeche wird häufig in der Gastronomie umgangssprachlich als Bezeichnung für die Rechnung für konsumierte Speisen und Getränke verwendet. Eher unbekannt ist hingegen die Bezeichnung aus dem Kontext des Bergbaus einer Grube oder Mine als Zeche. Im Ruhrgebiet (Steinkohlebergwerke) ist die Zeche auch heute noch ein gängiges Synonym für ein Bergwerk.

    Die nähere Herkunft des Wortes ist unbekannt, jedoch tauchte der Begriff zuerst im Umfeld des Bergbaus auf.

    Ein mittlerweile nicht unüblicher Volkssport in Berlin ist es, in einem Restaurant zu essen, um dann in einen unbeobachteten Moment zu türmen und die Zeche zu prellen.

    Die ganze Nacht hat es gegossen, und kurz vor elf, am Sammelpunkt der Kundgebung gegen die Stilllegung der Zeche Tower, schüttet es immer noch. Als ob alle Schleusen im Himmel geöffnet worden wären, um das hoffnungslose Land zu ersäufen und den Förderturm der letzten Zeche in Süd-Wales für immer im Morast versinken zu lassen.
    –  Andreas Molitor (2009), Tyrones Traum, brand eins 02/2009. 

  • komplementär

    Das Adjektiv komplementär entstammt dem lateinischen complementum (Erfüllung, Ergänzung). Im heutigen, deutschen Sprachgebrauch wird es verwendet, um eine ergänzende Eigenschaft zu beschreiben.

    Violett und Orange sind Farben, die in einem Gesamtbild ein harmonisches und komplementäres Schema ergeben.

    Für einen lokalen Wirtschaftskreislauf, etwa von Lebensmitteln, genügt regionales Geld, dafür braucht man keine international handelbare Währung. Komplementärwährungen verbinden ungenutzte Ressourcen mit unbefriedigten Bedürfnissen. Sie können Leistungen, die zu gering oder zu ineffizient sind, als dass sie auf dem globalen Markt mit einer nationalen Währung konkurrieren könnten, aus der Schattenwirtschaft holen und diese an den ökonomischen Kreislauf anschließen.
    – Elisabeth C. Gründler (2009), Erhöhte Unfallgefahr, brand eins 01/2009.

  • Phrase

    In erster Linie ist eine Phrase eine im abwertenden Sinne als nichtssagend oder abgegriffen bezeichnete Aussage bzw. Redensart. Nicht mehr sehr geläufig ist die allgemeine Betitelung von Formulierungen als Phrase, da diese dann als überwiegend abwertend verstanden wird.
    Im Kontext der Sprachwissenschaften kann mit einer Phrase auch ein bestimmter Satzteil gemeint sein, der aus mehreren offensichtlich zusammengehörenden Wörtern besteht.
    Analog zur Verwendung in der Sprachwissenschaft, ist eine Phrase in den Künsten der Musik eine zusammengehörige, melodische, rythmische Einheit, die in einer größeren musikalischen Struktur auftritt.

    Phrase“ entstammt dem lateinischen Wort phrasis übertragend zu „aussprechen“, „anzeigen“ oder „sagen“ übersetzt werden kann.

    Irritierend nur, dass im „Traumhotel Brasilien“ ständig unmotiviert Schönheiten im Tanga durchs Bild laufen, womöglich weil der österreichische Regisseur Otto Retzer seine Karriere einst mit Sexfilmchen begann. Die hölzernen Dialoge, die auch von denjenigen Schauspielern, die es eigentlich besser könnten, teilnahmslos aufgesagt werden, kann man als Zuschauer leicht mitsprechen, denn es wird Phrase an Phrase gereiht und kein Klischee ausgelassen.
    – Jens Bergmann, Alles wird gut, brand eins 06/2012.

  • prädestiniert

    Ist eine Person oder eine Sache für etwas prädestiniert, so ist sie durch ihre Eigenschaften oder Fähigkeiten dafür besonders geeignet. Die Ausübung der entsprechenden Funktion scheint ihr fast schon vorbestimmt zu sein.

    Die heutige Bedeutung leitet sich direkt aus der Verbindung der lateinischen Vorsilbe prae- (vorher) und dem Verb destinare (bestimmen) ab.

    Sie ist durch ihre Wordgewandtheit, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden geradezu für eine juristische Tätigkeit prädestiniert.

    Ansonsten aber begeistert der Bildschirm. Zum einen, weil er kräftige, manchmal fast zu kräftige Farben und Kontraste darstellt. Zum anderen, weil er sehr blickwinkelstabil ist, auch stark seitlich betrachtet noch korrekte Farben anzeigt. Als Video-Player und Bildbetrachter ist das neue Galaxy damit prädestiniert.
    Matthias Kremp (2012), Außen Plastik, innen charmant, Spiegel Online 29.05.2012.

  • Ag­glo­me­ra­ti­on

    Das Substantiv Agglomeration beschreibt eine Anhäufung bzw. Zusammenballung, im Schweizer-Deutsch ist es des Weiteren das Synonym für ein Ballungsgebiet (kurz Agglo). Die Verwendung für Ballungsgebiete oder Kernstädte ist neben der schweizerischen Interpretation auch in Deutschland üblich.

    Seinen Ursprung findet das Wort in dem lateinischen Begriff agglomerare, was als „fest anschließen“ übersetzt werden kann.

    Viele Städte in nächster Nähe zu Kohleabbaugebieten und der daran angeknüpften Industrie sind rein funktional errichtet und stellen meist eine Agglomeration hässlicher Betonbauten dar.

    Trotz aller positiven Entwicklungen bleiben Widersprüche und gravierende strukturelle Unterschiede bestehen, nicht nur weltweit zwischen den dynamischen Regionen und den immer noch armen Entwicklungsländern. Auch in Europa ist die Kluft zwischen den weitgehend entsiedelten Landschaften im Osten und im Süden und den Boom-Regionen entlang der Küsten, um die großen Agglomerationen und im europäischen Kernland von London über Amsterdam und die Rhein-Schiene bis nach Mailand unübersehbar.
    Andreas Neef et al. (2003), Basis – Deutschland und Europa 2020, brand eins 10/2003.

  • transpirieren

    Das schwache Verb transpirieren bedeutet „schwitzen“, also das Abgeben von Flüssigkeit durch die Poren der Haut. Entsprechend ist die Transpiration „der Schweiß“.  Analog zum menschlichen Schwitzen kann mit dem Begriff auch das Verdunsten von Wasser aus Pflanzen beschrieben werden. Mit den Stomata, kleinen Öffnungen auf der Oberfläche von Blättern und anderen Pflanzenteilen, aus denen das Wasser austritt, besteht auch eine entsprechende Analogie zu menschlichen Hautporen.

    Herkunft des Begriffs transpirieren ist die Verbindung der lateinischen Vorsilbe trans- (durch-) mit dem Verb spirare (hauchen, atmen).

    Sie transpirierte so stark, dass sich auf ihrer Bluse große dunkle Flecken unter den Achseln abzeichneten.

    Sein stets unangenehm feuchter Händedruck war Resultat einer übermäßigen Neigung zur Transpiration. Glücklicherweise konnte sein Dermatologe das Problem beseitigen, wenn auch eine schmerzhafte Spritze dazu nötig war.

    „Selbst im tiefsten Winter kann ich mich nicht dünn genug anziehen ohne dennoch schlimmer zu transpirieren als ein vollbehaarter sizilianischer Straßenbauarbeiter.“
    Achim Achilles (2009), Alles im Fluss, veröffentlicht auf Spiegel Online am 20.02.2009.

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